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Guitar Guru: Steinberger & Shiro

Hast du Fragen zum Thema „alte und/oder merkwürdige Gitarren“? Wir beantworten sie. Monat für Monat. Diesmal geht es um eine Shiro LP-style Gitarre und eine Steinberger.

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Kürzlich erstand ich auf einem Flohmarkt diese Gitarre. Laut meinen Recherchen stammt sie aus der 70er-Jahre-Produktion des japanischen Herstellers Ghiro Arai und hat zwei DiMarzio-Humbucker verbaut. Ich hätte gerne gewusst, aus welchem Jahr sie stammt und welchen Wert sie hat.

Walter

In den 1970er- und 1980er-Jahren erfolgte der Import und Vertrieb von Gitarren der Marke Aria durch die BSA Musikinstrumente GmbH in Dormagen. Musik Meyer wollte aber auch eine eigene Serie von Instrumenten vermarkten, welche von Arai & Co. Inc. in Nagoya produziert wurden. Und so verwendete Arai eine alternative Marke, benannt nach dem Firmengründer Shiro Arai – Shiro. Die Marke wurde von Aria 1980 in Deutschland angemeldet und erst 2002 gelöscht. Das gibt einen ersten Hinweis auf das Herstellungsdatum.

Ein weiterer Hinweis ist die Form der Kopfplatte. Nach dem berühmten Gerichtsverfahren zwischen Hoshino Gakki und Gibson 1977, das außergerichtlich beigelegt wurde, beendeten die asiatischen Hersteller nach und nach (von einigen Ausnahmen für den heimischen Markt abgesehen) die Verwendung der sogenannten „open book“-Kopfplatte, wie man sie von Gibson-Gitarren kennt. Auch Aria-Kopien der 1970er weisen meistens eine „open book“-Kopfplatte auf. Nicht so allerdings deine, was dafür spricht, dass sie nach 1977 gebaut wurde. Man kann also von einem Herstellungsdatum Ende der 1970er- bis Anfang der 1980er-Jahre ausgehen.

Danach verschwanden Les-Paul-Kopien mangels Kundeninteresse in den 1980er-Jahren weitgehend und tauchten erst ab dem Ende der 1980er wieder auf, als das Gitarrenmodell wegen Guns N’ Roses, Gary Moore und Sleaze sowie dann auch Grunge wieder in Mode kam. Shiro-Gitarren standen ihren Aria-Schwestern in Qualität nicht nach.

Aria-Gitarren wurden in der Regel im Matsumoku-Werk gebaut, und deine Shiro dürfte wohl auch von dort stammen. Leider ist die Marke heute weitgehend in Vergessenheit geraten; wer nach japanischen Qualitäts-Les Paul-Kopien sucht, gibt in der Regel nicht „Shiro“ auf den entsprechenden Plattformen ein. Deshalb ist sie nur für Kenner und Liebhaber interessant.

Zudem handelt es sich um ein Modell mit Schraubhals, was den Wert nochmal etwas drückt (nur die wenigsten japanischen LP-Kopien hatten eingeleimte Hälse wie beim Original, das war den absoluten Topmodellen vorbehalten). Die DiMarzio-Pickups dürften tatsächlich original auf der Gitarre verbaut worden sein, auch das kam in den frühen 1980er-Jahren bei einigen Herstellern auf. Insgesamt sehe ich einen möglichen erzielbaren Verkaufspreis von zwischen 300 und 450 Euro.

Guitar Guru

Mein „Problem“ befindet sich schon seit langem im Familien-Fuhrpark. Es handelt sich dabei, wie ich recherchieren konnte, um eine Steinberger GM5T. Die Gitarre war ursprünglich weiß. Nachdem der Lack großflächig unschön abgeblättert ist, haben wir sie neu lackiert. Mich würde interessieren, ob man diese Gitarre datieren kann? Sie stammt noch aus der alten Serie mit Graphit-Hals. Als Pickups sind ein EMG 60 und ein Hals-Pickup mit der Aufschrift IJD verbaut, über den ich im Netz ebenfalls nichts gefunden habe. Ich würde gern ein bisschen mehr über diese Gitarre erfahren: Kann man das Vibrato-System zerlegen und fetten? Es läuft nicht mehr so leicht, wie es sollte. Ein weiteres Problem ist, dass die Abstufungen am Hebel nicht sauber alle Saiten in tune herunter- bzw. hochstimmen. Habe ich die falschen Saiten gekauft (La Bella STP1046)?

