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Keeley Electronics Dark Side im Test

Keeley stellt mit dem Dark Side ein weiteres Hommage-Pedal der Workstation-Serie vor, welches sich vor einem der größten Rock-Alben aller Zeiten verneigt. Die Rede ist natürlich von Pink Floyds ,Dark Side Of The Moon‘ und David Gilmours wegweisendem Gitarren- Sound, der auch noch Jahrzehnte später für viele Gitarristen das Maß aller Dinge darstellt.

(Bild: Dieter Stork)

Zu versuchen, etwas über eines der wichtigsten Rock-Alben aller Zeiten zu schreiben, was nicht schon millionenfach zu Papier gebracht wurde, spare ich mir einfach mal. Robert Keeley hat mit dem Dark Side nun allerdings ein Pedal auf den Markt gebracht, welches all die verschiedenen Facetten von Gilmours Sound auf diesem phänomenalen Album abdecken soll. Schauen wir doch mal, ob das überhaupt geht.

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… on the Dark Side …

Halten wir uns doch zunächst einmal vor Augen, welche Effekte den Gitarren- Sound auf ,Dark Side Of The Moon‘ so prägen. Da wäre neben dem fetten Fuzz natürlich noch das markante Leslie, ein Tape-Delay, ein Phaser und ein Uni-Vibe – eigentlich gar nicht so aufwendig wenn man David Gilmours spätere Live-Rigs bedenkt, die aussehen, als hätte man damit auch spielend die Mondlandung durchführen können. Aber zurück zum Keeley Dark Side – hier finden wir genau die oben erwähnten Effekte, die auf zwei Fußschaltern abrufbar sind. Dabei ist das Dark Side in eine Fuzz- und eine Mod- Sektion aufgeteilt. Die Fuzz-Seite bietet einem die Möglichkeit, neben den Level-, Fuzz-, und Filter-Reglern, mittels eines Mini-Schalters zwischen drei Grund- Sounds (Flat, Scoop und Full) auszuwählen.

Im Prinzip also ein simples Drei-Regler-Fuzz mit zusätzlichem Mini-Switch – das Ganze ist selbstverständlich an das Big-Muff-Pedal von EHX angelehnt. Die Mod-Hälfte des Keeley Dark Side ist ähnlich und dennoch ein kleines bisschen komplizierter aufgebaut – hier finden wir ebenfalls einen Mini-Schalter, der festlegt, welcher der oben erwähnten Modulations- Effekte aktiviert sein soll. In der ersten Position finden wir einen Flanger/ Rotary-Effekt, wobei mittels eines Blend-Reglers stufenlos zwischen diesen beiden Effekten hin und her geregelt werden kann. Clever – so kann man entscheiden, ob man einen reinen Flanger bzw. Leslie-, oder einen Misch-Sound mit beiden Effekten haben will. In der mittleren Position des Mini-Schalters wird der Tape-Delay-Effekt aktiviert, während in der dritten Position die Kombination aus Phaser und Uni-Vibe abrufbar ist (auch hier wieder mischbar mittels des Blend- Potis). Insgesamt haben wir hier also ein Fuzz, ein Delay sowie vier Modulations-Effekte in einem beachtlich kleinen Pedal – Hut ab, muss man erst mal hinkriegen. Neben dem bereits erwähnten Blend-Regler verfügt die Mod-Hälfte des Dark Side zudem ebenfalls über ein eigenes Level-Poti sowie über einen Depth- und einen Rate-Regler. Obacht – im Delay-Modus ändert sich die Belegung der Potis, Depth wird hier zum Time-, Rate zum Feedback-, und das Blend-Poti zum Regler für die Simulation verschiedener Tape-Head-Kombinationen.

(Bild: Dieter Stork)

Na, wem raucht jetzt schon die Birne? Als wäre das nicht alles schon genug, befindet sich auf der Stirnseite des Dark Side ein Anschluss für ein Expression- Pedal sowie ein kleiner Taster (hier als Order-Switch bezeichnet), welcher die Schaltrichtung der beiden Pedal-Hälften vertauscht. Dass das Dark Side unmöglich auf gänzlich analogen Schaltkreisen basieren kann, dürfte klar sein. Neben der recht klassisch aufgebauten Fuzz-Sektion fungiert ein kleiner 24-Bit-Prozessor als Motor für die Modulations- und Delay-Effekte. Das gesamte Pedal ist in der bekannten Keeley-Qualität verarbeitet, hier finden wir hochwertige Bauteile, eine sauber verarbeitete Platine und ein robustes, pulverbeschichtetes Gehäuse – alles sehr schön und hochwertig gemacht. Lediglich die Position der kleinen Mini- Schalter finde ich aufgrund der Nähe zu den großen Fußschaltern ein wenig bedenklich. Im rauen Live-Alltag könnte es den kleinen Burschen schnell an den Kragen gehen.


Kleiner Tipp

Die Position der Level-Potis hat einen erheblichen Einfluss auf die Interaktion der Effekt-Sektionen. Ruhig mal ein wenig experimentieren!


… of the moon.

