G&B Testbericht

Godin Session Vintage Burst SG MN & Electric Blue HG RN im Test

Zwei Godin-E-Gitarren, liegend/stehend
FOTO: Dieter Stork

Parallel zur Progression- (G&B 04/2010) schickte Godin zu Jahresbeginn die Session-Reihe ins Rennen, deren Gitarren sich als moderne Strat-Typen mit HSS-Pickups klassifizieren lassen. Vier seidenmatt und drei high gloss lackierte Versionen, jeweils mit Ahorn- oder Palisandergriffbrett erhältlich, bilden eine ansehnliche Palette von… – richtig, 14 Modellen.

 

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Stellvertretend haben wir für diesen Test eine Semi Gloss Session mit sogenanntem Maple Cap (aufgesetztes Ahorngriffbrett), und ein Modell mit Hochglanz-Finish und Palisandergriffbrett auserkoren.

 

Konstruktion der Godin Session Vintage Burst SG MN & Electric Blue HG RN

Godin baut seine Gitarren nach wie vor in Kanada und schafft es trotzdem, ein unglaublich gutes Preisleistungsverhältnis zu zaubern, bei extrem guter Qualität. Das ist immer wieder bemerkenswert. Die Bodies werden jeweils aus drei Teilen kanadischer Linde zusammengefügt, bei der seidenmatten Vintage Burst kaschiert vorne wie hinten bookmatched halbiertes Riegelahornfurnier die Leimfugen. Bei der Schwester übernimmt das deckendes Metallic-Blau. Ein rückseitiger Rippenspoiler, eine dezente Armschräge und die am Halsübergang zum unteren Cutaway hin verrundete Zarge sorgen für hohen Trage- und Spielkomfort. Tief eingelassen verschließt ein Kunststoffdeckel, aus dem gleichen Material gefertigt wie die Schlagplatte, das mittels Silberlack abgeschirmte E-Fach.

Die Klinkenbuchse der Godin Session Vintage Burst SG MN & Electric Blue HG RN ist per Augenblech an die Zarge montiert, Security-Lock-Knöpfe halten den Gurt. Wie die Progression-Modelle so verfügen auch die Sessions über das Godin Vintage Vibrato, dessen stählerne Basisplatte an zwei Schraubbolzen gelagert ist und ab Werk stramm auf der Decke liegt. Öffnungen in der Federkammerabdeckung gestatten direkten Zugang zu den Spannschrauben.

Um die Schwingungsübertragung zu optimieren, legt Godin stets größten Wert auf den Kontakt zwischen Halsfuß und -aufnahme. Daher weist die Tasche nicht nur höchste Passgenauigkeit auf, sondern wurde auch sorgfältig von Lackrückständen, Staub und anderen Unwägbarkeiten befreit. Ein der Zargenrundung angepasstes Konterblech und vier Schrauben garantieren eine stabile Halsverbindung. Die Kanten der Griffbretter rundet Godin nach seinem patentierten Ergocut-Prinzip ab und poliert die Enden der vorbildlich bearbeiteten Medium-Bünde zur Griffbrettmitte hin. Perfekt aus- und abgerichtete Tusq-Sättel führen die Saiten über je zwei zylinderförmige Stringtrees zu den präzise arbeitenden Godin-Tunern. Oberhalb der Sättel sind die Halsstäbe per Inbusschlüssel direkt zugänglich.

 

