Extended Range Guitars

Review: BRJ Hesperian 7

BRJ Hesperian 7
FOTO: Simon Hawemann

Ich habe in dieser Kolumne schon viel über Custom Shops im Extended-Range-Segment gesprochen und dabei einige Horror-Stories erwähnt. Um ein besonders prominentes Beispiel eines solchen Worst-Case-Scenarios soll es heute gehen: Den legendären 2010er Black Friday Run von Bernie Rico Jr. Guitars. Für diese Kolumne konnte ich eine der wenigen fertiggestellten und ausgelieferten BRJ-Hesperian-7-Saiter testen. So viel vorab: Es ist wirklich ein Jammer, dass diese Gitarren nicht mehr gebaut werden!

ein schwarzer tag

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Wir schreiben das Jahr 2010: Der Extended-Range-Boom fühlt sich noch recht frisch an und die auf diese Nische spezialisierte Custom-Shop-Landschaft ist noch einigermaßen übersichtlich. Ganz oben auf der Hype-Welle schwimmt dabei zu diesem Zeitpunkt Bernie Rico Jr. aus Kalifornien. Sollte euch der Name irgendwie bekannt vorkommen, liegt das eventuell auch daran, dass dessen Vater – Bernie Rico Sr. – der Gründer von B.C. Rich Guitars war. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der Custom Shop von BRJ einen ausgezeichneten Ruf, aber zum Black Friday bot Bernie einen besonders speziellen Deal an, der alles ändern sollte.

Zunächst sollte es sich um eine limitierte Stückzahl von bereits vorgefertigten „Blanks“, also Gitarren-Rohlingen handeln. Sprich: In ihrer Rohform existierten bereits eine gewisse Anzahl an Gitarren von denen man ein Exemplar reservieren konnte, um dann Finish, Hardware, Tonabnehmer und ein paar weitere Details auszuwählen. Als zusätzlichen Anreiz bot Bernie Rico Jr. diese Instrumente zu einem deutlich günstigeren Preis als üblich an. Die Welle von Anfragen war dann allerdings so gigantisch, dass Bernie sich dazu entschloss, deutlich mehr Bestellungen anzunehmen. Darunter auch zahllose Custom-Bestellungen, die mit den limitierten Spezifikationen und vorgefertigten Blanks des Runs nur noch wenig bis gar nichts zu tun hatten. Und das, um es mal vorweg zu nehmen, war der Anfang vom Ende.

BRJ Hesperian 7
FOTO: Simon Hawemann

In den nächsten Monaten wurde es still um Bernie Rico Jr., ganz im Gegensatz zu den einschlägigen Gitarren-Foren, in denen es parallel brodelte. Denn viele der Kunden bekamen immer seltener Feedback oder Updates vom Gitarrenbauer, sofern sie überhaupt eine Rückmeldung bekamen. Zu diesem Zeitpunkt war ich sehr in den Sevenstring.org-Foren aktiv, wo es bis heute einen knapp 300 Seiten starken Thread zum Thema Bernie Rico Jr. gibt. Wenn ihr mal viel Zeit habt und einen Blick in den Abgrund werfen wollt, der sich um BRJ herum auftat… dort werdet ihr fündig! Und genau in diesem Thread tummelten sich damals ungemein viele Kunden des Black Friday Runs. Auch ich war interessiert an den besagten Instrumenten und wollte damals unbedingt eine Gitarre bestellen, hatte aber einfach nicht das nötige Geld. Zum Glück, wie sich herausstellen sollte…

Denn es kam wie es kommen musste. 2012 stellte der Custom Shop quasi seine Aktivitäten ein und blieb sehr vielen Leuten nicht nur Custom-Gitarren schuldig, sondern auch Unmengen an Geld. Ein Bekannter von mir bestellte damals Instrumente im Wert von $20.000 von BRJ und bekam weder Gitarren ausgeliefert, noch einen einzigen Cent erstattet. Einige hatten etwas mehr Glück und bekamen zumindest Instrumente mit – nennen wir es mal – qualitativen Schwankungen. Und einige Wenige erhielten zu ihrem eigenen Erstaunen tadellose Gitarren, nachdem sie schon alle Hoffnung aufgegeben hatten. Mein Kumpel Eddie (der früher übrigens bei den genialen Cattlepress gespielt hat – Anspieltipp!) erhielt seine BRJ-Hesperian-7-String und versicherte mir, sie niemals zu verkaufen. Das heißt aber nicht, dass er sie mir nicht für ein Review ausleihen würde!

