Crunch oder Hi-Gain?

Rodenberg BL800 & BLDeluxe im Test: Silber oder Gold?

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(Bild: Dieter Stork)

IM EINSATZ

Im Test wurden die Pedale über einen clean eingestellten Fender Pro Reverb gespielt – also ziemlich exakt so angewendet, wie es der Hersteller vorschlägt. Das Ergebnis war beeindruckend. Die Dynamik und das Spielgefühl sind sehr Amp-artig, die Sounds beeindruckend. Ein direkter Vergleich zwischen dem BL800 und einem Marshall JCM 800 Studio Combo ergab zwar Unterschiede, aber die rühren vor allem daher, dass im Marshall ein 10“-Speaker sitzt und im Fender ein 12-Zöller. Von daher: Der 800er-Ton ist sehr gut getroffen.

Mit dem Boost-Schalter lässt sich die Gain-Menge dezent erhöhen und der Ton etwas andicken, ein großer Sprung ist jedoch vom Entwickler nicht beabsichtigt, das Pedal behält stets seinen rohen und rauen Grundcharakter. Mit dem effektiven EQ lässt sich der Sound sehr gut anpassen, sodass auch, als Beispiel, eine Esche-Tele gezähmt werden kann und es nicht zu schneidig klingt. Äußerst hilfreich greift der Mittenregler in den Ton ein, hier lassen sich sowohl ausgehöhlte Rhythmus- als auch satte Leadsounds erzeugen – das aber natürlich im Rahmen des eher moderaten 800erKonzepts.

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Wer es üppiger mag, ist beim Deluxe wahrscheinlich besser aufgehoben. Der hat dafür nicht die direkte Geradlinigkeit des 800ers. Die beiden Pedale unterscheiden sich im Charakter also schon deutlich. Dem einen oder anderen dürfte beim 800er eine Presence-Regelung abgehen, Uli Rodenberg stellte nach eigenen Angaben jedoch fest, dass sich dieser Bereich gut über das Treble-Poti kontrollieren lässt und verzichtete daher auf eine entsprechende Option.

Das kommt der Übersicht zu Gute, mit fünf Potis weiß man eigentlich immer, wo man dran ist, die beiden Minischalter dienen eher der Grund-Abstimmung und werden in der Live-Anwendung wohl eher selten bedient. Für Menschen mit nicht den allerbesten Augen gibt es eine kleine Einschränkung: So schön und authentisch die Poti-Knöpfe auch sind – in Sachen Ablesbarkeit aus zwei Metern Höhe gibt es übersichtlichere Versionen.

CRUNCH ODER HI-GAIN?

Zurück zum Sound des BL800: Neben dem grundsätzlichen Charakter gefällt besonders, dass die Abstimmung sehr praxisnah gewählt wurde und man die Regelwege mehr oder minder komplett ausnutzen kann, ohne dass es extrem wird oder sich der Gain-Pegel nicht mehr groß verändert. Das hört sich jetzt nicht unbedingt nach einem besonderen Feature an, aber es gibt konzeptionell verwandte Pedale auf dem Markt, die dies eben nicht bieten. Vor allem in Sachen Drive lässt sich das Pedal sehr feinfühlig anpassen.

Das Spektrum reicht dabei vom leichten Kratzen bis hin zur mittelheftigen Verzerrung – und das stets sehr nah am Vorbild. Mit dem Volume-Poti der Gitarre lässt sich die Zerrintensität sehr gut kontrollieren, das Pedal klart dabei sehr angenehm auf. Fazit: Viele Gitarristinnen und Gitarristen, die auf den 800er-Crunch stehen, aber auch andere Sounds aus ihrem Amp holen wollen, finden mit dem BL800 ein perfektes Tool für ihre Bedürfnisse.

Das BLDeluxe geht in Sachen Zerrmenge einen deutlichen Schritt weiter, es liefert dazu einen fetteren, runderen Ton mit mehr Saft, der Gain-Switch wirkt sich hier auch stärker auf den Sound aus. Das kann man moderner oder zeitgemäßer nennen, jedenfalls bedient dieses Pedal eine andere Klang-Klientel, die eher saturierter zur Sache geht und die entsprechende Menge Drive gerne aus dem Amp bzw. einem entsprechenden Pedal holt. Das Resultat sind deftige Riff- und Solosounds, die etwa Heavy-Rockern sehr viel Spaß bereiten dürften. Also: Silber oder Gold? Oder vielleicht sogar beide? Immer diese Luxusfragen …

RESÜMEE

Chapeau, Uli Rodenberg. Beide Pedale überzeugen auf ganzer Linie – sie liefern authentische, dynamische Drive-Sounds, sind einfach und übersichtlich zu bedienen und lassen sich dank ihres Konzepts in die verschiedensten Setups integrieren. Dazu kommen eine sehr angenehme Haptik und ein vergleichsweise moderater Preis. Ob man sich für das straffer gehaltene 800er-Pedal oder das saftigere Deluxe mit seinen deutlich höheren Gain-Reserven entscheidet, ist reine Geschmackssache. Bei diesen beiden sollte es übrigens nicht bleiben: Zum Guitar Summit hat Uli Rodenberg das dritte Pedal dieser neuen Serie vorgestellt. Wohin da wohl die Reise geht? Über den großen Teich. Mehr sei an dieser Stelle noch nicht verraten.

PLUS

  • authentische Brit-Sounds
  • Spielgefühl sehr Amp-artig
  • Praxistauglichkeit
  • aktiver EQ
  • Preis-Leistungs-Verhältnis


(erschienen in Gitarre & Bass 10/2023)

Produkt: Gitarre & Bass 7/2023
Gitarre & Bass 7/2023
IM TEST: Magneto Guitars Eric Gales Signature RD3 +++ Lenz Hot Chili Tube-Head +++ Marshall Guv’nor, Drivemaster, Bluesbreaker, Shredmaster Reissue Pedals +++ Glockenklang Blue Bird Bass-Amp +++ Fender Gold Foil Jazz Bass +++ Walrus Audio Fundamental Reverb und Delay +++ Blackstar Debut 50R Gitarren-Combo +++ Epiphone Adam Jones Les Paul Custom Art Collection +++ Boss Waza-Air Bass Headphones

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