Flexibel & intuitiv

(Fast) Alleskönner: Darkglass Exponent 500

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(Bild: Dieter Stork)

Verstärker mit integrierten Effekten und Amp-Modeling sind nicht neu. Mit dem Exponent 500, kurz e500, will Darkglass jedoch einen kompromisslosen Hybrid-Bassverstärker unter die Leute bringen, der mit einigen cleveren Funktionen aufwarten kann.

Mit Darkglass verhält es sich ein bisschen wie mit Apple. Neue Produkte werden gern als die Innovation schlechthin vorgestellt, wobei die Konzepte an sich nichts Neues sind. Jedoch sind Produktqualität und Umsetzung der Konzepte meist über jeden Zweifel erhaben. So soll es auch beim Exponent 500 sein, der ein vollständiges Setup ersetzen können soll. Dazu bietet er neben Amp-Modeling vor allem auch diverse Effekte, eine Cabsim und ein USB-Interface. Die Einstellarbeit erfolgt dabei fast ausschließlich über eine mobile App.

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GEWOHNTE QUALITÄT

Sollten sich jetzt (unangenehme) Erinnerungen an TonePrint-fähige Geräte aufdrängen: sorry dafür! Aber an dieser Stelle kann ich schon einmal Entwarnung geben, denn die Verbindung zwischen Amp und Handy wird über Bluetooth hergestellt, funktioniert komfortabel und einwandfrei. Bevor es jetzt aber ans Eingemachte geht, folgt ein kurzer Überblick über die Hardware sowie deren Anschlussmöglichkeiten.

Wer mit den Verstärkern aus Finnland bereits vertraut ist, wird das Design wiedererkennen. Unterschiede zu den bisherigen Microtubes- bzw. Alpha/Omega-Amps zeigen sich vor allem an den Bedienelementen. So kommt die Frontplatte dieses Mal sehr minimalistisch daher.

(Bild: Dieter Stork)

Aufgrund ihrer Funktionsweise sind die Regler lediglich mit den ersten fünf Buchstaben des Alphabets beschriftet. Mit Ausnahme des Input- sowie Master-Reglers sind nämlich alle fünf Potis an der Frontplatte individuell auf Parameter der Signalkette zuweisbar und haben auf den analogen Signalweg keine Auswirkung. Dieser beschränkt sich auf die Vorverstärkung in der Eingangsstufe. Wird der Amp also per Preset-Taster in den Bypass versetzt, lässt sich bis auf die Lautstärke nichts mehr ändern und man spielt ohne jegliche Färbung in die nackte Endstufe. Bei dieser handelt es sich nicht um den im AO500 und MT500v2 eingesetzten hauseigenen Custom-Amp, sondern um eine 125ASX2 aus dem Hause ICEpower, wie sie in den meisten Class-D-Verstärkern zu finden ist. So z.B. im Darkglass MT500v1. Grund hierfür ist laut Hersteller die weltweite Halbleiterknappheit.

(Bild: Dieter Stork)

Rückseitig finden wir den Anschluss für Kopfhörer, die Send- und Return-Buchsen des FX-Loops, einen XLR-Ausgang mit GND-Lift, einen Lautsprecheranschluss sowie MIDI- und USB-Verbindungen. Auch der An/Aus-Schalter ist hier angebracht. Wie für ein Gerät dieser Klasse üblich, ist der e500 sehr kompakt und, dank seines Alu-Gehäuses, mit etwas über 1,5kg sehr leicht. Dem Transport im Gigbag oder Rucksack steht also nichts im Wege. Wie für Darkglass-Produkte üblich, ist die Verarbeitung einwandfrei und ein sicherer Stand über selbstklebende Gummifüße gesichert. Zwar bevorzuge ich bei einem Verstärker angeschraubte Standfüße, aber diese Exemplare hier sind zumindest recht robust und haften sehr gut. Ohne wirklich grobe Gewalteinwirkungen lassen sie sich nicht entfernen.

