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Guitar Guru: Starfield Altair Classic 420 & Jackson SS1

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Hast du Fragen zum Thema „alte und/oder merkwürdige Gitarren“? Wir beantworten sie auf dieser Seite. Monat für Monat. Diesmal geht es um eine Starfield- und eine Jackson-Gitarre.

(Bild: G&B-Leserin)

Anbei sende ich euch Fotos von meiner alten Starfield Altair E-Gitarre, die ich vor einigen Jahren im neuwertigen Originalzustand für 400 Euro mit zugehörigem Case gekauft habe. Angeblich stammt sie aus dem bekannten Ibanez-Fertigungsstandort Fujigen Gakki in Japan. Sie besitzt einen zweiteilig massiven, gewachsten/geölten Korpus, hat vergoldete Hardware, ein aufgeleimtes Rosewood-Griffbrett und zwei Lipstick-Pickups mit 3-Way-Toggle-Switch. Gerne würde ich mehr über diese Gitarre erfahren. Und deshalb meine Fragen: Aus welchem Holz besteht der Body? Wieviel ist sie heute noch wert? Aus welchem Baujahr stammt meine Starfield?

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– Britta

Zunächst mal zu Starfield: Diese Marke wurde von Hoshino Gakki ins Leben gerufen. Die japanische Firma ist auch der Inhaber der Marke Ibanez, sowie (heute fast vergessen) Cimar. Hoshino Gakki meldete die Marke Starfield 1988 offiziell an, allerdings gab es auch schon in den 1970er-Jahren Gitarren mit dem Markennamen. Dabei handelt es sich bei Starfield (Sternenfeld) um die Übersetzung des japanischen Wortes „Hoshino“ ins Englische.

Hoshino Gakki stellte Ende der 1980er fest, dass ihnen wegen der Fokussierung auf schnittige, moderne Hardrock- und Metal-Designs Marktanteile im eher traditionellen Gitarrenbereich verloren gingen – frühere Designs aus den 1970ern waren um die Mitte der 1980er aufgegeben oder konsequent modernisiert worden. Doch auch unter dem Ibanez-Brand gab es eher Retro-orientierte neue Ideen, zum Beispiel die Talman. Starfield war also auch der erneute Versuch, neben Ibanez noch mit einer weiteren Marke Fuß zu fassen. Erfolg war dem nicht beschieden, und schon um 1995 stellte Hoshino die Arbeiten an dem neuen Label wieder ein – 2002 wurde die Marke ganz aus dem Register gelöscht.

Bei deiner Gitarre handelt es sich um das Modell Altair Classic 420, und zwar vermutlich aus dem Jahr 1993. Wenn du mal auf die Rückseite der Kopfplatte schaust, da müsste eine Seriennummer stehen, und wenn die mit F beginnt und mit einer 3 weitergeht, dann wurde sie 1993 im Fujigen-Werk gebaut, dem hauptsächlichen Auftragnehmer von Hoshino seit den 1960er-Jahren (neben anderen; eine „Ibanez-Fabrik“ in diesem Sinne gibt es bis heute nicht). Das Modell hatte laut Ibanez-Katalog einen Korpus aus Saman, zu Deutsch: Regenbaum, also ein exotisches Holz. Der Ahornhals hat ein Palisander-Griffbrett. Das 1994er-Modell hatte übrigens dann drei Lipstick-Pickups. Mit den 400 Euro, die du bezahlt hast, hast du nichts falsch gemacht – im Gegenteil, man könnte wohl etwas mehr verlangen und mit etwas Geduld auch bekommen.

Die Marke ist heutzutage in Vergessenheit geraten, aber es gibt einen kleinen Kreis von Kennern und Liebhabern, die wissen, welche Qualitätsware sie da für kleines Geld bekommen haben. Starfield-Gitarren kann man durchaus als Geheimtipp ansehen. Jetzt müsste nur noch ein heute gehypter Gitarren-Hero wie Jack White oder Dan Auerbach sich mit einer Starfield zeigen, dann würden auch die Preise steigen! So aber kann man hier für kleine Summen richtig gute Gitarren bekommen, die sich wohltuend von der Masse an ST-, T- und LP-Kopien abheben.


