Heiliges Blechle!

Resonator-Gitarren: Geschichte, Technik und Modelle

(Bild: Nabinger)

An Resonator-Instrumenten besteht momentan wahrlich kein Mangel. Neue Modelle strömen kontinuierlich auf den Markt. „Na ja, wieder so eine typische Modeerscheinung“, mag der flüchtige Betrachter denken. Nicht ganz!

Denn die ersten Resonator-Instrumente entstanden schon vor 90 Jahren, und ihr Design ist auch heute noch der Standard, an dem sich fast alle Hersteller orientieren. Weswegen wir jetzt einen kleinen Streifzug durch die Geschichte unternehmen, der uns die grundlegende Technik und die verschiedenen Modelle am besten erklärt.

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Die Ursprünge des Resonator-Prinzips reichen bis ins Jahr 1877 zurück. Damals stellte Edison sein erstes Gerät zur Tonaufzeichnung vor, den Phonographen, Vorläufer des Plattenspielers. Edison war es auf einfache Weise gelungen, Töne in mechanische Schwingungen umzuwandeln, diese auf eine Walze aufzuzeichnen und auch in umgekehrter Reihenfolge wiederzugeben: Ein langer Trichter fing die Schallschwingungen ein, konzentrierte sie auf eine kleine Scheibe, an deren Ende ein Stift saß, der die Töne nun auf eine weiche Oberfläche „schreiben“ konnte.

Matthias Stroh, ein Frankfurter, der nach England ausgewandert war, erkannte schnell, dass sich dieses Prinzip auch zur Tonerzeugung eignete. 1879 kündigte er bereits ein Instrument an, das darauf beruhen sollte. Seine Hauptarbeit war aber die Installierung des britischen Telegraphensystems, und so fand er erst im Ruhestand Zeit zur Entwicklung und Patentierung dieser Instrumente. 1899 stellte er ein revolutionäres Instrument ohne eigenen Klangkörper vor: Eine Geige, die eine Schalldose und ein Horn wie ein Phonograph hatte, bei der also die Saitenschwingung über einen Stift auf eine kleine Membran gelangte und dann über einen Metalltrichter abgestrahlt wurde.

1901 ließ er sich in Europa eine konische Aluminiumscheibe als Membran patentieren. Die Stroh-Geigen fanden schnell weite Verbreitung, hauptsächlich bei Tonaufnahmen, aber auch bei Konzerten. Sie waren in der ganzen Welt verbreitet. Später kamen in gleicher Bauweise noch Celli, Mandolinen, Ukulelen und – jetzt sind wir beim Thema – Hawaiigitarren hinzu.

Aloha!

Die Hawaiigitarre war nach ca. 1910 das große Innovationsinstrument in den USA. Über die Hawaii-Mode fanden Zigtausende zur Gitarre. Auf dieses Instrument konzentrierten sich daher die Bemühungen von Schulen, Herstellern und Erfindern. Zentrum der

Hawaii-Szene war ab etwa 1915 Los Angeles. Die zahlreichen Live-Solisten suchten vor allem eines: Lautstärke. So auch George Beauchamp, ein Texaner, der im Duo „Grasshopper & George“ spielte. Beauchamp hatte von den Stroh-Gitarren gehört und war nach England gereist, um den Hersteller kennenzulernen, was ihm aber nicht gelang.

Er brachte aber die Idee eines ähnlichen Instrumentes zurück in die USA und machte sich auf die Suche nach Handwerkern, die ihm solch ein Instrument bauen konnten. Er lernte dabei die Brüder Dopjera (später Dopyera und Dopera) kennen, Emmigranten aus der Slowakei, die eine Werkstatt für Holzarbeiten besaßen und 1922 unter dem (von einer Autofirma „geborgten“) Namen National auch Banjos herstellten.

Beauchamp hatte den Dopyeras eine Trichter-Gitarre mitgebracht. Ob es sich dabei um ein originales Stroh-Instrument oder eine der zahlreichen Nachahmungen handelte, ist unbekannt. Als eifriger Leser von Patentschriften war er sicher mit dem Stroh-Prinzip vertraut, denn als er seine eigene Konstruktion anmeldete, nahm er darauf Bezug. Er erkannte wohl sofort die Lücke im Patent: die Tonerzeugung über Aluminiumkegel war nur in Großbritannien, nicht aber in den USA patentrechtlich geschützt.

