Back to the roots

Ibanez Roadcore RC320 im Test

Zwei Ibanez-E-Gitarren im Vintage-Style, rot und schwarz, stehend
(Bild: Dieter Stork)

 

Mitte der 70er-Jahre wurde die Gitarristen-Welt auf den japanischen Hersteller Ibanez aufmerksam, der Kopien von legendären amerikanischen Gitarren in unglaublicher Qualität und zu sagenhaft günstigen Preisen fertigte. Als die US-Firmen mit einem Rechtstreit drohten, begann die Erfolgstory erst richtig. Erste eigene Modelle wurden entwickelt und eroberten die Welt. Mit der neuen Roadcore-Serie erinnert sich Ibanez an seine Anfänge.

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Heute zählt Ibanez zu den etablierten Gitarren-Herstellern. Und ist vor allem bekannt für seine Heavy-Instrumente und das enorme Angebot an 7- und 8-saitigen Gitarren.

So sieht man kaum einen Gitarristen der Djent-Szene mit einem Modell eines anderen Herstellers. Dabei wird oft übersehen, dass das Ibanez-Programm extrem weit gefächert ist: Jazz-Gitarren, Semi-Akustik-Modelle, Bässe, die Artist-Serie, Akustik-Gitarren, in allen Bereichen wird eine richtige Vielfalt an Modellen angeboten. Und kaum ein Hersteller bietet so viele Signature-Modelle an, mit Gitarristen, die Ibanez schon Jahrzehnte treu sind, so wie Steve Vai, Joe Satriani, George Bensen, John Scofield, Munky, Herman Li, Mick Thomson, Andy Timmons, um nur einige zu nennen.

Was viele aber übersehen, ist, dass Ibanez die Zusammenarbeit mit den meisten dieser Musiker begonnen hat, als diese jung und unbekannt waren. Dies war immer eine Philosophie dieser Firma, die sich durch all die Jahrzehnte gezogen hat.

Und daran erinnert sich der japanische Hersteller auch heute wieder, und hat zum Start der Gitarren-Serie Roadcore eine ganze Reihe englischer Musiker an Bord geholt, mit denen man schon einige Zeit zusammenarbeitet, die aber für die junge Generation stehen und die eine andere Art von Gitarre spielen und für die neue Roadcore mit ihren vielen „alten“ Ibanez-Features ideal sind: Chris Miller von You Me At Six, James Davies von The Blackout, Paul Wolinski von 65daysofstatic, Daniel & Stu von Your Demise und Luke Joyce von fin.

 

Konstruktion der Ibanez Roadcore RC320

Die Roadcore-Modelle sind richtige solide Arbeitsgeräte. Die in Indonesien nach japanischen Angaben und Kontrolle gefertigten Instrumente sind gradlinig und kompakt ohne Schnörkel und Luxus, aber mit solider Hardware und guten Pickups. Der Ahorn-Hals mit Palisandergriffbrett wird auf den massiven Mahagonikorpus aufgeschraubt. Der Body hat glatte Kanten, keine Ausfräsung, keine Ausbuchtung, Decke und Boden sind cremefarben eingefasst. Die 6 verkapselten Mechaniken sind in einer Reihe angeordnet, zwei String-Trees halten die Saiten auf Sattelniveau. Ein Griffbrett mit einen Vintage 9,5“-Radius, Medium Bünde und ein nicht zu dünner Hals und ein gut in der Hand liegendes D-Halsprofil sind ideal für die ab Werk aufgezogenen .010er D’Addario Strings.

Die Roadcore ist mit einer Tight-Tune-Brücke ausgestattet, eine modifizierte Variante eines Tune-o-matic-Stegs. Wie schon bei den alten Artist-Gitarren wird die Brücke arretiert, sowohl die beiden Aufhängungen als auch die individuellen Saitenreiter. Hier wackelt und rappelt nix. Die Saiten werden durch den Korpus hindurchgeführt und auf der Rückseite in Hülsen eingefädelt. Sehr kompakt, und ein gleichmäßiger Druck auf den Steg ist sicher.

