Vielseitiger Verzerrer mit hohem Praxiswert
Nostalgie-Meister: Peavey Rock Master Preamp Pedal
von Christian Braunschmidt, Artikel aus dem Archiv
(Bild: Dieter Stork)
Mit dem Rock Master Preamp Pedal dreht Peavey den Temperaturregler der Nostalgiedusche ganz weit auf und erfreut vergangenheitsverliebte Gitarristinnen und Gitarristen mit einer Pedalversion eines hauseigenen Klassikers.
Das Rock-Master-Pedal ist Teil einer Pedal-Familie, die sich mit Peaveys Verstärker- und Preamp-Klassikern der letzten Jahrzehnte auseinandersetzt. Verstärker wie der legendäre Session-LTD 400, der ikonische Bandit-Amp oder eben der Rock-Master-Preamp dürfen hier im Kleinformat noch einmal aufblühen.
VERGANGENHEITSBEWÄLTIGUNG
Ein kurzer Blick in den Rückspiegel: Wir schreiben die frühen 90er, Hair Metal ist weitestgehend abgewickelt, Grunge steht bereits in den Startlöchern, Metallica krempeln den Heavy Metal auf links und irgendwie erlebt die Gitarrenwelt einen deutlichen Umbruch. Peavey konnte zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen, dass ihr damaliger Bestseller im 19-Zoll-Format, der röhrenbetriebene Rock-Master-Preamp, die Grundlage für spätere High-Gain-Amps wie den JSX oder den XXX bilden würde. Der Preamp war im Grunde alles, was sich Gitarristen zu dieser Zeit wünschen konnten. Mit seinen drei Kanälen, der aufwendigen Gain-Regelung und dem Vier-Band-EQ verfügte das Gerät auch noch über eine global arbeitende Voicing-Sektion. Zudem sorgten sage und schreibe fünf FX-Loops für maximale Vielseitigkeit bei der Zusammenarbeit mit Pedalen oder anderen 19″-Einheiten. Bedenkt man, dass Peavey immer ein Hersteller für das mittlere Preissegment war, ist das eine nahezu atemberaubende Ausstattung.
WÜRFELFORMAT
Fast forward ins Jahr 2025: Weil die 90er Jahre sowieso gerade wieder schwer in Mode kommen, ist die Neuauflage des Rock-Master-Preamps nicht wirklich verwunderlich. Natürlich handelt es sich hierbei um eine deutlich abgespeckte Variante des Ultra-Gain-Kanals des 19″-Gerätes – schließlich soll das Ganze im Pedal-Format ja auch noch bedien- und vor allem bezahlbar bleiben. Neben einer Drei-Band-Klangregelung („Bottom“, „Body“ und „Edge“) verfügt das Pedal über einen Pre- und einen Post-Gain-Regler, der wie ein Master-Volume funktioniert. Außerdem gibt es einen kleinen Shift-Taster, der sich gravierend auf das Voicing des Mitten-Spektrums auswirkt. Neben dem Bypass-Fußschalter gibt es einen weiteren Schalter für eine Extraportion Gain.
(Bild: Dieter Stork)
Das Design atmet den Zeitgeist der frühen 90er Jahre voll und ganz. Das Old-School-Peavey-Logo sowie die Beschriftung und die Potiknöpfe versetzen einen unmittelbar in diese Ära zurück. Das Innenleben gibt lediglich den Blick auf die untere der beiden übereinander montierten Platinen frei. Alles Sichtbare wirkt absolut sauber und tadellos verarbeitet. Die intern auf 30 V hochregulierte Betriebsspannung soll laut Hersteller für maximalen Headroom sorgen.
Soundcheck und Resümee auf Seite 2 …
(Bild: Dieter Stork)
ZERRFREUDIG!
Schon ohne die zusätzliche Gain-Stufe wird deutlich, dass der Ultra-Channel des Rock-Master-Preamps seinem Namen wirklich gerecht wird. Selbst bei einer Einstellung des Pre-Gain-Potis auf neun Uhr ist hier bereits ein satter Overdrive zu hören. Bei neutral eingestellter Klangregelung tönt ein stark komprimierter Zerrsound, der vor allem in den Mitten und im Bereich des Attacks richtig Alarm macht. Dreht man nun behutsam den Gain-Regler weiter, wird der Sound zunehmend dichter und verzerrter, sodass man es hier ganz schnell mit einem zackigen Distortion-Sound zu tun bekommt, der sich gerade in den Höhen und den Hochmitten durchzubeißen weiß. Interessant finde ich, dass sich Peaveys Trans-Tube-Technologie hier ausgesprochen positiv zeigt. Der Sound hat tatsächlich das Ansprechverhalten und die Kompression, die man bei einem röhrenbetriebenen High-Gain-Channel vermuten würde. Die Klangregelung sorgt dafür, dass das Rock-Master-Pedal nicht langweilig wird. Vor allem der Body-Regler ist eine wahre Wunderwaffe. Dreht man hier behutsam nach links, wird der Sound sofort deutlich gescoopter, was sich mit dem kleinen Mid-Shift-Taster noch einmal drastisch verschärfen lässt. Das Mittenspektrum verschiebt sich deutlich hörbar, sodass das Attack noch etwas mehr in den Vordergrund gerückt wird. Harsche, unterkühlte Industrial-Metal-Sounds sind hier ebenso möglich wie die ikonische Pantera-Badewanne der früheren Alben. Dreht man das Mitten-Poti jedoch nach rechts, wird der Ton deutlich britischer und lässt eine gewisse, durchaus röhrenähnliche Wärme aufkommen. Vor allem Lead-Sounds in den hohen Lagen haben mir hier ausgesprochen gut gefallen. Nimmt man die schaltbare Gain-Stufe hinzu, wird der Sound abermals dichter und verzerrter, büßt jedoch auch ein klein wenig an Dynamik ein. Ein zweiter Lautstärke- oder Gain-Regler hätte dieses Feature sicher noch ein wenig praxistauglicher gemacht. Das Rauschverhalten finde ich, gemessen daran, dass wir es hier mit handfestem High-Gain-Gemetzel zu tun haben, noch vertretbar.
(Bild: Dieter Stork)
RESÜMEE
Optisch mag das Rock Master Preamp Pedal vielleicht den Anschein erwecken, es würde auf einer Nostalgiewelle reiten. Klanglich ist das Gerät jedenfalls voll auf der Höhe der Zeit. Ob nun die maximal hochgezüchteten Sounds des 90er-AOR-Rock (man denke beispielsweise an Alben wie ‚Slang‘ von Def Leppard oder ‚For Unlawful Carnal Knowledge‘ von Van Halen) oder aber die stark unterkühlten Gitarrensounds der ersten beiden Rammstein-Alben – beides lässt sich dank der superflexiblen Klangregelung und der großen Gain-Reserven spielend umsetzen. Für einen Preis von knapp unter 200 Euro bekommt man hier auf jeden Fall einen durchaus vielseitigen Verzerrer mit hohem Praxiswert geboten. ●
Plus
- Verarbeitung
- Authentischer Klangcharakter
- Preis-Leistungs-Verhältnis
- Shift-Taster
Minus
- Schaltbare Gainstufe nicht regelbar

(erschienen in Gitarre & Bass 02/2026)
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