Dopyera konnte das Prinzip nun problemlos übernehmen und gleichzeitig Änderungen daran vornehmen. Das Horn strich er komplett, ebenso den komplizierten Übertragungsmechanismus zwischen Steg und Aluminiumkegel.

Er setzte den Steg direkt auf den Aluminiumkonus und baute das Ganze in einen Gitarrenkorpus aus Metall. Letzteres brachte einen volleren Klang und gegenüber dem nasalen Ton des Horns eine deutliche Verbesserung. Verschiedene Experimente ergaben, dass eine Anordnung aus drei Aluminiumkegeln den besten Ton lieferte. Wir werden diese Konusse im folgenden Resonatoren nennen, wie es sich bald einbürgerte.

Um das Jahr 1926 herum hatte John Dopyera eine erste Gitarre mit Metallkorpus gebaut, in deren Inneren drei Resonatoren an der Tonerzeugung arbeiteten. Sie waren über ein T-förmiges Aluminium-Formteil verbunden, das „Spider“ genannt wurde. Auf dem Spider saß eine kleine Stegeinlage aus Holz, über die die Saiten gespannt waren.

Johns Bruder Rudy hatte kurz zuvor in der Werkstatt von Hermann Weissenborn (nur ein paar Blocks entfernt) gearbeitet und brachte von dort die Form einer Hawaii-Gitarre mit hohlem Hals mit. Die Neukonstruktion sah also aus wie eine Metall-Weissenborn, verfügte de facto aber über einen Holzkern im rechteckigen Hals.

Dopyera nannte die Gitarre wegen der drei Konusse Tricone. Sie erwies sich als genau das, was sich alle erhofft hatten: ein Instrument, lauter als alle bekannten Gitarrentypen, das auch den Hawaii-Solisten befähigte, klanglich aus seiner Begleitband mit Gitarren, Ukulelen und Bass deutlich herauszustechen.

National Resophonics Tricone von 1929. (Bild: Nabinger)

Man beschloss, diese Konstruktion kommerziell zu verwerten, gründete eine Aktien-Gesellschaft namens National und startete eine Serienproduktion. Beauchamp gelang es, bekannte Musiker für das neue Instrument zu interessieren.

Praktischerweise brachte er auch einen Geldgeber aus seinem familiären Umfeld zu der neuen Firma, die nun also in Gebäude und Werkzeuge investieren konnte. Im Folgenden sollen chronologisch die verschiedenen National-Modelle beschrieben werden, denn sie stellen heute immer noch den Standard dar, an dem sich fast alle Hersteller orientieren

National

1926/27 kam die Tricone auf den Markt. Ihr Korpus war aus Neusilber gefertigt. Das Design kombinierte klassische Formen mit Art-Deco-Elementen. Die drei Resonatoren lagen in einer Wanne unter der Decke. Die Wanne stützte sich über einen Holzstab, der mit dem Hals verbunden war, und mehrere Füße auf dem Boden ab. Diese Halsverlängerung blieb ein Kennzeichen für alle komplett bei National gefertigten Resonator-Gitarren.

Als später Billig-Modelle in Kooperation mit großen Gitarren-Herstellern wie Regal, Kay und Harmony entstanden, fiel diese Baugruppe oft weg. Auch heute verzichten Resonator-Gitarren im unteren Preisbereich auf die Halsverlängerung.

Beflügelt durch den großen Erfolg der Tricone bei den Hawaii-Gitarristen, bot National bald auch eine Version in Standarbauweise (mit konventionellem Hals) an, der schnell Mandolinen, Tenorgitarren und Ukulelen folgten – alle ausgerüstet mit dem Drei-Resonatoren-System.

1928 machte man sich bereits Gedanken über ein Instrument mit konventionellem Holzkorpus. Das System mit den drei kleinen Resonatoren pflanzte man in einen Korpus, der ungefähr die Abmessungen einer Martin 00-Gitarre besaß. Er bestand allerdings aus dickem Sperrholz. Wiederum hatte National sich einige Gedanken über das Design gemacht und das Instrument mehrfarbig lackiert und mit Abziehbildern von Hawaii-Motiven versehen. In Anlehnung an den Erstling hieß diese Gitarre Triolian.

