Upside down

Framus Idolmaker 5’R im Test

Völlig neu? Nicht wirklich – zieh nur mal eine Framus Hollywood/Television upside down auf links, da bist du schon ganz in der Nähe. Natürlich ist dazu noch einiges neu gedacht und technisch auf den Punkt gebracht worden, aber grundsätzlich hat man immer noch die alte Framus-Linie im Blick behalten.

(Bild: Dieter Stork)

Die Idolmaker wurde in Kooperation mit Stevie Salas entwickelt, der sich eine Reverse-Version vom oben genannten Modell wünschte.

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Auf links gezogen

Der stark asymmetrisch angelegte Korpus der Idolmaker besteht aus Swamp Ash. Die erhaben und mit naturbelassenen Rändern abgesetzte Deckenmitte wurde in die Korpusbasis eingesetzt – ein aufwendiges Produktionsdetail. Neben diesen auffälligen Konturen erhielt die Gitarre vorn wie hinten weitere starke Abgleichungen im Bereich der Armauflage und der Schultern vorn. Der kraftvoll gestaltete Hals aus Ahorn ist in Höhe des 19. Bundes in den Body eingeleimt. Im Griffbrett aus hellem Palisander von 12″ Radius finden wir 22 Bünde im Jumboformat, wie immer bei Framus perfekt mit Invisible Fretwork Technology (IFT) und Plek Fretwork bearbeitet. Kleine ovale Einlagen und fluoreszierende Side Dots kennzeichnen die Lagen. Der leicht abgewinkelte Kopf ist mit Graph- Tech Ratio Locking Tunern ausgestattet; die kleine Glocke mit Modellnamen vor dem Sattel aus Black Tusq verbirgt den Zugang zum Halsstab. Am Korpus werden die durch den Korpus gefädelten Saiten über eine Framus Fixed Bridge mit individuell beweglichen Einzelreitern geführt.

Die elektrische Ausstattung der Idolmaker umfasst drei auf ein großflächiges Tortoise-Pickguard geschraubte STK-4 Singlecoil Pickups von Seymour Duncan (Mittel-PU RWRP). Durch den Einsatz einer speziellen Bodenspule werden bei diesen Pickups des Classic Stack Plus Sets die lästigen Brummgeräusche unterdrückt, ohne den klassischen Singlecoil- Sound zu beeinträchtigen. Angewählt werden die Tonabnehmer in konventioneller Manier mit einem 5-Weg-Schalter, verwaltet von einem generellen Volume- Poti und zwei Tone-Reglern: einer für Hals- und Mittel-Pickup, der untere allein für den Steg-Pickup. Ein Blick ins leicht zu öffnende E-Fach zeigt saubere Verarbeitung der Komponenten von MEC. Die rundum perfekt gefertigte Gitarre ist in Solid Creme White High Polish lackiert und wird in einem Starline Rockbag geliefert.

Es perlt klassisch

Das Spielgefühl der Idolmaker ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig. Der weit nach hinten oben herausgeführte Korpus sorgt für eine hohe Armauflage, was die rechte Hand etwas vor dem Steg- Pickup in Stellung bringt. Der Hals mit langer 648-mm-Mensur und tief gesetztem Hals/Korpusübergang springt demgemäß weit vor, was wiederum einige Streckung des linken Arms erfordert, um die ersten Bünde zu erreichen. Die leichte Kopflastigkeit am Gurt ist mit aufgelegtem Arm dagegen gut zu kontrollieren. Ansonsten spielt sich dieser kraftvoll gestaltete Hals mit 44,5 mm Sattelbreite absolut seriös und komfortabel. Das akustische Klangvermögen ist von guter Saitentrennung im Akkord und offener Transparenz geprägt. Die Tonlänge und innere Substanz gehaltener Noten ist gut, nur auf der tiefen E-Saite fällt der Ton aufsteigend etwas eher ab und wechselt schnell vom Grundton in harmonische Obertöne.

Seymour Duncans Classic Stack Plus Set sorgt für nebengeräuscharme Klangpotenz. (Bild: Dieter Stork)

Gehen wir mit der Idolmaker in den Amp, erreichen grundsolide Sounds unser Ohr. Die Duncan STK-4 Singlecoils übersetzen uns einen tendenziell kalifornischen Sound, der in der Framus grundsätzlich fester erscheint, als etwa bei der irgendwie luftiger intonierenden Stratocaster. Der Vergleich drängt sich bei einem 3 Singlecoil- Modell natürlich auf.

