Die feine Kleine Feine

Ibanez AM205-AV im Test

Ibanez halbakustik

In der Artstar-Prestige-Reihe legt Ibanez das attraktive kleine Modell AM205-AV vor. Hals- und Korpus aus Mahagoni, Ebenholzgriffbrett und natürlich detailgenaue Japan-Fertigung sind die wesentlichen Features dieser handlichen Semiacoustic.

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Gute Idee: das Erfolgsmodell AS200 in veränderter Form und mit versetztem Akzent als AM205 ins Programm heben und so die bewährten Vorzüge über die typische Jazz- Klientel hinaus auch anderen Genre-Musikern schmackhaft machen. Dieses Instrument kann nämlich, ohne seine Jazz-Gene zu verleugnen, durchaus mehr.

k o n s t r u k t i o n

Die AM205 ist so etwas wie die geschrumpfte AS200, eine Miniatur des beliebten John-Scofield-Modells also. Diese Aussage bezieht sich allerdings nur auf den Body der Gitarre (knapp 14″), Mensur und Halsdimensionen entsprechen exakt dem großen Vorbild. Im Gegensatz zu Letzterem tritt die AM205 allerdings mit einem Korpus aus gleichmäßig gemasertem, knotigem Burl Mahogany (laminiert) an. Wir haben es also mit einer Vollmahagonikonstruktion zu tun. Decke und Boden sind in leichte Kontur gepresst, die Korpusränder mit Multi-Bindings, die beiden f-Löcher lediglich einfach eingefasst. Ein gut 10 cm breiter Block füllt die Korpusmitte vom Hals bis zum Endpin durchgehend aus, bringt Decke und Boden in Kontakt und verschafft dem Instrument damit seine semi-solide Struktur, also auch gute Feedback-Resistenz. Der in Höhe des 19. Bundes eingeleimte einteilige Hals aus Mahagoni ist analog zum AS200-Modell mit gebundenem Ebenholzgriffbrett samt kantenglatt verarbeiteter mittelstarker Bünde (Artstar Fret Edge Treatment) ausgestattet.

pickups
Starke Super 58 Humbucker

 

Auch die Acrylic-&-Abalone-Block- Inlays sind identisch. Der über eine leichte Volute herausgeführte Kopf ist mit gekapselten Qualitätsmechaniken von Gotoh ausgestattet. Die Saiten werden über den perfekt eingerichteten Sattel aus Knochen in 628 mm Mensurlänge zur Gotoh 510 BN Bridge geführt. Die verfügt über eine gratfreie Oberfläche durch versenkte Madenschrauben zur individuellen Böckchenjustage. Das GE101A Tailpiece aus Aluminium kontert die Saiten. Zwei in cremefarbene Rähmchen montierte Super-58-Pickups mit Alnico-Magneten bilden das elektrische Herz der AM205. Verwaltet werden sie von individuellen Volume- und Tone-Reglern. Eigentlich eine Kleinigkeit, aber doch kaum zu unterschätzen sind die Sure-Grip-Knöpfe der satt laufenden Potis, welche auch mit feuchten Fingern sichere Kontrolle über die Elektrik gewähren. Die höchst akkurat verarbeitete Gitarre ist in Antique Violin hochglänzend lackiert.

 

 

p r a x i s

Das zierliche Instrument nimmt sitzend gespielt eine angenehme Position ein und spielt sich rundum gut. Am Gurt erweist es sich als leicht kopflastig, mit aufgelegtem rechten Arm ist das aber kein Problem. Der Hals scheint länger, als es die (kurze) 628- mm-Mensur eigentlich erwarten lässt. Verglichen mit einer Les Paul steht er aber, des Halsansatzes im 19. Bund wegen, auch um zwei Bünde weiter heraus. Das Spielgefühl ist souverän, die Tonsprache von Festigkeit und Stringenz geprägt. Ausgesprochen harmonisch erscheinen die einzelnen Stimmen zu einem gerundeten, wohl gewichteten Akkord gebündelt. Transparenz und Wärme geben sich die Hand, das Mahagoni nimmt deutlichen Einfluss auf die Tonfarbe. In den Fokus unseres Interesses drängt sich nun aber der Hals unserer kleinen Probandin.