Das typische Hawaii-Motiv auf einer Style 0, das viele moderne Kopien ebenfalls benutzen. (Bild: Nabinger)

Dann folgte eine Konstruktionsänderung, die die Resonatortechnik für die nächsten Jahrzehnte bestimmte und der Firma National das finanzielle Überleben sicherte. Wohl auf Vorschlag George Beauchamps wurde das Resonator-System drastisch vereinfacht. Ein großer Konus von 9,5″ ersetzte die drei 6″-Resonatoren, das Verbindungselement aus Aluminium fiel damit weg, der Ahorn-Steg saß nun auf einer kleinen Holzplatte, heute allgemein unter dem Namen Biscuit bekannt. Mit dieser Ausstattung ging die Triolian in die Serienproduktion.

John Dopyera verließ daraufhin die Firma, entwickelt einen neuen Resonator mit Spider und Doppel-Konus, setzte ihn ebenfalls in einen Holzkorpus und begann mit der Serienproduktion unter dem Namen Dobro. Wenn von einem Spider-Resonator die Rede ist, meint man heute fast immer die Dobro-Bauweise, bei der die Spinne außen am Resonatorrand aufliegt.

Die Triolian mit dünnem Stahlblech-Korpus wurde in den Händen von Rory Gallagher und Chris Whitley bekannt. (Bild: Nabinger)

1929 kombinierten die National-Techniker die beiden vorhandenen Entwürfe: Sie setzten das Ein-Resonator-System in einen Metallkorpus, nun aber aus Stahlblech. Auch dieses Modell trug den Namen Triolian. Es zeigte sich, dass der „Single Cone“ sogar mehr Lautstärke entwickeln konnte als das Tricone-System, aber einen direkteren und weniger komplexen Ton hatte. Die Single-Cone-Gitarren fand man in der Folge auch oft als Rhythmus-Gitarren in Country-Bands oder in den Händen von Blues-Gitarristen.

Flach ausgestanzte F-Löcher gab es bei National bis 1933. (Bild: Nabinger)

Ein Jahr später entstand eine neue Single-Cone-Variante. Sie wird heute oftmals als optimale Kombination von Materialien und Bauelementen betrachtet und deswegen oft kopiert. Das Modell hieß schlicht Style 0 und verfügte über einen Ahornhals und einen Korpus aus vernickeltem Messing. Tonlich ging sie mehr in Richtung Tricone, brachte aber trotzdem die Lautstärke eines Single-Cone-Modells. Die Triolian-Modelle waren mit Strand- und Palmenmotiven dekoriert und später in einem Walnuß-Sunburst erhältlich.

Das Modell Style 0 mit Messingkorpus, die klassische National schlechthin (hier Ausführung 1932) (Bild: Nabinger)

Die Style 0 bot ein wesentlich gediegeneres Design: Palmen-Motive waren per Sandstrahltechnik in die Nickel-Oberfläche eingetragen. Auch dieses Element übernehmen heute fast alle Kopien.

Preislich lag das neue Modell unter der Tricone, aber über der Triolian. Nicht gerade ideal, um in der Weltwirtschaftskrise neue Kunden anzusprechen. 1931 entstand daher eine Sparausführung mit dem Namen Duolian. Sie erfüllte kommerziell die an sie gestellten Erwartungen und avancierte über die Jahre zum meistverkauften Modell.

An Hals-Binding und Einlagen wurde gespart, Stahlblech kam beim Korpus zum Einsatz, die Mechaniken waren etwas einfacher als bei der Style 0. Der Hals war aus Mahagoni gefertigt. Sparmodell hin oder her – beim Design hatte National sich wieder etwas einfallen lassen. „Frosted Duco“ hieß die Lackierung, die eine kristalline Strukur zeigte und erstaunliche Tiefeneffekte aufwies. Sie ging wohl auf ein Patent des US-Chemieriesen Dupont zurück und war in ihrer Herstellung bis vor Kurzem ein Geheimnis. Dieses scheint nun gelüftet, sodass die Firma National Resophonic nun Repliken in Duco Frost anbieten kann.

