When I'm sixty (four)

Höfner H500/ 1-KV-0 Violin Bass im Test

Das Flaggschiff des Höfner-Katalogs wird in diesem Jahr 60 Jahre alt. Um Sixty-Four zu werden, bedarf es also noch genau vier Jahre. Und auch die wird dieser Bass-Evergreen genau so locker schultern wie die ersten 60 seines so unerwartet aufregenden Lebens.

Höfner H500 - Front
(Bild: Dieter Stork)

Denn kein anderer Bass hat den Sound der Beat-Musik so geprägt wie der Höfner 500/1. Vor allem natürlich dadurch, dass Paul McCartney ihn für sich entdeckte und mit ihm diverse wichtige Kapitel der Rock- und Pop-Geschichte schrieb. Heuer also ist der Höfner 500/1 also 60 geworden – da wollen wir doch nicht versäumen, ihm recht herzlich zu gratulieren.

Anzeige

 

Ganz wie der Alte

Bei der Konstruktion dieses außergewöhnlichen Jubiläum-Modells hat sich Höfner von dem Ur-Modell inspirieren lassen, das im Frühjahr 1956 erstmals auf der Frankfurter Messe vorgestellt wurde. Das bedeutet, dass die Kopfplatte ein Stern ziert, dass die beiden Pickups weit auseinander stehen und dass die Potis – 2 x Volume, 2 x Tone – auf eine ovale Kontrollplatte montiert sind. Also mehr oder weniger kosmetische Eigenschaften, die sich natürlich im Laufe der Jahre (siehe die 500/1-Timeline!) immer wieder mal änderten. Die hier verwendeten „Black Staple“-Pickups entsprechen jedoch nicht dem 1956er Modell, das trug damals die schmalen, länglicheren „Black Bar“- Pickups.

Der Anniversary- hat zudem im Gegensatz zum Ur-Bass heute einen Halsstab spendiert bekommen, was ja Sinn macht. Die Holz-Konstruktion hat sich jedoch seit 1956 kaum geändert. So besteht der Korpus des 60th Anniversary nach wie vor aus einer Fichtendecke und Ahornzargen und -boden und hat natürlich keinen Center-Block. Der Sattel hat die Gitarristenfreundliche Breite von 42 mm und das Palisandergriffbrett trägt 22 Bünde. Die Saiten verlaufen vom Kunststoffsattel über eine Mensurlänge von 76 cm bis zur Ebenholz-Brücke und liegen dort auf versetzt angeordneten kleinen Bundstückchen auf. Abschließend werden sie in einer typischen Trapez-Halterung verankert. Schwarz wie die Nacht ist nicht nur die gesamte Hardware, sondern auch der Saitensatz – Höfner Black Nylon Tape Wound sind aufgespannt, und diese Saiten werden schon für den nötigen Wumms sorgen!

Ganze 60 Exemplare gibt es von diesem Bass. Laut Zertifikat ist unser Exemplar die Nummer H8 und wurde von Gitarrenbauer Thomas Stühlein am 8.2.2016 in Hagenau in den Höfner-Werken fertiggestellt.

Keine Side-Dots
Keine Side-Dots (Bild: Dieter Stork)

Klaus & der Mehrwert

Da der 60. Geburtstag des 500/1-Basses mit dem 50-jährigen Jubiläum des genialen Beatles-Albums ‚Revolver‘ zusammenfällt, sind die Höfner-Verantwortlichen auf die ebenso geniale Idee gekommen, den deutschen Künstler in dieses Anniversary-Projekt zu involvieren, der am nächsten an den Beatles dran war: Klaus Voormann. Der großartige Bassist und Produzent (u. a. produzierte er Trio) ist ein ebenso großartiger Grafik-Designer und zeichnete 1966 für das Cover-Artwork von ‚Revolver‘ verantwortlich. In besagtem ‚Revolver‘-Stil hat Voormann nun ein Design für diesen 500/1-Bass geschaffen, das grafische und fotografische Elemente verbindet, dadurch den starken Beatles-Bezug dieses Basses noch einmal deutlich unterstreicht und ihn zudem zu einem wirklichen Sammlerstück werden lässt.

Der Bass wird in einem exklusiven Flightcase geliefert, das neben dem Instrument selbst mit reichlich Zubehör aufgefüllt ist: Eine 60th-Anniversary-Tasse, ein weißer Textil-Gurt, eine CD der Pop-Akademie Baden-Württemberg mit einem Artwork im Voormann/‚Revolver‘- Stil, Bass-Plektren, weiß/goldene Höfner-Potiknöpfe (wenn man die montierten, schwarzen Dome-Speed-Knöpfe nicht mag), ein Kunstdruck des Voormann-Designs dieses Basses (ebenso limitiert auf 60 Stück), eine Kurzbiografie des Künstlers in Postergröße sowie ein ebenfalls im ‚Revolver‘-Stil designtes Höfner Germanium Bass Fuzz. Also ein richtig starkes Paket für den Höfner- und Beatles-Aficionado …

