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Friedman Vintage T im Test

Friedman-Gitarren? Richtig gelesen! Dave Friedman kennen wir natürlich durch seine superben Amps, jetzt aber hat er in Kooperation mit Grover Jackson auch noch eine kleine Reihe von feinen Gitarren in der klassischen T-Form auf den Markt gebracht. Das formal schlichte Basispattern der neuen Vintage T Collection tritt mit durchgängig hochklassigen Materialien an. Motto: Vintage Tone und Look – moderne Spieleigenschaften.

Dieter Stork

Mit seinen Amps hat Dave Friedman in den letzten Jahren die Szene bekanntlich im Sturm erobert, eher unbekannt ist jedoch seine mindestens ebenso große Passion für die E-Gitarre. Nun, was braucht man schon für so eine profane Brettgitarre: Holz, Pickups, Bünde, Mechaniken und etwas Kleinkram … das schreckt doch kaum einen Heimwerker. Aber wie auch schon bei seinen Amps, liegt das Geheimnis guten Klangs, die „Secret Sauce“ wie Dave das nennt, in der Auswahl, der Qualität und der stimmigen Kombination der Materialien. Für die Umsetzung seiner Ideen hat Dave sich deshalb keinen Geringeren als Altmeister Grover Jackson ins Boot geholt, den Mann also, der seinerzeit Musiker wie Randy Rhodes, Eddie van Halen oder Steve Stevens mit passendem Kampfgerät ausstattete, ja Generationen von Metal-Spielern geprägt hat. Grover sucht das Holz aus und ist in jeden Produktionsschritt der Friedman-Gitarren bis hin zum finalen Setup persönlich involviert. Erfreulicherweise ist auch Customizing möglich, also optionaler Zugriff auf Holz, Pickups, Bridge, Farbe etc. und eine Leftie ist auch erhältlich. Das Testmodell wurde uns im Übrigen von Musik Produktiv zur Verfügung gestellt: Dank dafür an Dennis!

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Vintage Look // verfeinerte Technik

Für den planen Korpus des Modells Vintage T MRVS90 fand ausgesuchtes Mahagoni von ca. 43,5 mm Stärke Einsatz. Im Gegensatz zum Vorbild-Pattern der Fender Telecaster bietet die Friedman- Gitarre einen Konturschnitt am Korpusboden für die komfortable Anlage am Körper des Spielers. Der Hals aus einteiligem Ahorn mit ‚Classic‘-Profil und im Griffbereich angenehm glatt entlackter Rückseite ist in kalifornischer Manier auf den Korpus aufgeschraubt. Das nach oben hinzunehmend flacher ausgearbeitete Griffbrett mit 10″-14″ Compound Radius aus Palisander bekam eine Plekbehandelte- Bundierung (Jescar 47095).

Dieter Stork
P-90-Typen auf T-Style Gitarre

Der inzwischen international anerkannte Begriff geht auf die Berliner High-Tech- Firma Plek zurück undmeint die hochpräzise, computerkontrollierte Bundbearbeitung. Kleine Dots im Griffbrett markieren die Lagen. Interessant ist das Formenspiel der Kopfplatte, das durch den farblich abgesetzten Konturschnitt (Friedman-Schriftzug auf Marshall Plexi Gold – aha!) zwischen Tele und Strat changiert. Dazu passend sind 6-in-Reihe positionierte Kluson-Mechaniken montiert, von denen die Saiten mit geradem Zug auf den Sattel von Tusq geführt werden. Ein kleiner Saitenniederhalter sorgt für den verbesserten Andruck von E- und B-Saite.

Am Korpus verfügt die feste Brücke über individuell verstellbare Einzelreiter; die Saiten werden durch den Korpus geführt und von Einschlaghülsen gehalten. Das großflächige schwarze Pickguard und die Konfiguration der Bedienelemente mit Dreiwege-Toggle vorn oben, sowie die individuellen Volume- und Tone-Regler hinten unten erinnern natürlich stark an Fenders Telecaster Deluxe. Zwei Friedman Classic 90 Custom Wound Pickups, ausgelegt für die jeweilige Position, verleihen der Vintage T ihre elektrische Kraft. Die Auslegung des elektrischen Schaltkreises mit CTS-Potis und Orange Drop Kondensatoren ist seriöser Standard. Interessant vielleicht noch zu wissen, dass lediglich ein Vintage T-Modell mit klassisch quergestelltem Singlecoil im Programm zu finden ist und auch der sitzt nicht auf der modelltypischen Grundplatte. Humbucker und P90-Typen bekommen ansonsten immer den Vorzug bei Friedman Guitars. Die präzise gefertigte und aus spieltechnischer Sicht perfekt eingerichtete Gitarre ist mit einem dünnen Nitro-Lack in Vintage White versiegelt, Korpus und Halsrücken wurden dann noch einem recht gnädigen Aging-Prozess unterzogen. Geliefert wird das Instrument in einem festen Custom G&G Case.