Die beiden Humbucker sind in Metallrähmchen befestigt und höhenverstellbar. Geregelt wird Master-Volume und Master-Tone, ein Dreiwegschalter wählt die Pickups alleine oder parallel geschaltet. Im Innern findet man übrigens perfekte Verarbeitung, saubere Verlötung, und Abschirmungen, auch des Elektronikfachdeckels. Die Ibanez-Humbucker haben 4-fach-Anschlüsse, man könnte also die Pickups bei Bedarf und Wunsch ohne Probleme modifizieren. Zur Zeit wird dieses Modell in zwei Farben angeboten: Transparent Rot und Schwarz. Die Rote sieht ein wenig so aus, als wenn sich Brian Mays Red Special mit einer Tele gepaart hätte.

 

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Tight Tune-Brücke: Hier wackelt und rappelt nix. Wie schon bei den ursprünglichen Artist-Gitarren wird die Brücke doppelt arretiert. Die Saiten werden durch den Korpus geführt, der Saitendruck auf den Steg ist perfekt. (Bild: Dieter Stork)

 

Die Ibanez Roadcore RC320 in der Praxis

Diese Gitarre ist ein klasse Arbeitsgerät. Sie spricht direkt an, hat einen kraftvollen, satten Grundsound, intoniert sehr sauber, hat in allen Lagen ein fast gleichmäßiges Sustain und bringt einen dazu, direkt etwas härter in die Saiten zu greifen. Die beiden Pickups sind m. M. n. den guten alten PAFs nachempfunden, wobei der Stegpickup etwas mehr Dampf hat, aber dennoch sehr gute und durchsetzungskräftige Höhen liefert, die Riffs und Akkorde perfekt abzeichnen. Der Hals-Tonabnehmer kann sich ebenfalls gut durchsetzen, hat aber eine gesunde Wärme. Ab Werk war er bei beiden Gitarren weit heruntergedreht, ich persönlich mag es mehr, wenn er näher an die Saiten justiert wird, denn dann wird auch diese Position noch klar abgebildet. Volume- und Tone-Regler arbeiten sauber, bei „Marshall“-Sounds kann man den Zerrgrad sehr feinfühlig mit dem Volumen-Regler beeinflussen, sodass man zwischen Crunch und Lead alleine mit dem Instrument wählen kann. Der Grundsound der Gitarre ist wie der einer Hot-Rod SG.

Handling und Bespielbarkeit sind ausgezeichnet, man will das Instrument einfach nicht mehr aus der Hand legen. Ich denke beim nächsten Konzert ist sie mit dabei!

 

Resümee

Mit der Ibanez Roadcore will der japanische Hersteller neue Musiker ansprechen und neue Bands featuren. Ein gutes Unterfangen. Die perfekte Gitarre dazu ist da. Umhängen und spielen! Die Roadcore ist ein gradliniges, tolles Arbeitsinstrument mit einem ausgezeichneten Preis/Leistungsverhältnis. Sehr zu empfehlen.

 

Übersicht

Fabrikat: Ibanez

Modell: Roadcore RC 320

Typ: Solidbody E-Gitarre

Herkunftsland: Indonesien

Mechaniken: verkapselt, 16:1

Hals: einteilig Ahorn, verschraubt

Sattel: Knochen

Griffbrett: Palisander

Radius: 9,5“

Halsform: D

Halsbreite: Sattel 42 mm; XII. 52,00 mm

Halsdicke: I. 20,5 mm; XII. 22,5 mm

Bünde: 22, medium (2,3 x 1,0 mm)

Mensur: 648 mm

Korpus: Mahagoni

Oberflächen: Nitrocellulose, Black/Transparent Red

Schlagbrett: schwarz, dreischichtig weiß

Tonabnehmer: 2x Core-Tone Humbucker (Hals: 7,8, Steg: 8,9 kOhm)

Bedienfeld: 1x Master-Volume, 1x Tone, 3-Weg-Schalter

Steg: Tight-Tune

Hardware: verchromt

Saitenlage: E-1st 1,6 mm; E-6th 2,0 mm

Saitenabstand Steg: E-1st – E-6th 52,5 mm

Saitenstärke ab Werk: .010 -.046 D’Addario

Gewicht: 2,8 kg

Vertrieb: Meinl, 91468 Gutenstetten,

meinl-distribution.eu,

www.ibanez.de/storefinder

Zubehör: Gigbag, Gurt, Kabel, Inbus- Schlüssel, Anleitung

Preis: ca. 418

 

Plus

  • Konzept
  • Sound
  • Verarbeitung
  • Hardware
  • Preis

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