Das verflixte dritte Jahr?

Holy Grail Guitar Show 2016 – Part 1


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Bei neuen Veranstaltungen ist es ja oft so: Im ersten Jahr läuft es gut, weil viele Leute interessiert sind und “mal gucken wollen”. Im zweiten Jahr hat sich dann die Neugier gelegt und der Besucherstrom lässt nach. Und im dritten Jahr, da zeigt sich dann oft, wie die Veranstaltung angenommen wird und ob sie sich etablieren kann. So auch bei der Holy Grail Guitar Show – und um das jetzt mal direkt aufzulösen: Die diesjährige HGGS war die dritte ihrer Art und nach dem ersten Tag sind sich alle einig – das war ein Erfolg!

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Die Holy Grail Guitar Show 2016 fand wieder im Berliner Estrel-Hotel statt. In diesem Jahr wurden 20 Gitarrenbauer mehr als in den Vorjahren zur Show zugelassen. Insgesamt waren also 135 wirAussteller aus 36 Ländern vor Ort. Für Vielfalt war also gesorgt: von der Konzertgitarre bis zur Extended-Range-Guitar, vom Acoustic-Upright bis zur Oktavgitarre, von Fretless bis Fanned Fret, vom Vintage-orientierten Klassiker bis zum Kunstobjekt …. viel Spaß beim ersten Teil unseres virtuellen Rundgangs!

Hier geht’s zu Teil 2 & 3 – stay tuned!

 

Viele Gitarrenbauer haben auf dem Weg zu ihrer Profession schon eine ungewöhnliche Berufskarriere hinter sich, aber die Geschichte von Nunzio Verdinero lässt aufhorchen: Bis er 40 war, stand er als professioneller Tänzer auf der Bühne und hat sich erst von da an dem Gitarrenbau gewidmet. Seine Verdinero Guitars geben auf der 2016er Holy Grail Guitar Show ihr Debüt.

Die Eyestone Guitars von Leonhard Augenstein lassen aufmerken: Nicht nur die abgewandelte Korpusform beim A-Modell („Ich mag einfach keine Cutaways!“) sondern auch die speziell konstruierte Bridge heben die Acoustics von der Masse ab. Leonhard baut seit 19 Jahren Gitarren und außerdem auch, zusammen mit seiner Frau, Spielzeug!

Acoustics aus Indien! Karan Singh von Bigfoot Guitars baut seine akustischen Gitarren aus überwiegend einheimischen Hölzern: Decken aus Indian Toon Wood oder White Indian White Cedar, Zargen und Boden aus Indian Walnut oder Ebony und Griffbretter aus Indian Ebony. Dazu kommt noch ein gewisser orientalischer Twist und fertig sind eigenständige Instrumente – Custom-Optionen wie spezielle Inlays oder ähnliches sind, wie bei fast allen Austellern der HGGS, immer möglich.

Blickfang am Tisch von William „Grit“ Laskin war die „This Machine“ Guitar – ein Tribute an The Legendary Pete Seger. Eine Semi-Jumbo mit Sitka-Fichten-Decke, Royal-Macassar-Ebenholz-Zargen und -Rücken und einem Mahagoni-Hals … soweit noch alles normal, eigentlich geht’s hier um die unglaublich kunstvollen Einlegearbeiten. Wow.

Rudolf Bachmann baut schöne A- und besonders edel-auffällige E-Gitarren. Und er handelt mit Tonhölzern. So stammt wohl eine der auffälligsten und schönsten Decken der Show von ihm – have a look @Tausch Guitars!

Stevens Custom Guitars gehören fraglos zur Oberklasse im deutschen Akustik-Gitarrenbau. Am Stand zu bewundern waren eine AG-Olive mit Sitka-Haselfichtendecke und Boden und Zargen aus geflammtem Olivenholz, und die OM-Koa mit Haselfichtendecke und Boden und Zargen aus, na?, genau: Koa!

Wenn man auf der Karte ein Lineal von Salzburg nach Wien legt, auf der Mitte einen Punkt macht und dann genau da hinfährt, landet man in der Werkstatt von Daniel Zucali. Er baut klassische Gitarren, wobei der Begriff „Klassik“ bei ihm weit gefasst wird und so gibt es Instrumente mit bis zu zehn Saiten und Fanned Frets!

In der Gypsy-Jazz-Szene sind die Gitarren von Stefan Hahl längst mega-angesagt. Für die diesjährige Holy Grail Guitar Show hat er eine Steelstring, die Colorado de Luxe, mit einer Decke aus 50 Jahre abgelagerter deutscher Alpenfichte und Boden und Zargen aus geflammten Vogelaugenahorn. Blickfang war aber die Jazz Supreme Nylon String „Grand Cru“ – eine Archtop mit Nylonsaiten und einem bemerkenswert vollen akustischen Sound.

