Auch für große Füße ...

Mooer Micro Series Envelope, @Wah, Liquid & Micro Drummer, FX-Pedale im Test

Frisch dem Brutkasten des chinesischen Herstellers Mooer Audio entschlüpft sind vier Stompboxen aus der Micro-Reihe, die inzwischen stolze 60 Effektpedale umfasst. Dabei habe ich die kleinen Wah- und Volume-Pedale, die Stromversorgung und die neuen Micro Preamps noch nicht eingerechnet. Man darf gespannt sein, wann Mooer die Modellpalette von Boss einholt.

(Bild: Dieter Stork)

Neu sind ein analoges Auto Wah (Envelope), ein digitales Auto/Touch Wah (@Wah), ein digitaler Phaser (Liquid) und eine digitale Drumbox (Micro Drummer). Quasi als Bonbon legt Mooer nach dem Zufallsprinzip einigen Pedalen die neuen Candy Footswitch Topper bei, die auf die Fußschalter gesteckt werden. Die wie bunte Fruchtbonbons anmutenden Aufsätze vergrößern und erhöhen die Schaltfläche und verhindern damit versehentlichen Kontakt zu den Reglerknöpfen. Eine witzige Idee und praktisch zugleich. Wer nach dem Kauf eines Pedals zufällig einen goldenen Topper vorfinden sollte, darf an der Mooer Footswitch Topper Competition teilnehmen und kann ein Micro Pedal und einen Beutel mit Zubehör gewinnen. Viel Glück!

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Mechanik

An der Stabilität der kleinen Spritzgussgehäuse gibt es ebenso wenig auszusetzen wie an deren Bodenhaftung. Mangels Platz im Innern hat man die verschraubten Klinkenbuchsen versetzt angebracht – Input rechts, Output links. Da auch keine Batterie Platz findet, ist Netzteilspeisung erforderlich. Die DCBuchsen sitzen bombenfest in Aussparungen an den Stirnseiten, Fassungen fixieren die blauen bzw. roten Status-LEDs. Während man Fuß- und Minischalter verschraubt hat, werden die Achsen der Potis von passgenauen Gehäusebohrungen geführt. Die großen Potiknöpfe liegen fast auf dem Gehäuse auf, sodass hier mechanisch keine Bedenken aufkommen. Inzwischen hat Mooer den durch die Hauptregler geschützten Minipotis auch gut erkennbare Markierungen spendiert. Während der Micro Drummer mit einem Fußtaster ausgestattet ist, bieten die Fußschalter von Envelope, @Wah und Liquid True Bypass.

Envelope

Wie die Modellbezeichnung unschwer erkennen lässt, handelt es sich hier um ein analoges dynamisches Envelope Filter bzw. automatisches Wah-Pedal. Der Hauptregler Sensitivity bestimmt die Reaktion des Filters auf den Saitenanschlag bzw. auf den Ausgangspegel des Instruments. Die drei Minipotis kontrollieren Q-Faktor (Bandbreite der Mittenfrequenzanhebung), Decay (Dauer des Filterabfalls, die auch von Sensitivity und Instrumentenpegel beeinflusst wird) und Tone (Frequenzbereich des Filters). Unbeeindruckt von Anschlagsintensität und Pickup-Output lässt sich mit Sensitivity die Einsatzschwelle des Envelope Filters präzise festlegen. Während Q mit der Bandbreite zugleich die Intensität des Wah-Effekts kontrolliert, lässt Decay den Effektsound relativ gleichmäßig abfallen. Lediglich bei zu hohen Sensitivity- (z. B. vintage Strat-Singlecoil >15 Uhr) und niedrigen Decay-Einstellungen (<9 Uhr) wirkt das Filter etwas unsauber und bröckelig. Ebenso bewirken hohe Tone-Settings (>15 Uhr) recht dünne und leicht kratzige Wah-Sounds. Bei praxisgerechten Einstellungen liefert das Mooer Envelope jedoch flexible, saubere und dynamische Filter-/Touch-Wah-Klänge, gibt sich nebengeräuscharm und dank seiner Stromaufnahme von nur 20 mA energiebewusst.

