(Bild: Dieter Stork)
Muss man sich mal klarmachen: Eine Gitarre (ganz besonders diese) bündelt Know-how, Handwerk und Materialien aus vielen verschiedenen Ländern.
Bei unserer Testgitarre kommt das Know-how aus Deutschland, wo der traditionsreiche Vertrieb von Mastermind Gunter Reinhardt – in Zusammenarbeit mit Top-Luthier Armin Hanika – das Duke-Portfolio auf den Weg gebracht hat. Das präzise Handwerk kommt aus China … und final dann wieder aus Tübingen, die verwendeten Materialien stammen u.a. aus Indien, Afrika, Schweiz, USA, China und Deutschland.
FINE PIECE OF WOOD
Wenn eine so schöne Gitarre zum Vorschein kommt, macht das Auspacken richtig Spaß. Irgendwie ist der erste Eindruck ja doch wichtig, und was hier sofort aufpoppt, sind Adjektive wie „edel“, „hochwertig“ oder auch einfach „schön“. Die grundlegend hohe Qualität zeigt sich dann auch in allen Details.
Der Korpus dieses Orchestra Models (OM) besteht aus massiven Hölzern. Für die Decke wurde ein wunderbar fein gemasertes Stück Alpenfichte aus der Schweiz verwendet, der zweiteilige Boden und die Zargen sind aus nicht minder schönem Ostindischen Palisander zusammengefügt. Elfenbeinfarbenes Binding schützt die Korpuskanten, die Decke hat außerdem eine perfekt gearbeitete Herringbone-Einfassung (Fischgrätenmuster). Ein bisschen Bling-Bling – in geschmackvollem Rahmen – ist auch an Bord. Die Schallloch-Rosette beinhaltet einen Ring aus Perlmutt, das gleiche Material findet sich auch noch bei den Saiten-Pins, den Griffbretteinlagen und dem Kopfplatten-Logo … gut verteilt und stets dezent.
(Bild: Dieter Stork)
Besagte Pins fixieren die Saiten in einem Pyramid-Steg aus Ebenholz, der deutlich klassischen Gitarrenbau zitiert. Über die kompensierte Stegeinlage aus Knochen geht es Richtung Hals. Der ist am 14. Bund an den Korpus gesetzt und bietet eine Mensur von 650 mm, bis die Saiten über den Knochensattel zur Kopfplatte gehen.
(Bild: Dieter Stork)
Der ganze Hals ist insgesamt ein Highlight. Die Rückseite ist für optimale Griffigkeit matt versiegelt, obenauf liegt ein Ebenholzgriffbrett feinster Machart. Die Oberfläche ist super-glatt, die Bünde sind poliert, dass es nur so blinkt – eingefasst ist das Fretboard dann nochmal mit Palisander-Binding. Mit einer Sattelbreite von guten 46 mm und einem Abstand von gut 56 mm von e- zu E-Saite am Steg, ergeben sich mit Sicherheit besondere Spielbedingungen.
Griffbrett-Inlays gibt es untypischerweise nur im 5., 7. und 9. Bund. Die zwei Diamond-Inlays im 9. Bund suggerieren, dass hier der 12. Bund ist … muss man sich kurz dran gewöhnen. Die kleinen Dots in der Griffbrettkante sind an den gewöhnlichen Positionen und helfen bei der Orientierung. Der Übergang vom Hals zur Kopfplatte ist rückseitig mit einer Volute verstärkt.
(Bild: Dieter Stork)
Der geschlitzte Headstock (Fensterkopfplatte) ist wie die gesamte Gitarre sehr sauber gearbeitet. Die mattierten, leicht geagten, offenen Tuner bringen nochmal reichlich Oldschool-Charme ins Spiel. Die Kirsche auf der Torte ist dann schließlich der fein eingelegte Firmenname aus Mother-of-Pearl.
