Schaltzentrale für das große Besteck

Fryette ZMACS 4X4 im Test

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(Bild: Fryette Amplification)

Umschalteinheiten für Verstärker und Boxen sind ziemliche Exoten. Das ist für Steven Fryette jedoch kein Grund, nicht dennoch ein solches Gerät zu entwickeln und der Thematik dabei neue Aspekte abzugewinnen. Wer seine Verstärker- und Boxensammlung zentral verwalten möchte, sollte jetzt weiterlesen …

WAS IST DAS?

Der Fryette ZMACS ist in einem 19″-tauglichen Metallgehäuse (1 HE) untergebracht und verfügt über Anschlüsse für jeweils vier Verstärker und Lautsprecher. Diese können per Knopfdruck, Fußschalter oder MIDI-Programmwechselbefehl umgeschaltet werden – selbstverständlich immer mit der Gewissheit, die kostbaren Röhrenverstärker jederzeit mit der nötigen Last zu schützen. Die Besonderheit des Fryette ZMACS im Vergleich zur Konkurrenz ist seine Fähigkeit, mit multiplen Impedanzen umgehen zu können und diese ganz nach Bedarf zu wandeln.

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WOZU DAS GANZE?

Warum ist ein solches Gerät überhaupt nötig? Zunächst einmal ist das Umschalten von Verstärker und Boxen enorm praktisch. So lassen sich im Handumdrehen die Klangunterschiede der beteiligten Geräte, allein und in Kombination, erforschen. Welcher Verstärker ist für den gewünschten Einsatz geeignet und welche Box liefert den perfekten Klang?

Eine solche Umschaltung wäre im Fachhandel, also vor dem Kauf, genial. Genauso sinnvoll ist ein Umschalter aber auch im Studio. Im Nu lässt sich die gewünschte Verstärker-Boxen-Kombination ermitteln, ein kritischer A/B-Vergleich durchführen oder auch zwischen unterschiedlich mikrofonierten Boxen wechseln.

Natürlich verfügt auch mancher Musiker über eine Privatsammlung, die sich mit dem ZMACS elegant verwalten lässt. Schließlich wäre auch ein Live-Einsatz bei ambitionierter Backline denkbar.

All das funktioniert wunderbar einfach: Geräuschlos, unmittelbar und sicher wechselt man zwischen den gewünschten Verstärkern und Boxen – bei Bedarf sogar mitten im Song per MIDI-Umschaltung. Ich selbst betreibe seit Jahren einen Umschalter eines anderen Herstellers und möchte diesen Komfort nicht mehr missen.

IMPEDANZWANDLUNG

Immerhin habe ich alle meine Boxen kurzerhand auf eine einheitliche Impedanz verdrahtet. Auf den zweiten Blick macht eine Impedanzwandlung aus mehreren Gründen aber durchaus Sinn. Stell dir eine Studiosession vor, bei der du deine Lieblingsboxen nebeneinander platziert hast.

Die alte Marshall-Box hat die üblichen 16 Ohm, das Rectifier-Cabinet 8 Ohm und eine offene 1×12″-Box 4 Ohm. Nicht jede Box lässt sich beliebig neu verkabeln, und spätestens bei einer Einfachbestückung ist guter Rat teuer. Weitere Argumente: Mark-Verstärker von Mesa/Boogie haben keinen 16-Ohm-Ausgang für eine klassische Marshall-Box.

Zudem könnte man sich eine Box ausgeliehen haben, was eine Neuverkabelung ausschließen würde. Schließlich ist mein alter Superlead 1959 aus den Siebzigern aus Sicherheitsgründen fest auf 16 Ohm eingestellt und passt somit nicht zwingend zu meiner sonstigen Lautsprecherauswahl.

Bei Fehlanpassungen von Impedanzen sollte man, abhängig von der Differenz der Abweichung und ihrer Richtung, zumindest Vorsicht walten lassen. Laut Steven Fryette sind Fehlanpassungen nicht zwingend schädlich, solange der Verstärker nicht mit beträchtlicher Lautstärke betrieben wird. Allerdings muss man mit Klangveränderungen rechnen.

Somit bietet der ZMACS einen durchaus sinnvollen Mehrwert, der alle genannten Sonderfälle und Probleme abdeckt: Man verkabelt den Verstärker und die Box mit dem ZMACS, wählt an dessen Front die gewünschten Komponenten und legt die zugehörigen Impedanzen separat fest. Den Rest besorgt der integrierte Impedanzwandler.

Dazu ist alles speicherbar und über MIDI-Programmwechselbefehle abrufbar. Und noch eine Besonderheit: Der ZMACS kann sogar zwei Lautsprecher gleichzeitig aktivieren. Dabei wird die Impedanz automatisch halbiert. Genial!

VERKABELUNG

Die richtige Verkabelung ist die Grundvoraussetzung für den Betrieb des ZMACS. Die Gitarre wird typischerweise direkt an den Umschalter angeschlossen. Dies kann wahlweise über die gebufferten Eingänge an der Gerätefront oder -rückseite oder über einen weiteren ungebufferten Eingang auf der Geräterückseite erfolgen.

Nun verzweigen vier Ausgänge das Signal zu den jeweiligen Verstärkereingängen. Weitere vier Anschlüsse dienen dem Anschluss der Lautsprecherausgänge der Verstärker, ebenso viele Ausgänge führen zu den Boxen. Sollte es zu Brummgeräuschen kommen, kann der Ground-Lift-Schalter Abhilfe schaffen.

Für besondere Anwendungen lässt sich sogar der jeweils aktivierte Verstärker an einem zusätzlichen Ausgang mit abgedämpftem Pegel abgreifen, um beispielsweise in eine digitale Lautsprechersimulation abzuzweigen.

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