Die Perlen des Gebrauchtmarkts

Kleinanzeigen Heroes: Career Alex Donot Signature

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Günstige Arbeitstiere, unterschätzte Underdogs, übersehene Youngtimer und vergessene Exoten: In den „Kleinanzeigen Heroes“ stellen wir euch die Geheimtipps des Gebrauchtmarkts vor, die einen maximalen „Bang for the buck“ liefern.

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(Bild: Knauer)

Career Alex Donot Signature

Quarantäne-Zeit, Gitarren-Zeit, Artikel-Zeit. Wie gut, dass man die Zeit vor der Abschottung nutzen konnte, um den ein oder anderen Gitarrenkauf einzutüten.

Vor ein paar Wochen lief mir doch ausgerechnet in einem Laden, der eher auf Rare- und Vintage-Equipment ausgerichtet ist, diese Career-Alex-Donot-Signature über den Weg! Und zack – schon bestellt, schon geliefert, und … alles richtig gemacht!

WESTFALEN-PUNK

Diese Gitarre wirft die Zeitmaschine in Gang, die die Zeit um 2005 in Erinnerung ruft. Ausgerechnet aus Ibbenbüren und später aus Münster waren die Donots durchgestartet, drehten nicht nur Dauerschleifen auf MTV, sondern auch so ziemlich jeden Club Deutschlands auf links, in dem sie spielten. Power-Punk-Pop oder so hieß die Schublade, und brachial wurde auch mit dem Equipment umgegangen, denn bei den dynamischen Shows der Donots wurden die Belastungsgrenzen von Gitarre & Co. neu ausgelotet.

Alex Donot, einer der beiden Gitarristen der Donots, telefonierte eines Tages mit dem Knauer-Großhandel. Eigentlich wollte man wegen eines Saitendeals miteinander verhandeln, aber am Ende stand ein Plan im Raum, Alex ein Gitarren-Modell der hauseigenen Marke Career auf den Leib zu schneidern. Gesagt, getan – Alex gab seine Ideen zu Papier und der Career-Produzent in Südkorea machte sich flugs ans Werk. Das Ergebnis überraschte damals alle Beteiligten, denn es war kaum zu übersehen und auch nicht zu überhören!

(Bild: Rebellius)

MONSTER-T!

Die Alex Donot erscheint wie eine Telecaster-Abart, die beim ersten Anfassen an alles andere als an eine Tele erinnert. Gut, die Silhouette des Bodies ist 1:1 Tele und die Mensur Fenderlike (648mm), aber der Rest ist eben Alex Donot! Ein massiver Mahagoni-Body mit Konturen und einer gewölbten Decke trifft auf einen eingeleimten Mahagoni-Hals. Dazu eine Hardtail-Bridge mit String-Thru-Body-Mimik, ein Humbucker, ein Poti für die Lautstärke, und eine Griffbrettbreite von satten 44 mm am Sattel kennzeichnen dieses Career-Modell als ein wahres Signature-Modell eines Musikers, der genau wusste, was er wollte.

Und dem neben den genannten Features noch wichtig war, dass die Gitarre für einen erschwinglichen Preis in den Handel kommen sollte (ca. € 500). Diese Straight-Forward-Gitarre, die genau das Gegenteil von Flexibilität und Filigranem sein will, erscheint zudem mit ihrer Vintage-Cream-White-Lackierung samt Rallye-Streifen fast schon elegant in ihrer Simplizität. Und auch wenn der Donots-Gitarrist heute ganz andere Gitarren spielt, steht er dennoch immer noch voll und ganz hinter dem Konzept seiner Signature-Gitarre, wie er uns erzählte.

Und diese Gitarre ist auch richtig gut! Sie sieht nicht nur fett aus, sie klingt auch fett, wuchtig und durchsetzungsstark. Der Humbucker ist ein höhenstarkes Power-Aggregat, dessen Variabilität durch eine Split-Schaltung dank Push-Pull-Funktion des Volume-Potis erweitert wird, ohne dass sich die Anzahl der Bedienelemente erhöht. Der Hals hat ein kräftiges Profil, das richtig gut zu dem breiten Griffbrett passt, sodass die Gitarre wie von selbst in die Greifhand fällt, die ihrerseits wie von selbst in einschlägige Rock- und Punk-Muster verfällt – denn genau das kann diese Gitarre natürlich am besten! Mit Herzblut, voll auf die Zwölf.

Donots-Logo und Alex-Kopf auf der Kopfplatte (Bild: Rebellius)

PREISE

Letzten Endes ist die Alex-Donot-Signature jeden der 260 Euro wert, die sie mich gekostet hat. Und vielleicht sogar mehr. Denn diese Gitarre ist richtig, richtig selten! Der Knauer-Großhandel, wohl nicht an das große Geschäft mit einer deutschen Punk-Band glaubend, hatte damals nur eine sehr kleine Auflage herstellen lassen – die Angaben der Protagonisten schwanken hier zwischen 24 oder 50 Stück. Was bedeutet, dass jedes Modell, das mal irgendwo in den Kleinanzeigen auftaucht, eine Rarität an sich und dazu noch eine veritable Zeitzeugin und ein Teil deutscher Musikgeschichte darstellt. Da gibt es kaum Gitarren im unteren Preissegment, die das von sich behaupten können.

(erschienen in Gitarre & Bass 05/2022)

Produkt: Gitarre & Bass 6/2022
Gitarre & Bass 6/2022
IM TEST: Eastman Romeo LA +++ ESP/LTD Mike Schleibaum Signature +++ Mayones Caledonius Classic 5 +++ Hughes & Kettner StompMan +++ Darkglass Exponent 500 +++ Line 6 Catalyst 100 +++ D'Addario XS Nickel Plated Steel Electric Strings +++ JHS Preamp Overdrive +++ Mooer Preamp Model X & Cab X2

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