Staple“-Humbucker, wide spaced
Staple“-Humbucker, wide spaced (Bild: Dieter Stork)

Praxis

Ein Bass in der Größe einer kleinen Gitarre und einem Lebendgewicht von 2,1 kg ist natürlich vom Handling her beispiellos! Da fällt die leichte Kopflastigkeit im wahrsten Sinne des Wortes gar nicht ins Gewicht. Ungewohnt ist eher die Tatsache, dass der 500/1 leicht nach vorne kippt und man so weder die rechte noch die linke Hand im Blickfeld hat. Was vor allem links etwas irritiert, da der Bass über keine Side-Dots verfügt und man so kaum Anhaltspunkte zur Orientierung auf dem Griffbrett hat. Das Halsprofil ist recht fett, was sich prima mit dem schmalen Griffbrett ergänzt. So lässt es sich bequem spielen, aber man hat trotzdem reichlich Fleisch in der Hand.

Was den meisten Bassisten wichtig für ihr Spielgefühl ist. Klanglich ist auch der Jubiläums-500/1 eine Wucht! Ausgewogen und extrem schlagkräftig kommt er daher, die konkrete Macht seiner Töne wird durch ein ordentliches Sustain mit fast schon singendem Charakter veredelt. Mithilfe der Potis (2¥ Volume, 2¥ Tone) lassen sich Kontrabass-typische Sounds, vorwiegend mit dem Hals-Pickup, aber auch knochige Rock-Sounds, dann mit dem Steg-Pickup, realisieren. Und all die tausend Klangwelten dazwischen. Was wirklich beeindruckt, ist der Schlag, der hier aus den Tiefmitten kommt! Gerade im Zusammenhang mit den schwarzen Nylon-Saiten wird eine große Durchsetzungsfähigkeit realisiert, die jeden Song trägt, bei der selbst die tiefen Töne so schnell nicht verwischen und wo der Anschlag sehr präsent ist, insbesondere, wenn er mit einem Plektrum ausgeführt ist.

Dieser Klangcharakter hilft bei schnellen und melodiösen Basslinien ungemein – kein Wunder also, dass Paul McCartney genau so gespielt hat, wie er es eben damals getan hat! Denn dieser Bass ließ ihm einfach keine andere Wahl! Er als genialer Musiker hat eben das Größtmögliche aus diesem ungewöhnlichen Tiefdruck-Instrument herausgeholt und es damit aus seiner kommerziellen Versenkung bis fast an die Spitze des Bass-Imperiums katapultiert.

Höfner H500 - Regler
(Bild: Dieter Stork)

Alternativen

Kopien gibt es genug, vor allem aus Billig-Fernost. Aber auch hier hat der Hersteller vorgesorgt, denn er produziert in seinem eigenen Werk in China ebenfalls günstige Violin-Bässe. Nicht weniger als 17 Modelle, zählt man die Linkshänder-Modelle mit, weist das aktuelle Höfner-Programm auf – angefangen von den preisgünstigen Ignition- und CT- bis hin zu den teuren, in Deutschland gebauten Reissue- und Anniversary-Bässen. Von ca. € 300 bis ca. 7500 wird hier so viel Violin Bass geboten, dass es sich kaum lohnt, nach links oder rechts zu schauen.

Resümee

Ich kann mir kaum vorstellen, dass man die 60th-Anniversary-Version des Höfner 500/1 oft auf den Bühnen dieser Welt zu sehen bekommt. Erstens gibt es nur 60 Exemplare, und zweitens ist das Gesamtpaket und der Preis eher auf die Sammler-Szene hin ausgerichtet. Für diesen Zweck hat Höfner auch alles richtig gemacht. Z. B. Klaus Voormann mit ins Boot zu holen, der als Freund der Beatles, deren Mitmusiker und Mitarbeiter seinen Teil zur Geschichte der Fab Four beitrug und durch die Cover-Art von ‚Revolver‘ selbst in die Pop- und Rockgeschichte eingegangen ist. Aber auch das umfangreiche Zubehör wird den Sammler sehr freuen.

Der Bass an sich ist natürlich nach wie vor State of the Art – sowohl von seinem Handling als auch von seinen Sound-Möglichkeiten her. Damit steht er absolut in einer Reihe mit der Handvoll klassischer E-Bässe, die bis heute die Sounds der Tiefen definieren. Der Höfner 500/1 Bass ist der einzige deutsche Klassiker im Instrumenten-Pool des Rock und Pop, und der 60th Anniversary 500/1 wird als der bisher aufwendigste Violin Bass in die Geschichte des Herstellers eingehen.

Höfner H500 (6)
(Bild: Dieter Stork)

 

Plus

  • Sounds
  • Optik
  • Sammelobjekt
  • Spielbarkeit
  • Zubehör

Minus

  • keine Side-Dots

 

Höfner H500 (5)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren: