Ibanez BTB700DX-BWF & BTB705DX-TKF im Test

4- und 5-saitige Bässe von Ibanez, rot bzw. grün, stehend

Seit über einer Dekade bietet Ibanez mit der BTB Modelreihe sehr gut verarbeitete und leicht bespielbare, mit hochwertiger Hardware versehene Instrumente an.

 

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Edelbässe, die auch verwöhnte Bassisten begeistern, aber dennoch zu einem günstigen Preis angeboten werden, dafür ist die BTB-Serie seit 1999 bekannt und beliebt. Wie jeder Hersteller ist auch Ibanez darauf bedacht, seine Modellpalette zu optimieren und eine neue Klientel anzusprechen. Folglich liegt jetzt mit dem BTB700DX-BWF und dem BTB705DXTKF eine in der Grundausrichtung bekannte, aber in einigen, nicht unwesentlichen Details modifizierte und sinnvoll veränderte Interpretation des Neo-Klassikers vor.

 

Konstruktion

Zunächst einmal fällt die Extra-Longscale-Mensur mit 889 mm auf. Für die Spieltechnik ist dieser Umstand nicht sonderlich auffällig, aber rein klanglich ergeben sich doch hörbare Unterschiede zu einer normalen Mensur, da hier eine differenziertere und schnellere Ton-Definition erzielt wird. Besonders der Fünfsaiter profitiert davon, denn ein Flattern der tiefen H-Saite ist dadurch nicht konstatierbar. Aber auch für den 4-Saiter ergeben sich durch die lange Mensur Vorteile, denn durch die höhere Spannung bleiben auch bei einer tieferen Stimmung alle Saiten straff und klingen länger aus. Der durchgehende Hals ist bei beiden Instrumenten eine fünfstreifige Konstruktion, aus drei breiten Ahornstreifen mit zwei schmaleren Bubingastreifen.

Der harten Halskonstruktion wird jedoch durch ein kräftiges Palisandergriffbrett mit seinem dunkleren, satten Tiefmitten-Einfluss jedwede Harschheit genommen. Das mit dekorativen Abalone-Dots versehene Griffbrett ist mit 23,5 mittelstarken Bünden bestückt. An die durchgehende Halskonstruktion sind zwei massive Esche-Korpusteile mit dem für den BTB typischen tiefen Cutaway angeleimt. Die rustikale deutliche Maserung der Esche wird bei dem Fünfsaiter durch eine transparente schwarze Matt-Lackierung stark betont. Der Viersaiter hat ebenfalls eine neue Matt-Lackierung erhalten, allerdings in einem dunkelroten vom Hersteller als Burgundy Wine Flat bezeichneten Finish. Aus der holzbetonten und edlen, zuweilen jedoch etwas möbelesque anmutenden BTB-Serie ist durch das neue Finish ein optisch verändertes, rockiges und robust wirkendes Arbeitsgerät entstanden.

Kleider machen eben Leute. Dazu trägt auch die Hardware bei, da hier das eher elegante Schwarzchrom früherer Modelle einem konkreten Schwarz gewichen ist. Beide Instrumente haben auf der leicht nach hinten abgewinkelten Kopfplatte gekapselte Präzisions-Tuner erhalten. Am anderen Ende der Saiten sitzen separate Einzelstege. Die Monorails arbeiten die Holzkomponente im Sound etwas stärker heraus als etwa ein massiver Flachsteg und werden deshalb seit Beginn in der BTB-Serie verbaut. Ein weiterer Vorteil der Monorails liegt in dem tief gelagerten Aufhängungspunkt für die Ballends. Dadurch ist der Druck auf die Saitenreiter enorm stark und vergleichbar mit einer Saitenführung durch den Korpus. Die Elektronik-Komponenten sind ebenfalls von ausgesuchter Güte. Der aktive Vari-Mid-Dreiband-EQ erlaubt sensible und ausführliche Variationen des Klangs. Zur Verfügung stehen ein Volume-Regler und ein Überblender zur Pickup-Selektion. Bässe und Höhen sind als Koaxial-Poti ausgeführt. Einsatzfrequenz sowie Anhebung/Absenkung der Mitten sind ebenfalls in einem doppelstöckigen Poti zusammengefasst.

Die Verwendung von zwei aktiven EMG 40DC Tonabnehmern unterstreicht eine rockorientierte Ausrichtung dieser Modelle. Trotz doppelter Aktiv-Bestückung ist der Stromverbrauch mit ca. 1,65 mA recht moderat. Die 9-Volt-Batterie ist in einem separaten, mit Schnappverschluss versehenen Fach in der Korpusrückseite untergebracht. Als Ausgangsbuchse hat Ibanez eine Neutrik-Klinkenbuchse mit Stecker-Verriegelung verwendet. Dadurch kann der Klinkenstecker zwar nicht herausfallen, aber man kann natürlich auch irgendwo hängen bleiben und damit Unheil anrichten, es hat eben alles seine Vor- und Nachteile. Schwarze, konventionelle Gurthalter mit einem großen Durchmesser, serienmäßige Auslieferung mit Elixir-Saiten, und eine gute Verarbeitung tragen ebenfalls zu einem sehr guten ersten Gesamteindruck bei.

