Ortega D-Walker im Test

Drei Akustik-Bässe mit Cutaway von Ortega, weiß, schwarz und rot
FOTO: Dieter Stork

 

Sommer, Sonne, ein kühles Getränk und mit Freunden zusammen Spaß haben. Da fehlt eigentlich nur noch die passende Musik, und die macht man ohnehin am besten selber, statt sich anonym berieseln zu lassen.

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Das erstaunliche Revival der Ukulele kommt nicht von ungefähr, spontan, ohne großen Aufwand kann man mit diesem kleinen Instrument jederzeit und überall mit Freunden jammen, oder spontan Ideen festhalten. Als Bassist ist man da etwas im Hintertreffen, da akustische Bässe zumeist einen großen fragilen Klangkörper aufweisen, um einen ausreichenden Pegel zu erzeugen. Es geht aber auch ganz anders, und zwar mit dem Ortega D-Walker. Noch eine Spur kleiner als etwa eine konventionelle Akustik-Gitarre, präsentiert sich hier das passende Werkzeug für den reiselustigen, unkonventionellen und spontanen Bassisten. Wie so etwas funktioniert und vor allem, wie so ein Mini-Instrument klingt, wird sich im folgenden zeigen.

 

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FOTO: Dieter Stork

 

Konstruktion des Ortega D-Walker

Der kleine, elegante und bis zu 89 mm tiefe Korpus des Viersaiters, ist komplett aus Agathis gebaut. Bei diesem Holz handelt es sich um eine im Instrumentenbau gebräuchliche pazifische Nadelholzart, die gerne bei Instrumenten der günstigeren Preisklasse verwendet wird. Insgesamt macht der Korpus einen kompakten und sehr robusten Eindruck, so misst die Decke im Bereich des Schalllochs gute 4,7 mm. Ein Blick in Selbiges bestätigt zudem die grundsolide Qualität der Konstruktion, gleichwohl ist die Verbalkung nicht ganz so sauber ausgeführt wie bei einem Instrument im vierstelligen Preisbereich.

Die gesamte Hochglanzlackierung von Korpus und Halsrückseite und das sämtliche Korpuskanten umschließende, cremefarbene Kunststoff-Binding sind gut ausgeführt und unterstützen ein ungemein attraktives Erscheinungsbild. Richtig sexy, das Teil!

Der justierbare Hals besitzt einen Spannstab, der durch das Schallloch erreichbar ist und definiert den Viersaiter als ein eher selten anzutreffendes Exemplar mit einer Mensurlänge von 620 mm, also Extra Short-Scale. Der Hals des D-Walker ist einstreifig aus Mahagoni gefertigt und auf den ebenfalls aus Mahagoni bestehenden Halsfuß aufgeleimt. Das Palisandergriffbrett ist mit 19 perfekt abgerundeten Bundstäbchen bestückt und hat in der 12. Lage die entsprechende römische Ziffer als Einlage erhalten. Als Orientierungshilfe hat man in der Griffbrettflanke schwarze Dots in das Binding eingesetzt. Auf der angeleimten und nach hinten abgewinkelten Kopfplatte verrichten gekapselte Stimmmechaniken in einer 2/2-Anordnung problemlos und exakt ihre Arbeit. Anzumerken ist hier noch ein ca. 2,2 mm dünnes, schwarzes Furnier, welches die gesamte Vorderfront der Kopfplatte einnimmt und die Eleganz des Viersaiters zusätzlich betont.

 

 

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FOTO: Dieter Stork
Der D-Walker kommt im praktisch-eleganten Gigbag

 

Am anderen Ende werden die eigens für dieses Instrument entwickelten Phosphor-Bronze-Saiten von D’Addario durch Kunststoffstöpsel in einem Palisandersteg arretiert.

Unter der Stegeinlage aus Knochen ist ein B-Band-Tonabnehmer untergebracht. Dessen Ausgangssignal wird durch die B-Band A 1.2 Elektronik aufbereitet. Am Schallochrand befindet sich lediglich ein kleiner Drehregler, mit dem die Lautstärke geregelt wird, mehr Möglichkeiten werden hier nicht angeboten. Die notwendige 9-Volt Batterie, ohne die das Instrument am Verstärker keinen Ton von sich gibt, ist im Korpus, an der oberen Zarge im Bereich des Schallochs, in einem kleinen Täschchen mit Druckverschluß angebracht. Mit ein wenig Geschick und Geduld stellt der Batteriewechsel jedoch kein Problem dar.

Der Korpus des Viersaiters ist mit zwei Gurthaltern ausgestattet, einer auf dem Halsfuß und ein weiterer im unteren Zargenrund, der auch gleichzeitig die Klinkenausgangsbuchse beherbergt.

 

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FOTO: Dieter Stork
Mit ein wenig Fingerspitzengefühl geht ein Batteriewechsel blitzschnell vonstatten.

 

Der Ortega D-Walker in der Praxis

Der wie ein ganz normaler Bass auf E/A/D/G gestimmte D-Walker fühlt sich auf Grund der kurzen Mensur wie eine Gitarre an. Auch das abgeflachte D-Profil des Halses dürfte Gitarristen auf Anhieb ansprechen. Im Sitzen liegt der Viersaiter locker auf dem Oberschenkel, mit dem im Lieferumfang enthaltenen Gurt zeigt sich jedoch eine verständliche Kopflastigkeit, denn der kräftige Mahagonihals mit seinen vier Stimmmechaniken will unbedingt zum Mittelpunkt der Erde.

