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Hot Rod Mod: Neue Strat-Schaltung

Die Fender Stratocaster ist ein Klassiker und wird im Prinzip heute noch so gebaut, wie sie sich Leo Fender in den 50er-Jahren ausgedacht hat. Im Bereich der Elektronik gibt es seit über 60 Jahren die gleiche Schaltung: Drei Tonabnehmer werden über ein Master-Volume-Poti und je einen Tone-Poti für den Hals- und die mittlere Position mit Hilfe eines Wahlschalters geregelt.

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Noch zu Leo Fenders Zeiten wurde der ursprüngliche 3-Weg-Schalter durch einen 5-Weg-Schalter erweitert, sodass man auch die klanglich interessanten Zwischenpositionen nutzen konnte. Weitere Schaltungsänderungen hat man sich später anscheinend nicht mehr getraut. Obwohl die Pickup-Ausstattung des Erfolgsmodells mit der Zeit und den klanglichen Bedürfnissen ging und statt der Singlecoils auch gerne mal Humbucker verbaut wurden, blieb die Schaltung mit Master-Volume und den zwei Tone-Reglern weitestgehend erhalten. Warum das so ist, gehört für mich zu den Rätseln der Geschichte. Denn ich finde die Schaltung für die heutige Zeit nicht mehr sinnvoll.

Zur Entstehungszeit der Stratocaster mag das Konzept ja den klanglichen Bedürfnissen der Gitarristen entsprochen haben, heute sind die beiden separaten Tone-Regler, die auch noch ausgerechnet die eher weichen PUs am Hals und in der Mitte dämpfen, kaum gefragt. Hand aufs Herz: Wer nutzt die beiden Potis regelmäßig? Ich jedenfalls nicht. Höchste Zeit also, die Schaltung etwas zu pimpen. Nachdem wir in der letzten Folge bereits eine Schaltungsänderung vorgeplant haben, ist die Aufgabe für heute klar formuliert: In der Strat sollen ein Humbucker am Steg und die beiden Singlecoils am Hals und in der Mitte so verschaltet werden, dass ein Master-Tone-Poti und zwei Volume-Potis zur Verfügung stehen.

QUAL DER WAHL

Da Potis den Klang auch beeinflussen, wenn sie voll aufgedreht sind, ist es nicht egal, welche Potiwerte man nimmt. In der Regel werden in Gitarren mit Singlecoils 250-kOhm-Potis verbaut, bei Humbuckern nimmt man 500k-Potis. Je kleiner der Wert ist, desto größer ist die Höhendämpfung der Potis. Die 250k-Potis zähmen also spitze Singlecoils, während die 500k-Potis fetten Humbuckern höhenmäßig auf die Sprünge helfen. Das ist natürlich kein Muss.

Seymour Duncan SDP-250, 250K

Wenn man den Klang speziell formen will, bietet es sich durchaus auch mal an, mit den Potiwerten zu spielen. Für besonders spitze Telecaster-Sounds wurden original auch schon mal 1-Megaohm-Potis verbaut. Die Auswahl der Potis für mein aktuelles Projekt „Heavy-Strat“ habe ich ja schon im letzten Beitrag begründet. Daher nur ganz kurz: Der Seymour Duncan SH-6 Humbucker bekommt einen eigenen Volume-Regler mit 500k. Die beiden Squier-Standard-Singlecoils teilen sich einen Volume-Regler mit 250k. Für das Master-Tone-Poti habe ich mich für 250k entschieden, da mir sonst die Singlecoils zu spitz werden. Der kräftige Steg-Humbucker kann die kleine Höhendämpfung gut verkraften.

Klanglich nicht unwichtig: Nimmt man Potis mit 250K oder 500K? Linear oder logarithmisch?