Die Duolian gilt allgemein als Resonator-Gitarre mit der größten Lautstärke, aber auch dem derbsten Ton. Die Eleganz einer Style O fehlt ihr. Dafür liefert sie einen starken „eingebauten Hall“, der sich zu interessanten Klangmodulationen aufschwingen kann.

Bei Slide-Gitarristen ist sie deswegen auch heute noch sehr beliebt. Wenn man Rückschlüsse aus alten Fotos ziehen darf, benutzten sie oftmals aber auch Country-Gitarristen, um Geigern und Banjo-Spielern Paroli zu bieten. Die Duolian wird heute deutlich weniger nachgebaut als die Style 0, steht aber trotzdem bei zahlreichen Herstellern im Programm.

1932 startete National eine Serie von Holz-Instrumenten, die in Zusammenarbeit mit den großen Herstellern in Chicago (Regal, Harmony, Kay) konzipiert und gebaut wurden. Sie hießen El Trovdor, Estralita, Rosita, Trojan, Havanna, Aragon und Supro Arcadia.

National Trojan von 1936, die in Zusammenarbeit mit Harmony oder Kay gebaut wurde. (Bild: Nabinger)

Alle jeweils mit Sperrholz-Bodies und Single Cone, aber unterschiedlichen Halsverbindungen gefertigt. Zum Teil kam die aufwendige Halsverlängerung mit Abstützung zur Anwendung, zum Teil hingen die Resonatoren (gehalten von einem Ring) einfach an der Decke. Die Aragon war eine riesige Archtop, in die das Resonator-System hineinverpflanzt worden war.

Manche Instrumente entstanden bei National, manche bei den Zulieferern, die aber immer die Holzteile lieferten. So kamen u. U. die gleichen Modelle als National oder Silvertone (Harmony) auf den Markt. Heute hat die Firma National Resophonic die Modellnamen Estralita, El Trovador und Trojan übernommen und bietet diverse Varianten unter diesen Bezeichnungen an.

Auch Fine Resophonics in Paris liefern hochwertige Resonator-Gitarren mit Holzkorpus. Im unteren Preissegment finden sich seit vielen Jahren billige Ausführungen ohne Halsverlängerung/Abstützung mit teilweise abenteuerlicher Lagerung des Resonators. Sie bringen kaum Lautstärkevorteile und klingen oft mittig-dumpf. Wesentlich besser ist man mit den Instrumenten des mittleren Preisbereichs bedient, etwa von Republic oder Michael Messers MM Blues 28.

Eine Michael Messer MM-Blues mit Stahlblechkorpus. Hier werden die flachen F-Löcher aus der Zeit vor 1933 kopiert. (Bild: Nabinger)

Bis 1934 hatten National-Gitarren den Halsansatz am zwölften Bund. Dann folgte man dem Zeittrend, verkleinerte den Korpus und setzte den Hals zwei Bünde später an.

Der Ton wurde dadurch etwas straffer und direkter, verlor nach Meinung einiger Musiker aber den grollenden Bass, den sie an den Nationals so geschätzt hatten. Als vor mehr als zwei Jahrzehnten die ersten Nachbauten aus Fernost kamen, besaßen sie die 14- Bund-Form, und das ist in vielen Fällen bis heute so geblieben. 12- Bund-Modelle galten und gelten als etwas für Spezialisten und Insider. Das Interesse daran ist in letzter Zeit aber deutlich gestiegen (und damit auch das Angebot von Massenherstellern).

E-Resonator

1932 bekamen die Hawaii-Gitarristen eine neues Wundergerät in die Hände: die elektrische Gitarre. Das erste Serienmodell war von George Beauchamp entwickelt worden, den man bei National aus der Firma hinauskomplimentiert hatte. Gefertigt wurde das Instrument bei Adolph Rickenbacker, der zuvor mit seiner großen Metallpresse Nationals Blechkorpusse in Form gebracht hatte.

National antwortete 1935 mit eigenen Stromgitarren und Umbausätzen für Resonator-Modelle, entwarf 1938 noch die neue Collegian-Reihe, war sich aber bewusst, dass den Resonatorgitarren in Zukunft nur noch eine kleine Nische bleiben würde.

