G&B Basics!

Gitarrenstege und Saitenhalter

Über die verschiedenen Gitarrenstege, Saitenhalter, Vibratosysteme etc. könnte man allein schon eine ganze Gitarre & Bass Sonderausgabe schreiben. Denn die Gitarrenhersteller haben im Laufe der Jahrzehnte viele verschiedene Gitarrenstege-Systeme entwickelt, deren Unterschiede vor allem im Detail zu suchen sind.

Trapez-Tailpiece einer 1952er Gibson Les Paul
Trapez-Tailpiece einer 1952er Gibson Les Paul, hier inklusive Steg. Üblicherweise sind Trapez-Saitenhalterung und Brücke getrennt.

Bis in die 1950er-Jahre besaßen alle Jazz-Gitarren einen Aufsatzsteg aus Ebenholz oder Palisander, während die Saiten an einem sogenannten Trapez-Saitenhalter aus Metall befestigt wurden.  Auch die ersten Gibson-Les-Paul-Modelle von 1952 hatten ein solches Trapez-Tailpiece. Ein einfacher Stahldrahtbügel hielt einen Querstab, durch den man die Saiten einfädelte. Da diese Fehl-Konstruktion jedoch erhebliche klangliche und spieltechnische Nachteile mit sich brachte, wurde sie bereits 1953 durch das „Stop-tailpiece“ ersetzt. Heute würde man dazu „Wraparound“-Steg sagen. Dabei handelte es sich um einen massiven, einteiligen Metallsteg, der mit zwei dicken Bolzenschrauben im Korpus befestigt war.

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Erst durch diesen Steg erhielt die Les Paul den druckvollen Ton mit dem langen Sustain, der ihr Markenzeichen geworden ist. 1955 wurde dann der bis heute verwendete „Tune-o-matic“-Steg vorgestellt, der mit zwei Bolzenschrauben direkt auf die Korpusdecke in dafür vorgesehene Gewindehülsen aus Metall montiert wird. Das Stop-Tailpiece fungierte nun als reiner Saitenhalter und fand einen neuen Platz, einige Zentimeter hinter dem Tune-omatic-Steg.

Verschiedenen Steg-Modelle

Heute sind Wraparound-Brücken wieder sehr beliebt, weil die Musiker die direkte Schwingungsübertragung in den Korpus und die damit verbundene Dynamik und Tonentfaltung schätzen. PRS, Nik Huber, Helliver und viele andere haben neue Einteiler- Gitarrenstege entwickelt, viele davon bieten eine einstellbare, kompensierte Saitenauflage, sodass die Oktavreinheit der Gitarre gewährleistet werden kann.

Aufliegende Gitarrenstege

Leo Fender hat seinen Telecaster- und Esquire-Gitarren von Anfang an einen einteiligen Steg verschrieben, der dank seiner großen Grundplatte auch Platz für die Montage des Steg-Pickups bot.  So konnte diese gesamte Konstruktion samt Saitenreiter und Tonabnehmer separat montiert werden, was erheblich Zeit in der Produktion einsparte. Die Saiten wurden ohne einen extra Saitenhalter von hinten durch den Korpus gefädelt und laufen paarweise über drei Messing-Saitenreiter. Erst später setzte Fender auf Gitarrenstege mit sechs Einzelreitern.

Doch keine klassisch aufgebaute Vintage-Telecaster will auf den alten Steg verzichten, denn trotz der bekannten Nachteile (kompromissbehaftetes Einstellen der Oktavreinheit, Feedback-Anfälligkeit) ist sie mitverantwortlich für den typischen Telecaster-Sound. Weil sie z. B. dank des höheren Drucks, den die Saitenpaare auf die drei Saitenreiter ausüben, eine direktere Schwingungsübertragung realisieren.  Damit das leidige Intonationsproblem endlich zufriedenstellend geregelt werden konnte, fertigten einige Gitarrenbauer zuerst auf speziellen Wunsch einiger Profi-Gitarristen Saitenreiter an, die leicht schräg stehen und so eine bessere Oktavreinheit realisieren konnten. Diese schrägen Saitenreiter werden mittlerweile in unterschiedlichen Ausführungen und Materialien von verschiedenen Herstellern separat zur Nachrüstung der eigenen Telecaster angeboten (Göldo, Wilkinson, Joe Barden, T-Tune, Glendale, Callaham u. v. a.).

Sollte sich der gewünschte Telecaster-Sound trotz solch einer Vintage-Brückenkonstruktion nicht so recht einstellen, kann dies z. B. an einer minderen Fertigungsqualität der Brücke liegen, durch die die große Grundplatte nicht vollkommen plan auf dem Korpus aufliegt. Ist dem nämlich so, geht Schwingungsenergie verloren, was dem typischen T-Klang nicht guttut.

Saitensteg-Halter

Das Wissen um diese Tatsache hat den Amerikaner Jeff Babicz, einen ehemaligen Mitarbeiter der Steinberger Guitar Company, zu seiner Entwicklung der „full contact hardware“ inspiriert. Hier trägt eine große Grundplatte die speziellen „eCAM“-Saitenreiter, in sich geschlossene Systeme, die nicht den Kontakt über kleine Schrauben zur Grundplatte haben, sondern voll auf selbiger aufliegen. Alle Teile der Babicz-Systeme bestehen aus Aluminium, weil dieses Material nicht nur leicht ist, sondern, wie Babicz sagt, den wenigsten Widerstand gegen Schwingungsübertragung liefert und somit für einen guten Kontakt zwischen Saiten- und Korpus-Schwingungen sorgt. Babicz-Brücken gibt es mittlerweile für alle typischen Brückenkonstruktionen inkl. eines Vibratosystems.

Einer der wenigen Hersteller, die bzgl. ihrer Brückenkonstruktionen nicht nur auf Detailverbesserungen der alten Klassiker aus sind, sondern eigene Wege gehen, ist Knaggs Guitars, die von Joe Knaggs, dem ehemaligen PRS-Private-Stock-Leiter, und Ex-PRS-Marketing-Experte Peter Wolf 2009 gegründete Firma. Sowohl was ihre festen Brücken als auch die Vibratosysteme angeht, haben sie Innovatives umgesetzt. So sind bei der Influence Bridge zwar Steg und Saitenhalter getrennte Bauteile, aber zu einer auf den Korpus geschraubten festen Einheit verbunden. Dies dient wirkungsvoll dazu, die Schwingungsübertragung zwischen Saiten und Korpus zu optimieren.

Ebenso wirkungsvoll erscheint das Gitarrenstege-Konzept der Chesapeake Hardtail Brücke, die aus massivem Stahl herausgefräst wurde und vorne wie hinten mit dem Korpus verschraubt ist. Die Messing-Saitenreiter liegen so eng beieinander, dass sie eine stabile Einheit ergeben, zumal sie perfekt zwischen die seitlichen Erhöhungen der Grundplatte eingepasst sind. Da bewegt sich nichts, und die Saiten danken es mit Schwingungsfreude!

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