Kolossal

Ibanez Stoneman FTM33 im Test

Ibanez Stoneman FTM33
FOTO: Dieter Stork

Na, da hat sich Fredrik Thordendal aber mal ein richtiges Schlachtschiff auf den Leib schneidern lassen. Mit der FTM33 bringt Ibanez ein neues Signature-Modell des Meshuggah-Masterminds auf den Markt und hat sich dabei von einem Klassiker inspirieren lassen.

Meshuggah haben spätestens mit ihrem ‚Nothing‘-Album dafür gesorgt, dass achtsaitige Gitarren aus der heutigen Musikwelt nicht mehr wegzudenken sind. Platten wie ,Catch33‘, ,Koloss‘ und auch das aktuelle ,The Violent Sleep Of Reason‘ haben die Soundlandschaft des extremen Metals entscheidend geprägt. Nachdem Ibanez bereits im Jahr 2013 die M80M bzw. die M8M vorstellte, welche auf den Custom-Shop-Modellen der beiden Gitarristen Marten Hagström und Fredrik Thordendal beruhten, kommt mit der FTM33 Fredriks Neue zum Test. Die 33 dürfte eine Anspielung auf das im Jahre 2005 erschienene Meshuggah-Album ,Catch33‘ sein, das erste Album, bei dem die Band von vornherein die damals noch recht neuen Achtsaiter-Gitarren benutzte.

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Icebird oder Fireman?

Ibanez hat sich beim Design der Stoneman nicht nur von Gibsons Design-Klassiker, der Firebird, inspirieren lassen, sondern sich auch am hauseigenen und durch den Kiss-Gitarristen Paul Stanley weltberühmt gewordenen Iceman-Model orientiert. Verbunden mit einer Vielzahl von modernen Komponenten ist dann aber etwas ganz Neues entstanden. Beim Auspacken aus dem mitgelieferten und wirklich sehr solide wirkenden Softcase wird sofort klar, dass wir es hier mit einer großen Gitarre zu tun haben. Die Stoneman ist ein richtiges Schiff und bringt gewaltige 4,8 kg auf die Waage – also nichts für geschundene Rücken und schwache Schultern. Die asymmetrische Form ist natürlich ein totaler Hingucker und macht in Verbindung mit dem verspiegelten Schlagbrett eine extrem gute Figur. Der siebenstreifige, durchgehende Hals aus Ahorn und Walnuss hat für zusätzliche Stabilität eine Verstärkung aus Titan bekommen und zeigt auf dem Korpus – ähnlich wie bei Gibsons Firebird – eine leichte Erhebung auf Vorder- und Rückseite.

Die angeleimten Korpusflügel aus Esche wurden mitsamt des Halses in Einem schönen Weathered-Black-Farbton lackiert, welcher die Poren des Holzes fühlbar offen lässt. Die abgewinkelte Kopfplatte erinnert stark an die Ibanez- Instrumente der 70er-Jahre und wurde zudem mit dem alten Schriftzug dieser Ära versehen – kein Wunder, schließlich ist Fredrik Thordendal begeisterter Vintage- Gitarren-Sammler und mit der Historie der Japaner bestens vertraut. Das in einem hellen Braunton gebeizte Palisandergriffbrett trägt 22 sauber eingelassene Jumbo-Bundstäbe und verleiht der ansonsten vollkommen schwarzen Gitarre einen schönen farblichen Akzent. Leider wurde bei der Färbung des Fretboards ein wenig unsauber gearbeitet, sodass zwei der seitlichen Luminlay-Dots ein wenig in Mitleidenschaft gezogen wurden. Auch macht die Verleimung des Griffbretts am unteren Ende des Halses einen optisch etwas unschönen Eindruck – hier sind ein paar kleine Leimreste sichtbar.

