Die Zeitzeugin

LTD TE-212 im Test

E-Gitarre im Telecaster-Style von LTD, schwarz, stehend
FOTO: Dieter Stork

 

ESP und das Tochter-Label LTD sind heute prominent im Hard’n’Heavy-Sektor vertreten; dabei hat die Firma Anfang der 80er-Jahre zuerst mit aufwendigen Einzelanfertigungen, aber dann vor allem mit guten Fender-Varianten Aufsehen erregt.

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Das war die Zeit, in der noch der Fluch des CBS-Konzerns auf Fender lastete und die immensen Qualitätsprobleme Raum für Firmen boten, die es einfach besser machten. ESP war so eine, und ihre alten Fender-Design-Serien sind heute nicht umsonst ziemlich begehrt. Gut, dass LTD, die Gut-&-Günstig-Abteilung von ESP, neben unzähligen Hardrock-Modellen diese Fender-Versionen noch im Programm hat, denn das Mutter-Label produziert keine einzige T-style mehr davon – sieht man einmal vom Ron-Wood-Signature-Modell ab, das übrigens unserer Testgitarre ziemlich ähnlich ist.

 

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FOTO: Dieter Stork
Leicht abgeflachter Korpusübergang, dann flutscht es besser in den hohen Lagen.

 

Konstruktion der LTD TE-212

Die TE-212 trägt das T-Gen schon im Namen, aber auch auf 10 km gegen den Wind wird jeder sofort erkennen, dass bis auf die Form der Kopfplatte die Mutter aller Solidbody-Gitarren Pate gestanden hatte. Der Sinn dieser Gitarre ist denn auch gar nicht, eigene Design-Ideen vorzutäuschen, sondern so viel wie möglich vom Fender-Original zu übernehmen, ohne dass die Rechtsanwälte des US-Riesen mit den Hufen scharren können. Als Korpusmaterial dient nicht gerade federleichte Erle, die deckend schwarz lackiert ist. Auf dem Ahornhals sitzt ein Ahorngriffbrett, in das 22 recht hohe Medium-Jumbo-Bünde eingelassen sind. Der 12. Bund ist mit einer Einlage gekennzeichnet, die die Typenbezeichnung verkündet und die ein bisschen grob geraten ist. Grob erscheint auch die Formung des Kunststoffsattels, aber die Kerbungen sind optimal ausgefallen.

Nicht dem Vintage-Standard entspricht der Hals-/Korpus-Übergang, der auf der Treble-Seite leicht abgeflacht ist und so einen besseren Zugang zu den oberen Lagen bietet. Auch die komplett in schwarz ausgeführte Hardware ist eher modern – z. B. die gekapselten Mechaniken und die Brücke, die mit sechs Stahl-Saitenreitern und einer Grundplatte aus gleichem Material aufwartet, in die der Steg-Pickup montiert ist. Beide Pickups stammen aus der Fernost-Produktion von ESP; ein Humbucker namens LH-150 am Hals und ein typischer T-Style Singlecoil mit Namen LTS-120 am Steg. Die Schaltung ist mit Dreiweg-„Blade“-Schalter, Master-Volume und -Tone wie gewohnt klassisch T. Verarbeitung und Spielbarkeit sind einwandfrei. Der nur matt lackierte Hals hat ein gutes Medium-Profil, das angenehm in der Hand liegt, und zusammen mit den hohen Bünden und den ab Werk aufgespannten .009er Saiten lässt es sich gut losspielen.

 

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FOTO: Dieter Stork
Der Steg-Pickup hat recht hoch aufragende Polepieces und ist T-typisch in die stählerne Grundplatte montiert.

 

Die LTD TE-212 in der Praxis

Als die Gitarre bei mir eintraf, habe ich sie gleich ausgepackt und losgespielt. Ich hatte Lust auf eine solche Gitarre, und die eigene war schon länger nicht mehr berücksichtigt worden und stand gerade etwas weiter weg. Und diese T-Style hier, die machte auf Anhieb Freude. Schon trocken konnte sie mit einem klaren, brillanten Klang aufwarten, mit einer sehr guten Transparenz und einem auffällig langen Sustain. Bendings, DoubleStops und Licks auf den tiefen Saiten klangen so schon sehr vielversprechend. Am Amp zeigte sich dann, dass diese TE-212 auch verstärkt überzeugen kann. Der „overwound“-Pickup am Steg liefert einen satten Schlag – sowohl clean als auch in allen Zerrstufen immer brillant, transparent und mit viel Kraft, aber nie schrill oder nur mittig. Er klingt nach Modern Country Rock, denn verzerrt kommt er zwar sahnig, kann aber nie seine T-Gen verleugnen. Sehr gut auch der Hals-Humbucker – wendig, warm und voll, aber nie matschig. Ein Hals-Humbucker in solch einer Gitarre macht wirklich Sinn, wenn der richtig gut mit dem Rest abgestimmt ist. Rauchige Swing-Sounds mit T-typischem Attack, aber auch angecrunchte Riffs und Blues-Sounds kommen stark!

Tja, und die größte Überraschung kam dann, als ich mir den Lieferschein mal genauer anschaute und darauf entdeckte, dass es sich hier um eine günstige LTD TE und nicht, wie ich unbewusst angenommen hatte, um eine teurere ESP TE handelte.

Das LTD- ist optisch dem ESP-Logo so stark angepasst, dass man auf ein paar Meter Entfernung den Unterschied nicht erkennen kann. Und erst recht nicht, wenn man heiß auf T ist.

 

Resümee

Starke Gitarre! Diese schwarze LTD TE-212 liefert rundum gelungene Qualität. Es gibt praktisch nichts an dieser Gitarre auszusetzen, was jetzt wirklich wichtig wäre. Sie klingt sehr gut, sie lässt sich sehr gut spielen, und auch, wenn sie sich sehr großer Konkurrenz vor allem aus dem Haus Fender und Squier ausgesetzt sieht, kann sie im Konzert der guten Günstigen, oder günstigen Guten, souverän mitspielen.

 

Übersicht

Fabrikat: LTD

Modell: TE-212

Typ: Solidbody-E-Gitarre

Herkunftsland: Vietnam

Mechaniken: ESP, gekapselt und dauergeschmiert

Hals: Ahorn, einteilig

Sattel: Kunststoff

Griffbrett: Ahorn, Punkt-Einlagen, „TE-212“-Einlage im 12. Bund

Radius: 7,25″

Halsform: C-Profil

Halsbreite: Sattel 43,58 mm; XII. 53,60 mm

Halsdicke: I. 20,15 mm; XII. 22,85 mm

Bünde: 22, Medium-Jumbo-Format

Mensur: 648 mm

Korpus: Erle

Oberflächen: Black (Optionen: Candy Apple Red, Distressed Three Tone Sunburst/Rosewood-Griffbrett)

Schlagbrett: schwarz, dreischichtig

Tonabnehmer: Designed-by-ESP LH-150 Humbucker (Hals: 10,53 kOhm); Designed-by-ESP LTS-120 Singlecoil (Steg: 7,20 kOhm)

Bedienfeld: 1× Volume, 1× Tone, 1× Dreiweg-Schalter (Blade)

Steg: LTD Traditional Flat-Mount-Bridge

Hardware: schwarz verchromt

Saitenabstand Steg: E-1st – E-6th 55,02 mm

Gewicht: 3,5 kg

Lefthand-Option: nein

Vertrieb: Sound Service

15834 Rangsdorf

www.sound-service.eu

Zubehör:

Preis: ca. 355

 

Plus

  • Sounds
  • Pickups
  • Spielbarkeit
  • Preis/Leistung
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