Gelungene Mischung aus Innovation und Funktionalität

Kopflos, sieben Saiten, Multiscale: Hils HZ7 im Test

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(Bild: Dieter Stork)

Nach den eher „klassischen“ Headless-6-Saitern legt Hils (Hex Instruments Labs) mit der HZ7 nach: sieben Saiten, Multiscale/Fanned Frets, aktives Pickup-Set – also ziemlich klar in Richtung moderne Performance. Headless- und Multiscale-Konzepte sind längst etabliert, aber in der 800-Euro-Liga bleibt die Frage spannend: Was ist hier wirklich durchdacht, was nur Optik – und wie gut ist das Paket am Ende?

Klar, diese Gitarrenart ist längst nichts Neues mehr. Es gibt teure Boutique-Hersteller, Firmen wie .strandberg* oder Ormsby im mittleren Preissegment und seit kurzem eben auch die deutlich günstigeren Hersteller aus Asien. Zu diesen zählt auch Hils und deren hier getestete HZ7. Mit knapp 800 Euro ist sie allerdings auch nicht mehr ganz billig. Mal schauen, was dran ist.

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FORM FOLLOWS FAST IMMER FUNCTION

Hils liefert die Gitarre sicher verpackt und in einem brauchbaren, minimal gebrandeten Gigbag. Damit wird man lange klarkommen, dennoch spiegelt es den vergleichsweise günstigen Preis der Gitarre wider. Wenn man das Gigbag jedoch öffnet, geht es los: Die HZ7 setzt mit ihrer Farbe „Honey Yellow“ ein starkes optisches Statement.

Auf dem Guitar Summit habe ich allerdings die grüne Version gesehen … es geht immer noch extremer… 😉 Die Formgebung wirkt in natura deutlich stimmiger und harmonischer als auf Fotos. Ich fand immer, dass der mittlere Korpusteil durch die asymmetrische Form etwas schmal wirkt, was in echt aber gar kein Thema ist. Insgesamt ist die HZ7 ein echter Hingucker mit einer modernen, coolen und gut ausgeführten Lackierung.

Was als Zweites ins Auge sticht, ist die clevere Ergonomie: Die Gitarre steht dank zweier „Füße“ aufrecht und stabil. Das ist nicht nur praktisch für die Bühne oder das Studio, sondern zeigt auch, dass beim Gitarrenbau immer noch Raum für Optimierungen ist und hier bis ins letzte Detail nachgedacht wurde.

Die Verarbeitung ist dabei wirklich gut. Ich würde sie nicht als „Top-Niveau“ im Sinne einer handgefertigten Boutique-Gitarre bezeichnen, aber sie übertrifft definitiv die Erwartungen, die man in dieser Preisklasse haben kann. Besonders die Bünde sind hervorragend verarbeitet – nichts steht über, nichts kratzt. Das ist besonders wichtig, da es sich um Edelstahlbünde handelt. Ein tolles Feature für diesen Preis, da sie nahezu ewig halten werden – nur das Nachbearbeiten könnte eben schwerer fallen.

(Bild: Dieter Stork)

Der Hals selbst ist ziemlich flach, Hils nennt das Profil „Slim C“. Die Halsrückseite ist nahezu eben und das Profil rundet sich erst zu den Rändern hin deutlich ab. Das macht ihn äußerst komfortabel für schnelle Läufe und Riffs und er fühlt sich ähnlich wie viele moderne Siebensaiter an. Die Gitarre verfügt über Fanned Frets (Multiscale, 25,5 bis 27 Zoll), was bei Siebensaitern noch sinnvoller ist als bei „normalen“ Gitarren. Dieses Konzept trägt spürbar dazu bei, die tiefen Saiten präziser und mit mehr Attack abzubilden, ohne dass schnelle Soli auf den hohen Saiten schwieriger werden.

Auch die proprietäre Bridge ist durchdacht: Sie erlaubt es, die Saitenhöhe anzupassen, ohne die Saitenspannung ändern zu müssen (ja, ich schaue euch an, alte .strandberg*-Modelle).

(Bild: Dieter Stork)

Da sich unter den Tunern nochmals etwas Holz befindet, kommt man nicht ganz so frei an sie heran wie bei anderen Herstellern, und das Stimmen erfordert etwas Fingerspitzengefühl. Glücklicherweise erwies sich die Hils im Test als ziemlich stimmstabil, sodass dies nur ein kleiner Kritikpunkt ist. Besagter Holzteil eignet sich nämlich ganz wunderbar, um die HZ7 in klassischer Spielposition auf dem Oberschenkel zu positionieren. Apropos Stabilität: Ein cooles Detail ist die breitere „Kopfplatte“, die es erlaubt, die Gitarre in einem normalen Wandhalter aufzuhängen – eine simple, aber geniale Lösung.

