Blick über den Tellerrand

Nahfeld-Beschallung: Palmer Studiomon 5 im Test

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(Bild: Dieter Stork)

Wer sich mit Musik beschäftigt, kommt irgendwann an den Punkt, den Arbeitsplatz mit Nahfeldmonitoren ausrüsten zu wollen. Bei der inzwischen riesigen Auswahl die richtige Wahl zu treffen, ist nicht immer einfach. Palmer wollen mit den Studiomon 5 hierzu neue Anreize geben.

Wer sich mit dem Thema Nahfeldmonitore befasst, dürfte sich wohl von der schieren Masse erschlagen fühlen, die inzwischen bei vielen Händlern verfügbar ist. Zum Testzeitpunkt listet Thomann knapp 400 Artikel in dieser Kategorie. Grenzt man die Auswahl dabei auf den Preisbereich bis ca. € 400 pro Paar ein, sind es immer noch weit über 100 Artikel, zwischen denen eine Entscheidung gefällt werden will. Was tun? Die meisten werden wohl einfach Produkte bekannter Marken aussuchen und sich dann für eins entscheiden. Dass dabei Chancen vertan werden, gute Produkte kleinerer oder unbekannterer Hersteller kennenzulernen, liegt auf der Hand. Wie steht es hier also um die Studiomon 5 aus dem Hause Palmer? Lohnt sich der Blick über den Tellerrand?

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ÜBERSICHT

Palmer dürfte den meisten ein Begriff sein. Allerdings wohl vorwiegend durch ein großes Sortiment an Helfern, Tools und Effekten für den Musikalltag. In puncto Studiotechnik hat man sich bisher vor allem auf Monitorcontroller beschränkt. Um zu eben diesen Controllern auch direkt passende Lautsprecher anbieten zu können, gehören nun auch die wirklich schicken, holzverkleideten Monitore mit zum Sortiment. Mit 5″-Treiber für den Tief- und Mittelton-Bereich gehören die Boxen zur kompakteren Klasse und sollten auch in kleineren Räumen Platz finden. Angetrieben werden Hoch- und Tieftöner jeweils von einer 30W-A/B-Endstufe, was für eine impulsfeste Wiedergabe sorgen soll. Das Netzteil selbst ist dabei in Class-D-Technologie ausgeführt. Anschlussseitig sind die Eingänge sowohl als symmetrische XLR als auch als TRS Klinke vorhanden.

(Bild: Dieter Stork)

Neben der Buchse für ein Kaltgerätekabel findet sich auf der Rückseite sonst nur noch der Netzschalter und ein stufenloses Poti zur Regulierung der Lautstärke. Bei knapp 170 Euro pro Lautsprecher hätte ich hier gern zum einen wenigstens eine Mittenrastung am Poti gesehen und vor allem Regler zur Raumkorrektur. Die wenigsten können ihre Monitore an akustisch perfekten Orten aufstellen und zumindest Shelving-Filter für den Bassbereich gehören eigentlich zum Standard der Geräteklasse. Vielleicht hat man bei einem nutzbaren Frequenzbereich (also bis zum -3dB Punkt) bis etwa 70Hz hierfür keine Notwendigkeit gesehen? Dabei sind es doch oft die höheren Bässe bei 100-120Hz, die gerne mal Probleme bereiten.

Sei’s drum. Vielleicht ist der Studiomon 5 ja für etwas professioneller ausgestattete (Heim)Studios entworfen worden. Dafür spräche jedenfalls auch der Verzicht auf einen Standby-Modus. Sollen die Lautsprecher nicht den ganzen Tag durchlaufen, müssen sie vom Netz genommen werden. Aufgrund der Positionierung des Schalters auf der Rückseite geschieht das wohl am ehesten über eine Steckerleiste. Im Betrieb leuchtet an der Front eine orangene LED und fügt sich so optisch angenehm ein zu den dunklen Seitenteilen und dem orangenen Ring um den Tieftöner herum.