Bei all den Bezügen zum klassischen Gitarrenbau: der verbaute Pickup ist state-of-the-art – das Trio Air System von Misi ist an Bord. Es setzt sich zusammen aus einem L.R.Baggs Element Piezo-Pickup der unter der Stegeinlage liegt, einem aktiven batteriefreien (!) Endpin, auf dessen kleiner Platine ein MEMS-Mikro platziert ist. Der spezielle Akku muss nur für 60 Sekunden über den Klinke-Input an das beiliegende Ladegerät, dann hat man 8 Stunden Spielzeit zur Verfügung. Hammer! Zur Abstimmung von Piezo- und Mikro-Signal gibt es zwei Volume-Regler im Schalllochrand.
HIGH FIDELITY
Die Breite des Griffbretts liegt bei dieser Duke etwa 2-3 mm über Westerngitarren-Standard – und da überraschen zwei Dinge:
- wie enorm groß sich der Unterschied im ersten Moment anfühlt.
- wie schnell man sich an die Spiel-Bedingungen gewöhnt.
Und man gewöhnt sich nicht nur daran, man lernt sie sehr schnell zu schätzen und zu genießen. Man hat richtig Platz auf dem Griffbrett. Akkorde gelingen mühelos, man kann sehr sauber Einzeltöne spielen und die beeindruckenden Dynamik-Reserven der OM lassen sich gut in Szene setzen. Irgendwie fällt es leicht, den eigenen Stil umzusetzen, und die Gitarre hat eben auch die Qualität, um das zu transportieren. Auch hilfreich sind da natürlich die wirklich perfekt polierten und verrundeten Bünde und ganz allgemein die akribisch ausgeführte End-Abrichtung und Werkseinstellung bei Reinhardt in Tübingen.
Auch klanglich spielt die vollmassive Duke in der Champions-League. Sie hat die typische Ausgewogenheit eines Orchestra Models mit straffen, satten, aber nie wummernden Bässen, trockenen und durchsetzungsstarken Mitten und klaren, aber nie klirrenden Höhen. Das Palisander bringt den genau richtigen Schuss Attack und Durchsetzung – Lautstärke, Dynamik und Sustain sind schon beeindruckend.
Die klangliche Frische und das komfortable Griffbrett müssten eigentlich bei jedem Fingerstyler für ein breites Grinsen sorgen. Auch schnelle Bluegrass-Virtuosen kommen hier auf ihre Kosten. Aber im Grunde haben wir hier einen Allrounder auf hohem Niveau.
Am Acoustic-Verstärker bestätigen sich die Eindrücke auf sehr natürliche Weise. Was die zwei Signale angeht, stellt man schnell fest, dass der Piezo der Chef im Ring ist. Das winzige Mikro liefert eine dezente Hinzumischung – etwas Luft und Körper für den Sound. Das Mikro-Signal für sich allein ist nicht tragfähig, verschafft aber dem ohnehin schon sehr guten Piezo-Sound das gewisse Etwas.
RESÜMEE
Die Duke OM-PF-Solid Air ist eine erstklassige Steelstring auf Top-Niveau. Um es deutlich zu sagen: Für ein Orchestra Model in dieser Qualität zahlt man beim amerikanischen Traditionshersteller etwa doppelt so viel, wie für die Duke. Das Konzept der Basisherstellung in China und der anschließend umfassenden Finalisierung in Deutschland überzeugt. Haptik, Klang und Verarbeitung liefern keinen Ansatz für Kritik – das Preis-Leistungs-Verhältnis ist ausgezeichnet. Persönliches Antesten wird dringend empfohlen! ●
Plus
- Design, Finish
- Hölzer, Hardware, Verarbeitung
- Bespielbarkeit, Haptik
- detaillierte Werkseinstellung und Optimierung
- aufladbares Pickup-System
- klarer voller A- und E-Klang
- Preis-Leistungs-Verhältnis
Minus
- keine Beigaben wie Tasche oder Koffer, Pickguard, Zertifikat oder sonstige Case-Candies

(erschienen in Gitarre & Bass 02/2026)