G&B Testbericht

LÂG S1000 Phil Campbell Signature im Test

E-Gitarre von LAG, liegend
FOTO: Dieter Stork

Bereits seit Jahren ist der bislang dienstälteste Gitarrist der britischen Rock-’n’-Roll-Institution Motörhead treuer Kunde des französischen Herstellers. Sein Markenzeichen, das Explorer-Design, diente natürlich auch beim Phil-Campbell-Modell der neu geschaffenen LÂG-Signature-Serie als Vorbild.

 

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Um “Wizzos” Custom-Shop-Original möglichst nahezukommen, hat man versucht, jedes Detail zu berücksichtigen. Damit die Gitarre jedoch bezahlbar bleibt, lässt LÂG sie in Korea fertigen.

Konstruktion der LÂG S1000 Phil Campbell Signature

Vier verschiedene Holzarten vereinen sich in dieser neuen LÂG-Gitarre. So trägt der Linden-Body ein gleichmäßig geflammtes, bookmatched halbiertes Deckenfurnier aus Riegelahorn, welches von creme-schwarzem Vierfach-Binding umrandet wird. Den verschraubten Ahornhals hat man in Höhe der Bünde 2 und 3 großflächig geschäftet und mit einem Ebenholzgriffbrett versehen. Auch die Kopfplatte ziert ein Riegelahornfurnier, das ebenso in Honey Shadow lackiert wurde wie die Korpusdecke. Der restliche Body glänzt im coolen Schwarz und wurde wie das komplette Finish spiegelglatt poliert.

Allein der Halsrücken bietet eine naturfarbene griffige Satin-Oberfläche. Vier Schrauben – eine davon fixiert gleichzeitig den oberen Gurtpin – ein Konterblech und die präzise gefräste Aufnahme garantieren eine stabile Halsverbindung und beste Schwingungsübertragung. Damit sich die höchsten Lagen stressfrei bespielen lassen, hat man den Body am Übergang gut 6 mm abgeflacht und die Cutaway-seitige Kante stark facettiert. 24 vorbildlich abgerichtete und polierte Medium-Jumbo-Bünde verteilen sich auf dem Griffbrett. Für Orientierung sorgen sowohl klassische Trapez-Inlays aus Perlmutt als auch kleine seitliche Punkte. Optimal aus- und abgerichtet führt ein reibungsarmer Tusq-Sattel die Saiten zu den tadellos arbeitenden LÂG-Tunern.

Ein Kragen verstärkt den Übergang zur recht massigen Kopfplatte. Der abgedeckte Stahlstab lässt sich in zwei Richtungen justieren und macht damit die Verwendung auch dünnster Saiten möglich. Steg und Saitenhalter erweisen sich als moderne Tune-o-matic- und Stoptail-Versionen. Hinten deckt eine Kunststoffplatte das mittels Graphitlack abgeschirmte schlanke E-Fach ab. Auf gleicher Höhe hat man die Klinkenbuchse per Strat-Blech an der Zarge montiert. Mit ein wenig Übung trifft man den korrekten Einführwinkel des Steckers. Auch die Kammern der beiden Seymour-Duncan-Humbucker, ein SH-1 am Hals und ein TB-4 in der Stegposition, hat man per Graphitlack abgeschirmt. Ein solider Dreiweg-Toggle und ein Master-Volume-Poti übernehmen die Kontrolle der Minimalschaltung.

LÂG S1000 Phil Campbell Signature  in der Praxis

Explorers gehören für mich in die Top 5 wenn es um Spiel- und Tragekomfort von E-Gitarren geht, obgleich sie meist keinerlei körpergerechte Shapings vorzuweisen haben. Sowohl am Gurt als auch auf dem Oberschenkel stets bestens ausbalanciert, bieten sie eine super komfortable Armstütze. All das trifft auch hier zu.

Das nicht zu schlanke, mittig minimal abgeflachte Halsprofil der Phil Campbell Signature schmiegt sich angenehm in meine Hand, die Oberfläche bietet besten Grip, die sorgfältig verrundeten Bundkanten erlauben schnelle Lagenwechsel. Schlägt man die Saiten mit einem Vollakkord an, schwingt die Konstruktion intensiv, gleichförmig und lange. Einzeln gespielte Töne sprechen akzentuiert und direkt an, entfalten sich schnell und spritzig und lassen sich mit variablem Anschlag problemlos formen, was das dynamische Potential der Gitarre unterstreicht.