Collegian, eine späte Stahlblech-Ausführung von 1939 (original nicht vernickelt) (Bild: Nabinger)

So kam es dann auch nach Kriegsende. Die Bezeichnung National war nun nur noch ein Markenname im Valco-Konzern, der alle Arten von Gitarren anbot. Erst Mitte der Fünfzigerjahre stand wieder eine Resonatorgitarre mit dem Namen National (später auch Supro) im Katalog.

Es handelte sich um eine völlige Neukonstruktion, die stark dem damaligen Trend zur elektrischen Brettgitarre verpflichtet war. In ein solches Brett war ein kreisrundes Loch gefräst. Auf einem kleinen Absatz oben lag ein klassischer Resonator mit Biscuit, der allerdings nur 8,5″ im Durchmesser maß. Den hinteren Teil der großen Ausfräsung verschloss eine Abdeckplatte, wie sie auch auf der Vorderseite montiert war.

Mit Pearloid-Bezug und einer hellen Plastikabdeckung war auch hier wieder einiges für das Design getan worden. Aufwendig die Halskonstruktion: Es handelte sich hierbei um ein Magnesiumprofil, das mit etwas Holz ummantelt und mit einem Griffbrett versehen war. Mittels einer Justierschraube ließ sich der Halswinkel einstellen.

National 1033, Pearloidbeschichtete Brettgitarre in Lap-Steel-Ausführung (Bild: Nabinger)

Eine ähnliche Konstruktion in kompletter Brett-Ausführung wurde als akustische Lap Steel angeboten. Beide Instrumente waren nur mit einer Kurzmensur von 22,5″ lieferbar. Sie trugen die Bezeichnung Modell 1033 und 1133. Das Design hat in den Neunzigerjahren die Firma National Resophonic wieder aufgegriffen, allerdings den diversen Modellen Tonabnehmer und eine Standard-Mensur verpasst.

National Modell 1133 aus den späten Fünfzigern, Brettgitarre mit kleinem Resonator (Bild: Nabinger)

Umbauten von Telecaster-Gitarren nach diesem Prinzip liefern sowohl Bastler als auch China-Importeure. Instrumente dieser Bauart können erstaunliche Lautstärken erzielen, allerdings nur im Bereich der Mitten und Höhen.

National setzte Anfang der Sechziger sogar noch einmal nach und brachte als „Space-Age“-Version des Resonator-Prinzips neue Instrumente mit massivem Korpus, 9,5″-Resonator und langer Mensur heraus. Sie hießen Folkstar und Bluegrass bzw. Airline, wenn sie im Versandhandel angeboten wurden. Der Korpus war aus Kunstharz gefertigt. Heute bietet Eastwood Kopien dieses Modells an, allerdings mit Holzkorpus und schon elektrisch aufgerüstet.

Dobro

Die Geschichte der Firma National und die Vorstellung der unterschiedlichen Modelle mit Biscuit-Resonator ist damit beendet. Parallel dazu lief ab 1929 das Unternehmen Dobro, dessen Entwicklung hier nur kurz skizziert werden soll.

Dobro beschränkte sich anfangs auf Sperrholz-Korpusse. Der Resonator saß auf einem Ring (soundwell), der von der Decke bis zum Boden reichte. Eine Halsverlängerung stützte das Ganze ab. Ab Anfang der Dreißigerjahre fertigte Regal Dobro-Instrumente in Lizenz, ab 1937 entstanden alle Gitarren dort. Dobro bot auch Instrumente mit Metallkorpus an, und zwar aus Stahl, Messing oder einer Aluminium-Legierung. Mittels einer Falztechnik („Fiddle Edge“) kam man ohne Lötung aus.

Obwohl zahlreiche Instrumente mit Standard-Hals verkauft wurden, entwickelte sich die Marke Dobro im Lauf der Jahre – warum auch immer – zur Domäne der Squareneck-Spieler.