Genug der mondgrauen Theorie – auf den Klang kommt es letztendlich an. Nehmen wir uns doch zu allererst mal die Fuzz-Sektion des Dark Side vor. Alles auf zwölf Uhr, den Full-Modus aktiviert und schon wird klar, wohin die Reise geht. Hier haben wir es – ganz in der Tradition von David Gilmour – mit einem richtig guten Big-Muff-Ton zu tun. Der Sound ist satt und fett, mit der typischen Absenkung in den Mitten und dem schönen Sägen in den Hochmitten. Beachtlich finde ich die Lautstärke-Reserven des Dark Side – meinen Test-Verstärker konnte ich auf jeden Fall ziemlich ins Schwitzen bringen. Die Wirkungsweise des Filter-Reglers ist im Wesentlichen von der Stellung des Mini-Schalters abhängig, der verschiedene Facetten des Big-Muff- Sounds ermöglicht. Vom weichen 70er- Jahre-Fuzz bis hin zur grünen 90er-Russen- Keule ist hier alles machbar. Alleine die Fuzz-Sektion finde ich schon richtig klasse.

Aber auch die digital arbeitende Modulations-Seite des Dark Side muss sich vor gar nichts verstecken. Der Rotary/Flanger-Effekt bietet unzählige Schattierungen satt-wobbelnder Sounds die Jimi Hendrix wahrscheinlich die Freudentränen in die Augen getrieben hätten. Der Flanger arbeitet schön feinfühlig und greift nicht so grob ins Geschehen ein wie beispielsweise der pinke Boss BF-3. Der Rotary-Effekt bietet einen beachtlich schönen Leslie-Sound wobei ich sagen würde, dass der Markt sicher noch deutlich authentischer klingende Leslie- Simulationen bietet. Nichtsdestotrotz gefallen mir die verschiedenen Mix-Sounds beider Effekte richtig gut. Ein absoluter Knaller ist meiner Meinung nach die Delay-Sektion des Dark Side. Klar, die Regelmöglichkeiten sind in ihrem Umfang nicht besonders außergewöhnlich – der Tape-Head-Regler jedoch bietet sage und schreibe zwölf verschiedene Simulationen unterschiedlicher Ton-Kopf-Kombinationen.

Die LEDs um den Blend- Regler greifen die Farben des berühmten ,Dark Side Of The Moon‘-Prismas auf. (Bild: Dieter Stork)

Dreckig-schnelle Slap-Back- Echos? Gleichmäßige Achtel-Delays wie in Pink Floyds ,Run Like Hell’ ? Oder doch lieber rhythmisch betonte Wiederholungen wie in ,One Of These Days’ vom Meddle-Album? Die Möglichkeiten sind wirklich beachtlich. Die Wiederholungen verlieren natürlich in bester Tape-Delay- Manier mit jeder Wiederholung an Höhen und haben eine dezente Modulation die eine ausgeleierte Bandschleife simulieren soll. Zu guter Letzt liefert der Phaser/Uni-Vibe-Effekt den letzten Baustein für den authentischen Dark-Side- Of-The-Moon-Sound. Der Uni-Vibe-Effekt erzeugt einen schönen, weichen Sound der besonders in den Höhen angenehm seidig klingt. Klar, verglichen mit einem authentischen Uni-Vibe-Nachbau wie dem Fulltone Mini Deja Vibe klingt das Dark Side schon ein wenig flacher und in der Modulation nicht ganz so warm und füllig. Gleiches könnte man auch dem Phaser-Effekt nachsagen – das ebenfalls zum Test vorliegende MXR Phase 95 in der neuen Mini-Ausführung klingt im Direktvergleich schon etwas wärmer und angenehmer.

All das ist aber ganz klar Meckern auf sehr hohem Niveau. Die Abstimmungsmöglichkeiten der verschiedenen Effekte in Kombination mit dem wirklich flexiblen Fuzz sind schon sensationell gut. Oben drauf gibt es dann noch den Order-Switch, welcher festlegt, in welcher Reihenfolge die beiden Pedal-Hälften verschaltet werden sollen. Ich würde jetzt einfach mal behaupten, dass durch diesen kleinen Taster das gesamte Dark-Side-Pedal noch mal auf links gekrempelt wird. Je nachdem, welche Pedal-Hälfte zuerst angesteuert wird, steht der Fuzz- oder der Modulations- Sound im Vordergrund – eventuelle Lautstärke-Sprünge können einfach mittels der beiden Level-Potis angeglichen werden. Alles in allem also die ultimative Wunderwaffe, wenn es darum geht, in den Gilmourschen Sound-Gefilden zu jagen. Nur Schade, dass man sich grundsätzlich für einen der Modulations- Sounds entscheiden muss – ein spontanes Hin- und Herschalten ist mangels eines dritten Fußschalters nicht möglich.

Alternativen

Klar, ein vergleichbares Pedal, das so authentisch die Gitarren-Sound des ,Dark Side Of The Moon‘-Albums auf kleinstem Platz anbietet, gibt es so erst mal nicht. Man könnte natürlich überlegen, sich für etwas mehr Flexibilität ein ganzes Pedalboard zusammenzustellen, um all die verschiedenen Effekt-Sounds abzudecken – was natürlich um ein vielfaches teurer wäre.

Resümee

Keeley Electronics liefern mit dem Dark Side nicht weniger als eine unheimlich gut klingende Möglichkeit, die verschiedenen Gitarren-Sounds des vielleicht größten Rock Albums aller Zeiten in einemkleinen Pedal abrufbar zumachen. Klar, eine gute Gitarre und ein ebenso guter Verstärker sind natürlich eine Grundvoraussetzung und auch die Spielweise eines David Gilmour kann bestimmt nicht schaden. Ich bin trotzdem erstaunt, wie nahe man den verschiedenen Sounds des Albums kommen kann.

Internet: www.robertkeeley.com

Preis (UVP / Street): ca. € 421 / € 359

Plus

  • Konzept
  • Verarbeitung
  • Klangqualität
  • Order-Switch

Minus

  • Abrufbarkeit der Effekte

Aus Gitarre & Bass 04/2017

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