Die Perlen des Gebrauchtmarkts

Kleinanzeigen Heroes: Ibanez TSA15H

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Günstige Arbeitstiere, unterschätzte Underdogs, übersehene Youngtimer und vergessene Exoten: In den „Kleinanzeigen Heroes“ stellen wir euch die Geheimtipps des Gebrauchtmarkts vor, die einen maximalen „Bang for the buck“ liefern.

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Ibanez TSA15H

Obgleich der japanische Hersteller primär durch seine unzähligen Gitarren, Bässe und das eine oder andere Effektgerät Popularität erlangt hat, versuchte er bereits in frühen Jahren auch im Verstärkersektor Fuß zu fassen. Nun ja, der Durchbruch ist ihm damit leider nie richtig gelungen, dennoch erblickten in den vergangenen Jahrzehnten neben zahlreichen Transistor- auch diverse Röhren-Amps das Licht der Welt.

Eine kleine Auswahl gefällig? Der älteste mir bekannte ist der Tube Combo Model 6270 von 1964, der noch von Guyatone hergestellt wurde. Offenbar als Antwort auf Mesa/ Boogie waren 1980 die IBZ 60TE und 100TE Tube Amps zu verstehen, die u.a. mit Graphic EQs ausgestattet waren. Deren Luxusmodelle 1000V und 1000N gab es sogar mit Edelholzgehäusen.

Ca. 1989 erschien die Starfield-Reihe u.a. mit dem VT100. Welchen Stellenwert Gitarrenverstärker bei Ibanez haben bzw. hatten, wird in dem Buch „Ibanez – The Untold Story“ deutlich, in welchem gerade mal auf 2 von 300 Seiten Amps Erwähnung finden, nämlich die 1998er Transistormodelle Sound Wave (Bass), Troubadour (Acoustic), IBZ und Toneblaster.

TUBE SCREAMER AN BORD

Mit einer echten Sahneschnitte im Kompaktformat kam Ibanez 2010 um die Ecke: Vollröhrenbauweise, 15 Watt Class-AB-Gegentaktendstufe, Halbleitergleichrichtung und erhältlich als 1×12-Combo oder Top mit 1×12-Cabinet. Primär für cleane Sounds konzipiert, verfügt die Amp-Sektion über die Regler Bass, Treble und Volume.

Die Modellbezeichnung TSA deutet es jedoch schon an: Tube Screamer Amp. Die legendäre, populärste und meistkopierte Ibanez Stompbox inklusive? Yep! Hier drängt sich unwillkürlich die Frage nach der Modellversion auf. Ibanez spricht im Manual lapidar von „original Tube Screamer Schaltung“, daher handelt es sich vermutlich um die um 2010 aktuelle Version des TS-9, die der Amp-Sektion vorgeschaltet ist und somit keinen True Bypass bietet.

Erwartungsgemäß sind die Regelmöglichkeiten (Over-)Drive, Tone und Level mit denen des klassischen Tube Screamers identisch. Dessen Overdrive/Boost-Effekt lässt sich manuell oder per angeschlossenem Fußschalter aktivieren – entweder mit dem originalen dunkelgrünen Ibanez IFS2G oder jeder adäquaten x-beliebigen Alternative. Quasi als Nachbrenner für zusätzliche Verzerrung und/oder Solo-Level beschäftigt der TSA15H einen dem Tube Screamer nachgeschalteten 6dB-Booster.

Grüne LED´s signalisieren die Status beider Schaltungen. Im Signalweg folgt dem Booster ein serieller Loop mit Send- und Return-Anschlüssen für externe Effekte. Mittels Output Mode Switch lässt sich die Endstufenleistung von 15 auf wohnzimmertaugliche 5 Watt drosseln. Neben Fußschalteranschluss (Tube Screamer und Boost, TRS-Klinke), FX Loop und Output-Schalter finden sich auf der Rückseite auch die fünf Speaker-Ausgänge 2×4, 2×8 und 1×16 Ohm.

3-KANALER?

