Gelungene Mischung aus Innovation und Funktionalität
Kopflos, sieben Saiten, Multiscale: Hils HZ7 im Test
von Florian von der Ohe, Artikel aus dem Archiv
(Bild: Dieter Stork)
PRAXIS UND SOUNDS
Die Ergonomie ermöglicht ein entspanntes Spiel in sämtlichen Spielpositionen. Und dank des geringen Gewichts von etwa 2,7 kg sind auch längere Sessions am Gurt problemlos möglich. Nach Kopflastigkeit fragt hoffentlich niemand.
Kommen wir nun zum Herzstück des Instruments, den Tonabnehmern. Die Pickups klingen zweifellos gut und punchy, sind aber auch sehr outputstark und etwas basslastig. Für meinen persönlichen Geschmack war das fast zu viel des Guten und ich hätte mir an manchen Stellen mehr Transparenz gewünscht. Die Entwickler haben den Ton ganz klar in Richtung Modern Metal und High-Gain getrimmt, was wiederum perfekt zum Fanned-Fret-Konzept passt. Durch einen EQ habe ich das gut und einfach in den Griff bekommen. Sollte man vielleicht im Hinterkopf behalten, wenn man eine klanglich sehr vielseitige Gitarre sucht. Zwar kann man die Pickups mittels Push-Pull-Poti splitten, aber die Charakteristik bleibt auch hierbei erhalten. Ich persönlich hätte mir etwas mehr Spritzigkeit gewünscht.
Was hier allerdings ganz wunderbar funktioniert, ist der Kompressor-Clean-Sound der 80er Jahre. Wenn man die HZ7 in einen Jazz Chorus spielt, kommt der Punch perfekt zur Geltung, und das Signal bleibt auch bei vielen Effekten immer transparent und ausdrucksstark. Die Hils schwankt klanglich also zwischen den Polen „retro (aber nicht vintage) Clean“ und „total auf die Fresse“. Und das wiederum ist erfrischend.
Da die Pickups schräg eingebaut sind, kann man sie nicht ohne Weiteres gegen andere Modelle tauschen. Als ich die Verarbeitung im Elektronikfach prüfen wollte, sah ich, dass es ein Trimpot fürs Gain gibt (gut!). Ich habe mich kurz gefreut, um dann zu merken, dass ich es von Gain auf noch viel mehr Gain regeln kann.
(Bild: Dieter Stork)
Die Bespielbarkeit ist dank der makellosen Bundierung und des komfortablen Halses exzellent. Das kompakte Gesamtformat macht die HZ7 zudem zu einem hervorragenden Begleiter für den Proberaum, für unterwegs oder das Heimstudio. Gerade am Schreibtisch bin ich immer sehr dankbar für kompakte Gitarren. Und dass man sie dann noch auf ihren Füßchen schnell ohne Ständer abstellen kann, ist wirklich super!
KONKURRENZ-CHECK
Das Segment der Headless Siebensaiter ist noch nicht sehr stark besetzt, wächst aber. Natürlich kommt man an den .strandberg*-Modellen nicht vorbei. Die Schweden setzen mit ihrem patentierten EndurNeck-Profil auf ein noch radikaleres Ergonomiekonzept, verlangen dafür aber auch mindestens 1000 Euro mehr. Das ist schon ein Wort.
Wer sich preislich bei der Hils gut aufgehoben fühlt, kann sich auch die Larry Carlton X6 Headless für den gleichen Preis oder die Solar H2.7 für rund € 100 weniger anschauen. Beide bieten die Strandberg-Form, haben aber sonst einiges mit der Hils gemein. Wer vor einem Eigenimport nicht zurückschreckt, könnte sich GOC aus China anschauen. Wenn einem das Multiscale-Konzept nicht so wichtig ist, würde ich die Ibanez Headless mit dem griffigen Namen QX527PB empfehlen. Sie hat einen etwas volleren Hals, der mir persönlich sehr gut in der Hand lag, und sie kann durch ihre zwei Gurthalter auch aufrecht hingestellt werden.
(Bild: Dieter Stork)
RESÜMEE
Die Hils The Next HZ7 ist eine gelungene Mischung aus Innovation und Funktionalität. Sie bietet eine super Verarbeitung und ein cleveres Design. Beides gemessen an der Preisklasse absolut top. Für meinen persönlichen Geschmack könnten die Tonabnehmer etwas weniger Output und Bass haben, aber das ist ja glücklicherweise Geschmackssache. Wer extreme Sounds mag, wird sich hier direkt zuhause fühlen. Nur tauschen kann man sie eben nicht ohne weiteres. Die HZ7 ist ein Instrument, das den Spagat zwischen Ergonomie und ästhetischem Anspruch souverän meistert. Dabei haben mich insbesondere die Form und die wohlüberlegten Designentscheidungen (die beiden Füße zum Abstellen und der generelle Spielkomfort) überzeugt. Und Hils schafft es, selbst im immer noch futuristisch wirkenden Headless-Markt noch ein bisschen moderner auszusehen. ●
Plus
- moderne, komfortable, praktische Form
- Verarbeitung
- Spielbarkeit
Minus
- Stimmen etwas fummelig
- Pickups sind sehr heiß und basslastig

(erschienen in Gitarre & Bass 02/2026)
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