FGN J-Standard Flattop im Test

Auch die Instrumente der schlichten Basic-Serien von FGN, wie das vorliegende Modell J-Standard Flattop, werden mit einigen typischen FGN-Merkmalen (z. B. CFS Fretting System) produziert, und das ausnahmslos im Werk in Matsumoto/Japan.

FGN J-Standard Flattop
(Bild: Dieter Stork)

Konstruktion der J-Standard Flattop

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Das Modell J-Standard Flattop ist eine richtiggehende Brettgitarre. Ansprechend und praxisgerecht geformt, weist der aus drei Teilen Linde gefügte Korpus lediglich gut gerundete Korpuskanten auf, ist aber ansonsten frei von Konturierungen. Mit langem Halsfuß (Long Neck Tenon) ist der einteilige Hals aus Mahagoni in den Korpus eingeleimt. Dem Halsrücken verschaffte man durch nachträglichen Schliff eine samtige Oberfläche. Im Griffbrett aus Palisander mit 12″-Griffbrettradius sitzen löblich sauber verarbeitete 22 Medium Size-Bünde,die natürlich im Circular Fretting System(CFS) eingesetzt wurden. Ein hauseigenes Feature, das durch leicht gerundet eingesetzte Bünde den immer gleichen Winkel für die Bundauflage jeder einzelnen Saite gewährleistet.

Die kleine, ansprechend gestaltete Kopfplatte ist mit Kluson Style Keystone-Mechaniken ausgestattet und gestattet Zugriff auf den obligatorisch eingelegten Halsstab. Sauber eingerichtet ist der Sattel aus Knochen.Witz hat und Sinn macht die FGN-Double-Access-Saitenaufhängung. Der Spieler hat die Wahl, kann die Saiten entweder von hinten in das Tailpiece einhängen,oder aber durch den Korpus fädeln. Entsprechende alternative Einschlaghülsen zur Saitenkonterung sind auf der Rückseite zu finden. Zwei Seymour-Duncan-SH-18-Humbucker ohne Kappen aus USA-Fertigung geben der J-Standard Flattop elektrische Kraft. Der Hals-Pickup ist in ein dreischichtiges Schlagbrett montiert, der Steg-Pickup direkt auf das Holz geschraubt.

Die auch ‚Whole LottaHumbucker‘ genannten Tonabnehmer arbeiten mit Alnico-V-Magneten und sind Replicas der PAF-Rewounds mit etwas angehobenem Output, die Seymour Ende der 70er-Jahre für Jimmy Page machte. Die Gitarre besitzt die für diesen Instrumententyp klassische 628 mm Mensur, wiegt lediglich 2,6 kg und kann für ihre detailgenaue Verarbeitung nur gelobt werden.

Die J-Standard Flattop im Praxistest

Die unkomplizierte Handhabung der kleinen leichten Gitarre bringt sofort Spaß.Kaum hat man sie in der Hand, spielt sie sich auch fast schon wie von selbst. Daran nicht ganz unschuldig ist neben dem fluffig gerundeten Halsprofil die perfekt gemachte Bundierung mit absolut sauberer Abfasung der Bundenden und vorzüglich weich gerundeten Griffbrettkanten. Der fließend gestaltete Hals/Korpusübergang und das zweckmäßig geschnittene Cutaway gewährender greifenden Hand darüber hinaus auch noch besten Zugriff auf den hohen Tonbereich. Sound!

Das war ja schon nicht schlecht angezuckert da oben in der Headline, aber gegessen wird hier auch nicht einfach nur was auf den Tisch kommt, sondern das was richtig gut schmeckt! Nun ja, über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten, aber wer saftig blutige Rock-Steaks (oder Beatsteaks) lecker findet, der ist hier an der richtigen Adresse. Das Duncan „Whole Lotta Humbucker“-Set geht kraftvoll zur Sache, kann aber durchaus auch clean.

Die SH-18-Pickups gründen auf klassische PAF-Sounds,sind aber etwas heißer gewickelt. Damit lassen sich in allen Schaltstellungen schön volltönende,breit aufgelöste und dabei klar definierte Klänge ins Werk setzen, die es an stimmlicher Transparenz und guter Höhenrundung nicht mangeln lassen. Beherrscht wird das Klangbild natürlich dennoch von einem warmen, kraftvoll schlagenden Mittenherzen,das untenrum von knackigen,nicht zu fetten Bässen eskortiert wird.Hitzig rockwärts geht es dann aber natürlich im Gain-Modus. Da zeigt die Kleine, dass sie überraschend starke Muskeln hat. Schon der Hals-Pickup liefert ein definitives, dunkles Brett auf konturiertem Bassfundament. Natürlich lässt sich auch gut singen in dieser Schaltposition und mit Volume- und Tone-Regler sind unbedingt attraktive Klangabstufungen zu finden.Gehen wir im Overdrive auf den Steg-Humbucker,so finden wir den wohl stärksten Ausdruck, der in der S-Standard Flattop auf seinen Einsatz lauert.

Die Kleine komprimiert über ihn ihre Kräfte, drückt effektiv aus der Mitte heraus und schneidet mit federnder Kraft durch den Band-Mix. Powerchords geben Kante, pumpen anschlagsdefiniert aus den Speakern; einzeln angeschlagene Noten öffnen sich nach perkussiv markiertem Attack mit Substanz und Farbe und zeigen einen gleichmäßigen Schwingungsverlauf. Beeindruckend ist neben der schnellen und bemerkenswert direkten Tonentfaltung bei aller knarzigen Rock-Attitüde die Luftigkeit und Leichtigkeit, mit der diese gradlinig funktionierende Rockgitarre ihre kompakten erdigen Sounds abliefert.

Resümee

Knaller! Mit der schlichten J-Standard Flattop hat FGN einen tollen kleinen Tiger aus dem Zylinder gezaubert. Obwohl keineswegs unbeweglich, also auch im Clean-Bereich durchaus aussagekräftig, setzt das Raubtier erst im Gain-Modus so richtig zum Sprung an. Erstaunlich fast schon, wie knackig dann die Bässe kommen und mit welch harmonischer Rundung die Höhen damit korrespondieren. Das Duncan SH18 Humbucker-Set passt bestens zu dieser ausgesprochen gut zu spielenden Rockgitarre. Klasse Hals, super Handling und fokussierte Schlagkraft zeichnen dieses detailgenau gebaute Instrument aus. Man greift einfach gern nach dieser unkomplizierten und erstaunlich leichten Gitarre.Da gehen die Sympathie Werte natürlich entsprechend steil nach oben – unbedingt ausprobieren!

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