Lauschangriff!

Fender Bassbreaker 45 + BB-212 im Test

 

Bassbreaker
(Bild: Dieter Stork)

Wenn Fender neue Amps/Combos  vorstellte,  zitierten diese in letzter Zeit nicht selten die  eigene  Historie.   Umsomehr Aufmerksamkeit  erregt  nun die Bassbreaker-Serie.  Ungewohnter Look, auch technisch Details, die man von der traditionsbewussten Marke bislang so nicht kannte.

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Nicht weniger als neun Modelle  hat Fender auf die Beine gestellt und gleichzeitig „gelauncht“. Die Traditionsmarke sucht mit diesem Projekt  neue Wege zu beschreiten, setzt aber nicht auf komplexe Technik, sondern Purismus.  Die Verstärkerchassis sind sämtlich schlicht gehalten und bieten als Extra in der Vorstufe bestenfalls einen Signal-Boost. Die Serie zeichnet sich im Weiteren dadurch aus,  das die Modelle vier Leistungsstufen abdecken: 7, 15 und 18/30 Watt aus einer, zwei oder vier EL84, die mit 45 Watt stärksten aus der Truppe testen wir hier.

Fender inszenierte mit den Bassbreakern einen großen Auftritt. Nicht weniger als neun Modelle wurden auf die Beine gestellt und gleichzeitig „gelauncht“. Fender sucht mit diesem Projekt neue Wege zu beschreiben, setzt aber nicht auf komplexe Technik, sondern Purismus.

Konstruktion

Es ist, als ob sich Historie wiederholt. Wir erinnern uns, zu Beginn der 1960er nahm ein gewisser Jim Marshall Fenders legendären Bassman-Combo als Vorlage für den Start seines Amp-Business. Es wurde keine reine Kopie, aber Ähnlichkeiten blieben. Und nun teilt Fender offiziell mit, dass die Bassbreaker 45 auf einem modifizierten ‘59-Bassman-Schaltkreis basieren, in Kombination mit einer EL34-Gegentaktendstufe. Heureka!

Das zwingt einem doch zumindest ein kleines Schmunzeln ins Gesicht. Und was Gitarristen über Generationen bei klassischen Marshall-Amps gemacht haben, die Kanäle mit einem Klinkenkabel koppeln für bessere Tonbalance, ist beim den Bluesbreaker 45 als Feature fest eingebaut. Dazu dient, zwischen den Eingängen Normal und Bright gelegen, die dritte Buchse Both. Ungewöhnlich ist auch, dass Fender bei einem klassischen Amp-Design ein Master-Volume vorsieht. Output heißt der betreffende Regler, wobei es sich augenscheinlich um ein Post-Phase-Inverter-Poti handelt.

Fender Bassbreaker (1)
(Bild: Dieter Stork)

Sinnvolle Sache, denn viel von der Tonsättigung eines satt weit aufgedrehten Röhren-Amps entsteht in der Phasenumkehrstufe. Ansonsten zeigen sich keine Besonderheiten. Ja, die Amps sind sogar so puristisch angelegt, dass nicht einmal ein FX-Weg zur Ausstattung gehört. Richtig, nicht wenige Boutique-Verstärker verzichten ebenfalls darauf, es bleibt im Prinzip trotzdem ein Manko. Oder? Ja und nein, es relativiert sich, wie wir unten noch sehen werden. Ausschlaggebend für die dezent-edle Optik der Bassbreaker-Serie ist der Bezugsstoff, Tweed, grau eingefärbt. Eine Alu-Blende oberhalb der schwarzen Frontbespannung, das Fender-Enblem als 3DGravur: ergibt in der Summe eine wertige Anmutung. Allerdings sind die Ecken ungeschützt.

Unter dem Tweed verbirgt sich ein asiatisches Tropenholz namens Meranti. Es wird auf dem Markt in unterschiedlichen Qualitäten angeboten und bevorzugt in der Möbelfertigung sowie dem Fensterbau verwendet. Für Fender zählt vermutlich neben den substantiellen Eigenschaften im Klang die ökologische Komponente, die Verfügbarkeit und der Preis des Meranti. Die Gehäuse sind sauber verarbeitet. Das Cabinet BB-212 (nur ein Input-Anschluss) hat zwei geringflächige Öffnungen in der angeschraubten Rückwand. Was das Thema Lautsprecher angeht, spielt Fender wieder die britische Karte. Die Wahl fiel auf das Modell V-Type aus Celestions Classic-Serie. Bei dem Amp-Chassis handelt es sich um einen im Einbauzustand rundum geschlossenen Stahlblechkasten.

Innen fällt der Blick auf die typische Machart von Fender/Mexiko. Die Platinen sind in ihrer Erscheinung z. B. den Hot-Rod-Modellen von Fender sehr ähnlich. Qualitativ herausragende Merkmale sind nicht zu erkennen. Interessant ist jedoch, dass einige Halbleiter-Bauelemente an der Signalbearbeitung beteiligt sind. Die Röhren tragen natürlich das Groove-Tubes-Logo − die Marke gehört ja seit einiger Zeit zu Fender. V1, die erste Röhre im Signalweg, ist eine ECC83-S, produziert von JJ-Electronics, alle anderen sind „Made in Russia“, mehr kann man nicht über sie erfahren.

