Ora et Labora

Hans Guitars The Pope im Test

Chefsache – eine Gitarre mit dem Namen The Pope will doch wohl segensreich auf die Erdgemeinde einwirken. Nun, eine solche Namensgebung setzt jedenfalls gehöriges Selbstbewusstsein voraus. Mal schauen, ob wir es hier einfach nur mit frecher Hybris oder doch mit Gnadenerweis, also einer erquickenden Salbung der Ohren zu tun haben.

Hans Guitars The Pope
(Bild: Dieter Stork)

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Thorsten Hans heißt jener mutige Mann, der uns da predigt: „Ich weiß, dass auch du eine Traumgitarre im Kopf hast. Bei uns in der Werkstatt kann sie Wirklichkeit werden. Inmitten der historischen Altstadt Tübingens entstehen handgebaute Gitarrenträume aus den schönsten Hölzern.“

 

 

Konstruktion

Für das Modell The Pope hat sich Thorsten Hans eine interessante konstruktive Mischform erdacht, die verschiedene Bauprinzipien miteinander zu verbinden trachtet. Der Korpus ähnelt von seiner Single-Cutaway-Silhouette her tendenziell schon einer Les Paul, zeigt aber mit der fallenden Schulter vorn oben und den symmetrischen Abschrägungen im hinteren Bereich unübersehbare Eigenständigkeit. Zudem erreicht das Korpusformat mit satten 6,6 cm deutlich mehr Tiefe und ist teilweise hohl.

Der Korpuskern wurde großzügig mit Hohlkammern versehen und dann mit einer aufgesetzten Mahagonidecke von gut 1 cm Stärke verschlossen. Das so entstandene plane Korpusbrett erhielt dann sowohl an den Deckenrändern, als auch im Anlagebereich am Boden oben Konturen für eine angenehme Handhabung. Der oberhalb des 16. Bundes tief in den Korpus eingeleimte einteilige Hals aus Mahagoni bekam ein Griffbrett aus feinem Palisander. Die perfekt abgerichteten und kantenrund verarbeiteten 22 Jumbobünde (Wagner 9685) sind in gefräste Bundschlitze mit undurchbrochenen Griffbrettkanten eingesetzt und zeigen bestes Handwerk („Neubundierungen sind mein Fachgebiet“).

Lediglich in Höhe des 12. Bundes ziert ein intarsiertes „Lamm Gottes“ aus Perlmutt das Griffbrett. Der Übergang zur nur leicht abgewinkelten langen Kopfplatte ist mit einer recht stark ausgebauten Volute unterhalb des Sattels aus sorgfältig bearbeitetem Knochen verstärkt. Elegante SGV-510 Mechaniken von Gotoh und der mit einer schlichten rechteckigen Plakette verschlossene Zugang zum Halsstab komplettieren die Ausstattung. Am Korpus werden die Saiten über eine TOM-Brücke von ABM geführt (2504c) und von einem Trapez-Tailpiece von Kluson gehalten. Das HB 60 Set von Andreas Kloppmann übernimmt die elektrische Tonwandlung bei Ihrer Heiligkeit.

Die zwei PAF Replica Humbucker (62er am Hals und 60er am Steg) sind in schwarzen Rähmchen aufgehängt und verfügen über gealterte Neusilberkappen. Die Schaltung ist so konventionell wie übersichtlich: geschaltet wird mit einem Dreiwege-Toggle Switch, verwaltet von generellen Volume- und Tone-Reglern. Ein Blick in das großzügig geschnittene Elektrikfach zeigt die saubere Verdrahtung der selektierten Komponenten und es kann ebenfalls als Resonanzkammer gelten. Der Korpus der Gitarre und auch die Kopfplatte sind in mattem Weiß lackiert, die Rückseiten dagegen präsentieren sich in samtigem Schwarz. Das Instrument wurde mit Liebe zum Detail gefertigt, besonders sind das Hals-Shaping und die saubere Bundierung zu loben.

Kloppmann Pickups für salbungsvolle Sounds
Kloppmann Pickups für salbungsvolle Sounds (Bild: Dieter Stork)

 

Praxis

Der Papst im weißen Talar erscheint wohlgenährt, beim Blick auf die dralle Zarge am Halsansatz fährt die Frage durchs Hirn: ist das denn nötig? Immerhin 3,7 kg bringt Ihre Heiligkeit trotz der Hohlfräsungen noch auf die Waage, dreht damit aber immer noch jeder Les Paul eine lange Nase. Am breiten Gurt hängt The Pope dann ganz lässig und richtet sich auch praxisgerecht mit guter Griffbrettaufsicht aus. Nicht unwichtig bei diesem Body-Format. Die Saitenlage ist sehr tief eingerichtet, fast schon zu tief, denn die hohen Saiten lassen, zumindest akustisch angespielt, ein leichtes Sirren hören. Allerdings ohne Ansetzen, und das höchst gleichmäßig von Bund zu Bund, was für die Qualität der fetten Jumbo-Bundierung spricht.