BRJ Hesperian 7
FOTO: Simon Hawemann

rasiermesserscharf

Die BRJ-Hesperian-7-String sieht schon auf den ersten Blick überzeugend aus. Die schnittige Superstrat-Form mit der gewölbten Decke macht einfach eine Menge her. Alle Kanten, Kurven und Proportionen sind auf den Punkt designed – besonders der schlanke Korpus ist ein Volltreffer! Die geflammte Ahorndecke auf dem gewölbten Mahagoni Body ist tief rot gebeizt. Eigentlich stehe ich persönlich nicht so sehr auf transparent rote Finishes, aber die Hesperian sieht wirklich umwerfend aus. Das reduzierte Layout, bestehend aus einem Bridge Pickup, Volume-Poti und einer Hipshot-Brücke, ist auch absolut nach meinem Geschmack.

Als ich das gute Stück endlich in die Hände bekomme, bin ich sehr überrascht, wie leicht die Hesperian ist. Bei einem Korpus und Hals aus Mahagoni hatte ich mehr Gewicht erwartet. Auch die geflammte Ahorndecke und das Ebenholzgriffbrett sind keine Hölzer, die ich in dieser Konstellation mit einer leichtgewichtigen Gitarre verbinden würde. Die schnittigen Hörner sorgen für die entsprechende Balance am Gurt und die BRJ ist rundum rückenfreundlich.

Das Einzige, was mich vielleicht noch mehr umhaut, ist das wirklich absolut perfekte Halsprofil. So stell ich mir den Hals einer siebensaitigen Metal-Gitarre vor: super schlank, aber ohne die typischen „Schultern“ des in der Nische so oft verbauten D-Profils. Bei der BRJ handelt es sich eher um ein extrem schlankes C-Profil, mit einem ultra smoothen Öl-Finish auf der Hals-Rückseite. Das alles erinnert mich an den Hals meiner Hapas Sludge 727, aber auch die Profile von KxK Guitars, die in ihrer Ästhetik Bernie Rico Jr. einigermaßen nahestehen, aber ohne Skandale ausgekommen sind.

BRJ Hesperian 7
FOTO: Simon Hawemann

Neben dem Flitzefinger-Hals ist auch die Saitenlage der Hesperian super flach eingestellt. Die Edelstahl-Jumbo-Bünde sorgen darüber hinaus für ein reibungsloses Spiel. Ich will es kaum sagen, aber ja… dieses Instrument verdient das Prädikat „Spielt sich wie von selbst“ in jeglicher Hinsicht. Die präzise Verarbeitung aller Komponenten, das geringe Gewicht, das reduzierte Layout – die Hesperian ist ein Player in Reinkultur. Kein Schnick-Schnack, keine aufgeblasene Exotik, einfach nur eine Metal-Maschine mit einem Hauch von Eleganz.

Was mich hingegen nicht so überzeugt, ist der Sound des Bare Knuckle Warpig Humbuckers an der Brücke. Der Pickup klingt definitiv etwas dunkler als ich erwartet hätte. Das mag jetzt Meckern auf hohem Niveau sein, aber im Low End könnte das gute Stück gerne etwas aufgeräumter und tighter daherkommen. Glücklicherweise handelt es sich bei der Hesperian-7-String um eine Gitarre mit einer Bariton-Mensur von 26.75 Zoll, dadurch ist zumindest der Saitenzug straff genug. Überzeugt euch gerne vom Sound der Gitarre, ich habe wie immer Soundfiles aufgenommen.