Um ein vernünftiges Regelverhalten v. a. der Volume-Potis zu erzielen, kommen Potis mit logarithmischer Charakteristik zum Einsatz. Logarithmische Potis harmonieren besser mit dem menschlichen Ohr, da sie zu Beginn des Regelweges höhere Wertänderungen verursachen. Bei linearen Potis hat man eher das Gefühl, dass am Anfang des Regelwegs nichts passiert und die Änderung dann sehr abrupt kommt. Ein Spezialschalter ist nicht notwendig, da für die separate Lautstärkeregelung ein Schalter mit zwei Schaltebenen genügt. Das bietet jeder Fenderstyle 3- oder 5-Weg-Switch bereits von Haus aus.

Verschiedene Strat-Schalter: Links und in der Mitte die Schalter der US-Firmen OAK und Central Lab (CRL), rechts ein günstiger Schalter aus Fernost, bei dem alle Anschlüsse in einer Reihe stehen.

Die beiden Ebenen sind v. a. bei den offenen Schalter gut zu erkennen: Links und rechts der beweglichen Klinge sitzen drei Anschlussfelder, die je nach Schalterstellung Kontakt zum Ausgang des Schalters bekommen. Da auf beiden Seiten der Klinge je drei Eingänge und ein Ausgang sind, hat der Schalter zwei Ebenen. Eine gute Darstellung dazu findet sich auch auf der Internetseite von Rockinger.

Bei offenen Schaltern gut zu erkennen: Je nach Stellung der Klinge, wird ein anderer Eingang mit dem Ausgang (ganz links) verbunden. In den Zwischenpositionen hat die Zunge Kontakt zu zwei benachbarten Eingängen.

ENDLICH LÖTEN!

Die Strat ist für Arbeiten an der Elektronik wirklich gut zu haben. Fast alle elektronischen Teile sind auf dem Pickguard versammelt. Wenn man also die Anschlüsse der Ausgangsbuchse und die Masseverbindung zum Steg erstmal gelöst hat, kann man an der Elektrik ganz bequem basteln. Das Lösen ist aber nicht immer so einfach.

Die Masseverbindungen werden in der Regel über die Potigehäuse vorgenommen, und das Ablöten braucht schon Geduld und ordentlich Hitze. Ein bisschen frisches Lötzinn hilft, das alte Lot wieder fließfähiger zu machen. Auch der Einsatz der Entlötpumpe oder von Entlöthitze kann hierbei unterstützen. Gerade bei schwachen Lötkolben muss hier mit allen Tricks gearbeitet werden. Auch an meinem Beispiel sieht man, dass das Entlöten nicht so einfach war. Einen Schönheitspreis gewinnt die Lötarbeit mit den recycelten Bauteilen sicher nicht mehr.

Nach dem Ablöten kommt der Neuaufbau: Den Volume-Regler für den Humbucker will ich ganz oben haben. Ihn benutze ich am meisten. In die Mitte kommt der Volume-Regler für die Singlecoils und unten dann den Tone-Regler. Ich habe noch kurz überlegt, ob ich die Split-Funktion des SH-6 haben möchte. Dann hätte ich einen Push-Pull-Poti genommen. Der wäre aber definitiv nicht an die obere Position gekommen, sondern hätte den Master-Tone-Regler ersetzt. Mit welchem Poti man die Schalterfunktion kombiniert ist ja letztlich egal, und unten hätte ein gezogener Poti beim Spielen weniger gestört. Aber letztlich verzichte ich auf die zusätzliche Sound-Funktion.

Seymour Duncan SH-6

Also bleiben das rote und das weiße Kabel des Seymour Duncans zusammengelötet und nur das grüne und das schwarze Kabel werden angeschlossen. Etwas verwirrend bei Seymour Duncan ist der Farbcode. Während sonst die Farbe Schwarz oft für die Masse steht, nutzt Seymour Duncan sie für die Signalführung und grün für die Masse. Also kommt das grüne Kabel zusammen mit der Masselitze an das Gehäuse des 500k-Volume-Potis und das schwarze Kabel an den Poti-Eingang. Die mittlere der drei Lötösen, der Ausgang, führt das Signal weiter zum Schalter. Der andere äußere Anschluss des Potis wird auf Masse gelegt. Das wird bei Gitarren oft ziemlich rustikal durch Umbiegen des Anschlusses zum Potigehäuse und kräftigem Verlöten realisiert.

