Die Volksbox

Hirschfelder B410 im Test

Hirschfelder B410

Ob nun FMC, SAD oder BS: Zu den Industrie-Boxen der großen Marken finden sich auf dem deutschen Markt zahlreiche Alternativen. Als Neuling im Club der kleinen Lautsprecher- Manufakturen, bietet nun auch Jacob Hirschfelder eine erstaunlich breite Palette an selbstentwickelten Boxen an; allesamt knallhart im Preis kalkuliert und auf maximalen Ton geeicht.

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Geburtsstätte einer jeden Hirschfelder-Box ist das beschauliche Halle an der Saale, wo Jacob Hirschfelder, seines Zeichens auch Bassist, im Direktvertrieb verschiedene Lautsprecher-Kleinserien für Bass und E-Gitarre fertigt. Wie bei den meisten vergleichbaren Unternehmen, kann der Kunde seine Box bis ins letzte Detail mitgestalten, und wo der Preis bei den großen Firmen so manch eine Traumbox in unerreichbare Ferne rücken lässt, ist das Hirschfelder-Sortiment durchweg erschwinglich. Eine wohlklingende und roadtaugliche Box muss eben bezahlbar bleiben, ohne dass Abstriche bei der Ausstattung gemacht werden, so das ehrgeizige Firmen-Credo – entsprechend hohe Erwartungen weckt die von uns getestete B410.

k o n s t r u k t i o n

Wie es die Typenbezeichnung bereits erahnen lässt, handelt es sich bei der B410 um einen Vertreter des für seine Allround-Qualitäten geschätzten 4×10″-Formats – einen optisch ziemlich knalligen Vertreter wohlgemerkt! Die rote Frontbespannung im Hippie- Look ist im Proberaum wie auf der Bühne nicht zu übersehen, geschmackvoll wurde das ebenfalls rote, hochwertige Tolex auf den exotischen Stoff abgestimmt. Als visueller Kontrast sind umlaufend schwarze Kantenschienen montiert, welche bündig mit der Gehäuse-Oberfläche abschließen und die Box auch vor grober Behandlung schützen. Wie auch die Farbe der eigens im Haus hergestellten Schienen, sind Bespannstoff und Tolex frei wählbar, dabei lässt sich neben weiteren Hippie-Variationen auch problemlos ein Look mit klassischer Frontbespannung oder nüchterner Stahlgitter- Optik realisieren.

Aufgebaut ist das komplett aus 15 mm Pappel-Multiplex hergestellte 600-Watt-Aggregat als zwei-Kammer- System; sämtliche Verbindungen sind geleimt und zusätzlich verschraubt. Während in der oberen geschlossenen Kammer zwei Eminence Alpha für eine maximal direkte Ansprache sorgen, widmen sich die in der unteren Bassreflex-Hälfte verbauten, langhubigen Eminence Legend BP102 vor allem der Wiedergabe von tiefen Frequenzen. Wie bei den meisten Hirschfelder- Boxen kommen auch in der B410 außerdem zwei 3″-Lautsprecher des Herstellers Faital Pro anstelle eines oftmals etwas harschen Horns zum Einsatz. Beide Hochtöner sitzen relativ mittig auf der Schallwand in kleinen geschlossenen Gehäusen und können über einen dreifach-Schalter auf der rückseitigen Anschlussplatte wahlweise bei 1,5 bzw. 2,5 kHz zugeschaltet werden. Ein letzter Blick in das Innere der Box verrät, dass die beiden penibel berechneten Kammern der 10er zugunsten eines charakterstärkeren Sounds ganz ohne Dämmmaterial auskommen. Damit der angepeilte lebendige Ton trotzdem nicht außer Kontrolle gerät, wurden in vertikaler wie horizontaler Richtung mehrere Verstrebungen angebracht, die dem Gehäuse enorme Steifheit verleihen und es so weniger anfällig für ungewollte Resonanzen machen.

Die pulverbeschichteten Kantenschienen schließen bündig mit dem Gehäuse ab.

