Ist der süß?

Peavey 6505 Piranha im Test

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Die kleine schwarze Büchse trägt einen großen Namen. 6505 war mal 5150,  gibt es seit einiger Zeit auch als 6534…, die meisten wissen es: Hinter den kryptischen Zahlen steht ein Genius von Gitarrist, Eddie van Halen. Und dessen charismatischen Sound bekommt man nun mit diesem Winzling hin?! Wer´s glaubt wird selig. Ja, vielleicht, wer weiß.

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Okay, um das kurz aufzulösen. 5150 wurde das erste Amp-Modell genannt, das Peavey für Eddie baute, in Anlehnung an das gleichnamige Van-Halen-Album. Als der Deal endete, musste Peavey einen anderen Namen finden. Das 40-jährige Jubiläum des Unternehmens (1965 – 2005) stand dafür Pate. Mit der Zeit wurden weitere Versionen des Verstärkers vorgestellt.

Der 6505+ z. B., der zwei wirklich eigenständige Kanäle besitzt, ein Ableger davon, der 6534, mit EL34 bestückt anstatt 6L6GC. Kürzlich kam der 6505MH auf den Markt – ein Mini-Topteil, das im Test beachtlich auftrumpfte (G&B-Ausgabe 01/2016). Wer die Artikelsuche auf unserer Homepage befragt, der wird sehen: Wir haben sie alle getestet!

Kompakt & aufwendig

Natürlich ist das Konzept minimalistisch. Immerhin ist aber die Ausgangsleistung mit satten 20 Watt an 4 Ohm angegeben. Achtung, Halbleiterendstufe! D. h. bei höheren Impedanzen verringert sich die Leistung auf 15W/8Ohm und nur noch 10 Watt an 16Ohm. Die Vorstufe lässt Abstimmungen lediglich mit drei Parametern zu, Gain, Volume und ein aktiver Mitten-EQ.

Das Gain-Niveau ist umschaltbar, Crunch/Lead, an der Front stehen außerdem noch ein Aux In sowie ein frequenzkompensierter Phones-Ausgang zur Verfügung. Hinten sind Send und Return eines Serieneinschleifwegs, ein einzelner Speaker-Anschluss, eine DC-In-Buche für das Netzteil und der Power On/Off-Schalter zugänglich.

Die halbleiterbasierte Elektronik gruppiert sich um eine ECC83S von JJ. Damit die doch recht aufwendige Schaltung auf so kleinem Raum unterkommt, verwendet Peavey eine Menge SMD-Bauteile. Die Verarbeitung ist absolut einwandfrei, das Gehäuse ist stabil und bei aller Schlichtheit doch formschön. Der 6505 Piranha wird mit einer Transporttasche geliefert

Praxis

Träumer hoffen, dass der Miniverstärker genauso klingt wie sein Vorbild bzw. wie es die Werbung verspricht. Realisten sagen sich „ … kann gar nicht sein, bei den technischen Unterschieden!“. Ich sage: Wenn es möglich wäre, würde es die Physik ad absurdum führen, und das Marktgefüge erst recht. Hallo?

Wenn so ein Knirps das Gleiche könnte wie ein ausgefuchster Vollröhrenverstärker, wo kämen wir da hin?! Solcherdings eingenordet gibt es tatsächlich einiges, worüber man sich beim 6505 Piranha sehr freuen kann. Er trifft durchaus das Timbre seines großen Bruders. Fordernde, offensiv aggressive Hochmitten sind eines seiner Erkennungsmerk male.

Der Kleine macht das eindringlich, zuweilen fast schon penetrant nach. Im Bassbereich geht er eher zaghaft zu Werke, dafür ist die Leistungsausbeute beachtlich. Nein, das reicht nicht für eine korrekt zulangende Metal-Combo, ist aber doch schon ziemlich laut. Die beiden Klangfarben Crunch und Lead überzeugen tonal unter andrem mit schön harmonischen Verzerrungen, die Gain-Reserven sind allerdings niedriger als beim großen 6505 – der Piranha mag es, wie Röhren-Amps, wenn man ihn weit aufdreht, sein Klangbild ist dann dichter.