Die Strat-Schaltung mit zwei Volume-Reglern und einem Master-Tone-Poti

Die Anschlüsse der beiden Singlecoils gehen zuerst zum Schalter und dann zu dem 250k-Volumen-Poti. Wie der Schalter belegt ist, hängt vom Schaltertyp ab. Grundsätzlich haben aber alle Schalter drei Eingänge und einen Ausgang pro Ebene. Wenn die Belegung z. B. bei geschlossenen Schaltern nicht ersichtlich ist, hilft das Multimeter weiter. Der mittlere Eingang gehört auf jeden Fall dem mittleren Pickup. Ob der linke oder rechte Eingang dem Hals- oder Stegtonabnehmer zugeordnet wird, hängt von der Einbauposition des Schalters ab. Auch hier gilt: wenn man es nicht sehen kann – messen hilft.

Der Master-Tone-Regler sitzt in der Schaltung ganz am Ende. Er bekommt sein Signal vom Ausgang des 5-Weg-Schalters. An den selben Anschluss kann man dann auch später die Ausgangsbuchse anlöten. Der Ausgang des Tone-Potis (mittlere Lötöse) wird über den Kondensator, in der Regel ein 22-nF-Typ, gegen Masse gelegt. Betrachtet man die Verdrahtung von Schalterseite, steht die eine Ebene den beiden Singlecoils zur Verfügung (Position 3 mittlerer Pickup, Position 5 Hals-Pickup). Die Position 1 (Bridge-Pickup) bleibt frei. Der Schalterausgang der Ebene wird dann zum 250k-Volume-Poti geführt.

Vom Ausgang des 250k-Potis (mittlere Lötöse) geht es rüber zur anderen Ebene des Schalters und zwar dort ebenfalls an die Positionen 3 und 5. Die beiden Lötanschlüsse 3 und 5 werden miteinander verbunden. Dazu isoliere ich einfach ein längeres Stück der Litze ab und löte es an beiden Anschlüssen fest. An Position 1 wird der Ausgang des 500k-Potis, also des Volume-Reglers des Humbuckers, geführt. Der Ausgang der zweiten Schalterebene kommt nun zum Tone-Poti und zur Ausgangsbuchse.

Nun noch alle Masseverbindungen ziehen, d. h. die Massekabel von den Pickups an möglichst einer Stelle mit den Potigehäusen verbinden, alle Potigehäuse untereinander verbinden und zum Schluss auch die Masseverbindungen zur Ausgangsbuchse und zum Steg anschließen. Das war’s dann auch schon. Jetzt noch Pickguard festschrauben, Saiten aufziehen und fertig. Wer wie ich ein Austausch-Pickguard vom Zubehörmarkt verwendet, wird voraussichtlich auch noch ein paar neue Löcher zur Pickguardbefestigung bohren müssen. Denn

soweit geht die Normung nicht, das alle Pickguards auch noch die Befestigungslöcher an derselben Stelle hätten. Ärgerlich ist das aber nur, wenn die Löcher ganz nah – aber nicht nah genug – an den alten Löchern liegen und man entscheiden muss, ob die Schraube zumindest noch schief reingeht oder ein neues Loch neben dem alten Loch noch Platz genug hat. Wie man allerdings mit den Holzsachen geschickt umgeht, ist eine ganz andere Geschichte, die ich auch gerne anderen Leuten überlasse …

Die Lötarbeit gewinnt sicher keinen Schönheitswettbewerb, aber es funktioniert alles bestens.