Aber das kann man ja sowieso haben wie man will und der Vorteil zeigt sich umgehend in ultraleichter Tonerzeugung, unterstützt vom höchst ausgewogen angelegten Halsprofil (flache C-Form) bei optimal verrundeten Griffbrettkanten. Trocken angespielt tritt The Pope drahtig, stringent und mit leicht perkussiver Note auf. Die PAF Replica Humbucker von Kloppmann gehören zur Creme der Zunft und machen auch in Zusammenarbeit mit The Pope ihrem Ruf alle Ehre. Das 62er Modell am Hals gibt dem drahtig forschen Ausgangston Rundung und konturstarke Tiefe. Im Verstärkermodus Clean setzt dieser Pickup klar und fein zeichnende Akkorde in Szene, die von der delikaten klangfarblichen Auflösung her höchsten Ansprüchen genügen.

Gehen wir auf Zerre, so kommt der semiakustische Aspekt der Pope zum Tragen. Perkussiv wird der Anschlag herausgestellt, der Ton entfaltet sich schnell und präzise, vor allem aber begeistert das süße Schnalzen schnell gespielter Tonfolgen im höheren Register. Der 60er Humbucker am Steg zeichnet in klaren Einstellungen eher scharf und pickend. Mit seiner sauberen Höhenumsetzung erlaubt er nicht nur besonders pointiertes Begleitspiel, er unterstützt auch funky Spielweisen bemerkenswert effektiv. Geben wir Gummi, so zeigt der Papst Zähne. Dieses 60er Humbucker-Modell wurde übrigens in Kooperation mit dem erfahrenen Studiogitarristen Peter Weihe überarbeitet und das sorgt für die Annäherung an Vintage PAF-Sounds par Excellance.

Zu besonders starkem Ausdruck kommt das im Overdrive-Modus des Amps, in dem uns die sensible, perkussiv markante Ansprache förmlich wegreißt. Leicht löst sich der Ton, zeigt Festigkeit und Biss, ist aber keineswegs plakativ aggressiv. Powerchords erscheinen pulvertrocken und konturstark, Linien markant und definiert – großartig! Schalten wir beide Pickups zusammen, so erhalten wir eine wunderbare Klangöffnung mit luftigem Abrollen und leicht kehligem Ausdruck. Die Vereinigung der hochwertigen Humbucker sorgt mit den genau richtigen Frequenzauslöschungen für knackig perlfrischen Ausdruck, der sich in allen Amp-Positionen zu bewähren vermag. Die Platzierung des leicht versenkt angebrachten Volume-Reglers ist gut, aber der Tone-Regler liegt für meinen Geschmack etwas weit hinten. Die Arbeit mit beiden Kontrollelementen ist jedenfalls erfreulich effektiv und lässt sehr schöne klangfarbliche Abstufungen zu.

Volute verstärkt den Winkel
Volute verstärkt den Winkel (Bild: Dieter Stork)

 

Resümee

The Pope on Dope … so ähnlich könnte man bei dieser Gitarre das Fazit in Sachen Klang ziehen. Obwohl bei diesem Modell vielleicht noch etwas Spielraum für formale und konstruktive Verfeinerungen bleibt, ist Thorsten Hans von Hans Guitars mit The Pope schon ein starkes Statement in Sachen aktueller Gitarrenvariation gelungen. Bei allem Respekt vor der Les Paul sollten wir hier nicht den Sound dieses Klassikers erwarten. Das machte doch auch gar keinen Sinn. Thorsten zieht also den Hut und macht sich dann auf seinen eigenen Weg und der ist so speziell wie berechtigt. Was zählt, ist das originäre Ergebnis und ein solches können wir ihm unbedingt bescheinigen.

The Pope klingt mit diesem dicken Korpus semiakustischer Auslegung tatsächlich eigen und erreicht nicht zuletzt durch das tolle Humbucker-Set von Andreas Kloppmann eine delikate Klanghöhe. Trotz des opulenten Korpusformats lässt sich die Gitarre überraschend gut handhaben. Hervorzuheben ist dabei ganz besonders der höchst angenehm zu spielende Hals mit seiner toll gemachten Bundierung. Alles in allem freuen wir uns wieder einmal über den Ideenreichtum und das gute Handwerk des deutschen Gitarrenbaus. Gute Adresse da in Tübingen!

Der dicke Korpus verfügt über mehrere Hohlkammern.
Der dicke Korpus verfügt über mehrere Hohlkammern. (Bild: Dieter Stork)

 

Plus

  • originelles Design
  • hybride Konstruktion
  • Schwingverhalten
  • Kloppmann Pickups
  • Sounds
  • Hals/Spieleigenschaften
  • Verarbeitung

 

Profil

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