PLING PLOING PLONG

Modulations-Effekte

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(Bild: Dieter Stork)

Den ersten Modulations-Effekt dürften Gitarristen bei ihren Band-Kollegen gehört haben, die eine Hammond-Orgel mit einem rotierenden Leslie-Kabinett kombinierten …

Ein Leslie ist ein Rotationslautsprecher, der durch das physikalische Prinzip des Doppler-Effektes Frequenzschwebungen hervorruft. Benannt ist das Leslie nach seinem Erfinder Donald Leslie (1911 – 2004), der dieses Lautsprechersystem 1940 entwickelte. Herzstück eines Leslies sind zwei rotierende Schallabstrahler, die vor den Lautsprechern sitzen. Während sich der eine rotierende Lautsprecher vom Zuhörer entfernt und damit den Ton tonal tiefer macht, dreht sich gleichzeitig der zweite Lautsprecher in Richtung Zuhörer und macht den Ton höher. Dadurch entsteht ein sehr komplexes Klangbild, das weit über ein einfaches Tonhöhen-Vibrato hinausgeht.

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Nachteil eines Hammond-Kabinettes ist natürlich seine unhandliche Größe und es blieb wenigen Gitarristen, wie z. B. Jimi Hendrix, George Harrison oder Eric Clapton vorbehalten, den Leslieeffekt im Studio oder sogar auf der Bühne einzusetzen. Daher gab es bereits früh Versuche, das Vibrato auch mit kleinen Pedalen zu simulieren. Eine der bekanntesten und heute noch begehrten Leslie-Simulationen ist das Univibe. Obwohl das Univibe dem Klang eines Leslie-Lautsprechers nicht wirklich nahekam, setzte das Effektpedal seinen eigenen Sound-Standard. Technisch gesehen ist das Gerät ein sehr aufwendiger 4-stufiger Phaser (s. u.): Herzstück ist eine pulsierende Lampe, deren Licht über Photozellen vier Phasing-Stufen steuert.

Das Ergebnis ist eine Melange aus Chorus, Vibrato und Tremolo, das von leichtem Schwirren zu heftigem Helikopter-Flattern mutieren kann – gut zu hören z. B. in Jimi Hendrix‘ ‚Machine Gun‘. In digitalen Multieffektgeräten gibt es häufig einen sogenannten Rotary-Effekt, der sich auch die Leslie-Simulation zur Aufgabe macht. „Echte“ Vibratos arbeiten auch gerne mit sogenannten Eimerketten-Schaltungen, wie sie auch in Flanger- und Chorus-Effekten eingesetzt werden, und erzeugen einen weniger schwebenden und mehr eiernden Klang, was für Gitarristen jedoch weniger attraktiv zu sein scheint. Im Vergleich zu den Tremolos sind reine Vibrato-Pedale daher recht selten. Der Phasereffekt kommt ursprünglich aus der Studiotechnik.

In den 60er-Jahren experimentierten Tontechniker mit den damals üblichen Bandmaschinen, auf denen identisches Tonmaterial aufgenommen war. Schwankte die Geschwindigkeit der beiden Maschinen, kam es zu interessanten Effekten – ausgelöst durch Phasenüberlagerungen und Auslöschungen bestimmter Frequenzen. Durch geschicktes Regeln dieser Schwankungen entstand der „Band-Phasing-Effekt“. In den 70er-Jahren erlaubte die damals moderne Transistortechnik dann auch, diesen Effekt für Gitaristen in Pedalen anzubieten. Die bekanntesten Überlebenden der Phaser-dominierten 1960er- und 1970er-Jahre sind der MXR Phase 90 und der Electro-Harmonix Small Stone. Einer der einflussreichsten Gitarrentitel, Eddie van Halens ‚Eruption’, demonstriert den Phaser-Effekt eindrucksvoll.

Ende der 1970er ergaben sich mit der Verfügbarkeit neuer ICs Möglichkeiten, den Phaser-Effekt zu verbessern. Mit Hilfe sogenannter „Eimerkettenspeicher-Chips“ war es möglich, das Originalsignal um ein paar Millisekunden zu verzögern. Veränderte man anschließend die Verzögerungszeit kontinuierlich, entstand ein noch intensiverer Auslöschungseffekt: Der Flanger war geboren! Während sich sich die Phaser zum Teil noch mit einem Regler begnügte, der die Geschwindigkeit beeinflusste, wurden einem Flanger auch schon mal drei oder sogar vier Potis spendiert: Neben der Geschwindigkeit und der Modulation gibt es darüber hinaus noch einen Regler für den Feedback-Anteil – also den Anteil des Effektes, der wieder auf den Eingang zurückgeführt wird, um die Intensität des Effektes zu erhöhen.

Ein vierter Regler wird bei einigen Pedalen für die Einstellung der Verzögerungszeit (Delay-Time) genutzt, sodass man mit manchen Flangern, z. B. dem Ibanez FL-9, auch Chorus-ähnliche Sounds erzeugen kann. Der Chorus arbeitet nämlich nach dem gleichen Prinzip wie der Flanger – allerdings ist bei ihm die Verzögerungszeit länger (zwischen 8 und 20 ms). Regelbar sind grundsätzlich die Geschwindigkeit und die Stärke der Modulation. Manche Pedale bieten auch einen Delay-Time-Regler an, andere Pedale bieten einen Level-Regler an, um das Effektsignal in der Intensität zu regeln. Was der Phaser-Effekt in den 60er- und 70er-Jahren war, ist der Chorus für die 80er gewesen: ein typischer Sound, der häufig und gerne überstrapaziert wurde. Die Verlockung, das trockene Gitarrensignal mit mehr Fülle, Tiefe und einem leichten Schweben anzureichern, war aber auch zu groß.

Nach wie vor Maß aller Dinge in Sachen Chorus ist der Boss CE-1, der mit zwei verschiedenen Modulationen einen wunderbar warmen und tiefen Chorus erzeugt. Digitale Geräte, wie z. B. das in den 80ern und 90ern sehr populäre Rocktron Intellifex, ein 19″-Gerät zum Einbau in ein Rack, bietet sogar acht Modulationen an.

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