@Wah

Mit vier verschiedenen Wah-Sounds und einer Art Talkbox-Effekt stellt dieses Pedal die digitale Wah-riante des Envelope dar, die dann auch 120 mA Strom aufnimmt. Per Hauptregler lassen sich die Betriebsarten Low Pass, Bandpass, High Pass, Standard Pass und Talk einstellen. Ein Minischalter wählt zwischen Auto (automatisches, zeitbasiertes Wah) und Touch (anschlagsabhängig). Range kontrolliert die Amplitudenbreite und Speed/Gain im Auto Mode die Effektgeschwindigkeit, im Touch Mode die Eingangsempfindlichkeit. Wenngleich ein 5-fach Drehschalter sicherlich komfortabler zu handhaben wäre, stellt das verwendete Mode-Poti kein echtes Problem dar. Klanglich unterscheiden sich die vier Pass-Modi dahingehend, dass der Filter in verschiedenen Frequenzbereichen arbeitet, die Effektsounds also intensiver und höhenreicher werden je weiter man das Poti nach rechts dreht.

Im letzten Bereich steht ein Effekt zur Verfügung, den ich eher als Jeu-Jeu (lautmalerisch gesprochen) denn als echten Talk-Effekt interpretiere. Dennoch sehr interessant und vor allem mal was anderes. Die werksseitig festgelegte, recht lange Release Time lässt keine schnell abklingenden Wah- bzw. Talkbox-Effekte zu. In jedem Fall aber liefert Auto-Talk sehr schöne Rotary-ähnliche Modulationen, die sich mit Hilfe von Range zügeln oder intensivieren lassen. Wie bereits einige andere Modulationspedale aus dem Hause Mooer ist auch das @Wah höchst variabel einsetzbar.

Stirnseitige Stromversorgung (Bild: Dieter Stork)

Liquid

Der neue digitale Mooer Phaser – Stromaufnahme 130 mA – kommt ebenfalls mit einem in fünf Sektionen unterteilten Hauptregler. Diese sind mit den (kaum erkennbaren) römischen Ziffern I-V markiert. Die fünf Typen reichen von subtilem Vintage- bis zu extrem verrücktem Phasing, dessen Modulation offenbar von einem Zufallsgenerator gesteuert wird. Ein Minischalter bietet die Wellenformen Sinus, Sägezahn und Rechteck. Speed regelt die Modulationsgeschwindigkeit, Color variiert den Phasing-Klang je nach gewählter Wellenform von warm und subtil bis zu höhenreich und Wahähnlich. Obgleich die Reproduktion eines eingestellten Effektes aufgrund des Hauptreglers Fingerspitzengefühl erfordert, wäre hier kein Fünffachschalter möglich, da innerhalb der einzelnen Sektionen I-V die Phasing-Effektanteile (Dry/Wet) mit Rechtsdrehung des Potis zunehmen. Der Zeiger des Knopfes stimmt nicht mit den Markierung der Sektionen überein, daher lassen sich die Startpunkte der jeweiligen Phaser-Typen nur schwer einstellen. Hier muss also das Ohr entscheiden. Unterm Strich bietet das Liquid ein breites Spektrum unterschiedlichster Phasing-Effekte. Es arbeitet relativ nebengeräuscharm – sofern das bei Phasern möglich ist – und lässt sich intuitiv bedienen. Da der Mode-Regler sehr leichtgängig ist, empfiehlt sich einer der farbigen Fußschalter-Topper.