FLEXIBEL & INTUITIV

Soweit also zur Hardware. Was macht die Software des Verstärkers nun so besonders? Über die Bluetooth-Verbindung lassen sich Musik vom Handy an den Kopfhörerausgang zuspielen sowie die App namens Darkglass Suite zwecks Einstellarbeiten und Firmware-Updates verbinden. Von Letzteren gab es im Testzeitraum gleich zwei, wovon eins lediglich ein paar kleinere Ausbesserungen mit sich brachte, das andere jedoch auch neue Effekte zur Verfügung gestellt hat. Bisher ist die Auswahl an Effekten nicht überwältigend, deckt aber die wichtigsten Bausteine ab. So stehen neben den selbstverständlich vorhandenen, hauseigenen Zerren noch weitere Verzerrer, mehrere EQs, Dynamikeffekte, Modulationen, Filter sowie Delay und Reverb zur Verfügung. Auch Verstärkersimulationen und IR-Loader gehören mit zur Auswahl.

Das Repertoire soll in Zukunft durch weitere Updates noch vergrößert werden. In der App können diese Effekte nun sehr intuitiv in beliebiger Reihenfolge durch einfaches Verschieben angeordnet werden. Parallele Signalwege sind dabei nicht möglich, wobei zumindest die Zerren auch alle mit einem Clean-Blend ausgestattet sind. Tippt man einen Effektblock an, gelangt man zur Detailansicht. Dazu gehören zum einen die Information über die Auslastung des Prozessors und zum anderen die zugehörigen Parameter, die sich nach Belieben auf die Potis an der Front des Amps zuweisen lassen.

Nun leuchtet die LED-Skala am jeweiligen Poti in der Farbe des Effektes, was die Orientierung etwas einfacher macht. Diese LED-Skalen fungieren gleichzeitig als Anzeigen für das Stimmgerät sowie Clipping-Indikatoren an allen Ein- und Ausgängen. Bei fünf möglichen Presets mit jeweils eigenen Signalketten sollte man sich aufgrund fehlenden Klartexts jedoch lieber ein System aneignen, mit dem die Regler belegt werden. Anderenfalls stolpert man ab und zu über Regler, an deren Funktion man sich nicht mehr erinnern kann.

Zum Löschen oder Bypassen einzelner Effekte wischt man diese in der App einfach nach links oder rechts weg. In der Praxis funktioniert das alles zuverlässig und zügig, sodass man nicht ewig Zeit in irgendwelchen Menüs verbringen muss. Aktuell muss man das Handy jedoch immer wieder neu verbinden, wenn man die App für einige Zeit nicht genutzt hat. Das geht zwar innerhalb einiger Sekunden vonstatten, eine dauerhafte Verbindung wäre im Alltag allerdings etwas komfortabler.

Wirklich gut gefällt mir hingegen die Lösung für ein Problem, mit dem andere digitale Plattformen seit Ewigkeiten zu kämpfen haben: Eine flexible Positionierung der Ausgänge. Genau wie Effektblöcke auch, lassen sich die einzelnen Anschlüsse frei im Signalweg platzieren und deaktivieren. So kann der Speaker-Ausgang vor der Cab-Sim platziert werden, Kopfhörerausgang und XLR-Out jedoch dahinter. Auch der FX-Loop kann frei platziert werden, was beispielsweise das Einbinden von externen Hallprozessoren hinter der Cab-Sim ermöglicht.

PRAXIS

Möchte man nun zwischen den gespeicherten Patches wechseln, geschieht dies entweder über einen Druck auf den entsprechenden Taster an der Front oder aber über einen externen Midi-Controller. Zum Abrufen der Presets reicht ein Controller aus, der PC-Befehle senden kann. Um die Werte der Potis per Fußschalter oder Expression-Pedal ändern zu können, bedarf es eines Gerätes, das auch CC senden kann. Für eine optimale Einbindung in ein Live-Setup können die Zuweisungen der Midi-Befehle in der App individualisiert werden. Midi über USB steht ebenfalls zur Verfügung.

