Die 60s lassen grüßen

Höfner HCT-CS10 Club Solid im Test

E-Gitarre im Vintage-Style von Höfner
(Bild: Dieter Stork)

 

Höfners Club-Gitarren, entworfen und eingeführt in den 50er-Jahren, hatten ihre große Zeit in der Beat-Ära. Heute gibt es Remakes der beliebten Vollresonanzgitarren, aber auch Versionen mit massivem Korpus. So ein Modell schauen wir uns jetzt einmal näher an.

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1959 begann die Firma Selmer in London mit dem Import von Höfner-Gitarren, ließ auch bald darauf Modelle nach eigenen Vorstellungen fertigen. Der deutsche Hersteller war in England also schon früh prominent vertreten. Spätestens aber als Paul McCartney 1962 Höfners Violin Bass erwarb und damit berühmt wurde, stieg die Nachfrage nach den Gitarren vom Kontinent rapide. Die Club-Modelle waren einfach preisgünstiger als amerikanische E-Gitarren, die nach dem 2. Weltkrieg bis Anfang der 60er wegen eines Außenhandelüberschusses nicht offiziell nach England importiert werden konnten und nur über Umwege und teuer ins Land gebracht wurden. Schon deshalb sah man die Höfner häufig in vielen der frühen Beat-Bands.

 

Konstruktion der Höfner HCT-CS10 Club Solid

Auch die vorliegende HTC-CS10 Club Solid ist ein preiswertes Instrument, hält sich also in dieser Hinsicht durchaus an den bewährten Kurs, den bereits die Vorgängermodelle eingeschlagen hatten. Von der Konstruktion her ist dieses Club-Modell noch näher an das schon damals zum Vorbild erkorene Les-Paul-Design herangerückt, denn im Gegensatz zu den mit hohlem Korpus gefertigten alten Modellen (auch die gibt es als Neuauflage) bietet die Testgitarre einen soliden Korpus aus Mahagoni, allerdings mit Konturschnitt im oberen Bodenbereich, dem eine gewölbte Decke aus geriegeltem Ahorn mit weißem Binding aufgesetzt wurde. Die Korpusplatte erreicht am Halsansatz immerhin eine satte Stärke von 5,1 cm und auch die Mensur von 628 mm entspricht derjenigen der Les Paul. In den Korpus ist in Höhe des 16. Bundes ein Hals aus Ahorn eingeleimt. Im Wesentlichen einteilig, wurde ihm lediglich der obere Teil der Kopfplatte angeschäftet, um Verschnitt zu vermeiden. Eine Volute auf der Halsrückseite unterhalb des Sattels aus Kunststoff verstärkt den Übergang zur Kopfplatte von traditioneller Höfner-Formgebung, die auf der gebundenen Front mit Script Logo und der berühmten Lilie verziert ist. Kleine gekapselte Mechaniken gewähren überdies ein leichtgängiges Stimmen der Gitarre.

In das ebenfalls von Bindings eingeschlossene Griffbrett aus Palisander mit flachem Radius wurden 22 sauber verarbeitete Bünde mittlerer Stärke gesetzt. Auffällig aber sind die charakteristischen „Hofner Stripes“-Griffbretteinlagen, welche neben der augenfälligen Lagenmarkierung auch noch einen erinnerungsträchtigen dekorativen Akzent setzen.

Am Korpus werden die Saiten über eine Brücke mit beweglichen Böckchen im Tune-omatic-Stil geführt und von einem Trapeze Tailpiece gekontert.

Zwei in schwarze Rähmchen montierte Hofner-Hi-Power-Diamond-Nickel-Pickups stehen in Verbindung mit individuellen Volume-Reglern und einem generell ausgelegten Tone-Regler. Aktiviert werden die kleinen Humbucker allein oder zusammen über einen hinten unten auf die Decke gesetzten Dreiwege-Schalter. Das Instrument ist rundum klaglos sauber gefertigt und hochglänzend in der Farbe Dark Cherry lackiert; optional ist es außerdem noch in Black zu haben.

 

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(Bild: Dieter Stork)

 

Die Höfner HCT-CS10 Club Solid in der Praxis

Das Club Solid-Modell HTC-CS10 ist mit 3,8 kg im Vergleich zu seinen hohlen Schwesterinstrumenten nicht ganz leicht, bewegt sich aber im Kreis der Les-Paul-Familie natürlich durchaus im üblichen Rahmen. Mit seiner 628-mm-Mensur und der klassischen Single-Cut-Form fühlt es sich dem amerikanischen Verwandten auch aus spieltechnischer Sicht durchaus eng verbunden an. Dem Hals verschaffte man ein griffig rundliches Profil mittlerer Stärke und zusammen mit der niedrig eingestellten Saitenlage bei flachem Griffbrettradius kommen wir sofort umstandslos ins Geschäft. Das akustische Klangverhalten erscheint zunächst recht hell und drahtig, dabei aber harmonisch geschlossen im Akkord und erfreulich ausgeglichen transparent.