Micro Drummer

Eine besondere Stellung innerhalb der Micro Series nimmt die Drumbox ein. Ihr Input dient allein dazu, sie in eine Pedalkette – vorzugsweise ans Ende – integrieren zu können. Der zentrale Regler entpuppt sich als 11-fach-Endlosdrehschalter mit Tastfunktion, über den zwischen Style und Drum Patterns gewechselt werden kann. Dazu hat Mooer den Taster mit jeweils elf von Rot (Styles) nach Blau (Patterns) wechselnden LEDs umgeben. Allerdings sollte man vorher nicht nur die Abkürzungen der elf Styles (Pop, Rock, Metal, Blues, R&B, Jazz, Funk, Latin, Reggae, Punk und Tempo/Metronom, aufgedruckt an der rechten Gehäuseseite) sondern auch die Positionen der jeweils elf Patterns verinnerlichen (4/4 und 6/8 je nach Style), was ohne ständig bereit gehaltenes Manual wohl kaum möglich sein wird. Das Metronom bietet auch ungerade 4tel- und 8tel- Takte. Der Drummer ist mit Tone, Level und Speed regelbar. Alternativ kann das Tempo auch manuell per Tap-Taster oder mit dem Fuß über den Fußtaster eingegeben werden, nachdem man diesen 1 Sekunde gedrückt gehalten hat und die Tap-LED konstant blau leuchtet. Diese blinkt bei Taktbeginn rot, bei allen weiteren Vierteln oder Achteln blau. Das Eingangssignal des angeschlossenen Instruments wird stets True-Bypassmäßig direkt auf den Ausgang geroutet.

Bedienfeld des Micro Drummers (Bild: Dieter Stork)

Der Micro Drummer, der 95 mA Strom aufnimmt, liefert praxisorientierte Styles mit sehr natürlich klingenden, dezent verhallten Samplesounds, auch wenn für die verschiedenen Styles oder Musikgenres identische Bassdrum-, Snare-, Tom-, Hi-Hat-, Sidestick-, Crashund Ride-Becken-Sounds verwendet werden. So klingt z. B. das Metal- genau wie das Funk-Kit, lediglich die Spielweise ist eine andere. Die jeweils elf unterschiedlichen Patterns sind mal 2- und mal 4-taktig ausgeführt, wobei der erste Takt meist mit einem Crash-Becken startet und die jeweils letzten Takte durch Akzente oder Fills variieren, was die Patterns lebendiger macht. Etwas merkwürdig kommt mir mitunter die 6/8-Zählweise vor, während die LED 3/4 anzeigt. Auch werden manche Patterns halb oder doppelt so schnell wie das eingestellte Tempo wiedergegeben. Das Metronom erklingt als Stick Clicks, jede Eins wird mit einem Rim Click oder Cross Stick betont.

Resümee

Mit vier weiteren interessanten Pedalen stockt Mooer seine Micro-Serie auf. Envelope und @Wah verfolgen ähnliche Ziele, nämlich anschlagsgesteuerte Wah-Effekte. Während Ersteres auf analogem Wege sehr gute Klangergebnisse liefert – sofern man extreme Settings unterlässt –, punktet Letzteres mit hoher Flexibilität, den Betriebsarten Auto- und Touch-Wah sowie 5 Wah-Modes, einer davon mit einer Talkbox-Variante. Auch hier überzeugen die Sounds, auch wenn mitunter die festgelegte Release Time etwas zu lang erscheint. Mit 3 Wellenformen und 5 Phaser Modes ist Liquid nicht weniger vielseitig und hält subtile bis flippige Effekte bereit. Der Micro Drummer liefert natürliche druckvolle Sounds, bietet mit insgesamt 110 Drum- und 11 Metronom- Patterns genügend Auswahl für unterschiedlichste Musikgenres. Fills und Akzente sorgen dabei für Abwechslung und eine gewisse Vitalität. Eine gleichermaßen pfiffige wie praktische Idee sind die neuen Lutschbonbons, äh … Candy Footswitch Toppers, die die Schalterfläche vergrößern und erhöhen und damit die Settings der Hauptregler schützen.

Plus

  • Sounds
  • Signalqualität
  • nebengeräuscharm
  • kompakte Gehäuse
  • Verarbeitung
  • Candy Footswitch Toppers
  • Preis/Leistung

Aus Gitarre & Bass 06/2017

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