Praxis, Sounds und Resümee auf Seite 2

(Bild: Dieter Stork)

PRAXIS UND SOUNDS

Die Ergonomie ermöglicht ein entspanntes Spiel in sämtlichen Spielpositionen. Und dank des geringen Gewichts von etwa 2,7 kg sind auch längere Sessions am Gurt problemlos möglich. Nach Kopflastigkeit fragt hoffentlich niemand.

Kommen wir nun zum Herzstück des Instruments, den Tonabnehmern. Die Pickups klingen zweifellos gut und punchy, sind aber auch sehr outputstark und etwas basslastig. Für meinen persönlichen Geschmack war das fast zu viel des Guten und ich hätte mir an manchen Stellen mehr Transparenz gewünscht. Die Entwickler haben den Ton ganz klar in Richtung Modern Metal und High-Gain getrimmt, was wiederum perfekt zum Fanned-Fret-Konzept passt. Durch einen EQ habe ich das gut und einfach in den Griff bekommen. Sollte man vielleicht im Hinterkopf behalten, wenn man eine klanglich sehr vielseitige Gitarre sucht. Zwar kann man die Pickups mittels Push-Pull-Poti splitten, aber die Charakteristik bleibt auch hierbei erhalten. Ich persönlich hätte mir etwas mehr Spritzigkeit gewünscht.

Was hier allerdings ganz wunderbar funktioniert, ist der Kompressor-Clean-Sound der 80er Jahre. Wenn man die HZ7 in einen Jazz Chorus spielt, kommt der Punch perfekt zur Geltung, und das Signal bleibt auch bei vielen Effekten immer transparent und ausdrucksstark. Die Hils schwankt klanglich also zwischen den Polen „retro (aber nicht vintage) Clean“ und „total auf die Fresse“. Und das wiederum ist erfrischend.

Da die Pickups schräg eingebaut sind, kann man sie nicht ohne Weiteres gegen andere Modelle tauschen. Als ich die Verarbeitung im Elektronikfach prüfen wollte, sah ich, dass es ein Trimpot fürs Gain gibt (gut!). Ich habe mich kurz gefreut, um dann zu merken, dass ich es von Gain auf noch viel mehr Gain regeln kann.

(Bild: Dieter Stork)

Die Bespielbarkeit ist dank der makellosen Bundierung und des komfortablen Halses exzellent. Das kompakte Gesamtformat macht die HZ7 zudem zu einem hervorragenden Begleiter für den Proberaum, für unterwegs oder das Heimstudio. Gerade am Schreibtisch bin ich immer sehr dankbar für kompakte Gitarren. Und dass man sie dann noch auf ihren Füßchen schnell ohne Ständer abstellen kann, ist wirklich super!

KONKURRENZ-CHECK

Das Segment der Headless Siebensaiter ist noch nicht sehr stark besetzt, wächst aber. Natürlich kommt man an den .strandberg*-Modellen nicht vorbei. Die Schweden setzen mit ihrem patentierten EndurNeck-Profil auf ein noch radikaleres Ergonomiekonzept, verlangen dafür aber auch mindestens 1000 Euro mehr. Das ist schon ein Wort.

Wer sich preislich bei der Hils gut aufgehoben fühlt, kann sich auch die Larry Carlton X6 Headless für den gleichen Preis oder die Solar H2.7 für rund € 100 weniger anschauen. Beide bieten die Strandberg-Form, haben aber sonst einiges mit der Hils gemein. Wer vor einem Eigenimport nicht zurückschreckt, könnte sich GOC aus China anschauen. Wenn einem das Multiscale-Konzept nicht so wichtig ist, würde ich die Ibanez Headless mit dem griffigen Namen QX527PB empfehlen. Sie hat einen etwas volleren Hals, der mir persönlich sehr gut in der Hand lag, und sie kann durch ihre zwei Gurthalter auch aufrecht hingestellt werden.

(Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

Die Hils The Next HZ7 ist eine gelungene Mischung aus Innovation und Funktionalität. Sie bietet eine super Verarbeitung und ein cleveres Design. Beides gemessen an der Preisklasse absolut top. Für meinen persönlichen Geschmack könnten die Tonabnehmer etwas weniger Output und Bass haben, aber das ist ja glücklicherweise Geschmackssache. Wer extreme Sounds mag, wird sich hier direkt zuhause fühlen. Nur tauschen kann man sie eben nicht ohne weiteres. Die HZ7 ist ein Instrument, das den Spagat zwischen Ergonomie und ästhetischem Anspruch souverän meistert. Dabei haben mich insbesondere die Form und die wohlüberlegten Designentscheidungen (die beiden Füße zum Abstellen und der generelle Spielkomfort) überzeugt. Und Hils schafft es, selbst im immer noch futuristisch wirkenden Headless-Markt noch ein bisschen moderner auszusehen. ●


Plus

  • moderne, komfortable, praktische Form
  • Verarbeitung
  • Spielbarkeit

Minus

  • Stimmen etwas fummelig
  • Pickups sind sehr heiß und basslastig


(erschienen in Gitarre & Bass 02/2026)

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