In der Tat bietet das gerade mal 7,6 kg wiegende Top mit Amp, Tube Screamer und 6dB-Booster quasi drei Kanäle und erweist sich damit auch ohne externe Gerätschaften als klanglich immens flexibel. Möchte man der Amp-Sektion Verzerrungen entlocken, bedarf es leistungsstarker Pickups. Die beiden passiven interaktiven Klangregler greifen wirkungsvoll ins Klanggeschehen ein, vor allem Treble. Zur Nutzung des kraftvoll und kultiviert klingenden TSA15H bieten sich zwei grundsätzliche Szenarien an:

1. Zweifach-Modus mit Pegel-Boost. Hierbei stellt man den Amp clean ein, der Tube Screamer dient nach Belieben als mehr oder weniger zerrende Basis für Leadsounds, während die Boost-Funktion zwei Lautstärkeebenen ermöglicht.

2. Dreifach-Modus: Amp mit hohem Volume-Setting für gerade noch Clean, der aktivierte Booster für Crunch und der Tube Screamer mit oder ohne Level-Anhebung für Leadsounds.

Speziell in der zweiten Variante beweist der TSA15H seine Qualitäten und Vielseitigkeit und liefert zudem fette Distortion. Somit beherrscht der Amp alles von Country über Blues bis Classic Rock. Dagegen ist Metal-High-Gain-Distortion überhaupt nicht sein Metier. Die eher weiche Zerrfarbe und der angenehm musikalische Charakter der beiden 6V6-Endstufenröhren verwöhnen mit singend harmonischen Verzerrungen, die vorzüglich auf nuancierte, ausdrucksstarke Spielweise und die Arbeit mit dem Volume-Poti der Gitarre reagieren.

PREISE

Seit geraumer Zeit wird der Markt mit kleinen 15-20 Watt starken Röhren-Amps auch dank der Kampfpreise fernöstlicher Hersteller förmlich überschwemmt. Bei Markteinführung kostete der – ebenfalls in China hergestellte – Ibanez TSA15H ca. 325 Euro, der Combo ca. 444 Euro, die 1×12 Box ca. 195 Euro. Nachdem Top, Box und Combo eine Zeit lang zuhauf auf dem Gebrauchtmarkt zu finden waren, hat sich das Angebot inzwischen nahezu pulverisiert. Offenbar erfreut sich der Kleine steigender Beliebtheit, sodass sich die Preise stabilisiert haben.

Aktuell werden für ein gutes erhaltenes Top inklusive original Fußschalter ca. 250 Euro aufgerufen, für Top plus Box etwa 400 Euro. Für einen derart praxisorientiert konzipierten, erstklassig klingenden und dynamisch reagierenden Amp in jedem Fall ein echter Schnapper.

(erschienen in Gitarre & Bass 11/2023)

Produkt: Jazz Amp
Jazz Amp
Realität oder Illusion?

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Ich habe noch den ,, Blackheart BH15H Röhren-Topteil inkl. 212 – Box !
    Das Teil ist einfach nur der Hammer.

    Im direkten Vergleich zu meinem Blackstar HT20 MKII Topteil inkl. der 212 – Box vom selbigen Hersteller sieht der kein Land zum Blackheart, in marginalen
    Unterscheiden der Klangbildung, dem Sound der natürlich unterschiedlich von den Erbauern / Konstrukteuren konzipiert wurde.

    Der Blackheart hat mehr ,, Marshall – Gene ,, als der ,, Blackstar ,,.
    Beide Sound-Konzeptionen sind für mich absolut genial, dcken meine Klang- und Sound-Vorstellungen optimal ab.
    Den Rest mache ich wie schon immer mit meinen Sound veredelnden Pedalen.

    Die abrufbaren Leistungen beider Aggregate sind vollkommen Praxis tauglich.

    Beste Grüße und fröhliches ,, Jingle – Bell Rocken ,, an alle……..