Praxis

Hinsichtlich der Ergonomie lassen sich die Godin Sessions wie Strats handhaben, auch wenn die Korpuskanten weniger gerundet, die Armauflage dezenter, der Halsübergang komfortabler, der Griffbrettradius größer und Regler, Schalter sowie Klinkenbuchse anders positioniert sind. Die gefälligen, nicht zu dicken Halsprofile lassen sich zusammen mit den per ErgoCut verrundeten Griffbrett- und Bundkanten bis in die obersten Lagen komfortabel bespielen. Beide Gitarren geben sich sehr schwingungsfreudig und lebendig, wobei die Electric Blue leicht die Nase vorn hat. In puncto Ansprache, Tonentfaltung und Sustain gleichen sich beide Kandidatinnen wie ein Ei dem anderen: Sehr direkt und akzentuiert spricht jeder Ton an, kommt flink und spritzig aus den Startlöchern und schwingt gemächlich und kontinuierlich aus. Schon der unverstärkte Klang zeigt wieder einmal den typischen Rosewood/Maple-Unterschied: Während Erstere mittig, kompakt und ausgewogen tönt, liefert die Maple Neck mehr Bässe und Höhen und damit ein voluminöseres, breiteres, offeneres und brillanteres Klangbild, dem es ein wenig an durchsetzungsstarken Mitten fehlt. Nicht von ungefähr schreibt man den Rosewood Griffbrettern eher die rockigeren Sounds zu, den Maple Necks indes die weniger gainreichen, klareren, offeneren und insgesamt kultivierteren.

Die Godin GS-1 Singlecoils erweisen sich im Vergleich zu Vintage-Pickups als pegelstärker, folgen dennoch konsequent deren Sound-Vorgabe, liefern jedoch mehr Klangfülle und tönen insgesamt klarer und akzentuierter. Vor allem die ersten drei Schalterpositionen überzeugen mit authentischen Sounds neuzeitlicher Strats. So bluest der Hals-Pickup vom Feinsten, dessen Kombination mit dem mittleren Einspuler sorgt für das charakteristische Näseln mit ausreichend Bässen und Höhen, und der entgegengesetzt gewickelte und polarisierte Mittel-Pickup liefert nicht nur glockige, knackig lebendige Klänge fürs Rhythmus- und Solospiel, sondern geht im Zerrbetrieb Nebengeräuschen wirkungsvoll an den Kragen, oder genauer, er sorgt für absolute Ruhe.

Der leistungsstarke Steg-Humbucker erweitert mit mittigerem, klarem, sehr dynamischem und lebendigem Ton das Sound-Angebot um charaktervolle Clean-, Crunch-, Classic-Rock- und Hardrock- Sounds und setzt die jeweiligen Lead- Varianten mit beachtlichem Sustain und Obertongehalt in Szene. Straff punchende Bassriffs und Powerchords, durchsetzungsstarke, singende Mitten und bissige Höhen lassen sich allein mit dem Anschlag klanglich variieren.

Das Pärchen aus Mittel- und Steg-Pickup bringt ausgewogene, dezent näselnde In-Between-Sounds hervor, die mit Hilfe der Coil-Split-Schaltung nicht nur schlanker sondern auch authentischer erscheinen. Die Stegspule des Humbuckers liefert schönen Tele-Twang mit leicht gebremster Brillanz. Die In-Between- und Stegspulen-Sounds überzeugen auch im Zerrbetrieb mit Transparenz und Durchsetzungskraft. Die Volume- und Tone-Potis zeigen gleichförmige Regelcharakteristik, Erstere eignen sich sogar für geschmeidige Swell- oder Violineffekte. Beide Session-Modelle legen bei der Umsetzung variablen Spiels eine beachtliche Dynamik an den Tag, die sich mit präziser und feinfühliger Kontrolle von Pegel und Zerrintensität bei den Volume-Potis fortsetzt.

 

Resümee

Mit der Session-Reihe ist Godin eine perfekte Ergänzung zu seinen Progression-Modellen gelungen. Während Letztere eher die Puristen ansprechen sollen, bedienen die Sessions ein breiteres, universelleres Klangspektrum von Vintage- bis Modern-Strat mit zusätzlicher Humbucker- und Coil-Split-Option. Damit bieten sich diese auch für Classic- und Hardrock-Geschichten an. Beide Testkandidatinnen sind vorbildlich verarbeitet, zeigen beachtliche Resonanz-eigenschaften und Dynamik, liefern exzellente Sounds und bieten ein extrem gutes Preis-Leistungsverhältnis. Und das bei Instrumenten Made in Kanada. Respekt.

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