Lundgren M8P Pickup-Bestückung
FOTO: Dieter Stork
Lundgren M8P Pickup-Bestückung

Natürlich handelt es sich um rein optische Mängel, die keinen Einfluss auf die Funktion der Gitarre haben; trotzdem ist so etwas angesichts des Preises durchaus ärgerlich. Die aus eigener Produktion stammende Hardware wurde ebenfalls komplett in schwarz gehalten und macht einen durchweg hochwertigen Eindruck. Vor allem die wirklich massiv gefertigte Fixed-Edge-III-Brücke hinterlässt mit ihrer sehr durchdachten Konstruktion einen äußerst positiven Eindruck – hier stört wirklich nichts beim Spielen. Zur Übertragung des Tons kommen bei der Stoneman die schon fast legendären Lundgren- M8P-Tonabnehmer zum Einsatz, welche vor über zehn Jahren zusammen mit den beiden Meshuggah-Gitarristen entwickelt wurden.

Die beiden Humbucker sind mit jeweils einem Volume- und einem gemeinsamen Tone-Regler ausgestattet und werden über einen am unteren Horn des Bodys angebrachten Toggle-Switch geschaltet. Ein absolut besonderes Merkmal des Stoneman-Modells ist die überraschend kurze Mensur von lediglich 27 Zoll (686 mm), besonders wenn man bedenkt, dass die M80M mit fast 30″ ausgestattet war. Grund hierfür dürften die Schulterprobleme der beiden Meshuggah-Gitarristen sein – beide wurden in letzter Zeit mit neuen, kürzer gehaltenen Modellen ihrer Signature-Gitarren gesichtet, deren Spielbarkeit aufgrund des nicht so langen Halses deutlich komfortabler ist. Versuche mit einer achtsaitigen Iceman mit langer 29,4 Zoll Mensur wurden aus genau diesem Grund schnell wieder verworfen und schafften es nicht über den Status als Prototyp hinaus.

Viel Low-End

Am Gurt weiß unsere Testgitarre ziemlich genau wohin sie will – die Kopfplatte zieht schon ordentlich Richtung Fußboden. Ein ziemlich weit links am Halsfuß angebrachter Gurt-Pin wirkt diesem Problem zwar entgegen, kann es aber nicht zur Gänze lösen. Abgesehen von dieser konstruktionsbedingten Problematik erweist sich die FTM33 auch sonst als eher sperrige Vertreterin. Die auf der Vorderseite nicht angeschliffenen Zargen erinnern ein wenig an das Spielgefühl eine alten Telecaster oder Firebird, was aber durchaus Charme hat. Durch die 27 Zoll lange (oder eher kurze?) Mensur, hat man immer noch das typische Spielgefühl einer Baritone-Gitarre, ohne dass die linke Hand sich aber übermäßig verrenken müsste um entspannt an den ersten Bund zu kommen.

Nicht auszudenken wie sich dieses Monster mit der von den Meshuggah-Jungs früher bevorzugten 30-Zoll-Mensur spielen würde – eine kluge Entscheidung also, ein paar Zentimeter zugunsten der Spielbarkeit zu opfern.

Akustisch gespielt fällt schnell auf, dass wirklich alle Töne über das Griffbrett verteilt gleich laut sind. Die bemerkenswert gute Werkseinstellung ermöglich hürdenloses Spiel in nahezu allen Lagen; lediglich in den obersten Bünden muss die linke Hand sich etwas anstrengen um die höchsten Töne zu erreichen. Der Klang ist von einem beachtlich massiven Bassfundament geprägt, welches der gesamten Gitarre einen kräftigen klanglichen Unterbau verleiht. Da die Mitten ein klein wenig zurückgenommen wirken (ein weiterer Effekt der etwas kürzeren Mensur), haben vor allem die brillanten und sehr angenehm klingenden Höhen ordentlich Platz, sich zu entfalten.