Jackson SS1 im Katalog

Bei mir geht es um eine E-Gitarre von Jackson, die ich günstig erworben habe. Ich hätte ein paar Fragen: welches Modell ist das? Wie alt ist die Gitarre? Wo steht ihr Wert heute? Ich freue mich sehr über nähere Infos!

– Marvin

Bei deiner Jackson-Gitarre handelt es sich um das Modell SS1 aus dem Jahr 1995 oder 1996, gebaut von Chushin Gakki in Japan. „SS“ steht für „Short Scale“ – die Gitarren haben eine Mensur von 628 mm (also Gibson-Mensur), was als Novum bei Jackson angepriesen wurde.

Die SS1 hat eine gewölbte Decke und Vibrato-Einheit, die SS2 eine flache Decke und Stoptail. Von Jackson wurde sie als preisgünstigste Entwicklung angeboten. Der Korpus ist aus Pappel, der Hals aus Ahorn mit Palisandergriffbrett. Die Pickups sind hauseigene Humbucker.

Leider hat bei deiner Gitarre (erstes Foto, das zweite stammt aus dem Original-Jackson-Katalog) jemand das Vibrato irreversibel verbastelt und wollte wohl eine Tune-O-Matic-artige Bridge daraus machen. Das mindert den möglichen Marktwert leider erheblich. Ich würde da im abgebildeten Zustand einen Wert von unter 200 Euro sehen.

– Guitar Guru


guru@gitarrebass.de

Produkt: Gitarre & Bass 6/2022
Gitarre & Bass 6/2022
IM TEST: Eastman Romeo LA +++ ESP/LTD Mike Schleibaum Signature +++ Mayones Caledonius Classic 5 +++ Hughes & Kettner StompMan +++ Darkglass Exponent 500 +++ Line 6 Catalyst 100 +++ D'Addario XS Nickel Plated Steel Electric Strings +++ JHS Preamp Overdrive +++ Mooer Preamp Model X & Cab X2

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Die Starfield Serie war das persönliche Steckenpferd von Herrn Hoshino Senior. Mit dieser Marke sollte ein Kontrapunkt zu anderen, neuen Marken, wie etwa PRS geschaffen werden (z.B. ähnliche Mensur). Traditionell, Vintage orientiert, sehr gute Verarbeitung, ebenso gute Hölzer und guter Hardware sowie einigen interessanten Details. Neben der sehr gut gemachten und nicht zu teuren Japan-Serie gab es noch eine hochpreisigere Made-in-USA-Serie mit Seymour Duncan Pickups, teueren USA-Wilkinson Tremolos und Gotoh Mechaniken. Alles sehr charmante Instrumente, aber leider keine “Kassenfüller”. Die Japan und USA Produktion wurde 1993 eingestellt, ein paar wenige Nachfolgemodelle wurden noch in Billiglohnländer (Taiwan/Korea?) gefertigt, dann wurde die Marke mangels Erfolg beerdigt.

    Zur Markteinführung kam Herr Hoshino nach Deutschland, dem stärksten Einzelmarkt, und war Gast in unserem Laden, als ein guter Freund von mir diese damals neuen Instrumente in einem Workshop vorführte.

    Herr Hoshino war ein sehr zurückhaltender, sehr bescheidener Mann. Anzug von der Stange, Flug in Touristen- Holz-) klasse statt teuer Businessclass und das, wo er sich wahrscheinlich alles leisten konnte, wenn er gewollt hätte (inklusive Flugzeug). Sein einziger Luxus war die Zigarette, welche er aus gesundheitlichen Gründen nur zu einem Drittel abrauchte um am Rest die nächste anzuzünden. Was für eine Erfahrung, ganz im Gegensatz zu den allermeisten anderen “Chefs” anderer Firmen, von denen es heute die meisten nicht mehr gibt.

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