Fender Bassbreaker (3)
(Bild: Dieter Stork)

Praxis

Bassman-Vorstufe, EL34 und ein im Sound klassisch angehauchter Celestion − angesichts der Eckdaten sind die SoundErgebnisse ein Stück weit vorhersagbar. Doch wer meint, hier handele es sich nun um einen erklärten Briten, der im Ton z. B. Marshalls JTM45 zu seiner Verwandtschaft zählt, der irrt. Der Bassbreaker 45 schlägt mit einem rauchig heiseren Grundtimbre durchaus resolute Töne an, klingt aber längst nicht so herb und fordernd. Das liegt in der Hauptsache an seiner relativ nachgiebigen Ansprache, und außerdem daran, dass er seine Sounds nicht mit heftiger Dynamik herausbrüllt. Die Verzerrungen wirken gar feingliedrig und glänzen mit betont harmonischer Zusammensetzung.

Clean spielen fällt flach. Schon bei niedrigen Stellungen der Volume-Regler bildet sich ganz feiner, „haariger“ Overdrive aus und lässt sich sehr feinfühlig, fließend intensivieren. Genau hier, im Zerrverhalten, liegt eine absolute Stärke des Bassbreaker 45. Das Klangbild bläht sich wohlklingend auf, kontrolliert, und angenehm steuerbar durch die Spielweise, ganz im Sinne des Retro-Gedanken, puristisch mit einem weit aufgedrehten Röhren-Amp zu arbeiten. Hierbei hilft höchst effizient der Output-Regler. Dieses Master-Volume funktioniert bestens und erlaubt den Charakter des Bassbreaker 45 in nahezu jeder Lautstärke auszukosten. Die Klangregelung erweist sich als leistungsfähig. Alle Bereiche lassen intensive Veränderungen zu. Zuweilen meint man fast einen AC30 zu hören (viel Treble, geringe Bassanteile wählen).

Es bietet sich an, Fenders Einstellvorschläge durchzuprobieren, weil sie im Querschnitt zeigen, was der Bassbreaker 45 zu leisten vermag. Gefällt einem wenig bis nichts davon, sollte man die Finger vom Amp lassen, er passt dann eben nicht zum persönlichen Geschmack. Auch weil er die Instrumentendetails deutlich aufzeigt, kann der Bassbreaker 45 einige Dinge sehr überzeugend abliefern, wie zum Beispiel ganz fein bis heftiger angezerrte Akkorde, oder Blues-Styles à la Stevie Ray Vaughan, John Mayer usw. mit milderer Attitüde. Wer mehr auf den Ton eines Joe Bonamassa steht, sollte nicht zum Bassbreaker 45 greifen (man könnte sich sogar fragen, ob denn ‘ne fette Paula überhaupt seine Sache ist. Mit meiner klanglich unglaublichen Gibson-Lee-Roy-Parnell-CS-Paula – die ich beim Einspielen der Soundfiles oft einsetze – hat er sich nicht gerade blendend verstanden.)

Der Amp geht dafür nicht hart genug zur Sache und bleibt in den tiefen Frequenzen zu dezent. Nachhaltigen Druck erzeugt der Bassregler nämlich nur bedingt. Wenn man ihn bei mittlerem Overdrive weiter aufdreht, koloriert, verfettet er mehr die Klangfarbe, als dass er das Fundament stärkt. Wie das bei Vintage-orientierten Verstärkern so ist, bleiben die Verzerrungen am Maximum noch im Overdrive-Bereich bzw. kratzen gerade so an der Distortion-Ebene.

Ein Wort noch zu der Box. Wie den Ausführungen oben zu entnehmen, macht sie einen sehr guten Job und passt gewissermaßen perfekt zum Amp. Anders ausgedrückt, der eine kann salopp gesagt fast nicht ohne den anderen. Fast, denn das mit ca. 16,4 Kilogramm angenehm leichte Cabinet bewährt sich auch an anderen Amps (hier vor Ort diesmal als Referenz im Einsatz: Marble DCP-100, Marshall 2204, Selmer Treble&Bass, Matamp GTO100 u. a.). Sie klingt ausgewogen, recht luftig-locker, hat für ein 2×12-Cab gut entwickelte und konturierte Bassanteile, und prägnante, aber nicht aufdringliche Höhen. Die BB-212 ist ein Allrounder, der sehr gepflegt Cleansound abbildet und auch im Distortion-Bereich überzeugt. Schlussendlich bin ich noch die Auflösung meiner Andeutung oben zum FX-Weg schuldig.