BETRIEB

Nebengeräusche im Betrieb halten sich angenehm in Grenzen. Störungen aus umliegenden WiFi-Netzen oder Zirpen aus USB-Leitungen konnte ich nicht feststellen. Einzig das leise Rauschen des Hochtöners ist bei einer Distanz von einem Meter und weniger gut wahrnehmbar. Darüber verliert es sich weitestgehend im Raum. Aufgrund von Verfügbarkeit müssen meine Focal Alpha 65 zum etwas unfairen Vergleich herhalten, deren Hochtöner im direkten Vergleich wahrnehmbar weniger stark rauschen. Spätestens beim Abspielen von Musik und anderem Audiomaterial fällt es aber nicht weiter auf. Das gilt leider auch ein wenig für den Hochtöner selbst, welcher sich beim Hören als recht zurückhaltend herausstellt.

Im Brillanzbereich liefern die Studiomon 5 nicht mehr wirklich viel: Insbesondere bei Becken, hohen Gesängen und Klangflächen fehlt es den Lautsprechern an Feinzeichnung. Es klingt dadurch alles ein wenig flach. An meinem Antelope DA-Wandler kann es nicht liegen, denn selbst mit komplett zurückgedrehtem Hochtonbreich liefern die Focals hier deutlich mehr Details und entsprechend auch klangliche Tiefe. Sicherlich spielen Hörgewohnheiten hier auch stark mit rein, denn schlecht klingen die Palmer keineswegs. Nur ist dies wieder einer der Momente, an denen ich mir eine Klangkorrektur am Monitor selbst gewünscht hätte, um dem Hochtöner etwas auf die Sprünge zu helfen.

Im Bassbereich gewinnen sie aufgrund ihrer kompakten Größe natürlich auch keine Preise, liefern jedoch recht trockene und klare Bässe. Dass die Lautsprecher nicht mit aufgeblasenem Hochbass versuchen, größer zu klingen, als sie sind, gefällt mir dabei gut. Wirklich stark aufspielen können sie im Mitteltonbereich, sowohl tief als auch hoch. Gerade im Vergleich zu den Focals fallen die deutlich stärkeren Tiefmitten auf, wodurch gerade bei verzerrten Gitarren viel Druck und ein fetter Klangeindruck entstehen, fürs Monitoring ist das gar nicht verkehrt. Auch der Hochmittenbereich ist gut aus geprägt, was unangenehme Resonanzen im Material recht schnell zutage fördert.

Allerdings wird dadurch das Hören bei hohen Pegeln auch schnell ermüdend, je nach Material auch matschig. Mit TesseracT als Testmaterial beispielsweise kommen bei hohen Lautstärken die Gitarren nicht mehr wirklich artikuliert herüber und auch bei den Film-Soundtracks von Game of Thrones oder Ghost in the Shell klingt Percussion etwas aufdringlich und topfig. Problematisch ist das aber nur bei Lautstärken deutlich über Zimmerlautstärke.

RESÜMEE

Die Palmers machen beim Direct-Monitoring mit Bass und Gitarre aufgrund kontrollierter Bässe und druckvoller Mitten viel Spaß, allerdings fehlt es ihnen an Ausstattung, Brillanz und Auflösung im Hochtonbereich. Als vollwertige Referenzabhöre für Musikproduktion würde ich sie daher nicht uneingeschränkt empfehlen wollen. Hier würde eine Klangregelung helfen, oder man experimentiert mit einem externen EQ. Da könnte man aber auch einen Blick auf das Sortiment von Swissonic, Yamaha, Presonus oder JBL werfen. Um einen gutaussehenden Monitor fürs Einspielen am Rechner oder eine Zweitabhöre zu haben, sind die Palmers hingegen gut geeignet, ebenso beim Videoschnitt, wo die unaufdringliche Hochtonwiedergabe bei trotzdem guter Sprachverständlichkeit mit moderaten Pegeln lange Sessions ohne große Ermüdungserscheinungen ermöglicht.

PLUS

  • Kompakt
  • Optik
  • gut für Monitoring
  • wenig ermüdend

MINUS

  • Ausstattung: kein Standby, keine Raumkorrektur
  • zurückhaltender Hochtonbereich


(erschienen in Gitarre & Bass 09/2022)

Produkt: Testbericht: Yamaha SG1801PX Phil X Signature
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