Vom Kriegsbeginn bis Anfang der Sechziger wurden keine neuen Instrumente gebaut. Nachdem die Produktion 1962 wieder gestartet war, wechselten die Eigentümer recht oft. Mal war die Marke im Besitz des Dopyera-Clans, dann wieder nicht, dann gab es neue Namen wie DB, Hounddog oder Original Dopera. Mosrite stellte eine Weile Dobros her, dann die Firma OMI mit den letzten Dopyera-Abkömmlingen, bis schließlich Gibson die Marke 1994 übernahm.

Alternativen

Die Qualität der Nachkriegs-Dobros konnte viele Musiker allerdings nicht überzeugen. Sie suchten nach Vorkriegsware oder begannen, vorhandene Instrumente aufzumöbeln. Man variierte den Sitz des Resonators und experimentierte mit massiven Korpussen, die nicht reflektieren, sondern mitschwingen sollten. Heute erreichen die Topmodelle von Scheerhorn, Beard, de Neve und anderen Klangbereiche, die den klassischen Dobros verwehrt waren.

Deneve Squareneck. Richard Deneve hat die Dobro-Innereien so modifiziert, dass ein moderner, transparenter Sound entsteht. (Bild: Nabinger)

Resonator-Gitarren in Dobro-Bauweise wurden seit den Siebzigerjahren zuerst in Japan, dann Korea und China in größeren Stückzahlen kopiert. Auch heute kann man sich im unteren Preisbereich mit Kopien der Originale aus den Dreißigerjahren eindecken.

Den Markt für National-Repliken hatten die Massenhersteller Ende der Achtziger entdeckt. Die Signale dazu kamen aus dem Vintage-Sektor. Dort war seit einiger Zeit bereits eine starke Nachfrage nach alten Duolians und Style-0-Modellen spürbar.

Kleine Betriebe hatten schon mit der handwerklichen Fertigung von Replikas begonnen: Beltona in Großbritannien, National Resophonic in den USA, Fine Resophonics in Paris. Continental in München baute als erster eine Tricone nach, die Bauteile kamen aus Osteuropa und Asien.

Heute lassen beispielsweise Michael Messer, Busker und Republic in Asien bauen, führen aber noch eine eigene Endabstimmung durch. Instrumente von Johnson oder Recording King kommen direkt aus China. Firmen wie Aiersi versuchen, den europäischen Zwischenhandel zu umgehen und bieten den Endkunden ihre Gitarren über das Internet an. Shanghai gilt als der Ort, wo die meisten Resonator-Instrumente hergestellt werden.

So innovativ das Resonator- Konzept einmal war, so konservativ sind die heutigen Hersteller. Sie beschränken sich meist aufs Kopieren von Bekanntem und Bewährtem. Ausnahmen bilden die Instrumente mit Kunststoff-Korpus von Steve Evans (Beltona) oder die Bassgitarren des finnischen Designers Olavi Linden, der direkt auf den Stroh-Entwurf zurückgreift und Konusse aus Karbon benutzt.

Peter Wahl aus dem pfälzischen Gimmeldingen bezieht die Innovation direkt aus der Tradition: er kauft alte Parlor-Gitarren aus den Zwanzigern und Dreißigern, verstärkt die Hälse und baut eine aufwendige Resonatortechnik mit verstellbaren Buchsbaum-Stegen und diversen Tonabnehmersystemen ein. Doch die Resonator-Technik birgt gewiss noch einiges Entwicklungspotential. Lassen wir uns also von der Zukunft überraschen.


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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Resonator Gitarren klingen sowieso immer schon „blechern“,was ja logischerweise aufgrund ihrer Materialien und typischen Bauart verständlich ist.Es wurden mitunter sehr viele schöne Songs auf eben diesen außergewöhnlichen „Blechkisten“ gespielt,die für die Ewigkeit in den Ohren der Zuhörer klingen werden.
    Fürwahr,eine Resonator Gitarre besitzt ja einen ganz eigenen Klang,der auch mich irgendwann in den Bann zog.
    Gut,daß es in der heutigen Welt,die ja leider viel zu hektisch und oberflächlich zu sein scheint,doch noch etwas Raum für historische „Klangkörper mit Hals und Saiten“ gibt,die uns in stillen Stunden das musikalische Leben versüßen.Es lebe das ungewöhnliche „Blechinstrument“ mit Seele,die einzigartige Resonator Gitarre!

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