Nachdem wir wissen, wie sich der Amp benimmt, wird wohl klar was hier der Punkt ist. Man mag den FX-Weg vermissen, aber in einem Kontext, da die Sound-Formung zu einem guten Teil auf Röhrensättigungen hinter der Vorstufe (im Phaseninverter und den Endröhren) beruht, macht ein Einschleifweg nur sehr bedingt Sinn. Daher: kein Minuspunkt.

Fender Bassbreaker (2)
(Bild: Dieter Stork)

Alternativen

Diejenigen Verstärker, die dem Bassbreaker 45 gleichen, kosten sämtlich deutlich mehr. Für preisbewusste Gitarristen gibt es insofern kaum eine Alternative. Es käme vielleicht gerade noch der Vox AC30 aus der Classic-Serie in Frage. Tatsächlich kostet das komplette 2×12-Stack weniger als in der Regel die (Boutique-) Konkurrenz allein für ein vergleichbares Topteil verlangt, das dann allerdings in der Qualität der Substanz die Nase vorn hat.

Resümee

Boutique ist ein Stichwort. Fender wildert mit dem Bassbreaker 45 im Territorium der „de Luxe“-Produkte. Mit beachtlichem Erfolg. Das berühmte letzte Quäntchen fehlt vielleicht noch hie und da, aber grundsätzlich zeichnet sich der Amp durch eine hohe Klangkultur aus. Zudem bietet der Bassbreaker 45 gemessen am technischen Konzept tonal eine breitbandige Variabilität. Die Kosten-/Nutzenrelation fällt definitiv positiv aus. Die mit nur einem Input schlicht ausgestattete BB-212 steht dem in nichts nach. Charakterstarke Ausgewogenheit im Sound, geringes Gewicht, das Cabinet empfiehlt sich als Allrounder und steht in Anbetracht ihrer „edlen“ Lautsprecherbestückung im Preis-/Leistungsverhältnis sehr gut da.

Plus

  • charakterstarke Sound-Formung
  • klangliche Variabilität
  • harmonische Verzerrungen
  • Dynamik/Ansprache
  • BB-212: ausgewogene, markante Wiedergabe
  • geringe Nebengeräusche
  • Verarbeitung/Qualität der Bauteile

 

Fender Bassbreaker (4)

 


Hinweise zu den Soundfiles.

Für die Aufnahmen kamen zwei Mikrofone mit Großflächenmembran zum Einsatz, ein AM11 mit von Groove-Tubes/Alesis und ein C414 von AKG, beide nahe vor einem der Lautsprecher der BB-212 platziert.

Die Clips wurden pur, ohne Kompressor o. jegliche EQ-Bearbeitung über das Audio-Interface Pro-24DSP von Focusrite in Logic Pro eingespielt. Das Plug-In „Platinum-Reverb“ steuert Raumsimulationen bei.

Die Instrumente sind eine Fender-CS-Relic-Strat-1956 und eine PRS-Mira/Korina (Clip #6, zwei Humbucker).

 

Bedeutung der Buchstabenkürzel:

OD: Overdrive, geringe Anzerrungen.

Dist: Verzerrungen nahe am Gain-Maximum.

 

Clip 1 bis 4: Der Bassbreaker 45 hat nur einen Kanal. Dank des Output-Reglers ist man aber trotzdem in Hinblick auf unterschiedliche Verzerrungsintensitäten variabel.  Richtig clean ist nur bei geringen Lautstärken möglich. Artgerecht in der Band benutzt ist die unterste Sound-Ebene des Amps der Overdrive-Bereich. Die vier Clips demonstrieren unterschiedliche Aussteuerungen/Einstellungen.

 

 

Die Clips #5 und #6   sind bei ca. 75% der  Vollaussteuerung des Bassbreaker 45 entstanden, brüllend laut, aber wie man hört sind die Verzerrungen nicht intensiv. Viel mehr ist nicht drin, man braucht wohl zwangsläufig ein Zerr-Pedal. (Auch um dem Lärm aus dem Weg zu gehen 😉

 

Clip #7 enthält eine längere Strecke von unterschiedlichen Akkord-Passagen, um einen Querschnitt der Wiedergabe-eigenschaften  darzustellen. Und die Erkenntnis ist: Nein, der Bassbreaker 45  klingt beileibe nicht immer freundlich. Ein bisschen was von einem britischen Raufbold ist er schon…

 

Clip #8 präsentiert mein „Referenz-Riff“ (RefRiff), das ich mit jedem Test-Amp/-Distortion-Pedal einspiele, damit man den Charakter der von uns getesteten Produkte quasi auf einer neutralen Ebene vergleichen kann.

Ich wünsche viel Vergnügen, und…,  wenn möglich, bitte laut anhören, über Boxen, nicht Kopfhörer! ;-).

Fragen, Anregungen  und  ja, auch Kritik sind wie stets willkommen. Nachrichten bitte an frag.ebo@gitarrebass.de.  Es klappt nicht immer,  aber ich werde mich bemühen möglichst kurzfristig zu antworten.


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