PRS 305 im Test

PRS-Gitarre, stehend

Eine PRS als Edel-Strat? Näher dran war die amerikanische Erfolgsfirma an dem kalifornischen Klassiker Stratocaster tatsächlich noch nie. Dennoch wahrt das Modell 305 souveräne Eigenständigkeit im Rahmen der PRS-Linie und einfach so vom Himmel gefallen ist dieses Design nun auch im Hause Smith wieder nicht. Schon das Modell 513, Vorlage für die PRS 305, trat mit Singlecoils und verlängerter Mensur an.

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Glückwunsch zum Jubiläum zunächst einmal an Paul Reed Smith, dem vor 25 Jahren wohl niemand zugetraut hätte, dass sein gelebter Gitarrentraum einmal die heutigen Dimensionen erreichen würde. Neben einer ganzen Reihe von 25th Anniversary Models gibt es auch reguläre Neuheiten, unter ihnen das vorliegende Modell 305, das es zudem auch noch in einer limitierten Anniversary- Auflage gibt. Prototypen von der PRS 305 bekamen vorab bereits Carlos Santana und Mark Tremonti zum Test, die beide das Modell in ihr Arsenal übernahmen.

Die Testgitarre weicht in zwei Punkten von der Standardausführung ab: Anstelle von Rosewood kommt die mit einem Griffbrett aus Maple und „Regular“ ist das gängige Halsprofil (Testmodell Wide Fat). Optional ist bei PRS immer Einiges möglich.

 

Konstruktion

Die Gitarren des PRS bewegten sich von ihrer Mensur her gesehen bisher immer zwischen den als gesetzte Standards markierten Polen Fender (25,5″ = 648 mm) und Gibson (24,75″ = 628 mm). Bei dem vorliegenden Modell ist der erste Schritt in Richtung Fender, den man mit der 513 (25,25″ = 641 mm) bereits vor einiger Zeit tat, nun mit Schulterschluss vollendet worden. Die 305 verfügt also über die lange Mensur von 25,5″ (648 mm) wie die gute alte Stratocaster. Auch bei der Wahl des Tonholzes näherte man sich prinzipiell dem Fender-Modell. Für den Korpus nahm man zweiteilig gefügte Erle, allerdings mit nach PRS-Art auskonturierter Decke, also ohne Abflachung oben hinten zur Auflage des rechten Arms – für den Hals, na klar, Ahorn. Der kommt mit Wide/Fat-Profil, ist allerdings nicht aufgeschraubt sondern eingeleimt und wurde zuvor wie ein Schraubhals in einen entsprechenden Halsschuh hochpräzise eingepasst. Das Griffbrett aus Palisander trägt 22 supersauber verarbeitete Bünde, die im Übrigen dem etwas höheren Bunddraht entsprechen, der auch auf der 315 schon Verwendung fand. „Bird Inlays“ markieren die Lagen.

Die firmentypische Kopfplatte wurde mit PRS Phase II Low Mass Locking Tuners ausgestattet; ein Plättchen mit 305-Prägung verschließt den Zugang zum eingelegten Halsstab oberhalb des Sattels aus Kunststoff. Dieser Sattel ist nicht nur leicht nach vorn verschoben, sondern zudem auch etwas angewinkelt positioniert. Bei der hohen E-Saite ist der Abstand zum ersten Bund dadurch etwas größer als bei der tiefen E-Saiten, was in Summe eine bessere Intonation vor allem in den ersten Lagen ermöglicht.

Die elektrische Ausstattung umfasst drei der speziellen patentierten 513-Singlecoil- Pickups mit einer kleinen Platine als Grundplatte und oben gewölbten, aber seitlich offenen Kappen aus Kunststoff. Diese Tonabnehmer entsprechen in etwa dem mittleren Pickup des 513-Modells, wurden allerdings für jede ihre drei Positionen leicht modifiziert. Über einen Kippschalter lassen sie sich in den bekannten fünf Positionen einzeln oder zusammen aktivieren. Leicht versenkt montierte, jeweils generelle Volume- und Tone-Potis stehen spielpraktisch optimal positioniert zur Kontrolle bereit. Gradlinige Angelegenheit also. Die Kabelbuchse findet sich in der unteren Zarge hinten.