die gerüchteküche

Doch bei all der Lobhudelei sollte man nicht ganz aus den Augen verlieren, dass Bernie Rico Jr. Unmengen von Leuten viel Geld (oder wahlweise Gitarren) schuldig geblieben und dann einfach von der Bildfläche verschwunden ist. Und ganz koscher sind selbst die ausgelieferten Gitarren anscheinend nicht. Nachdem einige Kunden frühzeitig den BRJ Custom Shop in Kalifornien besucht hatten, stellten sie fest, dass es in diesem keinerlei Anzeichen für Holzarbeiten gab. Außer bereits fertiggestellten Body-Rohlingen lag in Bernies Shop nicht ein unfertiger Korpus oder dergleichen. Auf Nachfrage hieß es, dass sein „Wood Shop“ anderswo sei, was bei der aufkommenden Unzuverlässigkeit für Skepsis sorgte.

BRJ Hesperian 7
FOTO: Simon Hawemann

Früher oder später gab es anscheinend recht gut belegbare Gerüchte, dass die Body-Rohlinge gar nicht von Bernie selbst oder seinem vermeintlichen Team, sondern irgendwo in Mexiko gebaut worden seien. Das wäre an sich alles kein Problem, wenn BRJ nicht ein ausgesprochener US Custom Shop gewesen wäre, der sich „100% handbuilt“ auf die Fahnen geschrieben hatte. Ich denke mit der nötigen Transparenz und entsprechender Qualität wäre das kein Aufreger gewesen, denn offensichtlich ist wer auch immer diese Body-Rohlinge gebaut hat dazu in der Lage, sehr gute Arbeit abzuliefern. Die Hesperian auf meinem Schoß ist ein guter Beweis dafür.

Nachdem sich die Situation immer weiter aufschaukelte, verschwand Bernie Rico Jr. dann im Laufe des Jahres 2012 also wie bereits erwähnt unverrichteter Dinge von der Bildfläche und ließ dabei viele enttäuschte Kunden zurück. Am Schlimmsten ist im Nachhinein vielleicht sogar, dass über die Jahre BRJ-Rohlinge auf eBay aufgetaucht sind – an irgendwen sind diese also auch noch verkauft worden, statt sie wenigstens den verprellten Kunden zu überlassen. Übel!

Für viele Extended-Range-Gitarristen in den einschlägigen Foren war das damals ein Weckruf, sich in Zukunft von Custom Shops fernzuhalten, die augenscheinlich das Unmögliche für verhältnismäßig wenig Geld anbieten. Natürlich gab es auch danach vergleichbare Fälle – die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt und so gibt es alle Jahre wieder einen Eklat, wenn auch selten von ähnlicher Tragweite wie im Falle von Bernie Rico Jr. und seinem Black Friday Run.

BRJ Hesperian 7
FOTO: Simon Hawemann

fazit

Ich predige das ja an dieser Stelle nicht zum ersten Mal, aber tut euch den Gefallen nur bei renommierten Custom Shops mit tadelloser Reputation oder ggf. lokalen Gitarrenbauern eure Custom-Klampfen zu bestellen. Das Debakel um BRJ ist wirklich nur für sehr wenige Leute glimpflich ausgegangen – und selbst diejenigen die ihre Instrumente tatsächlich bekommen haben, hatten längst nicht alle so viel Glück wie mein Kumpel Eddie mit seiner Hesperian 7- String. Das er sie überhaupt bekommen hat, grenzt an ein Wunder.

Aber auch, dass sein Exemplar tadellos ausgefallen ist, war wohl reine Glückssache. Seine BRJ erfüllt genau das, was ich mir von einer Metal Gitarre wünsche: Aufs Wesentliche reduziert, besticht diese 7-String mit einem ultra-flachen Hals, müheloser Bespielbarkeit, einer tollen Verarbeitung und einem scharfen Look! Der Pickup ist nicht ganz meine Baustelle, aber dieser wurde auf Kundenwunsch installiert.

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(erschienen in Gitarre & Bass 07/2018)

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