G&B Testbericht

Kustom HV100THD im Test

Kustom Top HV100THD und Box HV412, schwarz
(Bild: Dieter Stork)

Nachdem wir die Combos der Serie schon getestet haben, kommt hier das Kustom HV100THD-Top. Zusammen mit der passenden Box kann das 100 Watt starke Head als Full- oder Halfstack aufspielen, Effekte sind an Bord.

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In beiden Kanälen mischt eine mit Hochspannung versorgte 12AX7-Röhre mit, und Tonansprache, Reaktion und Kompression der „Organic Clipping“-Endstufe ähneln einer Vollröhrenschaltung. Das belegte bereits in Ausgabe 02/2010 ein elektronisch baugleicher Verwandter, der Kustom HV100T Combo.

Konstruktion des Kustom HV100THD

Den kleineren Serienbrüdern HV20T, HV30T und HV65T haben wir in Ausgabe 06/2010 auf den Zahn gefühlt, besonders den Testbericht des HV100T Combos in Ausgabe 02/2010 empfehle ich noch einmal gründlich zu studieren, um keine Details des Heads zu verpassen.

Das HV100THD ist ein stabil konstruiertes Topteil, mit zwei Kanälen, Multieffektsektion, seriellem Effekt-Weg und einer optional fußschaltbaren Boost-Funktion. Rhythm- und Lead-Kanal sind jeweils mit eigenen 3-Band-EQs, Gain- und Master- Volume-Reglern sowie unterschiedlichen Voicing-Schaltern ausgestattet.

„Das Beste sitzt unter der Haut“ tönte Loriot mal in einem Sketch, und so bedeckt ein strapazierfähiger Kunstlederbezug bei der HV412-Box (in oben angeschrägter oder gerader Ausführung erhältlich) eine resonanzstarke Konstruktion komplett aus Schichtholzplatten. Im Inneren der Box finden wir vier G12P-80 Lautsprecher, keine schlechte Wahl. Im Combo lieferten zwei dieser G12P-80 bereits eine überzeugende Vorstellung ab. Seitlich wurden ergonomisch günstige Kunststoffgriffmulden in die HV412-Boxen eingelassen, auf der Rückseite gibt’s zwei parallel verdrahtete Anschlüsse für Verstärker und eine weitere Box. Ein Satz steckbare Rollen liegt jeder Box bei.

Kustom HV100THD in der Praxis

Als Halfstack mit nur einer Kustom HV412-Box betrieben, läuft das HV100THD-Head mit „gebremstem Schaum“, also nicht unter Volllast. Es kann im Proberaum oder bei etwas kleineren Gigs jedoch recht praktisch sein, wenn statt der maximalen 100 Watt an zwei 8-Ohm-Boxen (oder alternativ an eine 4-Ohm-Box) hier „nur“ ca. 70 Watt an eine 8-Ohm-Box abgegeben werden. Denn die Organic-Clipping-Endstufe bringt an ihrer Leistungsgrenze einen knurrigen fetten Ton mit leichter Kompression zu Gehör, wie man ihn ansonsten eher von Vollröhren-Amps her kennt. Die erreichbare Power und der Druck sind enorm, das Klangverhalten des HV100T Combos tritt hier mit dem Wumms und der Breite einer hinten geschlossenen 4×12″-Box jedoch ganz anders auf. Kompliment, das (Half)-Stack macht Laune, es ist vielseitig von Clean über Crunch, von Blues über Kustom „gritty“ Knurr bis hin zu Hard-Rock-Klängen einsetzbar. In den Mitten ausgehöhlte Metal-Sounds bringt das Head trotz der erstklassigen, interaktiven, jedoch passiv arbeitenden 3-Band-EQs nicht zustande, es sei denn man stöpselt einen Metal-Zerrer davor.

Resümee

Für ungefähr einen Tausender Ladenpreis bekommt man hier ein voll ausgestattetes Stack der soliden Mittelklasse, mit richtig guter Tonansprache und amtlichen Sounds, sowie resonanzfreudigen Boxen mit Celestion-Speakern. Die Multieffeksektion ist gelungen, der FX-Weg ergänzt sie, und dank D.I.-Ausgang mit Speaker-Emu könnte man mit dieser Kombi eigentlich sofort komplett glücklich sein und losfetzen, wenn die Live dringend benötigten Fußschalter gleich zum Lieferumfang gehören würden. Diese gilt es jedoch separat zu erwerben.

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