Der Headstock der FTM33
FOTO: Dieter Stork
Schön Retro: Der Headstock der FTM33

Übrigens: die FTM33 wird ab Werk einen halben Ton nach unten gestimmt (also von D# bis F) und mit einem Satz 009-074 Saiten, ausgeliefert. Am Verstärker setzt sich der positive Eindruck der Stoneman nahtlos fort. Schon im cleanen Betrieb wird deutlich, dass die verbauten Lundgren-Pickups wahrlich keine Leisetreter sind. Schon der Halstonabnehmer hat richtig Dampf auf dem Kessel und weiß mit beeindruckender Klarheit und einem kraftvollen Ton vollends zu überzeugen. Bei Overdrive zeigt unsere Test-Gitarre dann so richtig, wofür sie geschaffen wurde. Am Steg-Tonabnehmer entfaltet die Stoneman eine ungeheure Durchschlagskraft, ohne dass die tiefen Register zu übermäßig in den Vordergrund gestellt würden. Die Tiefmitten haben ein schönes Grollen, das Riffs auf den tiefen Saiten den nötigen Biss gibt. Auffällig finde ich, dass die Lundgren-Tonabnehmer den natürlichen Charakter der Gitarre sehr gut einfangen und den Klang gar nicht so stark verfärben, wie man es bei solchen Kraftpaketen vermuten könnte. Die oberen Mitten haben eine tolle Durchsetzungskraft, ohne dass eine aufdringliche Nase entstünde.

Auch der Hals-Pickup weiß im Zerrbetrieb zu begeistern – singende Single- Note-Linien spielen sich hier im Grunde wie von selbst. Durch die 27-Zoll- Mensur entsteht, gerade auf den tiefen Saiten, eine schöne Balance aus straffem Ton einerseits und beachtlichem Bassfundament andererseits, welches für einen wirklich unglaublichen Schub sorgt und so manchem Lautsprecher das Fürchten lehren wird.

Alternativen

Angesichts der wirklich exotischen Form und der Features wie Mensur, Saitenanzahl und Pickups, geht die Auswahl hier gen null. Wenn einem die Form nicht so wichtig ist, könnte man die IbanezM80M in Betracht ziehen, welche aber nur einen Steg-Tonabnehmer und eine deutlich längere Mensur von 29,4″ hat.

Resümee

Ibanez schickt mit der FTM33 eine Gitarre ins Rennen, die sicherlich polarisieren wird. Die für eine Achtsaiter eher kurze Mensur und die etwas eigenwillige Spielbarkeit dürfte vor allem jüngere, modern-orientierte Metal-Gitarristen die Stirn runzeln lassen. Mit dem sportlichen Design so mancher Boutique-Djent-Maschine hat die Stoneman so gar nichts gemein. Hier haben wir es eben mit einer Gitarre zu tun, die nicht jedem gefallen will und bei der es vor allem um die grandiose Optik, ein gewisses Retro-Feeling und besonders um den absolut mächtigen Sound geht.

Plus

  • eigenständiges Design
  • moderner Sound
  • Lundgren Pickups
  • Titanverstärkung im Hals
  • Werkseinstellung

Minus

  • leichte Mängel in der Verarbeitung beim Testinstrument
  • erhöhtes Gewicht, Kopflastigkeit
Ibanez Stoneman FTM33 Übersicht

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(Aus Gitarre & Bass 06/2018)

Ein Kommentar zu “Ibanez Stoneman FTM33 im Test”
  1. Schnurzel

    Polarisierend wirkt diese recht teure neue Ibanez ganz klar.Jedoch vom optischen Design her alles schon mal da gewesen,da die FTM 33 irgendwie ein Hybrid zwischen Firebird und Explorer zu sein scheint.Mein Ding wäre es absolut nicht,da ich in einer ganz anderen Richtung,bzw. Liga spiele.Aber wem diese hochpreisige Ibanez aus Indonesien gefällt,der soll sie kaufen.Bin selbst schon ewig nicht mehr Ibanez User,da mir die neuen Modelle von der Optik,dem Preis und der Verarbeitung überhaupt nicht mehr gefallen.Da erinnere ich mich doch noch wehmütig an die guten alten soliden Ibanez Artist,Studio,Saber,Iceman und Talman Gitarren aus damalig japanischer Fertigungsstätte Fujigen,wo damals auch die leider sehr kurzlebigen Starfield/made by Ibanez Gitarren gebaut wurden,die heute kurioserweise wieder sehr gefragt sind,weil sie eben top Elektrische Gitarren waren! Schade,daß Ibanez ausgerechnet diese besagten Starfield´s nicht mehr neu aufgelegt hat! Es existierte damals sogar eine elektrische 12-String Starfield Altair aus Japan,die angeblich in sehr geringer Stückzahl produziert wurde,und derzeit kaum noch im Internet zu finden ist.

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