 

p r a x i s

 Mit ihren ausgewachsenen Abmessungen von 63×63×47 mm und einem Gewicht von ca. 34 kg lässt sich die B410 gut zu zweit Tragen, wenn auch erwartungsgemäß nicht ganz so mühelos wie eine vergleichbare Box mit Neodym-Bestückung. Die seitlich angebrachten Klappgriffe gehen bei dieser Gewichtsklasse noch völlig in Ordnung und spätestens in engen Treppenhäusern machen sich auch die erstaunlich stylisch geratenen Kantenschienen bezahlt. Aufgrund der Impedanz von 8 Ohm und der beiden parallel verdrahteten Speakon-Anschlüsse mit Durchschleif-Option, lässt sich die Hirschfelder wunderbar mit einer weiteren 4×10″ oder 1×15″ kombinieren, in unserem Test muss sie sich jedoch als Stand-Alone-Box beweisen. Dass sie dieser Aufgabe problemlos gewachsen ist, macht schon das erste donnernde tiefe E klar: Ungemein fetzig und lebendig im Grundcharackter verblüfft die B410 mit einer Mitten-Färbung, wie man sie selten von diesem Format geboten bekommt. Wo viele 4×10″ Boxen durch ein eher nasales Timbre auffallen, produzieren die in der unteren Kammer arbeitenden Legend BP102 einen Tiefmitten-Punch, der direkt in die Magengrube geht und in seinem Voicing eher an eine 2×15″ erinnert.

ohne frontbespannung

In der geschlossenen Hälfte liefern die Alphas dazu den nötigen Biss, sodass das Klangbild insgesamt ausgewogen erscheint ohne jedoch seine deutlichen Rocker- Ambitionen zu leugnen. Das souveräne Pfund dieser Box macht wahrlich Lust auf mehr, und wo manch ein anderer Lautsprecher beim tiefen-H auf eine ernsthafte Probe gestellt wird, gibt die B410 weiter Gas ohne im Low-End schwammig zu werden. Im Gegenteil! Durch die Federsteife des in der oberen Kammer eingeschlossenen Luftvolumens werden die Alpha-Lautsprecher vor exzessiven Auslenkungen geschützt, sodass sich bei höheren Lautstärken eine subtile Kompression ergibt, die das Klangbild noch fokussierter und offensiver erscheinen lässt. Ist die Höhenwiedergabe ohne zugeschalteten Hochtöner bis hierhin eher als gutmütig und unaufdringlich, jedoch nicht belegt zu beschreiben, klart sich das Klangbild schlagartig weiter auf sobald die beiden Dreizoller im Spiel sind. Explizit detailfreudig und dabei erfreulich weich werden in der 2,5 kHz Position die oberen Highlights in Szene gesetzt; auch gut 60 Grad versetzt zur Box weiß das Abstrahlverhalten zu überzeugen. Bei der tieferen Einsatzfrequenz von 1,5 kHz überlappen Hochund Tieftöner merklich stärker in den Hochmitten, die zusätzliche Portion Direktheit und Attack qualifiziert diese Einstellung besonders für perkussive Spieltechniken und brillante Slapsounds.

Innenverarbeitung

 

 

r e s ü m e e

Mit seiner B410 gelingt Jacob Hirschfelder ein starker Einstand in der kleinen Welt der Lautsprecher-Manufakturen. Charakterstark, offensiv-lebendig und ausgesprochen pegelfest präsentiert sich die hochwertig verarbeitete Rocker-Box und bietet dabei eine Mitten-Färbung, wie man sie selten von einer 4×10″ geboten bekommt. Setzt man zuletzt noch Ausstattung, Preis und Performance in Relation, bekommt man mit der Hirschfelder ein echtes Schnäppchen geboten.

P l u s

  • Wiedergabeverhalten
  • Verarbeitung
  • eigenständige Optik
  • Pegelfestigkeit
  • offensiver Charakter

 

Aus Gitarre & Bass 11/2014.

Ein Kommentar zu “Hirschfelder B410 im Test”
  1. Sign Guitars, Jochen Imhof

    Ich habe seit einiger Zeit ein paar Hirschfelder Boxen bei mir im Showroom zum antesten. Es ist wirklich erstaunlich wie günstig man an individuelle, einzeln angefertigte Boxen kommen kann. Super Produkt!

    Antworten
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