 

Den kann man von seiner ergonomisch optimal austarierten Formgebung her kaum genug loben. Nicht zu dick, nicht zu breit, dabei aufsteigend wunderbar flach im Rücken gehalten, ohne dabei die Schulterrundung zu vernachlässigen – großartig! Gehen wir in den Amp, so zeigen die Super- 58-Pickups umgehend was sie können. Über den Hals-Humbucker gespielt sind zunächst die mit diesem Instrumententyp sowieso assoziierten Bebop Lines mit frischem Gestus zu haben. Der Ton spricht gut an, hat diesen speziellen leichten Kick der semiakustischen Konstruktion, ist aber dicht und schwingt gut aus. Der Super 58 hat einen eher geringen Output, was dem Ton aber seine Transparenz verschafft. Die Bässe erscheinen gut gestrafft, die Mitten aufgeräumt. Das lässt den freien Höhen gute Luft. Comping kann demgemäß auf bestens ausgeleuchtete harmonische Darstellung bauen, die Akkorde bleiben immer kompakt und klar umrissen. Solospiel ist über den Super 58 mit perkussiver Akzentuierung plastisch und ausdrucksstark zu haben.

Rückseite

Gehen wir in den Gain-Bereich, so singt die Gitarre mit recht linearem Tonverlauf. Gehaltene Noten profitieren vom langen Sustain, zeigen gute Obertonfarben. Lediglich in Sachen Dynamik könnte man sich etwas mehr Beweglichkeit vorstellen. Der Humbucker am Steg differiert kaum im Messwert und Output (Widerstände jeweils um die 7,3 kOhm), aber er liefert den deutlich kompakteren Sound. Mehr noch als der Hals-Pickup strafft er den Ton, das aber ohne ihn zu sehr zu komprimieren. Entsprechend stabil, mit kräftigem Anschlag auch funky lassen sich in klaren Amp-Positionen knochige Rhythmus-Sounds erzielen. Besonders gut kommt er aber im Crunch, noch besser sogar im High Gain. Da liefert er trockene Powerchord-Bretter so gut wie packende Leads. War ja nicht unbedingt anzunehmen, dass der sich im rockigen Umfeld so gut macht. Klasse die perkussive Reaktion auf das Plektrum und ein druckvoll präsenter Ton, der sich satt und bissig durchzusetzen vermag. Die Pickup-Kombi lässt es dann auch noch frei und luftig perlen, sodass wir in Summe von richtig gesunden und flexibel nutzbaren Sounds reden können.

 

r e s ü m e e

Mit der kleinen AM205-AV zieht Ibanez einen interessanten Trumpf aus dem Ärmel, zeigt die Kleine doch überraschende Größe. Eine Größe, die sich auf die Klangqualität wie auf die Spieleigenschaften bezieht und die vor allem unabhängig vom Genre zum Tragen kommt. Gut, der Metallarbeiter wird weiterhin andere Arbeitsgeräte bevorzugen, um seine heißen Schweißnähte zu setzen, aber davon abgesehen lässt sich die AM205 trotz ihrer Jazz-Gene nicht so einfach auf eine bestimmte Stilrichtung festlegen. Mit dem toll zu spielenden Hals und der flexibel nutzbaren Elektrik wird dieses hübsche Instrument auch jenen Spielern das grazile Händchen reichen, denen eine semiakustische Thinline mit vollem Korpusformat immer etwas zu sperrig war. Nun denn, hier ist die Lösung: die makellos verarbeitete Ibanez AM205-AV. Knöpf sie dir nur einmal vor!

 

P l u s

  • schlüssiges Design
  • Ansprache/Sustain
  • Super 58 Pickups
  • kraftvolle Sounds
  • tolles Hals-Shaping
  • beste Spieleigenschaften
  • perfekte Verarbeitung

M i n u s

  • leichte Kopflastigkeit (noch akzeptabel)

übersicht

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