Das Gitarrenmodell CWG von Andreas Cuntz feiert in diesem Jahr 20jähriges Jubiläum. Anlässlich dessen hat Andreas zwei besondere Gitarren mitgebracht: Eine CWG mit Boden und Zargen aus Ebenholz und eine mit Mastergrade-Koa-Korpus. Außerdem im Gepäck: 5 Ukulelen, die er zusammen mit Joe Stiebel gebaut hat.

Kompakte Nationals aus dem hohen Norden: Vilhelm Engström kam mit drei Single-Cone-Resonators zur Show, allesamt in geschmackvoll gealterter Optik. Pretty Nice!

Stefan Meigel hat sein Portfolio um zwei klassische Modelle erweitert. Eine OM-Style („Kleinere Modelle sind derzeit einfach angesagt“) und eine schlicht-schöne Dreadnought. Außerdem dabei: eine Bariton-Gitarre, eine kleine OO, eine Jazzgitarre, eine Mandoline und eine Oktavgitarre, die eigentlich als Versuchsobjekt gedacht war, auf der Show aber viel Zuspruch bekam.

 

Am Stand von Tausch Guitars gab es eine der wohl spektakulärsten Decken der Show zu bewundern: Das Lemon Burst auf einer 665-Deluxe-Decke mit Urknall-Maserung war einfach der Hammer! Das Modell 665 Deluxe kommt mit Holzblock Tremolo, Locking Tuners, Häussel Pickups, ist gechambert und ist mit einem Gewicht von 3,2 kg auch noch sportiv leicht.

Funky Stuff gabs bei Malonoski Guitars aus den USA – spezielle Formen, abgedreht Materialien (Ich sag nur „Trinkhorn“) und der hohlgefräste Korpus einfach mal mit Stofftieren ausgestopft. Ging bei all dem natürlich ausschließlich um Klang, eh klar.

Einer der derzeit wohl angesehensten Gitarrenbauer der heimischen Szene ist Oliver Baron von Helliver Guitars. Die federleichte Gitarre, die er unlängst im Auftrag von Reverend Billy G aka Billy Gibbons von ZZ Top gebaut hat, sorgt zu Recht für Aufsehen. Den Bau dieser Gitarre haben wir übrigens begleitet und außerdem ein Interview mit Billy Gibbons hierzu geführt – siehe G&B-Ausgabe 10/2016! Neben der Trapezoid (so der Name der Billy-Axt) hatte Helliver aber auch zwei Classic Singles (eine als Solidbody und eine als Hollow mit F-Loch) und zwei Firebugs dabei, eine davon in Farrah-Bronze, der Haarfarbe von Farrah Fawcett nachempfunden.

Schon im letzten Jahr waren die Nautilus-Modelle von Seth Baccus ein Blickfang auf der Holy Grail Guitar Show. Der Schwiegersohn Andy Manson hat im letzten Jahr mit Hölzern experimentiert und ist derzeit auf dem Esche-Trip. Eine Nautilus in See-Thru-White mit Swamp-Ash-Body, eingeleimtem Mahagoniehals und schnellem Halsprofil – nice!

Hilko Nackaerts ist ein ziemlicher Freak – absolut positiv gemeint! Letztes Jahr standen seine Modelle ganz im Zeichen von Surf- & Singlecoil-Sound, dieses Jahr sah man TV-Jones-Pickups auf allen Hilko Guitars. Wer die Gitarren mal antesten möchte muss aber derzeit noch in den Showroom nach Belgien fahren, einen Dealer gibt es hierzulande noch nicht.

Thorsten Hans von Hans Guitars fiel uns im letzten Jahr auf der Show mit seinem Modell The Pope auf – Test ins Ausgabe 8/2016. Auch in diesem Jahr hatte er einen Papst am Start, allerdings mit P-90s und einem Bigsby, außerdem ein neues Modell im sportiven Double-Cut-Design, ebenfalls mit P-90-Pickups.

Tonfuchs Guitars aus Karlsruhe sind das Baby von Uwe Schölch und der ist jetzt seit 11 Jahren im Gitarrenbau-Zirkus dabei. Am Stand zu sehen war sein komplettes Modell-Portfolio: Bulldozer, Lovecaster, Bulldog und Booty. Eine der beiden Bulldogs kommt im Vespa-Design hört auf den Namen V50 und ist Teil von Uwes MotoCult-Serie.

Rapolas Grazys aus Litauen war mit seinen Lava Guitars zum ersten Mal auf der Holy Grail Guitar Show. Alle seine Gitarren zeichnen sich durch ein sehr komfortables Spielgefühl aus, jedes Modell der Lava-Job-Serie ist aus einem Stück Holz gebaut. Ein Highlight war der integrierte MIDI-Laser-Controller, der beim Spiel durch in der Luft ausgeführte Handbewegungen bedient wird. Nicht minder speziell die aus einem Stück Mahagoni gebaute Fretless-Gitarre Lava Job Minus. Crazy-cool!