Spieltechnische Eleganz // starke Elektrik

Der Mix aus Mahagonikorpus und Ahorn/Palisanderhals in einer klassischen Brettgitarrenkonstruktion macht ja grundsätzlich schon neugierig. Zusätzliche Verfeinerungen, wie die Anlagebucht auf der Korpusrückseite, der Hals mit Compound-Radius samt toll gemachter Bundierung und die Ausstattung mit P-90-Pickups (alternativ auch mit Humbuckern) sorgen für zeitgemäße Updates in Sachen Handhabung und Sound. So fällt die Vintage T MRVS90 mit ihrem griffig rundlich profilierten Hals mitsamt dem genau richtigen Saitenzug, also schön strammem Spielgefühl, auch gleich so vertraut in die forschende Hand, dass man glatt denkt: Mensch alter Kumpel, wo hast du denn nur die ganzen Jahre gesteckt? Das allgemeine Klangverhalten ist von kräftiger Durchzeichnung bei Akkorden und atemreicher Tonentfaltung gekennzeichnet. Sauber separierte Stimmen fügen sich zu harmonisch gerundeten Mehrklängen, gehaltene Noten klingen lang und ebenmäßig aus. Beste Voraussetzungen also für die elektrische Tonwandlung.

Dieter Stork
Hardtail Bridge, Strings-thru-body

Die hauseigenen Friedman Custom Wound Classic 90 Pickups sind kraftvoll und klar ausgelegte Klangumsetzer. Der Tonabnehmer in Halsposition bietet ein umfassendes Tonspektrum an, das trotz des Tiefgangs Akkorde konturstark und transparent darzustellen vermag. Die Eleganz und Balance der tonalen Darstellung, verbunden mit einer gewissen Wärme und dem Geschmack von Holz, die wohl dem Mahagonikorpus zu danken ist, überzeugt sowieso in klaren Einstellungen, bewährt sich dann aber auch besonders in Zerrpositionen des Amps. An erster Stelle ist dabei die dynamische Umsetzung des Anschlags zu nennen, mit dem vom leichten Aufriss bis hin zum komprimierenden Zerrton alles zu haben ist. Geradezu auffällig ist aber auch die von ihm vermittelte wunderbar körnige Auflösung bei Powerchords, die kompakte Festigkeit in der Artikulation im Allgemeinen und die plastisch präsente Kraft beim Solospiel im Besonderen.

Dieter Stork
Kopfplatte mit Plexi-Impression

Gehen wir auf den Pickup in der Stegposition, so erscheint der in der Clean-Position zunächst etwas zurückhaltender, was nicht nur dem positionsbedingt nun deutlich schlankeren Bass- und Mittenbereich geschuldet ist. Man könnte tatsächlich bei Bedarf den Pickup oder die Polepieces auch noch näher an die Saiten bringen. Dennoch vital, mischt er sich einerseits perfekt mit dem Kollegen vom Hals in der mittleren Schaltstellung, läuft dann aber in Alleinschaltung im Oberdrive zu stolzer Höhe auf. Ebenfalls mit knochig holziger Attitüde ausgestattet, ist er ein formidabler Knaller im „crank it up“-Drive-Betrieb. Durchsetzungsstark, ausgesprochen prägnant und mit gehöriger Präsenz lässt er es charaktervoll rocken und sticht damit durch jeden Live-Mix.

Bleibt noch die effektive Arbeit mit den individuellen Volume- und Tone-Potis zu nennen. Feingradige Abstimmungen ohne nennenswerte Verluste an Vitalität und Klangfarbe sind mit den zurückgenommenen Summenreglern optimal zu erreichen, was selbstredend auch perfekten Zugriff auf die Zerrstruktur im Overdrive-Betrieb gibt; mittels der Tonblende lassen sich ebenso wirkungsvoll elegante Abschattungen in der Klangfarbe inszenieren.