 

Praxis

Leichtgewichte sind die beiden Instrumente zwar nicht gerade, aber am Gurt hängen sowohl der Viersaiter als auch der Fünfsaiter gleichermaßen komfortabel. Das liegt vor allem daran, dass beide Instrumente sehr gut ausbalanciert sind. Zudem sind die Instrumente nicht nur sehr gut austariert, auch das Spielgefühl ist sehr ansprechend. Eine erstklassige Saitenlage fördert die Spielmotivation, und auch die extra lange Mensur bei beiden Instrumenten fällt nicht unangenehm auf.

Der Fünfsaiter bietet durch sein breites Griffbrett und Saitenabständen von ca. 18,5 mm beste Spieleigenschaften für härtere musikalische Ausrichtungen, auch die straffere Saitenspannung durch die sehr lange Mensur kommt dem natürlich entgegen. Vor allem bei der tiefen H-Saite wird bis in die tiefsten Lagen ein mächtiger, klar definierter Basston hervorgebracht.

Dieselben Eigenschaften bietet im Prinzip auch der Viersaiter. Zwar ist das String- Spacing mit ca. 18,8 mm etwas größer ausgefallen, aber für härtere Spielarten ist er ebenfalls bestens geeignet, da sich die 35″ Mensur zu einem sorgenfreien Drop-Tuning eignet. Die durchgehende Halskonstruktion sorgt für ein langes kultiviertes Sustain, und die Esche-Anteile der Korpuskonstruktion für eine äußerst präzise und schnelle Tonansprache.

Tonabnehmer und Elektronik verarbeiten einen vitalen, luftigen Holzklang. Dafür hat Ibanez zwei aktive EMG 40DC Tonabnehmer ausgesucht, die durch einen mächtigen Output beeindrucken und selbst bei härtestem Anschlag eine verzerrfreie Wiedergabe sicherstellen. Die doppelspuligen Pickups übertragen exakt und detailtreu den präzisen Drahtklang und zeigen insbesondere in der Bass- sowie in der Mittenwiedergabe exzellente Resultate. Selbst bei härtesten Gangarten wird trotz fulminantem Bassfundament durch die Verstärkung der Mitten eine erstaunliche Durchsetzungskraft und Differenziertheit erreicht. Eine schwammige H-Saite kennt der BTB nicht.

Seltsamerweise ist der Viersaiter ebenfalls mit zwei EMG 40DC Tonabnehmern ausgerüstet, die eigentlich extra für Fünfsaiter konzipiert worden sind und entsprechend etwas überdimensioniert wirken. Für die Übertragung des Drahtklanges macht dies allerdings keinen Unterschied. Die aktiven Klangregler erlauben eine immense Erweiterung der verfügbaren Klangpalette. Nach eigenem Geschmack lassen sich Druck und Brillanz einstellen und insgesamt ist die Wirkungsstärke eher überdimensioniert. Im Prinzip findet man immer direkt den guten, gewünschten Ton. Insbesondere mit den Mittenreglern der Vari-Mid-Klangreglung ergeben sich sehr viele Möglichkeiten für individuelle Klanvorlieben. Von nasaler Färbung, growlenden Tiefmitten, knalligen Drahtpräsenzen bis hin zu einem WahWah ähnlichen Effekt, und auch bei extremsten Anhebungen: es ergibt sich immer ein musikalisch brauchbares Sound-Resultat. Aber auch bei einer neutralen Einstellung aller Klangregler überzeugen die beiden Instrumente, durch einen ausgewogenen, straffen und präzisen Ton.

 

Resümee

Durch die extra lange Mensur sind die Instrumente der BTB-Modellreihe wie geschaffen für jene modernen musikalischen Richtungen, die ein tiefes, klar definiertes durchsetzungsfähiges Bassfundament erfordern. Mit dem neuen Finish kommt man nun auch den visuellen Ansprüchen rockig orientierter Bassisten entgegen. Die Verwendung von Esche bei den Korpusflügeln trägt ebenfalls zu einem klassischen charaktervollen Sound bei, und auch die EMG-Bestückung ist für den harten, rockigen Einsatz eine sinnvolle Wahl. Mit dem Flair eines robusten, rustikalen Arbeitsgeräts, das jedoch keineswegs seine Edelbass-Grundzüge leugnet, präsentieren sich die neuen BTB-Bässe wie geschaffen für Männer die richtig zupacken können. Zart besaitete Musiker, die eher den Bass auf Brusthöhe streicheln, finden innerhalb der BTB-Baureihe nach wie vor Instrumente, die auch diesen Ansprüchen genügen.

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