Die Perlen des Gebrauchtmarkts

Kleinanzeigen Heroes: DOD FX69 Grunge, FX69B & DigiTech Grunge

Günstige Arbeitstiere, unterschätzte Underdogs, übersehene Youngtimer und vergessene Exoten: In den „Kleinanzeigen Heroes“ stellen wir euch die Geheimtipps des Gebrauchtmarkts vor, die einen maximalen „Bang for the buck“ liefern.

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Die erste Version des Grunge – mit „Butt“- und „Face“-Beschriftung (Bild: DOD)

DOD FX69 Grunge, FX69B & DigiTech Grunge

Als Jason Lamb Anfang der 90er das Management für die DOD-Effektpedale übernahm, ging ein signifikanter Ruck durch die Firma. Auslöser dieser Erfolgsstory war das DOD FX69 Grunge.

Ende der 1970er-Jahre begannen die japanischen Firmen Boss und Ibanez den westlichen Effektpedal-Markt mit ihren technisch ausgereiften Pedalen zu fluten. Während in der Folge solch bedeutende Firmen wie EHX, Mu-Tron und MXR vom Markt verschwanden, überlebte als einzige signifikante amerikanische nur DOD – dank ihrer fortschrittlichen Pedale. Als Firmen-Mitgründer John Johnson sich nur noch um das neue Sub-Label DigiTech kümmern wollte, übergab er das DOD-Sortiment an den eingangs erwähnten intelligenten, punkrockenden Skateboarder Jason Lamb. Und der Rest ist großes Kino!

Denn Jason Lamb war genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort und sprang sofort auf den neuen musikalischen Zug auf, der von Seattle aus die Welt im Sturm eroberte – Grunge!! So nutzte er 1993 die Gunst der Stunde und nannte sein neues Distortion-Pedal FX69 eben ganz schlicht „Grunge“. Das Pedal repräsentierte sehr gut den Stil der Pedale, die später als Jason-Lamb-Serie in die Geschichte eingehen sollten. Einmal das an die Graffiti/Skater-Kultur angelehnte ungewöhnliche Design, dann die schnoddrige Wortwahl in den Bezeichnungen der Regler: Loud, Butt, Face, Grunge, und das alles in Verbindung mit einem kompromisslosen „in-the-face“-Sound.

Mit diesem Konzept traf er voll ins Schwarze – man spricht von etwa 2000 monatlich verkauften Grunge-Pedalen in der ersten Zeit. Und als dann Kurt Cobain aus einer Laune heraus in einem MTV-Interview das Grunge-Pedal in die Kamera hielt und es als Grundlage seines Sounds anpries, stiegen die Verkäufe auf unfassbare 8000 Stück pro Monat. Dabei hatte Cobain das Grunge zwar auf seinem Board, aber nie gespielt, Denn er bevorzugte Boss Distortion-Pedale. Angeblich hat er das Grunge aber immerhin einmal ins Publikum geworfen …

1998 erschien eine überarbeitete Version, das FX69B Grunge, bei dem die Bezeichnungen „Butt“ und „Face“ gegen mainstreamige „Low“ und „High“ ausgetauscht waren. Um 2000 herum verließ Lamb DOD, 2016 fuhr er in die ewigen Jagdgründe ein. Sein Vermächtnis ist die vielleicht verrückteste Pedal-Serie dieses Planeten.

2007 erfuhr das FX69B Grunge ein weiteres Face-Lifting und ging damit als DigiTech Grunge in der neuen DigiTech-Pedalserie auf. Der Markenname DOD hingegen verschwand zunächst von der Bildfläche, bevor er 2013 wiederbelebt wurde.

Die zweite, verbal geglättete Version wurde größtenteils in China gefertigt.
Aus dem DOD wurde 2007 das DigiTech Grunge

RATTENHAFT

Die Schaltung des Grunge stellt ein im Frequenzgang mächtig gepimptes ProCo The Rat dar. Dessen Gain-Struktur nebst typischem Hochpass-Charakter wurde nahezu kopiert und von DOD mit eigenen Filtern ergänzt. Gleich am Anfang wird mittels eines Gyrators mit einem vorgeschalteten Cs ein Reihenschwingkreis gebildet und dieser in der Gegenkopplung eines OPs platziert.

Dies bewirkt, dass zu Beginn des Effektweges eine Mittenanhebung im Frequenzgang entsteht. Danach werden die Höhen leicht gefiltert, damit diese nicht zu scharf und kratzig rüberkommen. Nebeneffekt: Das höherfrequente Rauschen wurde reduziert. Es folgt die eigentliche Distortion-Stufe à la „The Rat“ – eben mit kräftigem Hochpassverhalten und mächtig einstellbarem Gain nebst dem Si-Clipping-Dioden-Paar, das eine Kompression bewirkt. Die nachfolgende OP-Stufe des DOD Grunge ist gleich mit zwei Gyratoren ausgestattet, die die damals gewollte Senke im Frequenzgang generieren. Den Abschluss bildet eine aktive Bass- und Treble-Einheit. The Rat hat an dieser Stelle lediglich einen passiven Roll-off-Tiefpass zu bieten. Das Grunge hatte zudem einen modernen Silent-Switching-Schalter via FET-Transistoren, den man bei der Ratte vergeblich sucht.

SOUNDS

Ich hatte die seltene Gelegenheit, alle drei veröffentlichten Grunge-Versionen nebeneinander zu spielen. Also DOD FX69, DOD FX69B und DigiTech Grunge. Dabei kam heraus, dass das DOD FX69B und der DigiTech Grunge nahezu identisch klingen, während die Ur-Version FDX69 ungezähmter, runder und für meine Ohren irgendwie brauchbarer rüberkommt. Aber – die Unterschiede sind tatsächlich recht gering, und dank der effektiven Klangregler lassen sich die drei Pedale nahezu identisch klingend einstellen.

PREISE

Klar, dass die erste Version des Grunge, das DOD FX69 – wie überhaupt auch die gesamte Jason-Lamb-Serie – mittlerweile als „Collector’s items“ angeboten wird. In der Regel taucht deshalb das DOD FX69 ca. zwischen 150 und 200 Euro in den Kleinanzeigen auf, während DOD FX69B und DigiTech Grunge nur im Bereich um die 50 Euro gehandelt werden.


(erschienen in Gitarre & Bass 03/2022)

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