Parlor

Stanford Golden Era P10SM im Test

Akustische Stanford Gitarren sind schon seit Jahren beliebt, da sie zu attraktiven Preisen erstaunliche Qualität bieten. Jetzt werden die ersten im eigenen Stanford Custom Shop gefertigten Instrumente vorgestellt.

(Bild: Dieter Stork)

i-music Firmeninhaber Toni Götz bereist seit über zwanzig Jahren China, kennt über 300 große und kleine Betriebe. Nun hat er sich entschieden, mit einer kleinen Mannschaft von Gitarrenbauern einen eigenen Custom Shop aufzubauen, die Stanford Ltd. Es werden nur wenige Instrumente gefertigt, und man konzentriert sich zunächst einmal auf kleine Korpusformen wie Grand Auditorium und die hier zum Test vorliegende Parlor.

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History

Parlor ist ein weitgedehnter Begriff. Er beschreibt kleine Korpusformen, wie sie Anfang des 19. Jahrhunderts üblich waren und der Legende nach vor allem von jungen Damen gespielt wurden, oft im Salon, was „Parlor“ bedeutet. Das ist natürlich Quatsch. Aber Parlor Gitarren sind sehr beliebt bei Gitarristen, weil sie trotz des kleinen Korpus einen unglaublich ausgewogenen, vollen und klaren Sound produzieren (können). Ein typisches Parlor-Modell ist die Martin 0-18, die in einigen Grundzügen auch der Stanford Pate gestanden hat.

Fakten

Die wichtigsten Parlor-Features: kleiner Korpus, kurze Mensur, eine durchbrochene Kopfplatte, der Korpus setzt am 12. Bund an, eingeleimter Hals, scalloped X-Bracing. Für die Stanford P10 SM wurden exzellente Hölzer verwendet: eine massive Sitka-Fichtendecke, Korpus aus massivem, afrikanischem Khaya-Mahagoni. Der mit Dove-Tail eingesetzte Hals ist aus Mahagoni mit aufgeleimtem Palisandergriffbrett gefertigt. Hinter dem Sattel ist die typische pyramidenförmige Halsverstärkung eingearbeitet. Natürlich ist der Hals heutzutage mit einem justierbaren Stahlstab verstärkt. Und der Sattel und die kompensierte Stegeinlage sind hier aus Knochen gefertigt und nicht aus Kunststoff, wie sonst oft in dieser Preisklasse üblich. Der Korpus ist hochglänzend, der Hals matt lackiert. Optisch ist das Instrument perfekt gelungen, ein einziger Unterschied zu den klassischen Vorbildern ist der etwas größer als sonst übliche Palisandersteg (auch mit „Pyramiden“), der sein Vorbild eher bei einer 1930er 000-Martin hat.

Klang

Jeder, der eine gut gemachte Parlor-Gitarre in die Hand nimmt, wird überrascht sein, über die Ausgewogenheit und die Klangfülle, die das Instrument bietet. Das ist bei der Stanford genauso. Vor allem die Ausgewogenheit der einzelnen Saiten untereinander und das präzise Klangbild machen einfach Spaß. Egal ob Picking oder Strumming, und besonders wenn man zu Hause in einem gut klingenden Raum sitzt, oder wenn man akustische Gitarren-Parts aufnehmen möchte.

(Bild: Dieter Stork)

Eine Dreadnought hat oft zu wuchtige Bässe, eine Jumbo muss man laut spielen, damit die Masse in Schwingung kommt: Hier kann man unglaublich dynamisch spielen und erhält tolle Ergebnisse. Ich habe das Testmodell mehreren erfahrenen Gitarristen gezeigt, und alle waren, wie ich, extrem überrascht, welche Fertigungs- und Klangqualität hier geboten wird. Stanford bietet in dieser Serie eine PM10 in Sunburst-Lackierung an (€ 879) sowie das Modell P20SR mit einem massiven Palisanderkorpus (€ 1135, in sunburst € 1165).

Resümee

Gratulation. Die Stanford PM 10 ist optisch eine wunderschöne, schlichte aber elegante Gitarre, deren Wert man aber noch höher bewerten wird, wenn man sie anspielt. Ein wunderbarer, ausgewogenere und satter, voller Ton, mit hervorragender Intonation und sehr guter Bespielbarkeit.

Plus

  • Style & Optik
  • Verarbeitung
  • Sound
  • Bespielbarkeit
  • Intonation

Minus

  • leider erst mal nur geringe Stückzahlen

Aus Gitarre & Bass 01/2017

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