Das Vibrato ist der bekannte moderne Vintage-Typ der Firma mit massiven Einzelböckchen, gratfreier Oberfläche, Messingblock und Steckarm.

Das Fertigungsniveau bei dieser Gitarre ist rundweg phänomenal, scheint kaum noch zu toppen. Die erreichte hohe Position in Sachen Fertigungsgüte ist neben der fachlich unantastbaren technischen Verarbeitung vor allem einer zielgerichteten Optimierung aus Spielersicht in jeder Hinsicht zu danken, was letztlich zu dem absolut großartigen Spielgefühl führt, mit dem dieses Instrument aufwartet.

 

Praxis

Paul Reed Smith will in diesem Modell klassische Zutaten der Vintage-Singlecoil-Gitarren mit verfeinerten modernen Konstruktionsmethoden zur Verbesserung des natürlichen akustischen Sustains verbinden. In der Tat ist ein bemerkenswert strammes Attack- und besonders atemreiches Schwingverhalten zu konstatieren, nur gleicht das keineswegs einer Stratocaster. Die Set-Neck-Methode führt zu deutlich anderen Ergebnissen in Sachen Anschlagverhalten, Tontransport und Spielgefühl. Die 305 ist in diesem Sinne eher mit anderen PRS-Gitarren, als mit dem Fender-Klassiker vergleichbar und wer wollte hier auch eine willenlose Nachformung bereits massenhaft existenter Traditions-Sounds erwarten. Nein – natürlich macht PRS das Licht in einem anderen Raum an und bemüht sich wie immer, es heller als das seiner Konkurrenten scheinen zu lassen. Gut so, denn die Klangsubstanz der 305 ist einfach grandios, was Paul uns mit diesem Instrument schon akustisch in die Ohren stanzt. Stramm, schnell und groß ist der Ton, der sofort nach dem Anschlag belebende Obertöne aufsteigen lässt, sich förmlich zu Höherem aufschwingt. Ein guter Draht gibt markigen Charakter und dennoch ist auch ordentlich Fleisch vorhanden. Das satte und überaus handfreundliche Hals-Shaping, die hohen Bünde, die innere Festigkeit im Klanggefüge und die enorme Stimmpräzision in allen Lagen – das alles begeistert. Vom Spielgefühl her bewegen wir uns im absoluten High- End-Bereich, keine Frage. Und elektrisch? Die Gitarre, so steht es zu lesen, soll über ihre drei Singlecoil Pickups (mit Widerständen von jeweils um die 6 kOhm) fünf klassische Sounds mit „warmem klaren Biss“ anbieten, die keinem anderen PRS-Modell gleichen. Na, dann lass mal hören:

Die Tonabnehmer am Hals und in der Mitte offerieren ausgeglichen klare, scharf definierte Klangoffenheit, differenziert natürlich durch ihre jeweilige Position. Schon mit Vintage-Flair, aber irgendwie direkter, straffer. Klaren Amp-Einstellungen lassen sich darüber wunderbar transparente und lebhafte Akkorde abgewinnen, die in ihrer Stimmlichkeit bis in den letzten Winkel ausgeleuchtet und harmonisch rund erscheinen. Die gradlinige Präsenz wird bei Schaltung in die Zwischenpositionen durch seidige Kehligkeit abgelöst. Immer noch konturstark und präzise, aber abgemildert mit angenehm hohlem Charakter.