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    1. Da stimme ich dir,lieber „Orange“ sehr gerne voll und ganz zu!
      Der damalige Blackheart Vollröhren Combo Amp ist absolut super,und bis heute auch noch in meinem Besitz. Sein Klang ist richtig satt und er wurde damals sehr sauber verarbeitet und mit qualitativ sehr hochwertigen Bauteilen bestückt ausgeliefert. Er war sogar so sehr gefragt,daß ich ihn bei meinem einstigen Gitarrenhändler im Bezirk Berlin-Neukölln vorbestellen mußte,weil die Erstserie sofort vergriffen war! Dies spricht eindeutig für den Blackheart Combo Amp! Leider hatte er schon damals keinen Master-Reglerpoti,sodaß man ihn eigentlich nur mit höherer Lautstärke benutzen konnte,aber so kam dann auch die warme Klangentfaltung eines top soliden Vollröhrensounds zum Zuge.
      Ich glaube,Blackheart Amps gibt es heute bedauerlicherweise nicht mehr neu zu ordern,jedoch wenn man großes Glück hat,findet man ihn evtl. noch in einem guten Gebrauchtzustand via Internet von einem Privatverkäufer.

      Die Starfield/made by Ibanez VT-50 und VT-100 Valve Combos sind ja nun mittlerweile echte Raritäten geworden. Sie waren recht schwergewichtig,denn der „kleinere“ VT-50 Watt Starfield Combo Amp wog bereits satte 20 kg,er war im Grunde ein Handmade Boutique Vollröhren Combo Verstärker mit 12“ Zoll Celestion Speaker und eingebautem Federhall bestückt wurde,und damals Anfang der 1990er-Jahre im Auftrag von Ibanez/Japan in Leeds/Great Britain gebaut wurde. Wer dato noch solch einen besagten Original Starfield Valve Amp besitzt,der wird ihn niemals verkaufen wollen,denn er wird heute von echten aufgrund seiner enorm wuchtigen Klangfülle sehr hoch geschätzt,und erscheint extrem selten als tadelloser Gebraucht Amp in den einschlägigen Foren. Leider kann ich es nur bestätigen,daß Ibanez den Stellenwert seiner eigenen Valve-Amp-Combo-Modelle bis dato stets vernachlässigte,und folglich auch zukünftig dafür anscheinend keine Goldmedaille verliehen bekommt! Mein alter Starfield VT-50 (Baujahr 1992) bleibt jedenfalls bei mir,das ist doch wohl ganz klar!
      Viele Grüße aus Berlin-Kreuzberg.

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      1. Hallo Realist,
        danke für Deine zustimmende Reaktion bzgl. des Blackhearts.
        Die Teile gibt es wenn überhaupt noch nur noch gebraucht über
        die einschlägig bekannten Internet – Plattformen oder mit viel Glück
        bei privaten Anbietern.

        In diesem Sinne, eine gute Zeit weiterhin…….
        Beste Grüße Orange

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  2. Das TSA Top ist für mich ein spitzenmässiger Amp für Pedale. Der TSA ist ein genialer Amp für Metal, mit Beihilfe.
    Der Loop liegt hinter dem Tubescreamer aber vor dem EQ, so schleife ich den Revv G3 ein und zum aufblasen den Tubescreamer dazu, ein Höllenbrett!!
    Läuft meistens über eine 1×12“ Thiele, höllisch laut für 15 Watt😀

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  3. Ich habe einen TSA-15 Head. Als ich auf der Suche nach meinem ersten Röhrenverstärker war, hatte ich einen Fender (mit 40 W too much), einen Hughes&Kettner (15W). Mut beiden znd anderen angespielten bin ich nie si richtig warm geworden, lag aber auch daran, dass ich zuwenig Ahnung hatte. Dann fiel mir der TSA vor die Füße, hat mich irgendwie angesprochen. Gitarre eingestöpselt und der Sound war schon bei Zimmeelautstärke da. Wahrscheinlich mag ich die 6V6 Röhren. Habe nochbeinen Laney Cub10, gleiche Röhrenbestückung. Einer der bestklingendsten Amps fürs Wohnzimmer.

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