Dieter Stork

Alternativen // Alternativen

In dem Sektor der Variation klassischer amerikanischer Bauweisen auf der Grundlage gesetzter Ästhetik und konventioneller Materialien, der Aktualisierung bewährter Konzepte ohne modelltypische Limitierungen also, kommt man an Dennis Fano mit seinen Gitarren aus der Alt de Facto Series nicht vorbei. Der Einfluss dieses erfolgreichen Aufmischers traditioneller Designs lässt sich wohl auch bei Friedman Guitars, z. B. an der Gestaltung der Kopfplatten ablesen. Natürlich sind für diese Art der alternierenden Fortschreibung ganz besonders die kundenorientierten kleinen Gitarrenbauer prädestiniert. Frank Deimel etwa verfolgt bei uns mit Deimel Guitarworks prinzipiell diesen Weg. Nicht zu vergessen auch Nick Page mit seinen tollen Crossover-Designs, in denen er stets retrospektive mit aktuellen Aspekten zu einer ganz eigenen Ästhetik verbindet. Interessant auch zu beobachten, dass der erinnerungsträchtige Look dieser durchmischten retro-modernen Vintage+-Designs oftmals, und offenbar auch zur Freude des Publikums, durch künstliche Alterungsprozesse effektiv unterstützt wird.

Resümee

Wenn jemand wie Dave Friedman sich der Produktion von Gitarren zuwendet, dazu noch eine Gitarrenbauerlegende wie Grover Jackson als Partner dazu holt, dann ist man nicht nur gespannt auf die Ergebnisse, sondern erwartet auch Qualität. Mit ihrer auf das Wesentliche beschränkten Vintage T-Baureihe enttäuschen sie die hohen Erwartungen nicht. Dem vorgelegten Vintage T MRVS90- Modell lassen sich – mit der Kombination Mahagoni (Korpus) und Ahorn/Palisander (Hals, geschraubt) – schlicht schlagende Sounds abgewinnen. Die Rechnung, optimierte klassische Formgebung mit potenter Elektrik und besten Spieleigenschaften auszurüsten, geht voll auf.

Das alles ist jetzt nicht wirklich neu, aber gesagt ist im elektrischen Gitarrenbau ja doch inzwischen bereits fast alles und der Zugewinn liegt folglich in der Verfeinerung und Variation. Zusammengefasst: Brettgitarre Deluxe – Friedman/Jackson sind mit ihren Gitarren aus ihrer Vintage T-Serie am Puls der Zeit und der beschleunigt sich beim Spieler auch tatsächlich, sobald er so ein Modell in die Finger kriegt. Zum persönlichen Test sehr empfohlen!

Plus

  • klassisches Design +
  • Mahagoni-Body – Ahornhals
  • Schwing- und Dynamikeigenschaften
  • Pickups
  • charakterstarke Sounds
  • Hals, Bundierung
  • Handhabung
  • Verarbeitung

Aus Gitarre & Bass 04/2017

Ein Kommentar zu “Friedman Vintage T im Test”
  1. Jimmy Floyd

    Dave Friedman ist sowas wie Jim Marshall und Leo Fender in Einer Person , auch Physisch gemeint :-D,
    Ich darf mich zu den Glücklichen Menschen zählen , die einen 40 Watt Dirty Shirley Combo besitzen (ich will nie wieder einen anderen amp…)
    Die Friedman Gitarren sind bestimmt Allererste Klasse ,aber da sage ich wirklich es gibt schon SO viele Firmen (eigentlich Unzählige ….) es wird einem als Musiker heutzutage wirklich nicht einfach gemacht ,,dann noch ein Name wie Grover Jackson im Programm…
    Ich will die Gitarren echt nicht anspielen …mache einen WEITEN Bogen darum :-D,
    Wenn ich “The Red one ” sehe bekomme ich Sabberanfälle und krieg keinen vernünftigen Satz mehr über die Lippen …
    Dave Friedman Stellt ABSOLUT Kultiges Equipment her keine Frage
    Hier ein 2 Stündiges Interview mit dem Meister und Grover Jackson :
    https://www.youtube.com/watch?v=XR9UAccP1Bs

    Ich hab leider schon genug Gitarren und wirklich vor keine mehr zu kaufen aber die Friedman/Jackson Gitarren sind ja mal ABARTIG GEIL und falls ich mir doch noch mal eine Tele zulegen sollte …:-D,

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