Telegen und feurig

Gamble Guitars Rockfire Special im Test

Rockfire goes Tele? Die Jungs von Gamble Guitars schlagen immer wieder neues Feuer aus ihren Steinen. Das Rockfire-Konzept scheint ausgesprochen flexibel interpretierbar, die Möglichkeiten nahezu unbegrenzt. Schauen wir also mal, was diese Custom Order Special uns zu bieten hat.

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(Bild: Dieter Stork)

Gamble Guitars bietet zur Zeit vier Modellversionen der Rockfire an. Neben Junior, Standard und Semi also auch noch die Special. Die Standardausführung der Special kommt mit Korpus und Hals aus Mahagoni. Das vorgelegte Modell in der Holzkombination Swamp Ash Body mit Flame Maple Neck wurde für Pascal Koenig von Resident Guitars gefertigt.

Konstruktion

Diese besondere Variante der Special verfügt über einen Korpus aus zweiteilig gefügter leichter Sumpfesche von 34 mm Brettstärke. Der leicht asymmetrisch gestaltete Korpus bietet mit gut gerundeten Kanten und Konturen zur Armauflage auf der Decke, wie auch am Boden zur Anlage am Spieler, komfortable Ausgangsbedingungen. Der kraftvoll rundlich gestaltete Hals aus Riegelahorn ist in Höhe des 16. Bundes in den Korpus eingeleimt. Sein Griffbrett aus Ebenholz mit 12“-Radius ist mit 22 Medium Jumbo Bünden von Wagner ausgestattet und mit ‚Ace of Spades‘-Abalone Inlays verziert.

Im Winkelübergang zur Kopfplatte erhielt der Hals einen elegant ausgearbeiteten Kragen unterhalb des sauber eingerichteten Sattels aus Knochen. Die mit einem dunkel gebeizten Layer besetzte Front zeigt die Firmeninsignien, die Rückseite ist mit Modellnamen und Serienummer handsigniert. Gotoh-Mechaniken komplettieren die Ausstattung. Besonderes Merkmal dieser Special ist die Joe-Barden-Tele-Bridge mit drei dem Mensurverlauf angepasst kompensierten, schräg gesetzten Messingreitern für paarige Saitenführung und unten ausgeschnittenem Rahmen. Die Saiten werden wie bei dieser Brückenform üblich durch den Korpus gefädelt und von Einschlaghülsen gekontert.

Auf die Barden-Bridge ist ein Singlecoil-Pickup aus dem Kloppmann TL60 Tele Set gesetzt, sein Partner mit angelaufener Kappe findet sich in der Halsposition auf ein dreischichtiges Pickguard montiert. Kontrolliert wird die Elektrik von generellen Volume- und Tone-Reglern, wobei der Summenregler fast die Position wie bei der Tele einnimmt. Der etwas nach außen gesetzte Dreiwege-Toggle schaltet die Pickups in bekannt konventioneller Weise. Die handwerklich souverän gefertigte Gitarre verfügt über eine Mensur von 635 mm und ist in Vintage Dark Brown gebeizt. Nach Aufbringen der Streifen aus Blattsilber wurde das Instrument dünn mit Nitrolack gefirnisst.

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Ebenholzgriffbrett mit WagnerBünden und Abalone-Inlays (Bild: Dieter Stork)

Praxis

Die nach hinten gestreckte Korpusform fügt sich mit ihren weichen Konturen vollkommen lässig an den Spieler und nimmt sitzend wie stehend gespielt eine praxisgerecht komfortable Position ein. Der kraftvoll rundlich profilierte Hals spielt sich mit seiner matt versiegelten Oberfläche höchst angenehm, Bendings laufen auf den hohen, nicht zu breiten Bünden wie auf Schienen. Die Klangstruktur präsentiert sich stramm, reflexstark und mit gutem Draht im Ton. Besonders bemerkenswert ist die schöne offen Glocke, mit der Akkorde auf den festen Anschlag reagieren.

