Produkt: Gitarre & Bass 07/2020 Digital
Gitarre & Bass 07/2020 Digital
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Guitar Guru: B.C. Rich & Jackson

Hast du Fragen zum Thema „alte und/oder merkwürdige Gitarren“? Wir beantworten sie auf dieser Seite. Monat für Monat. Diesmal geht es um einen B.C.-Rich-Bass und eine Jackson-Gitarre.

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Nach dem schönen B.C.-Rich-Artikel in der Januar-Ausgabe fand ich meinen eigenen B.C.-Rich-Bass natürlich gleich wieder interessanter. Ich habe den Bass vor ca. 30 Jahren für 500 Mark gebraucht gekauft. Den Messingsattel und den Seymour-Duncan-Pickup habe ich einbauen lassen. Das genaue Alter und der aktuelle Wert würden mich natürlich auch interessieren.

Yurian

Nach ausgiebiger Recherche gehe ich davon aus, dass dein Bass ca. 1987 gebaut wurde – dort taucht ein entsprechendes Warlock-Modell im Katalog auf, das zum einen der NJ-Serie zuzuordnen ist und zum anderen eine symmetrische Kopfplatte hat. Die meisten Warlock-Modelle hatten nämlich eine asymmetrische, „pointy“ Kopfplatte. Die Seriennummern von B.C. Rich werden ab den späten 70er-Jahren verwirrend. Die auf deinem könnte zwar auf 1983 hinweisen, allerdings stimmen die Features deines Basses – vor allem die schwarze Hardware und die Backplate – nicht mit den 1983er-NJ-Modellen überein.

„NJ“ stand übrigens für „Nagoya, Japan“, wo B.C. Rich diese importierten Modelle herstellen ließ. Die Entscheidung fiel, als Aria immer mehr B.C.-Rich-Modelle kopierte und billig auf den Markt warf. Die Farbe hab ich als „toxic green“ identifizieren können. Man kann davon ausgehen, dass dein Bass noch nicht wie spätere Modelle aus Sperrholz ist, sondern einen Erle-Korpus hat; der Hals ist aus Ahorn, das Griffbrett aus Palisander.

Ein vergleichbares Modell in schwarz habe ich auf Reverb gefunden – es wurde für ca. 260 Euro verkauft. Ob man mehr für den Bass bekommen könnte, ist schwer zu sagen – versuchen würde ich es. B.C.-Rich-Bässe „made in the USA“ werden übrigens je nach Ära teilweise für mehrere tausend Euro gehandelt – es kommt also sehr darauf an, wo und wann der Bass gebaut wurde.

Guitar Guru

Mir wurde eine interessante Jackson-Gitarre zum Kauf angeboten. Sie spielt sich wirklich gut und klingt super. Die Seriennummer, eingeprägt in die Metallplatte am Halsfuß, lautet 601699, ansonsten gibt es keine weiteren Angaben. Ich finde in den im Netz zugänglichen Jackson-Katalogen leider nichts dazu. Als ob es die Gitarre nie gegeben hätte! Könnt ihr mir weiterhelfen? Wie heißt das Modell und wann und wo wurde es gebaut? Laut Besitzer ist es mindestens 15 Jahre alt. Letztlich hab ich keine Ahnung, wie viel die Gitarre wert ist.

Heimo

Bei deiner Jackson-Gitarre handelt es sich um das Modell SS2 aus dem Jahr 1996 (laut Seriennummer), gebaut von Chushin Gakki in Japan. „SS“ stand für „Short Scale“ – die Gitarren hatten eine Gibson-Mensur von 628 mm, was als Novum bei Jackson angepriesen wurde. Die SS1 hatte eine gewölbte Decke sowie eine Vibrato-Einheit, die SS2 – also deine – eine flache Decke und Stoptail. Von Jackson wurde sie als „preisgünstigste“ Entwicklung angeboten.

Der Korpus ist aus Pappel, der Hals aus Ahorn. Die Pickups waren hauseigene Humbucker. Es gab sie in Schwarz und in Rot-Lila. Eine eindeutige Werteinschätzung ist hier leider nicht möglich. Das Modell ist so selten und obskur, dass ich keine vergleichbaren Angebote gefunden habe. Seltenheit bedeutet aber nicht, dass die Gitarre auch einen hohen Preis erzielen kann (ich spreche da auch lieber von erzielbarem Preis, nicht so gern von Wert, da es keinen objektiv bestimmbaren Wert gibt).

Aus meinen Marktbeobachtungen allerdings kann ich dir mitgeben, dass es sich nicht um ein gesuchtes Modell von Jackson handelt: Es war ja als Einsteigermodell gedacht und entspricht nicht dem, was man sich landläufig vorstellt, wenn man eine Jackson im Sinn hat. Man kann also davon ausgehen, dass danach nicht unbedingt gesucht wird. Das drückt den möglichen erzielbaren Preis.

Für die Gitarre spricht, dass sie in Japan gebaut wurde – das ist also Wertarbeit, keine billige China-Ware, auch wenn Chushin lange Zeit nicht als renommiertester Hersteller in Japan, sondern eher als Massenfertigung für billigere Modelle bekannt war. Ich sehe immer wieder mal verschiedenste Jackson-Modelle bei ebay und Reverb, und sofern es sich nicht um kultige „Made in the USA“- Modelle handelt, liegen die Preise im ernüchternden 200- bis 300-Euro-Bereich. Mehr würde ich für die Gitarre nicht ausgeben, außer ich habe mich schockverliebt.

Das Design ist übrigens typisch für die 90er-Jahre: Nicht modern, nicht vintage, irgendwo dazwischen. Das haben viele Anbieter damals so versucht, aber etabliert hat sich keines der Modelle.

Guitar Guru

(erschienen in Gitarre & Bass 08/2021)

Produkt: Gitarre & Bass 7/2019 Digital
Gitarre & Bass 7/2019 Digital
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