Michael

Die M-Serie wurde vom Genesis-Gitarristen Mike Rutherford und dem englischen Gitarrenbauer Roger Giffin entworfen und war die erste Steinberger-Gitarre, die außerhalb der Firma konzipiert wurde. Mit ihr führte Steinberger eine – für ihre Verhältnisse – fast schon traditionelle Gitarre ein. Zur Datierung gibt die Seriennummer an der Seite des Halses Hinweise – sie beginnt mit „N“. Das heißt, die Gitarre wurde am zweiten Steinberger-Standort (der erste war Brooklyn) Newburgh hergestellt.

Dort wurden die Gitarren bis Jahresmitte 1992 produziert. Damit lässt sich das Datum auf die Jahre 1986 bis Mitte 1992 eingrenzen und weiter auf 1988 bis 1992, denn die GM5 gab es erst ab 1988. Leider taugen die Zahlen nicht dazu, es ganz genau festzulegen, da sie keiner schlüssigen Kontinuität folgen.

Die EMG-Pickups waren damals schon serienmäßig auf den Modellen verbaut. Du kannst natürlich das Vibratosystem auseinanderbauen und fetten, das sollte es etwas leichtgängiger machen – ich würde allerdings darauf achten, mir für den Zusammenbau genau zu merken bzw. zu dokumentieren, wie das System wieder zusammengesetzt wird. „Falsche“ Saiten kann man hier nicht aufziehen, da das Steinberger TransTrem eigentlich unverwüstlich ist – wie an allen mechanischen Teilen unter Belastung nagt einfach der Zahn der Zeit (vor allem Korrosion) daran.

Übrigens werden original USA-gebaute Steinberger aus dieser Zeit für mehrere tausend Dollar gehandelt. Der Refin drückt den Wert natürlich, aber ihr habt da durchaus ein Schätzchen.

Guitar Guru

(erschienen in Gitarre & Bass 07/2021)

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Ich besitze auch noch eine alte,sehr gut erhaltene Shiro Dreadnought Stahlsaiten Akustikgitarre aus den frühen 1970er-Jahren mit originalem Knochensattel,massiver Sitka Fichtendecke,massiven Ostindischem Bookmatched Palisander für den leicht gewölbten Boden, und dem mittlerweile natürlich vergilbten Kunststoffbinding versehenen leichten Body.Die Zargen bestehen ebenfalls aus edlem Palisander.Die Kopfplatte mit deutlich sichtbar, goldfarbig-seidenmattem SHIRO Aufdruck, erinnert mit ihrer auffällig klobig-kantigen Formgebung sehr stark an eine C.F.Martin Gitarre.Der Klang ist hervorragend resonant.Ich ersteigerte sie vor zirka 6 Jahren von einem privaten Gitarrensammler für rund 500.-€uro mit innenseitigem Made in Japan Aufkleber ohne Gitarrenkoffer.Seit dem bleibt sie für immer in meinem Besitz.Eine wundervolle,top verarbeitete,zu 100% pure Akustikgitarre ohne Preamp mit einem einzigartigem Klangverhalten.Meines Erachtens existierten damalig auch einige weitere Shiro Akustikgitarren in klassischer Form und mit Nylonsaiten, bestückt,die aber heutzutage bedeutend günstiger (ab 250.-€) zu finden sind.

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  2. Die Beschriftung des Hals – Pickups zeigt, daß der PU am 10. September 2004 gefertigt wurde. Um welchen Typ es sich hier handelt, kann man evtl. durch die Farbe des EMG – Schriftzugs auf der Vorderseite ermitteln – z.B. ist das Logo bei dem Typ 81 silbern, während es beim ebenso beliebten 85 golden ist; – ich rate, die Website von EMG aufzusuchen.Ich habe in meinen Gitarren den EMG 60 gerne in der Halsposition verbaut,hier kommten seine bemerkenswert präsenten Höhen und seine Klarheit bestens zum Tragen.Ich würde die Positionen der beiden Pickups mal tauschen,aber vielleicht hast Du Dich schon an das Klangbild gewöhnt, einen Versuch wäre es jedoch wert!

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  3. Hallo, habe selber eine originale Steinberger GL4T (das Paddel), muss ich um 1986 rum gekauft haben. Das TransTrem ist nicht ganz einfach einzustellen, man muss dazu einen bestimmten Stimmprozess durchlaufen, der in der originalen Gebrauchsanweisung beschrieben ist. Dazu dienen die silbernen Schrauben oben auf der Platte der Trem-Einheit. Hier ein Link, wie man es machen kann, sollte dann ziemlich stimmig in allen Transposing Positionen sein (am Schwierigsten ist die tiefste Stimmung, weil auch die Seiten sehr locker werden). https://www.youtube.com/watch?v=4TtqCxNGDWI

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  4. Unter folgendem Link findet sich übrigens die originale Beschreibung zur Einjustierung des TransTrem:
    http://www.steinbergerworld.com >Instruments >TransTrem

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