In diesem Fall ist das nicht weiter tragisch, da das sehr leichte Instrument durch Auflegen des Unterarms sehr gut ausbalanciert werden kann. Soweit ist alles gut, und auch trocken spielt sich der Ortega recht flockig und nett daher. Natürlich hat er wegen des fehlenden Resonanzkörpers keinen richtigen Wumms, aber im Zusammenspiel mit nur einer Gitarre oder Ukulele kann er sich durchaus behaupten, und zum Üben und Fernseh-Klimpern auf der Couch eignet er sich allemal.

Im Bereich des 14. Bund ist der Hals mit dem Korpus verbunden, durch das untere Cutaway kommt man gleichwohl locker auch in die hohen Lagen. Hilfreich ist dabei auch die angenehme Saitenlage ab Werk. Als hauptamtlicher Bassist muss man sich bei dem D-Walker allerdings erst einmal neu orientieren, sonst trifft man die falschen Bünde. Hier liegt alles recht eng beieinander, aber nach einer kurzen Eingewöhnungszeit legt sich die anfängliche Irritation, und man spielt mit Leichtigkeit immense Intervalle ohne jede Mühe. Gitarristen dürften hier weniger Probleme haben, hat doch selbst eine Telecaster eine längere Mensur.

Richtig interessant wird es jedoch, wenn man den Ortega über einen Verstärker spielt. Wie gesagt, trocken erscheint der Viersaiter recht unspektakulär, zwar gut drahtig und knackig klingend, aber auf Grund der Größe eben alles andere als kraftvoll. Am Amp erkennt man den kleinen D-Walker jedoch kaum wieder, denn was hier an samtig runden Bässen und schönen Höhen herüberkommt (und das mit einem sagenhaften Druck!), das hätte man vorher nicht für möglich gehalten. Wenn man die Augen schließt, hört man einen ganz, ganz großen Bass, der ausgewogen und rund alle Saiten, auch die tiefsten Lagen, mit gleichmäßigem Volumen und dabei stets natürlich klingend überträgt. Auch die konstruktionsbedingte Anfälligkeit für Rückkopplungen hält sich durch den kleinen Korpus des Viersaiters extrem in Grenzen.

Verantwortlich für die erstaunliche Klanggewalt des kleinen Ortegas dürften die finnischen B-Band Pickups sein, bei denen es sich um mikroskopisch kleine, linsenförmige Gas-Bläschen in einer Elektret-Folie handelt. Anders als etwa bei einem Piezokristall-Tonabnehmer arbeitet das B-Band-System eher wie ein Kondensator-Mikrofon, und vermittelt ein sehr natürliches, dynamisches Klangbild. Kein Wunder, dass man hier nur einen Lautstärkeregler braucht, wer allerdings ganz spezielle Sound-Vorstellungen hat, muss dann eben am Verstärker entsprechende Einstellungen vornehmen.

 

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FOTO: Dieter Stork
Solider Halsfuß und dekorative Einfassugen

 

Resümee

Size matters? Nicht unbedingt, denn der D-Walker von Ortega beweist, dass auch ganz kleine Instrumente zu großen Taten/Tönen fähig sind. Die B-Band-Elektronik beschert dem kleinen Teil nämlich eine erwachsene Basspower, die man in dieser Form nicht erwarten konnte und mit dem im Preis enthaltenen Gigbag kann man den Ortega problem- und gefahrlos überallhin mitnehmen. Auch optisch weiß der D-Walker durch ein elegantes Erscheinungsbild zu überzeugen, obgleich er durchaus einen robusten Eindruck vermittelt. Für Kinder ist er ein ideales Einsteigerinstrument, ebenso für Menschen mit kleinen Fingern, und Gitarristen müssen sich nicht groß umstellen, wenn sie einmal Lust auf einen Tieftöner haben. Aber auch ernsthafte Bassisten werden mit dem kleinen Bass Spaß haben, denn Spontanität, Mobilität und Flexibilität sind mit dem D-Walker keine Fremdwörter mehr. Klein, aber sehr fein! Der Sommer kann kommen.

 

Übersicht

Fabrikat: Ortega

Modell: D-Walker

Typ: viersaitiger Akustikbass

Herkunftsland: China

Mechaniken: schwarz; gekapselte Tuner, konventionelle Gurthalter

Hals: eingeleimt; Mahagoni mit 2-Wege Halsstab

Griffbrett: Palisander

Halsbreite: Sattel 43,10 mm; XII. 53,40 mm

Bünde: 19 Medium

Mensur: 620 mm Extra Shortscale

Korpus: Agathis

Oberflächen: Hochglanzlack

Tonabnehmer: passiv; B-Band-Stegeinlage

Elektronik: aktiv; B-Band A 1.2

Bedienfeld: Volume

Stromversorgung: 1× 9 Volt ca. 0,8 mA

Saitenabstände Steg: 16,25 mm

Gewicht: 1,58 kg

Lefthand-Option: nein

Vertrieb: Roland Meinl

91468 Gutenstetten

www.meinldistribution.com

Zubehör: Gigbag, Nylongurt

Preis: ca. 455

 

Plus

  • Preis/Leistung
  • Optik
  • Konstruktion
  • Zubehör
  • Elektro-Ton
  • Anwendungsvielfalt
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