Selbstbewusster Gegenentwurf zu Trends und schickem Tand

Folk-Esprit: Framus Hootenanny 6-String VSN im Test

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(Bild: Dieter Stork)

In diesen Zeiten kann man eigentlich nur hoffen, dass nicht alles, was in den USA gerade en vogue ist, zu uns herüberkommt. In den 1950er- und 60er-Jahren war das noch ganz anders: Alles aus Amerika fand sofort Eingang in unseren Alltag – von Musik über Technik bis hin zum Lifestyle. Besonders die Musik verlieh den Nachkriegsjahren Schwung und Leichtigkeit. Sie half nicht nur, die düsteren Erinnerungen für einen Moment zu vergessen, sondern trug ab Mitte der 1960er Jahre mithilfe der nun erwachsen gewordenen Nachkriegsgeneration die kraftvolle Aufbruchstimmung aus Kalifornien rund um die Welt.

Der Soundtrack dieser Aufbruchstimmung war durch einfache Songs geprägt, die oft aus dem Folk stammten. Folk selbst war ebenfalls wichtig und groß, er legte die Basis für das, was wir heute als den Singer-Songwriter-Stil kennen – damals allerdings weniger ich-bezogen, sondern mit Liedern über das große Ganze, und nicht selten auch mit politischen Inhalten. Europäische Instrumentenbauer verfolgten das Geschehen natürlich genauso aufmerksam wie die Musik-Konsumenten. Ganz vorne dabei: Framus. Fred Wilfer, der damalige Chef, kombinierte eines Tages geschickt Elemente von Konzert- und Jazzgitarren und entwickelte daraus die „Country Western“- und „Folk-Style“-Serien. Darunter auch das Modell Hootenanny – ein Instrument, das den Geist der Zeit versprühte und in seiner zwölfsaitigen Version zu Legendenstatus kam, als ein gewisser John Lennon darauf Songs wie „Help“ oder „You’ve Got to Hide Your Love Away“ spielte.

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Schön, dass die heutige Firma Framus unter der Leitung von Nicolas Wilfer, dem Enkel von Fred Wilfer, nun die komplette Hootenanny-Reihe wiederbelebt hat. Die Replik der zwölfsaitigen Hootenanny haben wir bereits in Ausgabe 10/2025 dieses Fachmagazins vorgestellt – inklusive historischer Einordnung. Nun steht die sechssaitige Hootenanny auf dem Prüfstand. Während wir beim Test der Zwölfsaitigen bewusst und in Anlehnung an John Lennons Modell die preisgünstigste Ausstattungsvariante gewählt hatten, nehmen wir uns jetzt die Top-of-the-Line-Version vor: die Hootenanny VSN, was für „Vintage Sunburst Nitro“ steht.

HAUTE COUTURE

Wie bei der zwölfsaitigen gibt es auch für die sechssaitige Hootenanny sechs Ausführungen: Vintage Tinted Satin, Vintage Tinted High Polish, Vintage Tinted Nitro – und das gleiche Schema noch einmal in Vintage Sunburst. Hölzer und Konstruktion sind bei allen Varianten identisch: Eine massive Sitka-Fichtendecke sitzt auf einem Korpus aus massivem Sapeli-Mahagoni. Der einteilige Mahagoni-Hals geht am zwölften Bund in den „Round-Shoulder“-Body über. Die Saiten verlaufen von den Kluson-Style-Mechaniken über einen Knochensattel und den Nullbund über das breite Palisander-Griffbrett bis zu einem Aufsatz-Steg, ebenfalls aus Palisander. Die Stegeinlage ist pragmatisch, aber historisch korrekt: ein Stück Bunddraht. Damit sind wir schon bei der unorthodoxen Kombination der Elemente gelandet, die Fred Wilfer damals aus Konzert- und Archtop-Gitarren schuf.

Aus dem Jazzgitarren-Kontext entlehnt: Aufsatzsteg und Trapez-Saitenhalter. (Bild: Dieter Stork)

Der höhenverstellbare Aufsatz-Steg und der metallene Trapez-Saitenhalter stammen aus dem Archtop-Regal, während das breite, flache Griffbrett, das „Round-Shoulder“-Korpusdesign und die handliche Korpusgröße von Konzertgitarren inspiriert sind. Neben dem Trapez-Saitenhalter ist die aus mehreren Holzstücken zusammengesetzte Rosette um das Schallloch ein weiterer Eyecatcher. Ein Pickguard ist nicht montiert, dafür liegen im Koffer zwei Optionen bei: eine schwarze und eine Tortoise-Version. Diese können per doppelseitigem Klebeband aufgeklebt werden. Historisch korrekt wäre Tortoise, Schwarz dürfte jedoch den Geschmack der meisten Spieler von heute treffen – du hast die Wahl.

Klang und Resümee auf Seite 2

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