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Der Niederländer Sander de Gier ist, obwohl er schon lange Gitarren baut, in erster Linie für seine Bässe bekannt. In diesem Jahr stellte er auf der HGGS in Berlin seine neue Reihe Volt Guitars vor: Ein Sixpack von Firebird-Style-Gitarren bevölkerte seinen Stand. Coole Vögel!

Omer Deutsch kam inkl. vier Monate altem Sohnemann aus Israel nach Berlin. Neben dem Nachwuchs (der im Übrigen schon eine Mini-Fanned-Fret-7-String umhängen hatte – so geht das!) hatte er ein paar interessante Gitarren für die Prog-Metal- und Djent-Fraktion dabei. Ein Großteil der Arbeit passiert per Hand, die filigranen Muster und Verzierungen, und davon findet man an Omers Gitarren so einige, werden per CNC realisiert. OD Guitars – sollten sich Fans von Extended-Range-Guitars mal angucken.

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Jeffrey Yong aus Malaysia hatte zwei exotische Acoustics dabei, eine komplett aus malaysischen Hölzern gebaut.

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Auffällig war auf der diesjährigen Show die doch bemerkenswerte Anzahl von Headless-, Fanned-Fret-, und Extended-Range-Gitarren. So auch am Stand von Sankey Guitars aus Kanada. Weltweit etabliert sich eine große und gut vernetzte Szene um diese Gitarren. Wer sich hier mal einlesen möchte, dem sei die Kolumne von Simon „Sludge“ Havemann in unserem Mag empfohlen.

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Stratmann Guitars – wer denkt, der Name wäre hier Programm, oder wir hätten gar das falsche Bild verlinkt … nope! Am Stand von Thomas Stratmann standen fünf schicke Varianten von Gibsons Klassiker.

Daniel Cabezas von Bacce Custom Guitars aus Spanien ist übers Jahr fleißig weltweit auf Messen unterwegs. Seine Double-Neck ist so neu, dass sie es noch nicht mal auf seine Homepage geschafft hat.

 

Happy Birthday!! Nik Huber feiert in diesem Jahr mit seiner Firma 20jähriges Jubiläum – fetten Glückwunsch von unserer Seite! An seinem Stand gab es als News die Rietbergen mit Gold-Foil-Pickups und als Highlight Niks ersten Bass, der ebenfalls auf den Namen Rietberger hört. Super-schickes Teil – ein Test bei uns folgt asap!

Negrini Guitars aus der Schweiz brachten ein paar Highlights für die Fans von Musik der etwas härteren Gangart nach Berlin – schöne Decken, handgewickelte Pickups, Fanned Frets oder Temperament Fretting zeichnen die Gitarren von Giulio Negrini aus. Blickfang war Shen, „the beast“, eine zehnsaiteige Headless-Gitarre.

zerberus

Zerberus Guitars setzen seit einiger Zeit komplett auf Stein … und stoßen auf gutes Feedback, nachdem der erste Schock bei den Traditionalisten erstmal überwunden ist. Wer mehr Infos dazu möchte – Testbericht in Ausgabe 09/2016!

Claudio & Claudia Pagelli haben an ihrem Stand zwei neu Prototypen vorgestellt – die zugehörige Serie wird auf den Namen Gringobeat hören. Zwei absolut geschmackvolle Semi-Acoustic-Rock-Biester. Seeeehr cool! Und noch eine gute News: die Gitarren sollen bezahlbarer werden … also für Pagelli-Verhältnisse. Außerdem gab es zwei Acoustic Prototypen mit vielen innovativen Neuerungen im Detail, die dem Spieler selbst ein beeindruckendes Sourround-Sound-Erlebnis bescheren.

 

 

 

 

 

 

4 Kommentare zu “Holy Grail Guitar Show 2016 – Part 1”
  1. GuitarGhoul

    Die einzigen Klampfen, die meiner Ansicht nach wirklich was taugen, sind die von Tonfuchs und Volt. Geiler eigenständiger Sound, perfekt verarbeitet und nicht völlig überteuert wie das Zeug vom Schreiner Huber und nicht so urscheußlich wie das Zeug von Sankey.

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  2. Sehe ich genauso, Tonfuchs ist echt sehr geil, aber die Sachen von Tausch sind auch super. Für Andreas Cuntz hoffe ich, dass er nie eine Klampfe in den englischsprachigen Raum verkauft. Der Name könnte zu Verwirrung führen ;-))

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  3. Vaitriani

    Hey zusammen, das ist erste Mal, daß ich hier was von jemandem lese, der Tonfuchs kennt! Ich konnte mal eine Bulldog bei Session auschecken – FETT, aber dann doch bisschen über meinem Budget…

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