Orange Terror Bass 1000 im Test

Bass-Topteil von Orange
(Bild: Dieter Stork)

 

Nachdem in der 2010er März-Ausgabe der Terror Bass 500 samt passender Box vorgestellt wurde, hat Orange ein wenig später eine Version mit zweifacher Leistung nachgelegt. Doch Lautstärke ist nicht das Einzige, was den Terror Bass 1000 attraktiv macht.

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„Die dritte Null hast du aber selbst dazu gemalt, oder?“ meinte ein Kollege zu mir, als er die kleine Brotkiste mit dem Henkel dran auf der 6×10″-Box stehen sah und die 1000-W-Angabe entdeckte. Nee, das hat schon alles seine Richtigkeit! An Headroom wird es dem Terror Bass demnach definitiv nicht mangeln. Mal schauen, was er darüber hinaus noch so zu bieten hat.

 

Ausstattung des Orange Terror Bass 1000

Technisch handelt es sich bei dem Terror Bass 1000 um einen sogenannten Hybrid-Amp. In der Vorstufe übernehmen zwei 12AX7/ECC83-Röhren die (Vor-)Verstärkung, während in der Endstufe auf Transistortechnik, hier in der effizienten Class-D-Ausführung, gesetzt wird. Da bei dieser Art von Leistungsverstärkung – im Gegensatz zu Class-A, Class-B und Class-A/B, die intern mindestens noch mal das gleiche an Leistung verbraten, wie sie an die angeschlossenen Lautsprecher abgeben – sehr wenig Verlustleistung anfällt, kann auf einen Großteil der sonst üblichen Kühlkörper/Lamellen verzichtet werden. Daher rühren die kompakten Abmessungen solcher Verstärker. Exkurs Ende.

Schauen wir uns mal den Rest an. Auf der Vorderseite haben wir zunächst ganz links den On/Standby/Off-Kombischalter, der den Terror, mit Zwischenstop zum Vorglühen der Röhren, aktiviert. Direkt nebenan die dazugehörige Statusleuchte. Nun folgt die Reglersektion, beginnend mit dem Master-Volume für die Endlautstärke, gefolgt von drei EQ-Reglern (Treble, Mid und Bass), die allesamt passiv funktionieren und sich konstruktionsbedingt demnach gegenseitig beeinflussen. Letzter Regler auf der Vorderseite: Gain, mit dem man den Grad der Vorverstärkung seinem Instrument anpassen kann. Dieser wird noch von einem Schalter zur Pegelanpassung an aktive und passive Bässe unterstützt. Wäre nur noch der Input zu erwähnen und das war’s dann auch schon auf der Front. Seitlich befinden sich die Send- und Returnbuchse für den seriellen, röhrengebufferten Effektweg und der Balanced Out im üblichen und bewährten XLR-Format, samt Schalter zur galvanischen Trennung der Signal-Massen voneinander, um Brummschleifen aus dem Weg zu gehen.

Auf der Rückseite befinden sich die Netzbuchse inkl. Sicherungshalter, zwei parallel verschaltete Speakon-Buchsen und ein Schiebeschalter zur Impedanzanpassung des Tops an die gerade genutzte Box. Das kennt man ja eigentlich nur von Röhrenendstufen, da diese bei fehlangepasster Belastung Schaden nehmen können. Das ist bei Transistorendstufen nicht so, solange die Box eine höhere Impedanz aufweist, als das Topteil. Einziger Nachteil ist jedoch, dass die Leistungsausbeute um etwa 1/3 reduziert wird. Und genau dieses Problem löst der kleine aber dann doch sehr effektive Schiebeschalter.

Werfen wir mal einen kurzen Blick ins Innere des Probanden. Nach Lösen der vier Blechschrauben, die die Bodenplatte fixieren, erwartet uns ein erfreulicher Anblick: Die Platinen sind von gesunder Stärke, die Bauteile von guter Qualität und alle Buchsen sind mit dem überaus verwindungsfesten Gehäuse verschraubt. Das sieht alles nach sehr langem und stressfreiem Spaß aus. So weit, so gut! Wird Zeit herauszufinden, was der Kleine Sound-mäßig so kann.

 

orange_terror_bass_1000_1
(Bild: Dieter Stork)

 

Der Orange Terror Bass 1000 in der Praxis

Doch zuvor drängt sich einem folgende Frage auf: An welche Box schließt man so eine Leistungsschleuder eigentlich an? Orange hat die OBC810 und die SP410 im Programm. Beide können ohne Handbremse an diesem Top betrieben werden. Wenn keine Box mit ausreichender Leistungsaufnahme zur Hand ist, ist Vorsicht am Master-Volume geboten, um die angeschlossenen Lautsprecher nicht aus dem Leben zu schießen.