Der Steg-Pickup verfügt positionsbedingt natürlich über deutlich mehr Aggressivität, bringt aber einen bestens definierten Ton mit knochentrockenem Bass und kräftigem Höhen-Peak ans Ohr. Damit ist in klaren bis anzerrenden Verstärkereinstellungen in rhythmischer Hinsicht bestens akzentuiert zu arbeiten, aber natürlich legt er dann im Overdrive-Status noch eine Schüppe mehr drauf. Zunächst einmal ist die enorm zupackende Bissigkeit zu nennen, mit der die Höhen angreifen. Der Klang ist nun allerdings von etwas kühler, ungemein straffer Tonentfaltung gekennzeichnet, die mit Vintage-Rundung nicht viel am Hut hat. Ungemein standhaft schwingt der gehaltene Ton aus, lässt harmonische Obertöne einschweben. Das hat was und ist tatsächlich von anderer Qualität, verglichen etwa mit Vintage-Strat-Pickups. Im Gegensatz zum „großen“ Modell 513 mit seinen Chamäleon-Sounds, auf dessen Pattern unser Testmodell entstand, sind die Klangmöglichkeiten bei der 305 auf ein engeres Feld eingegrenzt, aber das kann man auch Gradlinigkeit und Konsequenz heißen. Die Sounds jedenfalls sind in ihrer Kategorie selbstbewusst und hochklassig zu nennen, auch wenn der ein oder andere die luftige Kehligkeit und das dunkle Raunen alter Stratocaster-Pickups vermissen mag. Ich aber sage: gut so, denn PRS wäre nicht da wo er heute ist, wenn er sich aufs Kopieren beschränken würde. Klassisch kann man allerdings das Brummen in den Einzelschaltungen der 305-Pickups nennen, lediglich die Zwischenpositionen verhalten sich schweigsam.

Das bekannte PRS Vibrato mit massiven beweglichen Böckchen, Messingblock und Einsteckhebel funktioniert wie immer gut und macht mit seiner gratfreien Oberfläche der rechten Hand keinerlei Probleme.

Eines gebe ich zum Schluss noch zu bedenken: wegen ihrer Abmessungen und den entsprechend engen und langen Korpusausfräsungen ist ein Austausch der 305-Pickups gegen andere Standard Singlecoils nicht möglich und diese Pickups mit ihren doch speziellen Sounds werden damit wohl zum Angelpunkt dieses Modells.

 

Resümee

Ziel erreicht: Das Modell 305 aus dem Hause PRS erfüllt den Vorsatz, klassische Singlecoil-Klänge mit modernen Aspekten der Gitarrenkonstruktion in Einklang zu bringen. Mehr als das, die Gitarre klingt einfach toll und spielt sich großartig. Natürlich ist sie im engeren Sinne nicht mit einer Strat zu verwechseln. Das ist gut so, denn die gibt es ja schon in ausreichender Zahl. Die 305 agiert mit ihrem eingeleimten Hals straffer und direkter, ihr Schwingverhalten bewegt sich auf der PRS-Schiene und das schlägt sich in einem enormen Sustain mit satter Obertonentfaltung nieder. Den patentierten 513-Pickups ist es ein Leichtes, Kapital aus den hervorragenden akustischen Toneigenschaften des Instruments zu schlagen. Die Tonabnehmer bieten zwar gehobene Singlecoil-Kultur, allerdings mit lediglich leichtem Vintage-Flair. Dafür überzeugen sie mit selbstbewusst eigenständiger Klangauslegung. Und dann dieser Hals! Mit seinem tollen Profil und dem etwas höheren Bunddraht greift er sich fabelhaft, bietet dank langer Mensur genau den richtigen Saitendruck. Alles an dieser Gitarre ist erwachsen. Hier gibt es in Sachen Design, Verarbeitung, Detailgenauigkeit, Handhabung und Klang einfach keine Schwachpunkte mehr – alles lässt souveräne Reife spüren. Eine definitive Gitarre also? Ja, so kann man wohl sagen, eine Gitarre jedenfalls, die auf ihre Art keine Wünsche mehr offen lässt.

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