Unter Strom genommen erweist sich das Klangbild, dem flach gehaltenen Swamp-Ash-Body in Verbindung mit dem Ahornhals gemäß, als bemerkenswert transparent, leicht aber konturiert in der Basstonentfaltung, kernig-holzig im Mittenbereich und strahlend glockig in den Höhen. Eine höchst eindrucksvolle Performance, wunderbar in Szene gesetzt durch die Pickups von Andreas Kloppmann.

Das starke Set setzt das gut gewichtete Tonambiente perfekt um, ist aber auch für seine praxisgerechte Abstufung zu loben. Wechseln wir in klaren Verstärkereinstellungen die Positionen durch, so stehen uns drei höchst charaktervolle Sounds zur Verfügung, wovon die Lead-Position (Steg-Pickup) leicht vorspringt und damit den genau richtigen Biss für Solo Peaks anbietet. Kehlig rund tönt zunächst der Hals-Pickup, klar definiert und substanzreich kommt er mit einem gewissen Vintage-Flair ans Ohr. Perlend luftig abrollend danach die Zwischenposition kombinierter Pickups, getoppt dann noch vom scharf zubeißenden Singlecoil am Steg.

Im Overdrive liefert der Hals-Pickup diesen wunderbar luftig glasigen Growl eines leichten Instruments, perfekt inszeniert durch die intensive Farbgebung und Obertonstärke der Tonwandlung. Sehr schön lassen sich mit wechselnder Anschlagsstärke Nuancen herausspielen, wie überhaupt die Tonformung mit dem Plektrum starke Ergebnisse zeitigt. Gehen wir auf den Kloppmann am Steg, so ist der zupackende Twang-Ton zu loben. Bissig und scharf angreifend, aber nicht ätzend. Ein gepflegt aggressiver Charakterton von enormer Durchsetzungskraft. Die Kombi-Packung setzt dann auch noch derart knackig perlende Klänge ins Leben, dass auch diese Position in allen Betriebsarten mit Frische und hoher Präsenz zu überzeugen weiß. Die Kloppmann-Pickups sind für diese Gitarre eine wirklich gute Wahl. Sie passen wunderbar zum Instrument, übersetzen dessen sonore Güte in absolut hochklassige Sounds, die sich im Übrigen mit der rudimentär effektiven Klangverwaltung auch noch facettenreich abwandeln lassen.

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Kloppmann-Pickups und Joe Barden Bridge (Bild: Dieter Stork)

Resümee

Die Jungs von Gamble Guitars gehören schon seit einiger Zeit zu der selbstbewussten neuen Garde deutscher Gitarrenbauer. In ihren Kreationen sind Gestaltungswille, Ergonomie und Klangeffizienz harmonisch in Einklang gebracht. Die vorgelegte Rockfire Special zeigt mit ihrer Tonholzwahl nach Wunsch überdies die flexible Auslegbarkeit des gesetzten Designs, Markenzeichen handwerklicher Kompetenz und Mobilität einer Manufaktur, für die umfassende Kundenwidmung Gesetz ist. Das Instrument spielt sich mit seinem rundlichen Ahornhals wie gebuttert, es ist leicht und fühlt sich gut an. Vor allem aber bietet es, ausgehend von der stimmigen Konstruktion, tolle Klangeigenschaften, umgesetzt von den starken TL60-Singlecoil-Pickups des Andreas Kloppmann. Die Anleihen bei der Telecaster mit Barden Bridge und Tele Pickup Set geben der Rockfire Special eine etwas andere Richtung, aber eine die ihr verdammt gut steht. Klasse – weiter so!

 

Plus

  • stimmiges Design
  • Schwingverhalten
  • Kloppmann-Pickups
  • Sounds
  • Spielbereitschaft
  • Ergonomie
  • Verarbeitung

 

Rockfire_profil

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Kommentar zu diesem Artikel

  1. “mit Nitrolack gefirnisst”, was ist das denn? Ich vermute, daß lackiert gemeint ist, gefirnisst aber irgendwie professioneller klingen soll …
    Gefirnisst wird übrigens bei Ölbildern, da Firniss verwendet wird, niemals aber Nitrolack.

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