Dann kann’s ja jetzt losgehen: Powerschalter auf Standby und die Röhren erstmal aufheizen lassen. Keine Panik übrigens, wenn die Statusleuchte nicht direkt anspringt. Das passiert erst mit einiger Verzögerung … EQ, wie immer, auf 12:00 Uhr, Powerschalter auf On und los geht’s!

Oh ja! Da macht sich die Röhrenschaltung doch ordentlich mit wohliger Wärme, Obertönen und leichtem Rotz bemerkbar. Eindeutige Aufforderung zum abrocken! Und genau das ist auch das Metier des Amps: Rock und Artverwandtes, da der Terror die Eigenheiten des gerade angeschlossenen Basses zwar sehr gut überträgt, aber gerade in den Tiefmitten auch ein wenig auffüllt, und somit immer für einen gesunden Bassteppich sorgt. Genau das Richtige dafür also! Für Bassisten, die eher auf ein cleaneres Signal stehen, könnte der charaktervolle aber immer leicht dreckige Stempel ein wenig zu viel des Guten sein. Da muss man halt drauf stehen. Ich zumindest feier’s ab!

Die Equalizer-Sektion macht ebenfalls eine sehr gute Figur: Die Regelbereiche und die Ansatzfrequenzen sind so gewählt, dass Fülle, Anschlag und Schimmer nach belieben hervorgehoben oder abgesenkt werden können. Selbst bei Extremeinstellungen bleibt das Signal in sich schlüssig und harmonisch, ohne unnatürlich wirkende Frequenzspitzen oder Löcher zu bilden. An dieser Stelle greift sich der Balanced Out auch sein Signal ab. Vorteil: Am Mischpult wird es keinen Ärger geben, wenn man auf der Bühne mal am Master-Volume nachregeln muss, da dieses den Pegel am Balanced Out nicht beeinflusst. Nachteil: Die Effektschleife sitzt leider erst dahinter, was bedeutet, dass hier eingeschleifte Effekte davon nicht übertragen werden und man in diesem Falle immer auf die Mikrofonabnahme angewiesen ist, was man sich allerdings auf der Bühne ganz gerne mal spart, um Übersprechungen zu vermeiden und den Mix sauber zu halten. Alternativ kann man die Effekte natürlich vor der Vorstufe betreiben, aber dann geht der Vorteil einer gegen Störgeräusche unempfindlicheren und gegen Pegel-/Frequenzverluste wesentlich resistenteren Effektschleife leider flöten. Ansonsten macht die hier nämlich einen guten, sprich neutralen, Job.

 

Resümee

Der Orange Terror Bass 1000 trumpft mit seiner aufs Wesentliche reduzierten Ausstattung absolut auf. Unkompliziert zu bedienen, solider Aufbau, charaktervoller rockiger Sound und genug Leistungsreserven, um sich auf Stadionbühnen Gehör zu verschaffen. Preis/Leistung stehen hier definitiv in einem guten Verhältnis. Einziges Manko ist die in der Signalkette hinter dem Balanced Out liegende Effektschleife.

 

Übersicht

Fabrikat: Orange

Modell: Terror Bass 1000

Typ: E-Bass-Verstärker, Topteil, ein Kanal

Herkunftsland: China

Technik: 2x 12AX7/ECC83 in der Vorstufe; Transistor Class-D Endstufe

Leistung: 1000 W an 4 Ohm; 900 W an 8 Ohm

Gehäuse: Stahlblech (1,5 mm)

Gehäuseausstattung: Gummifüße; Metall-Tragegriff a. d. Oberseite;

Anschlüsse: Front: Input (Klinke)

Seitlich: Balanced Output (XLR); Effects Loop Send & Return (Klinke)

Rückseite: 2x Speaker Output (Speakon), Netzbuchse mit Sicherungshalter

Regler: Front: Volume, Treble, Mid, Bass, Gain;

Schalter/Taster: Front: On/Standby/Off, Active/Passive (Input); Seitlich: Ground Lift (Balanced Output); Rückseite: Speaker Impedance (4/8 Ohm)

Effekte: nein

Einschleifweg: seriell

Gewicht: ca. 5 kg

Maße: 305 x 155 x 135 BHT/mm

Vertrieb: Trius Music

49477 Ibbenbüren

www.trius-music.de

Zubehör: Netzkabel, Handbuch, Gigbag

Preis: ca. 830

 

Plus

  • Charakter-Sound
  • Leistungsreserven
  • Handhabung
  • Verarbeitung

Minus

  • Balanced Out überträgt eingeschleifte Effekte nicht

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