Röhren-Topteil

PRS Archon im Test

Paul Reed Smith baut nicht nur Traumgitarren, sondern ist selbst auch ein passionierter und talentierter Spieler. Dass er sich nun mit dem PRS Archon auch der Fertigung von Amps zugewandt hat, ist also nur eine logische Konsequenz.

Es erschließt ihm natürlich auch neue Märkte, na klar. Fakt ist, er geht auch an dieses neue Projekt mit höchsten Ansprüchen heran und es interessieren ihn nicht nur puristische Vintage-Designs, wie man an dem High-Gain-Head Archon sieht.

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Konstruktion des PRS Archon

Eher übersichtlich die Frontplatte, besondere Features sind nicht zu sehen: Zwei Kanäle mit passiv arbeitenden Dreibandklangregelungen und einem Bright-Schalter zum Betonen der Höhen, links davon Presence und Depth, die im Gegenkoppelungskreis der Endstufe liegen und somit die Wiedergabe insgesamt beeinflussen. Eigenwillig, dass die Master-Volume-Potis der Kanäle an den linken Rand der Frontplatte ausgegliedert wurden.

 

Das Anwählen der Kanäle kann manuell erfolgen, mit dem Miniswitch neben der Input-Buchse. Natürlich bietet der Archon zusätzlich die Option, den Vorgang per Fußschalter zu steuern. Dafür ist an der Rückseite ein fünfpoliger DIN-Anschluss vorgesehen. Ein Zweifachschaltpedal mit LEDs als Anzeigen gehört zum Lieferumfang. Der zweite Schalter kontrolliert den Status des seriellen Einschleifwegs. Ferner sind zwei Boxenausgänge vorhanden.

PRS Amp

Mit einem großen Knebelschalter können die üblichen drei Lautsprecherimpedanzen gewählt werden (4, 8, 16 Ohm). Dass die Leistung der Endstufe (durch Hochlegen/Isolieren der Kathode) auf der Hälfte reduziert werden kann ist ein nützliches, aber nicht ungewöhnliches Feature. Die Möglichkeit den Ruhestrom aller vier 6L6GC-Endröhren einzeln von außen messen zu können dagegen schon. In Sekundenschnelle lässt sich so überprüfen, ob sie gesund arbeiten. Hinter dem Lüftungsgitter (Rückseite) versteckt sich in der Mitte zwischen den Röhren ein Trimmpoti, das die Bias-Vorspannung, respektive den Ruhestrom beeinflusst. Röhren wechseln und Einmessen ist so natürlich ein Klacks. Die Endstufe arbeitet im Übrigen konventionell im Class-AB-Gegentaktbetrieb.

Die dezent schicke Erscheinung des Archon lässt natürlich erwarten, dass auch die inneren Werte exklusiv sind. Und sie sind es. Der Aufbau bildet eine Synthese aus Platinenaufbau und großen Anteil an freier Verdrahtung. Potis, Röhrenfassungen, Schalter, und Buchsen werden sämtlich am Gehäuse montiert und von Hand verlötet. Ein beträchtlicher Aufwand, den sich manch anderer Boutique-Hersteller wesentlich teurer versilbern lässt. Man bedenke, PRS greift genau wie die ebenfalls zum Feinsten, was man in der puristischen Röhrentechnik verwenden kann, geht zudem wie man sieht mit größter Sorgfalt an die Verarbeitung heran, und doch liegt der Verstärker im Preis nicht weit über der EUR-2000-Marke. Wunderbar. Mein ewig pedantisches Argusauge hat aber doch ein geht-gar-nicht entdeckt. Da verbaut PRS teuerste Knebelschalter, und siehe da, bei beiden konnte ich mit den Fingern vorne die Rändelschraube lösen. Ursache: Es waren keine Zahnscheiben unterlegt, die den Schraubflansch unter Spannung gehalten und gesichert hätte. Na ja, trösten wir uns damit, dass PRS eine besondere Art der Röhrenheizung verwendet, die stiller macht, bzw. tieffrequentes Brummen minimieren soll.

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