(erschienen in Gitarre & Bass 02/2021)

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Mit der Unsitte, die Massedrähte an das Potigehäuse zu löten, sollte man Schluß machen. Bedingt durch die große Wärmekapazität des Gehäuses ist für eine vernünftige Lötstelle ziemlich hohe Wärmezufuhr nötig (man siehts im Foto des Artikels, die Lötstellen sehen nicht gerade vertrauenerweckend aus) und diese bewirkt nach meinen Untersuchungen eine teilweise Zerstörung der Kohlebahn des Potis, womit ein “Kratzen” des Potis und ein späterer Gesamtausfall vorbestimmt sind. Bei meinen zahlreichen Gitarren habe ich alle Masseverbindungen auf Kupferfolie gelötet, die unter den Potis angebracht und mit ihnen zusammen festgeschraubt wird. Damit hat man auch eine zusätzliche Schirmwirkung von der Bedienseite her, was sich in geringerer Brummneigung äußert. Seit dieser Änderung hatte ich noch nie wieder eine Poti-Fehlfunktion, manche tun ihren Job nunmehr klaglos seit ca. 30 Jahren !

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    1. Hallo an die Lötgemeinde – ich kann den Kommentar von Günther nachvollziehen. Allerdings löte ich seit 40 Jahre so einige hundert Pickguardbestückungen – also sowohl entlöten und neu einbauen als auch Neuteile aufbauen – nach dem altbekannten Prinzip der Sternverlötung. Bislang hatte ich bis auf wenige Ausnahmen (dort waren es Billig-Potis) keine Ausfälle. Aber die Meinung, dass die enorme Hitze, die man benötigt um zu entlöten und dann wieder zu verlöten, nicht gut für die Potis sein dürfte, teile ich 100%ig. Die Potis werden irre heiß. Den Tipp des G&B-Autors, dabei ein wenig frisches Lötzinn auf den Kolben zu nehmen und dann erst abzulöten, der hilft und den kann ich nur weiterempfehlen. Was ich noch empfehle: bei neuen Potis schabe ich den Oberflächenteil, der die Lötstelle aufnehmen soll, mit einem Schraubenzieher ab, bis die Oberfläche richtig rauh ist. Dort haftet das neue Lötzinn dann schneller und die Verbindung ist stabiler. Nach Erkalten am Kabel kräftig ziehen. Manchmal löst sich die Stelle … und man hätte ein Masseproblem, wenn man es nicht entdeckt hätte. Das ist mir schon mehrmals passiert. Und die Fehlersuche kostet mehr Zeit, als nach dem Löten jedwede Kabelverlötung mit dem kurzen Stresstest zu prüfen.
      Ich wünsche allen Lötenden viel Erfolg. Ein Youtuber hat auf meinem Kanal MrHKBlues mal kommentiert: Was hälst Du von einem Titel für Dich: “…mit der Lizenz zum Löten” Fand ich toll und benutze ich seitdem auch…. Mit musikalischen Grüßen. MrHKBlues…mit der Lizenz zum Löten. Spaß muss sein. Bleibt alle schön gesund.

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  2. Für Elektroniker wäre es hilfreich, nicht nur den Verdrahtungsplan, sondern den Elektronik-Artikeln auch eine mit den standardisierten Bauteilsymbolen gezeichnete Schaltung (Stromlaufplan) beizufügen. Das würde das Verständnis der elektronischen Zusammenhänge so einiger Beiträge wesentlich erhöhen. Es gibt zahlreiche intuitiv bedienbare Schaltungs-Zeichenprogramme für PC, das dürfte für die Redaktion keine große Hürde sein.

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    1. Für diejenigen, die keine Schaltpläne lesen können, sind die hier gezeigten “Schaltbilder” sicherlich der einzige Weg, ihr Instrument richtig zu verdrahten, für alle anderen ist es mühsam, zeitaufwendig und damit lästig, die stilisiert gezeichneten Leitungen zu den Bauteilen zu verfolgen und einen funktionellen Zusammenhang herzustellen.
      Wer eine solche Schaltung entwerfen, aufbauen und austesten kann, hat mit Sicherheit zuvor ein Schaltbild gezeichnet. Dieses zusätzlich mit abzudrucken ermöglicht es, mit einem Blick die elektrische Funktionsweise zu verstehen.

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