Die Perlen des Gebrauchtmarkts

Kleinanzeigen Heroes: DigiTech Bass Driver

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Günstige Arbeitstiere, unterschätzte Underdogs, übersehene Youngtimer und vergessene Exoten: In den „Kleinanzeigen Heroes“ stellen wir euch die Geheimtipps des Gebrauchtmarkts vor, die einen maximalen „Bang for the buck“ liefern.

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(Bild: DigiTech)

DigiTech Bass Driver

Im April wurde bekannt, dass Cor-Tek die Marke Digitech/DOD erworben hat und die Produktion wieder aufleben lassen will. Nach einer längeren Durststrecke gibt es so beliebte Pedale wie das Whammy oder den JamMan wieder in den Läden. Cor-Tek sagt vielen vielleicht nicht auf Anhieb etwas, aber neben sehr vielen Auftragsfertigungen für andere Gitarren- und Bassfirmen stellen sie mit der Marke Cort auch eigene Instrumente her. Wird es unter neuer Regie auch den Bass Driver wieder im Programm geben? Das ist wohl extrem unwahrscheinlich …

MORPHE MICH, BASSTREIBER!

Digitech, im Gitarrenbereich schon öfter Thema unserer Kleinanzeigen Heroes, wurde Mitte der 80er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts als „digitaler“ Ableger der schon seit 1973 etablierten Marke DOD gegründet, um eben digitale Rack-Geräte und Pedale anzubieten. Ab 1989 wurde das schon angesprochene Whammy angeboten. Von einer externen Firma, IVL Audio in Vancouver, entwickelt, ist es seit dem drei Jahre später erschienenen Debütalbum von Rage Against The Machine nicht mehr aus dem Olymp der legendären Gitarreneffekte wegzudenken. Da wird der Bass Driver wohl nie landen, aber vielleicht auf deinem Pedalboard?

Die Gitarrenpedale der X-Serie wurden 2006 in diesem Magazin getestet und bekamen gute Noten. Ein Pluspunkt war die Vielseitigkeit, denn fast alle bieten mehr als einen Sound oder Effekt an. Beim XBD heißt der vierte Regler neben den selbsterklärenden Level, Tone und Blend „Morph“. Dahinter verbergen sich drei Grundsounds – Stichwort Modeling. Ganz zugedreht wird ein TS-9 imitiert, mittig aufgedreht ein RAT-Pedal, und voll auf eine Eigenkreation namens DigiFuzz. Die stufenlose Regelung statt eines Drehschalters mit drei Stellungen ermöglicht innerhalb jedes Sounds noch Abstufungen, bevor es in den nächsten Modus springt. Das hilft, die Abwesenheit eines Gain-Reglers zu verschmerzen.

Hinterm Morph-Regler verstecken sich drei verschiedene Zerrer: TS-9, Rat und Fuzz (Bild: Sweers)

Hundertprozentige Replikate der originalen Pedale darf man nicht erwarten, was aber gar nicht so verkehrt ist. Zum einen ist der Charakter durchaus erkennbar, zum anderen ist der Bass Driver selbst mit voll aufgedrehtem Blend, also ohne hinzugemischtes Clean-Signal, klar für BASS ausgelegt.

Um die richtige Gain-Stufe zu finden, lohnt es sich, mit Morph und Blend zu spielen, bis man den richtigen Mix gefunden hat. Was man nicht wegbekommt, ist eine leicht künstliche Note im Ton, wohlig analog-natürlich wird’s hier nicht, was andererseits aber auch seinen Reiz hat. Immerhin reicht die Palette von knurrigem, leichtem Overdrive zu fauchendem Fuzz. Der nur auf den Zerrsound wirkende Tone-Regler kontrolliert schön den Höhengehalt zwischen warm und rund zu schreiend bissig, immer auch abhängig vom Morph-Regler – selbst voll auf bleibt genug tragfähiger Bassgehalt stehen.

Und dann lässt sich ja auch noch das cleane Signal vom Bass zuregeln, was das Pedal noch flexibler macht – wenn man denn eben auf das Gain-Poti verzichten kann. Als zusätzliche Klangoption gibt es einen zweiten Ausgang am Pedal, der für den direkten unsymmetrischen Anschluss an einen Mischer gedacht ist. Hier wird eine Klangformung versprochen, die die Wiedergabe über eine 4x10er-Box simuliert, was gerade heute in Zeiten von IR doch arg hochgegriffen scheint. Als Klangalternative mit entschärften Höhen und etwas aufgeräumteren Tiefmitten ist sie trotzdem auch über einen Amp gespielt willkommen.

Der Zweite Ausgang des DigiTechs gibt ein Signal mit Speaker-Simulation für die PA aus. (Bild: Sweers)

DREI VERZERRER, KLEINER PREIS

Auf dem Karton des Pedals klebt noch der ursprüngliche Preis: 83 Euro waren dafür auf den Tisch zu legen. Das blieb aber nicht so … Ob es ein veränderter Käufer:innen-Geschmack war, interne Umstrukturierungen oder andere geschäftliche Gründe: am Ende wurde der Bass Driver für sage und schreibe 35,90 Euro neu in den Läden verkauft. Da das nun auch schon fast zehn Jahre her ist, ist das kein wirklicher Maßstab mehr für Gebrauchtpreise. Als Sammlerstück deklariert findet man Preise nahe hundert Euro, das darf man getrost als Wunschdenken abhaken und entspricht weder dem Nutzfaktor noch dem nicht wirklich vorhandenen Kultstatus.

Realistischer sind da 40 bis 50 Euro. Dafür gibt es ein flexibles Pedal von subtil bis plakativ, bei dem es im Zusammenspiel der drei soundverändernden Regler viele Nuancen zu entdecken gibt. Die Pedale hatten von Anfang an den Ruf, nicht die zuverlässigsten zu sein. Mittlerweile dürften sich die zum Defekt neigenden aussortiert haben, trotzdem kann ein voriges Antesten nicht schaden mit Blick auf Nebengeräusche und die Funktion der Netzbuchse.


(erschienen in Gitarre & Bass 10/2022)

Produkt: Gitarre & Bass 6/2022
Gitarre & Bass 6/2022
IM TEST: Eastman Romeo LA +++ ESP/LTD Mike Schleibaum Signature +++ Mayones Caledonius Classic 5 +++ Hughes & Kettner StompMan +++ Darkglass Exponent 500 +++ Line 6 Catalyst 100 +++ D'Addario XS Nickel Plated Steel Electric Strings +++ JHS Preamp Overdrive +++ Mooer Preamp Model X & Cab X2

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