Die Perlen des Gebrauchtmarkts

Kleinanzeigen Heroes: Dean Rhapsody HBF

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Günstige Arbeitstiere, unterschätzte Underdogs, übersehene Youngtimer und vergessene Exoten: In den „Kleinanzeigen Heroes“ stellen wir euch die Geheimtipps des Gebrauchtmarkts vor, die einen maximalen „Bang for the buck“ liefern.

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(Bild: Jogi Sweers)

Dean Rhapsody HBF

Auch schlechte PR ist gute PR – oder besser als gar keine. So munkelt man jedenfalls immer noch in manchen Marketing-Kreisen. Aber auf manche Schlagzeile hätte man dann doch gerne verzichtet…

Bei Dean zum Beispiel, was den fortlaufenden Rechtsstreit mit Gibson angeht. Die letzten Runden gingen zugunsten Gibsons aus. Im Mai wurde Gibson zwar nur 4000 Dollar zugesprochen, sämtliche Anwaltskosten gehen aber nach einem erneuten Urteil im Juli zu Lasten von Dean resp. der Mutterfirma Armadillo. Da kommt es ganz ungelegen, dass auch noch Evan Rubinson, CEO von Armadillo und Sohn des 2017 verstorbenen Elliot Rubinson, der Dean dreißig Jahre vorher übernommen hatte, allem Vernehmen nach von seiner Mutter rausgeworfen wurde. Vorwürfe von Unterschlagung stehen im Raum …

(Bild: Jogi Sweers)

HOHLER BASS, VOLLER TON

Aber genug davon, wir sind hier nicht bei der Bunten, und es soll hier ja um ein Instrument gehen! Instrumentale Schlagzeilen machten bei Dean meist spektakuläre Metal-Gitarren, die Firmengründer Dean B. Zelinsky mit gerade einmal 20 Jahren anfing zu bauen, und die z. B in den Händen von ZZ Top (die Plüsch-Gitarren und -Bässe!), Michael Schenker und Dimebag Darrell ikonischen Status erlangten. (… und deren Form meist Gibson-inspiriert war, mit Folgen … s.o.)

Ganz und gar nicht zackig präsentiert sich dagegen der Dean Rhapsody Bass – und ist damit völlig sicher vor den Nachstellungen von Gibson! Anfang der 2000er auf den Markt gekommen, ist der Entwurf von Designer Ben Chafin eher barock ausladend und hat mit seiner leicht gewölbten Decke eine edle Anmutung. Hauptsächlich wurde die Form eingeführt, um damit einen 12-String Bass zu bauen, ein Ansinnen, dem Chafin als King’s X Fan nur zu gerne nachkam. Daneben gab es noch einen „entschärften“ Achtsaiter, aber auch „normale“ Vier- und Fünfsaiter.

(Bild: Jogi Sweers)

Allen gemein waren zwei passive Soapbar-Pickups und ein permanent aktiver 3-Band-EQ. Dagegen wirkt der Rhapsody HBF noch reduzierter. Der Hollow Body Fretless hat einen ausgehöhlten Korpus aus Linde mit einer Decke aus Ahorn, die an den Schalllöchern eine Stärke von 1,5 cm hat – akustische Schwingfähigkeit sollte man da nicht erwarten … Das hier vorgestellte Exemplar hat statt des durchaus funktionalen asiatischen Humbuckers einen Soapbar-Pickup von Basstec eingebaut bekommen. Der ist ein bisschen klein für die Fräsung, aber was soll’s.

Man sagt den Basstecs schon mal nach, übertrieben nüchtern im Ton zu sein, aber beim Rhapsody passt die klare Wiedergabe sehr gut zur präsenten Vorgabe, die das hellklingende Phenol-Griffbrett macht. Das ergibt in Summe eine schöne, dann doch fast akustische Note. Der Bass singt schön und spricht in allen Lagen mit einem satten „Mwah“ an. Die Bespielbarkeit ist nach all den Jahren – der Bass dürfte von 2005 sein – immer noch perfekt, das Phenol ohne Kerben, der Hals mit seinen drei Streifen Ahorn und zwei Sperrstreifen Walnuss stabil und gerade. Die Brücke ist zwar soweit runtergeschraubt, wie es eben geht, damit ist die Saitenlage aber angenehm und vor allem gleichmäßig flach. Das ist nicht ganz unwichtig, denn die Höhe der Saiten untereinander ist nicht einstellbar, da hilft nur die Feile … Ist aber zum Glück nicht nötig.

(Bild: Jogi Sweers)

PRE-LAWSUIT MODELL

Ob sich Gibson durchsetzen kann mit seinem Bannstrahl auf selbst schon klassische Dean-Formen? Dann werden die Gebrauchtpreise hier vielleicht noch anziehen. Die nicht so im Fokus stehenden Bässe wie dieser Rhapsody und andere, durchaus hochwertig gemachte Serien aus Korea, sind wahrscheinlich auch in Zukunft noch für Kurse um die 500 Euro zu haben – mit Glück sogar deutlich darunter.

Achten muss man auf die üblichen Verdächtigen: Sind die Potis noch in Ordnung? Ist eventuelles Geknister mit gutem Spray wegzubekommen? Sind die Bünde oder in diesem Fall das Griffbrett noch fit? Auch den Austausch der Ausgangsbuchse darf man schon mal einplanen, die, wie auch die Potis, recht leicht über die E-Fach-Abdeckung auf der Rückseite erreichbar ist. Aber wenn all das gegeben ist, steht weiteren Jahren Spielspaß mit gut gemachten und sehr schicken Instrumenten nichts im Wege.

(erschienen in Gitarre & Bass 01/2023)

Produkt: Gitarre & Bass 6/2024
Gitarre & Bass 6/2024
IM TEST: Epiphone Kirk Hammett: "Greeny" 1959 Les Paul Standard +++ Knaggs Steve Stevens: SSC-J Blackburst +++ Fender Tom DeLonge: Starcaster +++ Jackson Pro Series Signature: Adam Blackstone Gladys Jackson Concert Bass +++ Ibanez BTB 25TH5 +++ Tube WorkShop: TWS Lulis Signature +++ Ampeg Venture V12, VB-212 und VB-410 +++ Poly Effects Verbs +++ EHX Pico POG & Platform +++ LD Systems Anny 10

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Ein schöner Zufall,
    die Elektronik habe ich umgebaut.
    Der Bass war unglaublich gut spielbar vor allem für das Geld. Die Elektronik war sehr mies, der original Pickup hatte keine Tiefe, kein Charakter, klang sehr billig. Zuerst hatte ich einen passiven EMG Humbucker verbaut, der funktionierte schon sehr gut (war aber noch kleiner als der Basstech). Dann habe ich günstig den den Basstech erstanden und der passte, klangtechnisch, wie die Faust aufs Auge. Schön den Bass hier wieder zu sehen, er scheint auch sehr selten zu sein man findet ihn im Netz so gut wie nie.
    Gruß Frank

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