Auch am Verstärker sind diese luftigen Anteile in der Tongestalt noch deutlich präsent, was für alle klaren Einstellungen attraktive Sounds bereitstellt, die eher die Mitten und offenen Höhen mit rundem Peak in den Fokus nehmen, als die recht schlank gehaltenen Bässe. Klar: Eine Les Paul hätte da schon etwas mehr Tiefgang zu bieten, ein Unterschied, der auch den verwendeten Tonabnehmern zuzuschreiben ist. Aber bitte: die kleinen Hi-Power-Diamond-Pickups der Club Solid können durchaus auch punkten, denn ihre kompakte Umsetzung der transparenten Basisklänge sorgt für eine gewisse Eigenständigkeit und diese trocken konturierten Bässe haben zweifellos etwas für sich.

In Zerrpositionen sind dann ebenfalls stramme Akkordbilder und kraftvolle Melodielinien zu erzielen. Selbst über den Hals-Pickup gespielt bleiben die Bässe noch recht stabil und konturstark und im Solospiel sorgt ein mehr als ordentliches Sustain für standfeste Tonentfaltung mit gleichmäßigem Abklang. Offen und frei klingelnd tönen dann unter Zerrbedingungen die zusammengeschalteten kleinen Humbucker.

Der Steg-Pickup sorgt letztlich auch noch für kompakt drückende Powerchords und Lead Lines. Die sind zwar nicht so fett wie bei großen Humbuckern, aber dafür federn sie gut ab und setzen sich gut durch.

Das Klangangebot, mit dem das Club Solid-Modell HCT-CS10 in den Ring steigt, ist gemessen am Preis der Gitarre in allen Schaltpositionen der Pickups erfreulich gut und das ist in dieser Liga nicht unbedingt selbstverständlich. Zum Schluss noch: Die Korpuskante macht sich mit aufgelegtem rechtem Unterarm durch eine gewisse Schärfe bemerkbar, aber das ist auch schon alles, was an fertigungstechnischer Kritik unter dem Strich stehen bleibt.

 

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(Bild: Dieter Stork)

 

Resümee

Die Höfner HCT-CS10 Club Solid ist in ihrer Preisklasse eine überraschend klang- und funktionstüchtige Gitarre. Die Kombination von Mahagonikorpus mit Ahorndecke und eingeleimtem Ahornhals sorgt für eine kompakt stringente Tonerzeugung und die wird von den kleinen Höfner-Pickups mit knackigem Ton in ansprechende klare Sounds umgesetzt. Durchaus ordentlich, etwas schlanker und luftiger als beim Standard-Humbucker, funktionieren die aber auch in Overdrive-Positionen des Amps. Das gut spielbare Instrument bietet mit seinem griffig profilierten Hals leichten Griffbrettzugang und überzeugt durch eine allgemein gute Handhabung. Die in Deutschland entworfene Gitarre kommt aus chinesischer Fertigung, was ihr das attraktive Preis/Leistungsverhältnis verschafft.

 

Übersicht

Fabrikat: Höfner

Modell: HCT-CS10 Club Solid

Typ: Solidbody-E-Gitarre

Herkunftsland: China

Mechaniken: Single Nickel, gekapselt

Hals: Ahorn, eingeleimt

Sattel: Kunststoff

Griffbrett: Palisander, eingefasst, Hofner Stripe Inlays

Radius: 14″

Halsform: D-Profil

Halsbreite: Sattel 43,8 mm; XII. 53,1 mm

Halsdicke: I. 20,8 mm; V. 21,6 mm; XII. 23,6 mm

Bünde: 22

Mensur: 628 mm

Korpus: Mahagoni, gewölbte Decke aus geflammtem Ahorn

Oberflächen: Dark Cherry, PU-Lack

Schlagbrett:

Tonabnehmer: Hofner High Power Diamond-Pickups, Humbucker (Hals 7,8 kOhm, Steg 9,5 kOhm)

Bedienfeld: 2× Volume, 1× Master-Tone, 1× Dreiweg-Pickup-Schalter

Steg: Tune-o-matic Bridge und Trapeze Tailpiece

Hardware: vernickelt

Gewicht: 3,8 kg

Lefthand-Option: nein

Vertrieb: Karl Höfner GmbH

91083 Baiersdorf-Hagenau

www.hofner-guitars.com

Zubehör:

Preis: ca. 440

 

Plus

  • stimmiges Design
  • akustische Klangbasis
  • kompakte elektrische Sounds
  • guter Hals
  • Handhabung
  • Verarbeitung
  • Preis/Leistung

 

Minus

  • etwas scharfe Deckenkante

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Sau gute Model! Ich habe mir das selbe gefunden und heute kaufe ich die. Bin schon warnsinig glücklich!!!! Und erwarte auf einen über raschen den klang! Weitere kommentar später

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