Bevor ich mich nun der Spielpraxis widme, noch ein paar Worte zur USB-Funktionalität. Wie auch das Element oder die ADAM/ Photon kann der e500 als Audio-Interface genutzt werden. Dabei können am Rechner nicht nur das unbearbeitete wie auch fertige Signal parallel aufgenommen werden, sondern auch der Stereokanal der Bluetooth-Schnittstelle. Es können also eventuell eingespielte Backing-Tracks direkt mit aufgenommen werden. Audioqualität und Latenzen sind dabei mehr als gut genug für den Einsatz im Heimstudio. In der Praxis funktioniert alles genau so, wie es soll. Das schließt auch das mit ein, was am Ende aus dem Lautsprecher herauskommt. Dass digitales Equipment nichts Schlechtes mehr sein muss, haben viele Hersteller in den letzten Jahren eindrucksvoll beweisen können. Auch ADAM und Photon aus dem Hause Darkglass bearbeiten das Signal rein digital und das sehr gut.

Kein Wunder also, dass insbesondere der von den Finnen oft eingesetzte FET-Kompressor und selbstverständlich auch die Zerren authentisch und dynamisch rüberkommen. Vom brutalen Alpha/Omicron über den drahtigen B3K bis zur bissigen Interpretation einer ProCo Rat kommt nie das Gefühl auf, irgendein kompromissbehaftetes Multieffektgerät zu spielen. Dank der großen Bandbreite der Gain-Regelung wird zwischen glasklar und maßloser Übertreibung alles hochwertig abgedeckt. Bei den anderen Effekten ist der Eindruck etwas gemischter. Während an Modulation und EQ nichts auszusetzen ist, wirken die Reverbs etwas platt und der Pitch-Shifter wird zumindest nach derzeitigem Stand für niemanden Grund zum Kauf des Gerätes sein.

Grundsätzlich bietet der Amp also alles, was für den Einsatz in einer Band von Interesse ist. Stilistisch kann von Fahrstuhljazz bis Grindcore so gut wie alles authentisch abgedeckt werden, nur sollte man seine Boxen dem Anlass entsprechend wählen. Da die Endstufe an 8 Ohm nur etwa 250 Watt liefert, macht sich hier gerade bei tieferen Tunings öfter mal die Clipping-Anzeige in Form von rot blinkenden LED an der Front bemerkbar. Wer sich in einer lauten Band Gehör verschaffen will, ohne den Amp an die Grenze zu bringen, sollte also entweder entsprechend Membranfläche mitbringen oder auf 4 Ohm Last kommen. Den 2-Ohm-Betrieb unterstützt der Amp leider nicht. Hier wäre es schön gewesen, wenn Darkglass dem Exponent entweder ihren 2-Ohm-fähigen Custom-Amp oder gleich die 700W ICEpower spendiert hätte.

Für den Live-Betrieb dürfte die Leistung aber allemal ausreichend sein, wo der Amp nur mehr oder weniger für ein bisschen Bühnensound sorgt und der Saal von der PA beschallt wird. Im stillen Kämmerlein sorgt der Kopfhörerausgang für die nötige Beschallung. Zwar lässt sich die Endstufe auch sehr auf Zimmerlautstärke betreiben, allerdings schaltet der Lüfter trotz Temperatursteuerung auch nach längerer Standzeit nicht ganz aus. Ein Surren ist so immer wahrnehmbar, was als störend empfunden werden kann.

(Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

Mit überzeugenden Grund-Sounds und gut umgesetzten Funktionen sammelt der e500 viele Pluspunkte. Ich sehe ihn als hochwertigen Ersatz für Pedalboards mit drei bis vier Geräten oder Kompaktgeräte wie das HX Stomp. Wer schnell zum Ziel kommen will und dabei nicht auf exorbitante Lautstärken oder komplexe Effektketten angewiesen ist, dürfte mit dem Amp gut bedient sein. Ist er einmal eingestellt, lässt er sich mehr oder weniger wie ein ganz gewöhnlicher Bassamp bedienen. Anders als bei normalen Multieffekten hat man hier auch die Endstufe direkt mit an Bord und so bietet der e500 alles, was man im Bandalltag irgendwie brauchen kann in einem handlichen Format.

PLUS

  • Konzept
  • Sound
  • Verarbeitung
  • Ausstattung

MINUS

  • Lüfter schaltet auch im leisen Betrieb nicht aus
  • freie Belegbarkeit der Potis erfordert Mitdenken


(erschienen in Gitarre & Bass 06/2022)

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