Fernab von Strom klingt die Gitarre kraftvoll und ausgewogen, liefert ein straffes Fundament, warme, prägnante Mitten und seidige Höhen mit achtbarem Obertongehalt. Da der Hals-Pickup rund 3 cm näher zum Steg hin positioniert wurde als bei einer identischen Mensur mit 22-Bund-Griffbrett, klingt er deutlich glockiger und heller als gewohnt, zeigt dabei aber Ausgewogenheit. Er liefert nicht den charakteristischen fetten, bluesig-warmen Cleansound eines Vintage-Humbuckers, auch wenn der Duncan SH-1 die Spezies eines vielseitigen PAF-Typs vertritt. Nicht uninteressant, irgendwie erinnert das an eine Mixtur aus klassischem Paula-Hals-Humbucker und der Hals/Steg-Kombi Derselben. Ein erfrischend klarer, perlender, transparenter Sound mit kompakten Bässen, glockigen Mitten und Höhen sowie seidiger Brillanz.

Das Ganze kommt im Zerrbetrieb weniger wuchtig und mulmig, dafür sehr konkret und charaktervoll auch wenn sich ein Hauch von Näseln hinzugesellt. Ungeachtet des Verzerrungsgrades unterstützt der sehr dynamisch reagierende Pickup sowohl das Sustain als auch jede Nuance von Tonbildung. Assoziationen zum frühen Santana werden wach. Silbrig glockig und noch etwas schlanker perlt die Kombination beider Doppelspuler aus den Lautsprechern. An diesem funky spritzigen, mitunter sogar twangy Cleansounds hätte der Godfather of Soul und auch mancher Rhythmusgitarrist anderer Genres seinen Spaß.

Zerrtechnisch kann dieses Klangbild eher bei crunchy Sounds begeistern, High-Gain-Sachen lassen indes weder Fisch noch Fleisch erkennen und nölen oder quäken sogar etwas. Wie mag Phil Campbell seine Gitarre denn wohl primär einsetzen? Nun ja, angesichts des heißen SH-4 Steg-Pickups, seit über 30 Jahren das populärste und erfolgreichste Seymour-Duncan-Modell, dürfte das keine Frage sein. Knochentrocken und transparent schiebt das Kraftpaket Klarklänge mit druckvollen, straffen Bässen, drahtigen Mitten und knackigen Höhen aus den Lautsprechern. Jetzt wollen wir aber endlich mal hören, was Phil Campbells Gitarrenarbeit bei Motörhead ausmacht.

Geben wir also Gummi. Saftig, fett, druckvoll aber dennoch ausgewogen, transparent, ungeheuer dynamisch und präzise setzen Gitarre und Pickup facettenreiches Spiel um. Gefühlvoller Anschlag lässt jeden Ton sanft säuseln, hartes Attack kehrt das Biest heraus und lässt die Obertöne schreien. Bissig schreiende Höhen, aggressive Harmonics und eine perfekte Mixtur aus Verzerrung und Sustain prädestinieren diese LÂG für härtere Gangarten. Das Volume-Poti rotiert sahnig weich, lässt sich mit dem gerändelten Metallknopf komfortabel handhaben und gestattet dank seiner gleichförmigen Regelcharakteristik präzise Gain-Kontrolle.

Resümee

Phil Campbells Signature-Modell entpuppt sich als kompromissloses, robustes Arbeitsgerät für den rauen Bühnenalltag einer Voll-auf-die-Zwölf-Band. Sehr gute Schwingungseigenschaften und ein bewährtes Seymour-Duncan-Pärchen entlocken der Gitarre transparente Clean- und definierte, durchsetzungsfreudige High-Gain-Sounds. Die vorbildliche Verarbeitung insbesondere der Bünde garantiert hohen Spielkomfort in allen Griffbrettregionen. Kurz und gut, eine rundum gelungene Rock-’n’-Roll-Gitarre zum fairen Preis.

Ein Kommentar zu “LÂG S1000 Phil Campbell Signature im Test”
  1. Im oberen Bild ist die S1000 zu sehen.
    Im Video wird jedoch eine S2000 gezeigt!
    Oder liege ich da falsch?

    Antworten
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