Die Perlen des Gebrauchtmarkts

Kleinanzeigen Heroes: Framus Cobra Head

Günstige Arbeitstiere, unterschätzte Underdogs, übersehene Youngtimer und vergessene Exoten: In den „Kleinanzeigen Heroes“ stellen wir euch die Geheimtipps des Gebrauchtmarkts vor, die einen maximalen „Bang for the buck“ liefern.

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(Bild: Framus)

Framus Cobra Head

Bereits im vergangenen Jahr fragte John Browne – YouTuber und Mastermind der britischen Djent-Band Monuments – in einem seiner Videos, nach der Relevanz des Framus Cobra im Jahre 2020, und auch Ola Englund stellte vor zwei Monaten ein sentimentales YouTube-Video zu diesem Amp online.

Neben dem Framus Dragon, der als dreikanaliger 100-Watt-Röhrenverstärker in den frühen Zweitausendern in Markneukirchen gebaut wurde, gab es dieses ähnlich konzipierte, aber dennoch völlig anders klingende Cobra-Topteil im markanten, silbernen Chassis, das damals mit einem Neupreis von knapp 2200 Euro angeboten wurde. Heutzutage findet man diesen Verstärker für einen Bruchteil des ursprünglichen Preises in den Kleinanzeigen.

BEDIENELEMENTE

Der Cobra stellt drei Kanäle mit jeweils einem klassischen Dreiband-EQ, Gain-, Volume- und Presence-Reglern sowie einem Bright-Switch für den ersten Kanal zur Verfügung. Dazu kommt jeweils ein Notch-Schalter für die beiden heißen Kanäle, der die Mitten absenkt und die Höhen etwas dominanter wirken lässt. Zudem spendierte Framus dem Amp einen nicht schaltbaren, parallelen Einschleifweg sowie eine Endstufen-Sektion mit zweitem Master-Volume für Leadgitarren-Passagen sowie einer Deep-Regelung zur Feinabstimmung der tiefen Mitten und Bässe.

(Bild: Framus)

Die Rückseite des Cobra bietet neben zwei TRS-Klinkenbuchsen für den Framus-FRS4M-Vierfach-Fußtaster auch eine Midi-In- und eine Midi-Through-Buchse, wodurch der Verstärker auch in ein modernes Setup integrierbar ist. Ein Line Out, zwei in der Impedanz zwischen 4, 8 und 16 Ohm schaltbare Speaker-Out-Buchsen, Bias-Testpunkte, Send- und Return-Buchsen des Einschleifwegs, sowie ein Kaltgeräteanschluss mit integriertem Sicherungshalter, runden das Gesamtbild ab.

SOUNDS

Der Cobra ist für seine enormen Gain-Reserven und sein ausgesprochen offensives Klangbild bekannt. Zu seinen vergleichsweise stark komprimierten Tiefmitten, die – ähnlich wie bei einem Diezel Herbert – wuchtig, dunkel und enorm drückend ausfallen, bietet der Cobra allerdings ein, für einen deutschen Verstärker eher ungewöhnlich knarziges, Attack und sehr aggressive obere Mitten und Höhen, die eher an Produkte aus dem Hause Orange, Hiwatt oder auch Krank Amplification erinnern.

Der Clean-Kanal ist in seinem Sound-Design klar den beiden High-Gain-Kanälen untergeordnet und kann mit der wirklich offensiv abgestimmten Endstufe des Cobra selbstverständlich nicht nach Fender oder Dumble klingen. Man darf sich allerdings über den tadellos funktionierenden Einschleifweg freuen, und kann somit dem ersten Kanal mit Hall, Chorus und Delay auf die Sprünge helfen. Für das cleane Intro im Modern-Metal-Song reicht das, aber wer ausdrücklich auf der Suche nach traditionellen Sounds ist, wird mit einem Framus Cobra nicht wirklich glücklich werden und sollte sich lieber die anderen Modelle aus Markneukirchen genauer anschauen.

FOLGEKOSTEN

Einen gebrauchten Framus Cobra mit fünf neuen, selektierten ECC83-Röhren und einem Quartett EL34 zu bestücken, ist im Preisrahmen zwischen 200 und 300 Euro inklusive der Kosten für die Arbeitszeit des Technikers möglich.

Da der Cobra ursprünglich nicht mit einem Fußtaster ausgeliefert wurde und der hauseigene Framus FRS4M somit eher selten angeboten wird, sollte man noch mit etwa 150 Euro für ein kleines Midi-Board oder zwei passende Momentary-Doppelfußtaster rechnen, sofern man den Verstärker in vollem Umfang per Fuß bedienen möchte.

PREISE

Derzeit findet man den Framus Cobra mitunter sogar mitsamt der passenden Framus-4×12“-Greenback-Box und FRS4M-Fußtaster für etwa 1000 Euro in den Kleinanzeigen. Das Topteil wird ohne weiteres Zubehör nicht selten für viel zu günstige 600 bis 700 Euro angeboten. Diese Verstärker sind somit noch echte Schnäppchen mit Seltenheitswert. Man sollte also bei Interesse zuschlagen, denn bei der derzeitigen, durch Covid-19-Lieferengpässe geprägten Situation in der Musikinstrumentenbranche, dürfte eine Aufwertung der aktuellen Second-Hand-Preise, auch bei modernen Amps mit „Made In Germany“-Gütesiegel, nicht mehr lange auf sich warten lassen.


(erschienen in Gitarre & Bass 01/2022)

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Kommentar zu diesem Artikel

  1. Naja, als Schnäppchen würde ich so etwas nicht bezeichnen. Wer braucht denn heute noch Monsterverstärker, die in einem der üblichen gewerblichen 20qm Proberäume zum Gehörsturz führen. So etwas ist doch nur für die große Bühne geeignet, und da ist die Nachfrage naturgemäß sehr überschaubar. In diesem Segment hat alles, was nicht wirklich Vintage ist, einen enormen Preisverfall, egal welcher Name und wie hochwertig.

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    1. Stimmt, leider. Die Zeit der großen Boliden ist vorbei. Angesagt sind kleine Handtaschengroße Kistchen, die alle Sounds der Welt auf Knopfdruck liefern. Aber wer braucht die denn noch? Auf Spotify und YT höre ich den Unterschied ohnehn nicht mehr, egal. wie teuer die Bluetooth Kopfhörer sind.

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