Kehlig und mit angenehmer Frische tönt der Tonabnehmer am Hals im Sektor Clean, bei Zerre liefert er einen angenehmen Growl, ein leichtes Knurren, das von klangfarblicher Klasse und schöner Präsenz charakterisiert ist und tatsächlich: auch im Overdrive sind die üblichen Störgeräusche durch Einstreuungen bestens eingegrenzt. Der Mittel-Pickup steht dem Kollegen am Hals kaum nach, auch er kommt mit klassischem Ton und natürlich etwas hellerem Timbre. Das aber kann nicht nur in Kombination mit den Nachbar-Pickups gefallen, sondern macht auch allein geschaltet im Solospiel eine gute Figur. Wechseln wir auf den Steg-Pickup, so punktet der mit ordentlichem Twang, ist aber doch auch weit genug von der Bridge nach innen gerückt, um unnötige Schärfen zu vermeiden.

Der Mittelteil der Decke ist eingesetzt. (Bild: Dieter Stork)

Keine Sorge, er ist auf jeden Fall bissig genug, um sich in jedem Mix durchzusetzen und das gilt natürlich besonders in Overdrive-Positionen. In den Zwischenstellungen überzeugen dann auch die Kombi-Sounds der zusammengeschalteten Pickups mit traditionell geerdetem Kehlklang. Perlend in klaren Einstellungen – leicht knochig hohl in Zerrpositionen. Bestens sind letztlich Dynamik- und Klangabstufungen mit dem leicht laufenden Volume-Regler und über die beiden Tone-Potis ins Werk zu setzen. Die erhabene Deckenmitte der Konstruktion ist in diesem Zusammenhang schon deshalb zweckmäßig angelegt, da sich der Volume- Regler, tiefer als gewohnt platziert, nicht im Schlagweg der rechten Hand befindet, aber noch gut erreichbar ist (könnte für meinen Geschmack gerade deswegen durchaus noch mehr nach vorn rücken).

Resümee

Mit dem Modell Idolmaker bleibt Framus sich trotz des ungewöhnlichen Reverse- Looks prinzipiell treu, denn aus formaler Sicht ist das Design nicht wirklich neu, wohl aber auf links gezogen und modern überarbeitet. Es steht in gewissem Sinne sogar in Reihe mit älteren Framus-Modellen wie etwa der 60er-Jahre Strato Deluxe, nur, dass damals der heutige Verarbeitungsstatus bei Weitem nicht erreicht wurde. Ist die etwas andere Haltung bei der Idolmaker erst einmal in Gewöhnung genommen, belohnt sie dich mit den besten Spieleigenschaften eines kraftvoll ausgebauten Halses mitsamt toll gemachter Jumbo-Bundierung. Die Ausstattung mit drei Singlecoil-Pickups setzt das erwartete klassische Klangbild in Szene; Seymour Duncan sorgt mit seinem Classic- Stack-Plus-Set für verlässliche Qualität in der Klangfarbe, ohne die gefürchteten Störgeräusche. Das Tonverhalten der Idolmaker ist zwar nicht gerade neu, aber dafür erfreulich nebengeräuscharm und grundsätzlich hochklassig. Ausprobieren!

Plus

  • eigenständiges Re- Design
  • offenes Schwingverhalten
  • Seymour-Duncan- Pickups
  • klassische Sounds
  • gute Unterdrückung von Störgeräuschen
  • großer Hals
  • tadellose Verarbeitung

Aus Gitarre & Bass 11/2016

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Tja, nur 3.000 Eur für eine hübsch hässliche Gitarre. Klar, dass da kein Spielraum mehr für
    ein wertiges Electro-Socket ist.

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  2. Eine Anschlussbuchse wie bei einer Tele wäre nicht nur schöner sondern auch wirklich praktischer.
    Das Classic-Stack-Plus-Set von Seymour Duncan wird vom Hersteller selbst unter “Noiseless” geführt und arbeitet nach dem Humbucker-Prinzip. Mit einem Push/Pull-Poti wäre es ein leichtes gewesen, auch noch den reinen Singlecoil-Klang abrufbar zu machen.
    Ob der Preis nun gerechtfertigt ist oder nicht, sollte keiner beurteilen, der die Gitarre nicht auch in der Hand gehabt hat.

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  3. für 3000,- Euronen einfach zu teuer. Für das Geld gibt es viel bessere Gitarren, z.B. eine Suhr oder eine CS Strat, die der Idolmaker weit überlegen sind. Hat nicht einmal einen Tremolo.

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