Ohne SMD-Teile nicht möglich: Viel Elektronik auf kleinstem Raum
Ohne SMD-Teile nicht möglich: Viel Elektronik auf kleinstem Raum

Der Mitten-EQ arbeitet intensiv (Notch bis Full) und generiert so doch eine respektable Palette an Klangfarben. Ein dicker Pluspunkt gebührt dem Phones-Ausgang, für sein ordentlich abgestimmtes Klangbild: Schön für die Ohrhörer, damit hat man aber auch einen gut klingenden Recording-D.I.-Out zur Verfügung. Der Einschleifweg arbeitet ebenfalls einwandfrei. Nach dem Einschalten empfängt der 6505 Piranha den Spieler leider mit einem recht hohen Grundrauschen. Davon abgesehen traten im Test keine grundlegenden Schwächen zu Tage

Alternativen

So kompakt, mit einem gleichartigen Konzept, gibt der Markt momentan nichts anderes her. Sofern die geringe Größe nicht die entscheidende Rolle spielt, gibt es aber durchaus leistungsstarke Alternativen, allen voran Blackstars ID:Core 40H Stereo Head.

Resümee

Es versteht sich von selbst, dass man bei solchen Micro-Heads gewisse Abstriche nicht nur in der Ausstattung, sondern auch im Klang einkalkulieren muss. Wie eben auch hier beim 6505 Piranha. Absolut gesehen, wirkt sein Ton etwas eng und zuweilen angestrengt.

Dem steht gegenüber, dass er für vergleichsweise kleines Geld den 6505-Sound durchaus respektabel aufgreift, tonal flexibel anbietet, und mit seiner Ausstattung viel Praxiswert liefert – ein praktisches Tool in vielen Lebenslagen sozusagen. Professionelle Ansprüche werden nicht erfüllt, das muss man klar sagen. Ebenso deutlich ist der 6505 Piranha aber empfehlenswert für Kollegen, die rigorose Sounds brauchen und bei kleinem Budget viel Leistung suchen.

Plus

  • Sound
  • Klang des PhonesAusgangs
  • viel Ausstattung b. geringen Abmessungen
  • Verarbeitung/Qualität der Bauteile

Minus

  • hohes Grundrauschen

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Hinweise zu den Soundfiles:

Für die Aufnahmen kam schlicht ein SM57 von Shure zum Einsatz, platziert zwei Zentimeter off-axis vor einem Celestion-Vintage 30 im klassischen 4×12-Cab.

Die Clips wurden pur, ohne Kompressor und EQ-Bearbeitung über das Audio-Interface Pro-24DSP von Focusrite in Logic Pro eingespielt.

Das verwendete Instrument ist Fender-CS-Relic-Strat-1956 aufgerüstet mit einem Steg-Humbucker JB von Seymour Duncan.

Clip #1 bis #3: Der kleine Amp liefert in sich kompakte Distortion-Sounds, allerdings mit ziemlich schwachen Bassanteilen. Deshalb hört man in den Clips keinen „Druck von unten“. Dem steht gegenüber, dass sich die Verzerrungen schön harmonisch ausbilden. Der Grundcharakter ist im Raum, wenn man den Amp selbst erlebt, schärfer, aufdringlicher.

Clips #4 und #5: Wir hören den Amp mit maximalem Gain, was effektiv um einiges weniger ist als beim großen Bruder. Beim Solieren zeigt sich der Piranha wahrlich bissig, er macht es einem nicht leicht, man muss arbeiten.

Die Clips #7 und #8 präsentieren mein Referenz-Riff“ (RefRiff), das ich mit jedem Test-Amp/-Distortion-Pedal einspiele, damit man den Charakter der von uns getesteten Produkte quasi auf einer neutralen Ebene vergleichen kann. #7 volle Suppe, #8 massvoll ausgesteuert um die Akkorde differenzierter erscheinen zu lassen

Ich wünsche viel Vergnügen, und…,  wenn möglich, bitte laut anhören, über Boxen, nicht Kopfhörer!

Fragen, Anregungen  und  ja, auch Kritik sind wie stets willkommen. Nachrichten bitte an frag.ebo@gitarrebass.de.  Es klappt nicht immer,  aber ich werde mich bemühen möglichst kurzfristig zu antworten.

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