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Line 6 AMPLIFi 150 im Test

Line 6 Amplifi 150

Line 6 hat mit dem „AMPLIFi“ nach eigener Aussage den Gitarrenverstärker neu erfunden. Ist klar … Aber halt, es handelt sich hier um Line 6, und die haben schon mal Gitarrenprodukt-Geschichte geschrieben. Man darf also doch gespannt sein?

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Was so aussieht wie ein AC30 aus der Zukunft, ist ein 150-W-Transistor-Combo auf DSP-Basis. Das Design mit umlaufendem, zweifarbigem Stoff unter „Käsereibe“-Metallgitter wirkt nicht nur auf den Fotos edel und stylish, für die „Plastik-Lösung“ von Deckel und Boden gibt es allerdings Abzüge in der B-Note. Eine Handvoll Bedienelemente und Anschlüsse tarnen das Gerät als schlichten Amp, aber wie nicht anders zu erwarten, gibt es unter der Haube Extras an der Zahl. So hat z. B. der Celestion 12″ Custom-Design Speaker (C12P-80) zwei kleine, schräg nach oben strahlende 2-Wege-Koaxial-Speaker als Stereo-Ergänzung zur Seite gestellt bekommen. Zum einen werden darüber Teile der Effekte wiedergegeben, zum anderen hat man für das Musik-Playback beim Üben und Jammen ein Stereo-System an Bord, welches der Celestion dann als – in Relation betrachtet – monströser Subwoofer unterstützt. An der Frontplatte finden sich für das ultimative Disco-Feeling zudem noch zwei Bass-Reflex-Rohre. Auf der Oberseite eingelassen ist das Bedien- Panel inkl. Tragegriff.

Das Bedienfeld

Die Regler für Level, Gain, EQ, usw. sind nur stellvertretend für eine riesige Auswahl an Parametern und Funktionen, welche aber ausschließlich über ein Apple-iOS-Gerät per kostenloser AMPLIFi Remote-App bedient werden können (s. u.). Über den Tone-Knopf ist es möglich, am Amp vier voreingestellte Presets aufzurufen oder abzuspeichern. Mit dem benachbarten TAP-Knopf kann das Delay-Timing eingetippt werden, zudem wird durch längeres Drücken der Tuner aktiviert. Über einen letzten Knopf kann man schließlich den Bluetooth-Empfang einschalten, der entweder für die Fernsteuerung durch das App benötigt wird, oder iOS unabhängig für das Streaming von Musik benutzt werden kann (Mac, PC, Android, iOS). Die spartanische Rückseite trägt die Anschlüsse für Strom, Kopfhörer, Aux-In, Pedalboard (FBV Express, FBV Shortboard MK2) und USB. Da Letzteres derzeit (V1.00.5) noch ohne Funktion ist, bleibt für Aufnahmen ohne Mikrofon momentan nur der Kopfhörer-Ausgang, welcher bei Benutzung die Speaker stummschaltet. Somit eignet sich diese Möglichkeit nicht als paralleler Mixer-Feed beim Gig.

k l a n g e r z e u g u n g

Intern arbeitet ein digitales Modeling/DSPHerz, welches 78 Amps, 25 Cabs, 4 Mics und über 100 FX (Drive, Modulation, Delay, Reverb, Filter/Synth/Pitch, Wah, Gate, Kompressor, EQ) bereitstellt. Die Verbindung vom ausgelagerten GUI (App) zum Amp über Bluetooth ist praktisch, da so weder Kabel noch WLAN nötig sind. Die App gewährleistet in erster Linie die Einstellung und Organisation der Models und FX und bietet zudem mittels eigenem mp3- Player Audio-Streaming über den Amp, für Übungszwecke auch in halber Geschwindigkeit. Wird im Player ein Musikstück angeklickt, sucht die App über eine benötigte Internetverbindung in der eigenen Cloud nach passenden Sounds, welche auf Knopfdruck an den Verstärker geschickt werden können. Gefundene Presets können bewertet, im Editor bearbeitet und entweder im Apple-Gerät lokal gespeichert oder in der Cloud für alle zugänglich veröffentlicht werden.

Die Anschlüsse

Im Editor stehen neben den einfachen Instanzen von Gate, Vol, Comp und EQ vor allem die zahlreichen Modeling-Konterfeis bekannter Amps, Cabinets und FX zum Abruf bereit. In einem übersichtlichen Blockdiagramm kann man die einzelnen Instanzen aktivieren, editieren und an eine beliebige Stelle im Signalfluss schieben. Alle Post-FX, also die Effekte hinter der Amp- Model-Instanz, senden einen Anteil ihres Wet-Signals an die zusätzlichen Stereo- Lautsprecher. Auch die Fernbedienung der Levels sowie eine bessere Tuner-Ansicht bietet das Programm, zudem werden hierrüber die Software- Updates getätigt.

 

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Ich bin selbst Entwickler allerdings für PC Software deshalb frage ich mich ob die Entwickler der iOS oder Anroid App’s eigentlich alle total bescheuert oder alle nur scriptkiddies oder Hobbyentwickler sind, wie kann es denn sein, dass das Speichern von selbst bearbeiteten Presets so dermaßen umständlich ist, das ist doch absolut essentiell, was nutzt mir dieser geile Amp, wenn die Bedienung so bescheuert umständlich ist, wenn ich die Software für meine Kunden so stümperhaft entwickeln würde, wäre ich wohl längst arbeitslos.
    Warum gibt es eigentlich keine PC Software zur Steuerung dieses Verstärkers?

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